Solarproduktion in Deutschland nicht rentabel

KOMMENTAR

Solarzellen in den USA / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: American Public Power Associatioon; https://unsplash.com/de/fotos/solarpanel-unter-blauem-himmel-XGAZzyLzn18 Solarzellen in den USA / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: American Public Power Associatioon; https://unsplash.com/de/fotos/solarpanel-unter-blauem-himmel-XGAZzyLzn18

Die Meyer Burger Technology AG kündigt die Schließung der Produktion von Solarmodulen in Deutschland an. Was sagt Wirtschaftsminister Robert Habeck dazu?

Zunächst sei auf eine erkenntnisreise Pressemitteilung der Meyer Burger Technology AG vom 17. Januar 2024 hingewiesen: „Marktverzerrung in Europa beeinträchtigt Finanzergebnis 2023 – Meyer Burger konzentriert sich auf US-Produktion und bereitet Schließung der Modulproduktion in Deutschland vor.“

Das 1953 gegründete Unternehmen Meyer Burger ist ein industrieller Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen mit Sitz in der Schweiz. Im vergangenen Jahr beschäftige es 1200 Mitarbeiter. Im Jahr zuvor betrug der Umsatz 147,2 Millionen Schweizer Franken. So viel zur Einordnung.

Kein Gewinn mit der Produktion von Solarmodulen

Aus der erwähnten Pressemitteilung geht nun unter anderem hervor, dass sich der Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz befindet. Hinsichtlich dieser „Gespräche“ sei auf einen Handelsblatt-Beitrag vom 25. Januar 2024 hingewiesen, in dem zu lesen ist, dass der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck dem Unternehmen „Hilfsbereitschaft“ signalisiert habe.

„Man sollte mindestens einen Teil des Fertigungswissens in Deutschland halten“, stellte Habeck auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin klar. „Das wäre für mich ein Grund, da in den Markt einzugreifen.“ Wenige Tage zuvor hatte Meyer Burger die Schließung seiner Produktion in Deutschland angekündigt, weil das Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen nicht rentabel arbeiten könne.

Erkenntnisreiche Diskussion

Meyer Burger hatte die (vielleicht nur rhetorische) Frage aufgeworfen: „Brauchen wir eine PV-Produktion in Deutschland?“ Dabei nahm das Unternehmen auch Bezug auf die Publikation von Dr. Harry Wirth vom Fraunhofer ISE in der Fassung vom 16.01.2024 mit dem Titel: „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.“

Mit der Ankündigung, Deutschland verlassen zu wollen, brachte es Meyer Burger gar in die Talk-Show von Markus Lanz. Dort beteiligte sich der CEO des Unternehmens, Dr. Gunter Erfurt, ebenso wie der Landrat des Landkreis in Mittelsachsen, Dirk Neubauer,  der FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle und der Journalistin Kristina Dunz an einer erkenntnisreichen Diskussionsrunde.

Die Politik weiß nicht weiter

Erfurt glänzte mit bislang öffentlich nur wenig bekannten Fakten zur Branche und insbesondere zur ultimativen Markt-Dominanz Chinas. Landrat Neunbauer ließ in deutlichen Worten die Zuschauer wissen, welche spannende unternehmerische Optionen sein Landkreis bietet und sparte dabei keineswegs mit kritischen Ampel-Bewertungen. Bemerkenswert auch, dass der FDP-Fraktionsvize erfreulicherweise auf ideologische Darbietungen verzichtete und unter anderem zum Ausdruck brachte: Die Leute wüssten teils gar nicht, wo ihnen der Kopf steht. „Und ganz ehrlich, das weiß die Politik teilweise auch nicht. Das will ich offen bekennen“, sagte Kuhle.

Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Hier finden Sie die Lanz-Sendung in voller Länge.

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fufu
fufu
3 Monate her

Soweit mir bekannt ist ist die Fertigung von Solarpanelen vollstaendig automatisiert, es wuerde mich interessieren warum die Fertigung in D nicht rentabel ist.

fufu
fufu
Reply to  fufu
3 Monate her

Von Vorteil waere es wenn man sich relevante Informationen nicht selbst anhand von links zusamensuchen muesste und der Autor auch seine Wertung der Zusammenhaenge mitteilen wuerde.

Oeconomicus
Reply to  fufu
3 Monate her

Werte/r Fufu Politisch-ökonomische noch makroökonomische Zusammenhänge gleichen nicht einer „Hänschenklein“-Partitur, oder einem Fertiggericht, sondern sind hochkomplexe Vorgänge, die man in vielen Fällen auch nicht mit einem ökonomischen Grundverständnis verständlich machen oder gar auflösen kann. Insoweit werden Sie mit der Summe irgendwelcher Links nur schwerlich substantielle Antworten auf Ihre Fragen erhalten. Mann könnte an der Stelle Kant zitieren, der frei nach Horace dazu aufforderte „das Wagnis der Nutzung des eigenen Verstandes einzugehen“, was möglicherweise zielführend sein könnte um das „kleine Einmaleins“ makroökonomischer Prozesse in einem ersten Ansatz zu verstehen. Im Lichte dieser Vorrede will ich gleichwohl einige Stichworte zur Produktion von… Read more »

fufu
fufu
Reply to  Oeconomicus
3 Monate her

Leider haben Sie die Frage nicht beantwortet, auch nicht die naheliegende Anschlussfrage warum die Produktion in den USA rentabler sein soll als in Deutschland oder Europa. Auch Ihr Hinweis auf die Makrooekonomie und Kant war nicht hilfreich. Rohstoffmangel wie suggeriert spielt keine Rolle denn Silizium fuer die Waferproduktion ist eines der haeufigsten Element der Erdrinde und Gallium ist auch nicht selten, auch wenn sich China bei letzterem eine marktbeherrschende Stellung verschafft hat, allerdings betreffen die Exportbeschraenkungen Chinas fuer Gallium vor allem die USA. Technologische oder wirtschaftliche Argumente entfallen ebenfalls denn die energieintensive Waferproduktion erfolgt in Norwegen mit billigem Strom, allenfalls… Read more »

Oeconomicus
Reply to  fufu
3 Monate her

Zu der für Sie naheliegende Anschlussfrage warum die Produktion in den USA rentabler sein soll als in Deutschland oder Europa. Für den Produzenten ist das ganz sicher so und die Antwort haben Sie ja bereits mit dem Hinweis auf den inflation reduction act gegeben. Zum Thema Gallium, eigentlich Galliumarsenid haben Sie wohl übersehen, dass dieses Halbleitermaterial zwar zur Herstellung von Dünnschicht-Solarzellen Verwendung finden könnte, aber hauptsächlich bei der Produktion von speziellen Solarzellen zur Energieversorung von Satelliten eingesetzt wird. Daneben sind die Ausgangsmaterialien Gallium und Arsen teurer sind als der Quarzsand, aus dem Silizium gewonnen wird. Auch die sogenannte Kristallzüchtung von… Read more »

Oeconomicus
Reply to  fufu
3 Monate her

Nachfrage zu Ihrer Einlassung von „zahlreichen Alternativen der Energiespeicherung“

Können Sie bitte näher spezifizieren, was Sie damit meinen und ob Sie möglicherweise an spezielle Zellchemien denken, wie etwa LFP, NMC oder LTO ?

Nachfrage zur Waferproduktion in Norwegen.

Unter Bezugnahme auf meinen Beitrag sei darauf hingewiesen, dass Meyer Burger für die Herstellung der Vorprodukte und der Wafer in der Tat bereits im August 2022 einen verbindlichen Liefervertrag mit Norwegian Crystals abgeschlossen hat.
Bleibt abzuwarten ob nach der drohenden Schliepung der Werke in Freiberg (Sachsen) und Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) und die anschließende Produktion in Colorade Springs besager Liefervertrag fortgesetzt wird.

fufu
fufu
Reply to  Oeconomicus
3 Monate her

Neben den von Ihnen genannten Batterien, besser Akkumulatoren, auf Basis von Natrium, Aluminium, Vanadium- und Eisenredoxzellen und solche auf Basis organischer Verbindungen die teilweise Marktreife erreicht haben sowie Pumpspeicher und Elektrolyse.

Wenn Sie „rentabel“ mit Blick auf die Firmenbilanz meinen haben Sie recht, ich wuerde unter diesem Gesichtspunkt auch sehen,dass es der CEO bis in eine talkshow geschafft hat,wohl um den Druck auf den Wirtschaftsminister zu erhoehen um einige Millionen fuer seine Firma herauszuleiern.

Oeconomicus
Reply to  fufu
3 Monate her

Bei den von mir genannten Zellchemien handelt es sich um LFP (Lithium-Eisen-Phosphat), NMC (Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide) und LTO (Lithium-Titanium-Oxide) also ausdrücklich nicht um Techniken auf der Basis von Natrium, Aluminium und der Vanadium- und Eisenredoxzellen. Letztere sind jedoch besser bekannt unter den Begrifflichkeiten Redox-Flow-Batterie oder Redox-Flussbatterie Soweit ich Dr. Erfurts Ausführungen während der Talkrunde verstanden habe, gab es bislang keine finanzielle Unterstützung seitens der Bundesregierung. Auf der Webseite des Unternehmens wird gesagt, „Meyer Burger befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz über eine von Euler Hermes gedeckte Exportfinanzierung und verfolgt weiterhin zusätzliche Finanzierungsoptionen, einschliesslich 45X und… Read more »

fufu
fufu
Reply to  fufu
3 Monate her

„…solche auf Basis von…“

Janus
Janus
3 Monate her

Schon die Firma Solarworld wurde insolvent. China war da auch die Begründung. Der Wunsch, die Welt zu verbessern, reicht trotz steuerlicher Subventionen und Kapitalverzicht der Investoren eben nicht aus für Innovation und erfolgreiches Wirtschaften.

fufu
fufu
Reply to  Janus
3 Monate her

Faellt in die Kategorie mehrmals das gleiche vrrsuchen und hoffen, dass was anderes dabei rauskommt.

fufu
fufu
Reply to  Janus
3 Monate her

Ich hab mal die Geschaeftsberichte der Firma ueberflogen, sie schreibt wohl seit Jahren Verluste und erhielt schon betraechtliche Foerdermittel von Deutschland, wohlgemerkt bei Firmensitz in der Schweiz. Falls Herr Oekonomicus noch Interesse hat kann er sich ja damit beschaeftigen und uns die makrooekonomische Einordnung kundtun.

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