Der Niedergang deutscher Uni-Kliniken

Krankenhaus / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/chirurgie-betrieb-krankenhaus-79584/ Krankenhaus / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/chirurgie-betrieb-krankenhaus-79584/
 

Deutsche Uni-Kliniken genossen einst Weltruf. Heute beschleunigen ein massiver Investitionsstau und ein katastrophales Vergütungssystem ihren Niedergang, schreibt Gotthilf Steuerzahler.

Den meisten der 36 Universitätskliniken in Deutschland geht es finanziell nicht gut. Viele Uni-Kliniken erwirtschaften Jahr für Jahr Defizite in Millionenhöhe, die dann von ihren Trägern, den Bundesländern, aus dem Steuersäckel ausgeglichen werden müssen.

Die schwierige finanzielle Situation der Hochschulkliniken geht u. a. auf die Einführung eines neuen Vergütungssystems für die deutschen Krankenhäuser vor einigen Jahren zurück. Das Vergütungssystem basiert auf Fallpauschalen, die für alle Krankenhäuser gleich sind. Die Sonderstellung der Universitätsklinken, welche die schwersten und komplexesten Krankheitsfälle behandeln müssen, wird in diesem System nicht berücksichtigt. Die sich bei diesen Erkrankungen ergebenden, zum Teil extrem hohen Kosten werden nicht ausreichend durch die Fallpauschalen abgedeckt. Hinzu kommt ein massiver Investitionsstau, insbesondere bei den Klinikbauten. Diese werden vielfach heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht und erschweren effiziente Abläufe bei den Behandlungen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Die Verantwortlichen in den Uni-Kliniken und in den zuständigen Wissenschaftsministerien der Länder bemühen sich nach Kräften, die finanzielle Situation der Häuser zu verbessern. Dabei setzen sie zunehmend betriebswirtschaftliche Informations- und Steuerungswerkzeuge ein. Hier gibt es immer noch Verbesserungspotentiale, wie ein aktueller Bericht aus einem norddeutschen Bundesland belegt.

Das Bundesland ist Träger von zwei Uni-Kliniken. Da liegt es nahe, die beiden Kliniken und deren Leistungen miteinander zu vergleichen. Beide Hochschulkliniken verfügen über differenzierte Berichtssysteme, durch die sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Kennzahlen ermitteln. Kennzahlen liefern verdichtete Informationen über die relevanten Prozesse in einer Einrichtung. Sie stellen Führungs- und Lenkungswerkzeuge dar und beeinflussen die Entscheidungen der Leitung.

Vergleiche anhand einer einzelnen Kennzahl haben nur begrenzte Aussagekraft. Gibt es jedoch bei mehreren Kennzahlen signifikante Abweichungen zum Durchschnitt, deutet dies auf einen bestehenden Handlungsbedarf hin. Neben allgemeinen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wird im Krankenhausbereich durch eine Vielzahl spezifischer Kennzahlen das medizinische Leistungsgeschehen abgebildet.

Bisher kein Vergleich der Kennzahlen

Sowohl die Berichtssysteme der beiden Uni-Kliniken als auch die ermittelten Kennzahlen weichen voneinander ab. Zudem messen beide Einrichtungen vergleichbaren Kennzahlen nicht die gleiche Bedeutung zu. Eine Abstimmung oder ein Austausch zwischen den beiden Hochschulkliniken zu den von ihnen ermittelten Kennzahlen und zum jeweiligen Berichtswesen fand bisher nicht statt. Eine Vergleichbarkeit zwischen den beiden Universitätsklinika war deshalb nicht gewährleistet. Auch führen die Universitätskliniken, die im Bereich der Krankenversorgung mit den übrigen Krankenhäusern im Wettbewerb stehen, externe Kennzahlenvergleiche bisher nur in geringem Umfang durch.

Das Wissenschaftsministerium des norddeutschen Bundeslandes als Aufsichtsbehörde bezog Kennzahlen bei der Beurteilung der finanziellen und wirtschaftlichen Situation der beiden Hochschulkliniken früher nur unzureichend ein. Neuerdings fordert es mehr Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung und das Leistungsgeschehen in den beiden Einrichtungen. Das Ministerium hat das Thema Kennzahlen mit den Universitätskliniken umfassend erörtert und strebt eine Implementierung und Weiterentwicklung eines einheitlichen Kennzahlensystems an. Die Gespräche sollen im Rahmen einer Arbeitsgruppe zusammen mit einem großen kommunalen Klinikum intensiviert werden. Dabei sollen abgestimmte Vergleichsparameter erarbeitet und das aktuelle Benchmarking verbessert werden.

Zeitnah Optimierungspotenziale darlegen

Das Wissenschaftsministerium berichtete zudem, dass es im Rahmen seiner Aufsicht bei einer verschlechterten Ergebnissituation der Universitätskliniken und negativen Kennzahlenentwicklungen konkret reagiere. So habe es im Gespräch mit dem Vorstand einer Universitätsklinik gefordert, zeitnah Optimierungspotenziale darzulegen. Mit der anderen Klinik führe es intensive Gespräche, weil trotz einer Erhöhung der Zahl der Beschäftigten die Leistungsentwicklung stagniere und dadurch ein Ergebniseinbruch drohe. Wollen wir hoffen, dass sich durch den geschilderten Einsatz von betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten die finanzielle Situation der Universitätskliniken stabilisiert und diese ihre wichtigen Aufgaben auch in Zukunft erfüllen können.

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heinsshubi stendahlBarbaraFriedolinvier Letzte Kommentatoren
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dragaoNordestino
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Verkrustete Strukturen, kaum Innovation, in der Forschung abgehängt, Geld- und Personalnot und unzureichende Digitalisierung….. zumindest ist es das, was man sonst noch zum Thema zu lesen kriegt…

Was soll man da auch anderes erwarten. Wie in anderen Bereichen auch, scheint die BRD eine Zeit von Wohlstandverwahrlosung durch zu machen, die weltweit für Erstaunen sorgt.

Am besten zeigt dies wohl folgendes Bild:
comment image

https://www.nachdenkseiten.de/?p=53903

Friedolin
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Friedolin

Gobal Players: schönes Bild! Sagt alles. Dazu passend nachfolgend ein kurzer, übersetzter Ausschnitt einer jüngst gehaltenden Rede: Wir sind alle von einem Ort gekommen, wir sind am selben Ort gelandet. Der Wind der Welt hat uns getroffen und wir wurden zerstreut. Wo immer ich hinschaue, sind die Leute gespalten, aber dazu möchte ich zwei oder drei Dinge sagen. Wenn wir uns die heutige Weltbevölkerung ansehen: 7,7 Milliarden Menschen. Und diejenigen, die Ärger verursachen, Staatslenker, die sie sind, entsprechen nicht einmal 10 Millionen, die Hauptpersonen, die es gibt. Sie machen also einen Prozentsatz aus, der 0,13% beträgt. 0,13% ist der Prozentsatz… Read more »

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

“…scheint die BRD eine Zeit von Wohlstandverwahrlosung durch zu machen…” Das ist der falsche Ansatz. In die Welt gesetzt von linken Spinnern die ausblenden, dass der Wohlstandszuwachs in allen europäischen Staaten systembedingt an den unteren Klassen vorbeiging, sich im Gegenteil exorbitant verschlechterte. Eine stetig steigende Zahl von Bürgern muss mehr denn je in den mitteleuropäischen Staaten um ihre Existenz bangen. Was hat das mit Wohlstand zu tun? Es geht um DEKADENZ, die tatsächlich alle Klassen (VON AUßEN GESTEUERT) erfasst hat und zum Verlust des Kompass, des Lebenssinns geführt hat. Ich zitiere ausnahmsweise einmal wikipedia: “Dekadenz ist ein ursprünglich geschichtsphilosophischer Begriff,… Read more »

heinss
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Wie recht Sie haben.

Der Artikel atmet den ganzen Unverstand aus, der die Institution zerrüttet: ein Zerfall der Werte. Nicht daß daraus keine Probleme resultierten, im Gegenteil. Aber als ob man die mit “Kennzahlen” a la Optimierung einer Produktionsindustrie in den Griff bekäme.

vier
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vier

Wenig Interesse? Na ja, wer diskutiert schon gern über Schädlinge im Kräuter- und Heilpflanzenbeet, wenn das Haus lichterloh brennt und die Menschen Todesangst haben… Fragen sie doch mal warum der Grünen-Chef “Habeck offen für eine Beteiligung an europäischer Golf-Mission” ist, (siehe auch: https://www.welt.de/politik/deutschland/article197897825/Europaeische-Golf-Mission-Robert-Habeck-kann-sich-deutsche-Beteiligung-vorstellen.html ) – während seine Partei jahrzehntelang die Abrüstung der Bundeswehr betrieb, und inzwischen iranische Raketen jedes Dorf in Deutschland platt machen könnten- wir schutzlos sind und die PARTEIBONZEN DES ELITEN-PARTEIEN-BLOCKES überall neue militärische Auslandseinsätze schaffen..und das noch frech als weltpolitische Politikfähigkeit rausrotzen dürfen, ohne das ein Shitsturm dies als Kriegstreiberei entlarvt und auf den Misthaufen der Geschichte… Read more »

Barbara
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Barbara

Arzt wegen Titelmissbrauchs verurteilt (Iraner)
https://www.n-tv.de/panorama/Arzt-wegen-Titelmissbrauchs-verurteilt-article21184714.html

Charité entzieht einigen Medizinern ihren Doktortitel
https://www.tag24.de/nachrichten/nach-anfrage-der-afd-charit-entzieht-einigen-medizinern-ihren-doktortitel-wegen-plagiat-berlin-1156395#article