Ein neuer König für Malaysia – Alle fünf Jahre rotiert die Krone

BOULEVARD ROYAL

Malaysia hat einen neuen König / Kuala Lumpur / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open librarty: Meriç Dağlı:https://unsplash.com/de/fotos/luftaufnahme-von-gebauden-bei-tag-HxJvFZGfSHM Malaysia hat einen neuen König / Kuala Lumpur / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open librarty: Meriç Dağlı:https://unsplash.com/de/fotos/luftaufnahme-von-gebauden-bei-tag-HxJvFZGfSHM

Mit dem 65-jährigen Ibrahim Iskandar sitzt ein neuer König der Malaien auf dem Thron. In einer prunkvollen Zeremonie schwor der Wahlmonarch, sich für die Einheit Malaysias einzusetzen.

Ich werde alle korrupten Leute jagen“, versprach der neue Herrscher bei seiner Wahl im vergangenen Oktober und noch vor seiner Krönung Ende Januar. Mit dieser Ankündigung ließ Iskandar die politische Szene in seinem Land aufhorchen. Bisher ist er in seinem Stammesfürstentum als Sultan von Johor hauptsächlich durch seinen luxuriösen Lebensstil aufgefallen. Laut Medienberichten besitzt der fünffache Vater eine eindrucksvolle Sammlung von 379 Automobilen, darunter Edelkarossen in Spezialanfertigungen von Bentley, Ferrari, Rolls Royce und natürlich Mercedes.

Vom Playboy zum Politiker

Als Sultan regiert er seit 2010 mit Johor den südlichsten Bundesstaat, der an Singapur grenzt. Auf der Webseite des Monarchen lässt sich nachlesen, dass Iskandar an verschiedenen Trainings-Camps das US-Offizierspatent erworben hat, einen Führerschein als Lokomotivführer besitzt sowie eine Lizenz als Hubschrauber-Pilot. Der König ist ein regelrechter Tausendsassa: lange professioneller Polo-Spieler, Tennis-As, malaysischer Windsurf-Meister, ausgezeichneter Pistolenschütze, Fallschirmspringer und so weiter und so fort. Außerdem besitzt er seine eigene Armee, die parallel zu den malaysischen Streitkräften existiert. Doppelt genäht hält besser.

Mehrfacher Milliardär ist er noch dazu, was unter anderem mit Beteiligungen am Industriekonglomerat Joho Corporation zusammenhängt, die eine Größe in Südost-Asien für Agrarwirtschaft und Gesundheitswesen ist. Hinzu kommen Geschäfte in der Telekommunikation, Immobilien und Kraftwerke. Monarchen im sind immer auch tüchtige Geschäftsleute, vor allem in Asien.

Einzigartiges Rotationssystem

Malaysia leistet sich den Luxus einer Wahlmonarchie und ist damit das einzige Land auf der Welt, das einen alle fünf Jahre stattfindenden Thronwechsel kennt. Während die deutschen Kurfürsten einst einen Monarchen auf Lebenszeit wählten, sitzen im malaysischen Kronrat die neun Bundesfürsten zusammen und legen nach einer festen Reihenfolge fest, wer als nächster die Krone tragen darf.

Es gibt stets einen Vizekönig, der mehrmals hintereinander derselbe sein darf und den König vertritt bei Abwesenheit im Ausland oder Krankheit. Anders als beim Tod des US-Präsidenten rückt der malaysische Vize nicht automatisch ins Königsamt, wenn der amtierende Herrscher stirbt. Dann wählen die neun Fürsten einen neuen aus.

Auf dieses Rotationssystem sind die Briten gekommen, die während der Kolonialzeit die einst selbständigen Sultanate in einem Land vereinigten. Die Blaupause dafür war Indien mit seinen Maharadschas, die von London mehr oder wenige sanft in einem Staat vereinigt wurden. Bei der Feier zur Unabhängigkeit Malaysias 1957 ließ sich Elizabeth II. von ihrem Cousin, dem Duke of Gloucester, vertreten, der dem ersten malaysischen König die besten Wünsche des Empire ausrichten ließ.

Wichtiger Staat in Südostasien

Der Start in die Eigenständigkeit stand unter einem guten Stern: 1963 haben sich Sarawak und Britisch-Nordborneo dem neuen Land angeschlossen sowie Singapur, das sich allerdings1965 abgespalten hat. Das hing mit ethnischen Spannungen zusammen, die die Chinesen den prosperierenden Stadtstaat Singapur aufbauen ließen. Malaysias rund 34 Millionen Bürger sind mehrheitlich muslimischen Glaubens, der nicht allzu streng praktiziert wird wie in Saudi-Arabien oder Iran.

Anders als noch unter britischer Kontrolle steht die malaiische Bevölkerungsmehrheit an der Spitze der Gesellschaftspyramide. Chinesen und Inder hatten bis zur Unabhängigkeit neben den Briten das Sagen. Im heutigen Malaysia sind sie in Handel und Wirtschaft einflussreich, jedoch nicht in der Politik und in der Armee.

Ein politischer Monarch?

Im Land an der geostrategisch wichtigen Straße von Malakka hat sich eine starke islamische Opposition gebildet. Der neue König ist im Bündnis mit der Regierungspartei, die das Land auf wohlwollende Distanz zu China und Indien sowie im freundschaftlichen Bündnis mit den USA halten will. Unwägbare politische Experimente mit islamistischen Parteien will von der Elite in der Hauptstadt, der Militärführung und nicht zuletzt unter den Bundesfürsten niemand.

Dass sich der neue Herrscher mehr zu politischen Themen äußern möchte, löst gemischte Gefühle aus. Grundsätzlich sieht es die jeweilige Zentralregierung am liebsten, wenn sich der Monarch auf zeremonielle Aufgaben beschränkt. Die Verfassung gibt dem Staatsoberhaupt Spielraum, so darf der König die Regierung beraten. Iskandars Interessen gelten der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Abbau der ethnischen Spannungen und der Polarisierung im Land. Damit hat er für die nächsten fünf Jahre viel zu tun – zum Wohle seiner Untertanen und nicht zuletzt des Westens.  

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