Verrat im Fürstentum Monaco

BOULEVARD ROYAL

Sportwagen Monaco / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: gregroose; https://pixabay.com/de/photos/auto-zurück-luxus-luxus-auto-4115156/ Sportwagen Monaco / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: gregroose; https://pixabay.com/de/photos/auto-zurück-luxus-luxus-auto-4115156/

Machthungrige Berater und geldgierige Freunde erschütterten 2023 Monaco. Wie tief reichen die Verstrickungen, und welche Rolle spielt die Regierung in Paris?

Das Vertrauen ist nicht mehr da. Ich will im Fürstentum reinen Tisch machen“, zürnte Albert II. in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro. Hintergrund des fürstlichen Bebens sind Verwerfungen mit seinen vier engsten Beratern, unter denen der bisherig Kabinettschef Laurent Anselmi und der langjährige Chef der Vermögensverwaltung Claude Palmero eine Hauptrolle spielen. Beide hat der Fürst entmachtet, nachdem es eine Hausdurchsuchung bei seinem obersten Vermögensverwalter gab.

Teuerster Felsen der Welt

Korruption und illegale Absprachen stehen als Vorwürfe im Raum im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Bauprojekt Mareterra. Bis 2025 entsteht ein neues Stadtviertel, das mangels noch vorhandener Landfläche ins Meer gebaut wird. Das sechs Hektar umfassende neue Wohnviertel, soll im Zeichen der nachhaltigen Entwicklung stehen und Kultur- und Freizeiträume sowie mediterrane Parkanlagen bieten. Eine Mischung, die ganz im Sinne des Fürsten ist und nicht zuletzt sehr lukrativ für alle Beteiligten. Darunter sind beispielsweise die Elbe-Stahlwerke Feralpi im sächsischen Riesa, das den grünen Stahl für die teure Traumanlage liefert.

Der nach dem Vatikan zweitkleinste Staat der Welt mit 202 Hektar Fläche, was der Hälfte des früheren Flughafen Tegels entspricht, braucht Platz. Und zwar viel Platz für die rund 27.000 Millionäre und Milliardäre, die im Fürstentum leben. Noch mehr Hochhäuser zu bauen, ist kaum mehr möglich, da praktisch jeder Quadratmeter des Felsens zugebaut ist. Unter der Erde zu wohnen, ist für die Schönen und Reichen unzumutbar, außerdem befinden sich dort die High-Tech-Bahnstationen.

Also raus zum Meer, da gibt es noch etwas Platz. Der wird sicherlich mit Mareterra noch teurer, als der derzeitige durchschnittliche Quadratmeterpreis von bis zu 100.000 Euro, im Vergleich liegt München bei bis zu 10.000 Euro pro m²! Jedoch ist der Fürst ein sozialer Souverän, der für seine rund 7.500 Monegassen eine Art Mietendeckel eingeführt hat. Eine weitere Besonderheit des monegassischen Immobilienwesens besteht darin, dass gebürtige Monegassen das vererbbare Recht auf eine angemessene staatliche Wohnung haben. Davon können die gut 30.000 ausländischen Residenten nur träumen.

Fürstlicher Zorn

Was für die reiche Anleger die Enthüllungen aus den Panama-Papers sind, sind für die Monegassen die Dossiers du Rocher – die Felsen-Akten, in denen seit Jahren über dubiose Vorgänge im Fürstentum, von den Einheimischen der Felsen genannt, berichtet wird. Darin sind die vier Intimi Alberts fester Bestandteil der Berichte, in denen noch sein Anwalt Thierry Lacoste sowie der Präsident des Obersten Gerichtshofs Didier Linotte gehören. Dieses Senioren-Quadrumvirat, von der französischen Presse auch Gang of Four genannt, hält seit langem ihre Schützenden Hände über Monaco und die Grimaldis. Oder doch eher die schmutzigen Hände, mit denen sie überall am Felsen die Fäden gezogen haben.

Jetzt aber hat seine Durchlaucht den eigenen Worten im Figaro Taten folgen lassen. Palmero als Geldaufseher: geschasst! Anselmi als Kabinettschef: gefeuert! Lacoste als Anwalt: Mandatsentzug! Linotte als Chef des Obersten Gerichtshofs: degradiert! Mit dem offiziellen Ende der Viererbande, das ein wenig an das Ende der Feinde des Grafen von Monte Christo erinnert, scheint der Fürst seine politische Umgebung wieder im Griff zu haben. Oder etwa doch nicht?

Dunkle Geheimnisse in Monaco

Mit der Razzia bei seinem Ex-Vertrauten Palmero sind Akten über das Privatvermögen des Fürsten und andere fürstliche Geheimunterlagen beschlagnahmt worden. Palmeros Anwalt hat öffentlich verlautbart, dass diese Dokumente so brisant seien, dass sie die Öffentlichkeit nichts angingen. Das fassen Beobachter der monegassischen Szene als Drohung gegen Albert II. auf, der sicherlich nicht daran interessiert ist, dass mehr über sein Privatleben ans Tageslicht gelangt als ohnehin bereits bekannt ist: seine von nie abreißenden Gerüchten gezeichnete Ehe mit Fürstin Charlène, seine unehelichen und inzwischen legitimierten Kinder sowie seine ältere Schwester Caroline, verehelichte Prinzessin von Hannover, die für den Immobilien-Tycoon Patrice Pastor arbeitet. Was genau, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass sich Caroline und Charlène nicht sonderlich schätzen. Und klar ist auch, dass Pastor im Fürstentum seit langem kräftig mitmischt, aber beim Mareterra-Projekt außen vor bleibt. Der Milliardär lässt sich gerne mit dem Satz zitieren, er sei kein netter Mensch. Das lässt Raum für Spekulationen und pikanterweise sitzt ein Pastor als Berater des Fürsten in der Verwaltung des Palastes. Könnte also eine groß angelegte Intrige aus den Kreisen um Pastor und Caroline hinter der Staatskrise stecken?

Spezielle Beziehungen

Die französische Regierung beargwöhnt die Vorgänge an der Côte d’Azur, da Paris sich immer noch als Schutzmacht der Mini-Monarchie sieht. Zu Zeiten von Präsident Charles de Gaulle gab es sogar ernsthafte Überlegungen, das Fürstentum zu annektieren. Paris war verärgert über die Steuerfreiheit für französische Staatsbürger mit Erstwohnsitz in Monaco. Eine veritable Krise hielt den damaligen Fürsten Rainier III. in Atem, der sich durch unverhohlene Drohungen de Gaulles, mit den Grimaldi abzurechnen, zu Recht am Abgrund stehen sah. Offiziell soll das diplomatische Geschick Grace Kellys alias Fürstin Grazia Patrizia bei de Gaulle zu einen Sinneswandel ausgelöst haben.

Inoffiziell haben sich der Palast und Paris auf eine Änderung der monegassischen Steuergesetze für französische Residenten im Fürstentum geeinigt, das für beide Seiten ein gesichtswahrender Kompromiss war. Zwar sind die Verträge zwischen Monaco und Frankreich in den letzten Jahren geändert worden zugunsten des Fürstentums. Beispielsweise fällt der Zwergstaat bei einem Aussterben der Dynastie Grimaldi in männlicher Linie nicht mehr an Frankreich, und auch den Staatsminister, den Regierungschef, wählt Paris nicht mehr aus, sondern der Fürst. Allerdings muss Paris formal zustimmen, und es ist weiterhin ein Franzose.

Frankreich ist der fürstliche Felsen lieb und teuer, denn nicht wenige einflussreiche Franzosen machen dort einträgliche Geschäfte. Macron und Albert II. sollen ein enges und freundschaftliches Verhältnis zueinander haben. Honi soit qui mal y pense – Ein Schurke, der Schlechtes dabei denkt – der Wahlspruch des Hosenbandordens passt exzellent dazu. Monaco wird weiterhin das Refugium der Superreichen an der französischen Riviera bleiben und die unendliche Seifenoper aus Geld, Glanz, Gier und Macht läuft auch in der nächsten Generation.

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