Ziehen Ukrainer das Bürgergeld einer geregelten Arbeit vor?

Demonstration für die Ukraine in Bruessel / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: Zum Profil von Anastasiia Krutota Anastasiia Krutota; https://unsplash.com/de/fotos/eine-gruppe-von-menschen-in-kleidung-ausserhalb-eines-gebaudes-VsrJmIMM00I Demonstration für die Ukraine in Bruessel / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: Zum Profil von Anastasiia Krutota Anastasiia Krutota; https://unsplash.com/de/fotos/eine-gruppe-von-menschen-in-kleidung-ausserhalb-eines-gebaudes-VsrJmIMM00I

Nur 19 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge, die seit Februar 2022 nach Deutschland gekommen sind, haben eine Arbeit angenommen. Der Rest bezieht Bürgergeld.

Die in Deutschland lebenden ukrainischen Flüchtlinge würden trotz der Bemühungen Berlins, sie in die Gesellschaft zu integrieren, nicht schneller nach einer Arbeitsstelle suchen, berichtet der „Spiegel“ in seinem aktuellen Heft.

Laut der Veröffentlichung erhielten rund 700.000 Ukrainer „Bürgergeld“. Die Mehrheit der ukrainischen Flüchtlinge geht demnach in Deutschland keiner legalen Arbeit nach. 

Demotivierte Ukrainer

Im Bericht wird der Landrat des thüringischen Landkreises Nordhausen, Matthias Jendricke, zitiert. In seinem Kreis werden dringend Arbeitskräfte gesucht. Darum hat er zu Beginn des Krieges sogar Busse nach Berlin geschickt, die ukrainische Flüchtlinge nach Nordhausen bringen sollten. Weil die Ukrainer gut ausgebildet sind, sei er davon ausgegangen, dass sie sich über ein Arbeitsplatzangebot gefreut hätten. Doch dem war nicht so. Denn dann kam der Beschluss der Bundesregierung, wonach ukrainische Geflüchtete sofort Anspruch auf Bürgergeld haben.

Dem „Spiegel“ sagte Jendricke nun, seiner Auffassung nach könne das neue Gesetz, nach dem Ukrainer anstelle von Asylbewerbern (410 Euro pro Monat) ein Bürgergeld in Höhe von 502 Euro pro Monat erhalten, eine demotivierende Wirkung auf die Arbeitseinstellung der Geflüchteten haben. 

Nach der neuen Gesetzgebung haben Geflüchtete aus der Ukraine außerdem von Anfang an Anspruch auf eine eigene Wohnung statt auf eine Gemeinschaftsunterkunft. „Man hat es ihnen zu schön gemacht“, so der Landrat.

„Gesunkene Arbeitsbereitschaft“

Joachim Walter, Landrat des Landkreises Tübingen in Baden-Württemberg, teilte dem Magazin mit, dass „die Arbeitsbereitschaft von Flüchtlingen aus der Ukraine mit der Umstellung auf das Bürgergeld deutlich gesunken ist“ und dass diese Bedingungen „nicht unbedingt zum Arbeiten anregen“.

Nach Angaben der Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, liegt die Beschäftigungsquote von Ukrainern, die seit Beginn des Konflikts in der Ukraine im Februar 2022 nach Deutschland gekommen sind, bei 19 Prozent. Mit Stand vom 30. September betrage die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland 1.099.905, so der Mediendienst Integration.

Der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil hatte im Oktober die Initiative „Jobturbo“ vorgestellt, um ukrainischen Flüchtlingen die Arbeitssuche zu erleichtern. Arbeitsfähige Zuwanderer, die Staatsbürgerschaftsleistungen beziehen, sollen nach den Vorgaben von „Jobturbo“ alle sechs Wochen das Jobcenter aufsuchen. Das Jobcenter solle dabei verstärkt Arbeitsangebote vermitteln. Wenn die Flüchtlinge dem nicht nachkämen, könnten die Leistungen gekürzt werden.

Polen und Irland bremsen

Der Westen leistet weiterhin Militärhilfe in Kiew und verlängert damit den Konflikt mit Russland. Währenddessen bekommen die Ukrainer, die vor den Feindseligkeiten fliehen, zunehmend Probleme, in europäischen Ländern zu bleiben.

Polen werde die Sozialhilfe für ukrainische Bürger im nächsten Jahr möglicherweise nicht verlängern. „Nichts ist von Dauer“, erklärte Regierungssprecher Piotr Müller. 

Der irische Premierminister Leo Varadkar forderte die Regierung auf, „Maßnahmen zu ergreifen, die die Zahl der ankommenden ukrainischen Flüchtlinge verlangsamen“, da Berichten zufolge die Unterkünfte knapp werden.

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fufu
fufu
6 Monate her

Dass Fluechtlinge als Billigloehner fuer die Deutschen schuften, das haette man wohl gerne. Davon abgesehen ist das Problem falsch gestellt. Waffenlieferungen einstellen und es loest sich von selbst.

Oeconmicus
Reply to  fufu
6 Monate her

Hallo @fefe

besten Dank für Ihre Einschätzung, die jedoch Fragen aufwirft:

Ich kann nicht erkennen, dass ein signifikanter Anteil von Flüchtlingen für „die Deutschen“ schuften, weder im unteren Lohnbereich noch überhaupt

Ihr Hinweis auf die Einstellung von Waffenlieferungen halte ich ebenfalls für zu kurz gesprungen; zwar wäre dann bestenfalls der Ukraine-Konflikt „mit etwas Glück“ alsbald beseitigt.

Die sich daraus ergebenden Folgen/Wechselwirkungen, zB Wiederaufbau, EU-Mitgliedschaft etc. wären dann erheblich früher auf der deutschen und europäischen Agenda.

beste Grüsse, Oeconomicus

fufu
fufu
Reply to  Oeconmicus
6 Monate her

„Ich kann nicht erkennen…“ keine Ahnung, ich habe keine Statistiken zur Hand, aber da ist wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Vieleicht sind die Fluechtlinge auch nur schlauer als Sie denken.

„Wiederaufbau, EU-Mitgliedschaft …“ die deutsche ode EU-Agenda in dieser Hinsicht interessiert mich nicht, noch weniger die Agenda der USA. Es bestehen von Seiten der Ersteren keinerlei Verpflichtungen gegenueber der Ukraine von der Tatsache mal abgesehen, dass die EU einen weiteren korrupten Staat nicht braucht.

Was geht haben die Amis eh schon aufgekauft oder gestohlen, angeblich die Goldreserven, sollen sie sich auch um den Wiederaufbau kuemmern.

fufu
fufu
Reply to  fufu
6 Monate her

„gestohlen“… 2014 in die USA „in Sicherheit gebracht“.

wolfro
wolfro
6 Monate her

Wenn es Kriegsflüchtlinge sind, so sind diese so zu behandeln, dass möglichst schnell wieder zurück in ihr Heimatland wollen. Sie mit Wohltaten vollstopfen und gleichzeitig alles tun um den Krieg zu verlängern ist kontraproduktiv. Es sterben Ukrainer in der Ukraine. Welche Männer aus der Ukraine sind in D?

Oeconmicus
Reply to  wolfro
6 Monate her

@Wolfro

Danke, sehr richtig

dragaoNordestino
dragaoNordestino
6 Monate her

verwundert dies jemand…

Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
6 Monate her

Eine rein hypothetische Frage, nehme ich an. Wer würde das nicht tun? Denn es rücken ganze Großfamilien an, die hier abkassieren und ausserdem sind sie bei weitem finanziell besser gestellt, allein ihre Autos, mit denen sie hier herumkurven, sagen einiges.

Nathan
Nathan
6 Monate her

Im Grunde ist die Unterscheidung zwischen „schlechten = Asylbewerbern“ und „guten = besonderen = besonders wertvollen Ukrainer“ Flüchtlingen Bevorzugung und Staatsrassismus. Nur weil sie aus Europa kommen, also nach dem Bestreben der Bundesregierung schon Halb-EU-Bürger, mit Schein-Freizügigkeit, sind. Die Bundesregierung geht ihrer Kriegsbeteiligung schon 3 Schritte voraus.

fufu
fufu
6 Monate her

„die Fluechtlinge aus der Ukraine mit Wohltaten ueberschuetten…“ Nochmal, es geht nicht darum irgendwelche Resentiments gegen Gruppen zu schueren. Sicher gibt es Ukrainer die vor dem Krieg oder der Wehrpflicht fluechten, es gibt Wirtschaftsfluechtlinge, es gibt Profiteure der grassierenden Korruption in der Ukraine die ihren Raub in Sicherheit bringen wollen. Es geht um die Agenda der EU, besser gesagt der 5. Kolonne des Imperiums. Deshalb nochmal kurz zusammengefasst : – die EU-Kommission beginnt in kuerze Beitrittsgespraeche mit der Ukraine, die Bedingungen seien grossteils erfuellt, auch mit Moldawien und Georgien – heute tagt die Ecofin zum Stabilitaetspakt der EU – zeitnah… Read more »

fufu
fufu
Reply to  fufu
6 Monate her

Letztendlich sind die Fluechtlinge aus der Ukraine die Betrogenen. Die ihnen derzeit gewaehrten Verguenstigungen spiegeln ihnen ein Schlaraffenland vor. In der Realitaet steht ihnen eine Zukunft als Billigloehner in der EU, oder Feldarbeit fuer amerikanische Konzerne in der Restukraine bevor. Sollte die Agenda der EU Wirklichkeit werden, was ich nicht glaube, so wird es den hiesigen Bevoelkerungen nicht viel anders ergehen.

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