Berlin wird EU-Startup-Metropole

Berliner Nikolaiviertel. Die deutsche Hauptstadt gewinnt an Anziehungskraft für Startups / Quelle: Pixabay; https://pixabay.com/de/berlin-fernsehturm-nikolaiviertel-2424516/ Berliner Nikolaiviertel. Die deutsche Hauptstadt gewinnt an Anziehungskraft für Startups / Quelle: Pixabay; https://pixabay.com/de/berlin-fernsehturm-nikolaiviertel-2424516/
Europas Start-Up-Szene wandert von London nach Berlin. Bringt der Brexit Einschränkungen für die britischen Firmen, dürfte Berlin bald die Nase vorn haben.

Schon seit Jahren spielt sich im Hintergrund ein Kampf zwischen Berlin und London um den besten Standort für die Startup-Gründerszene ab. Während früher London die beste und beliebteste europäische Metropole für Startups war, scheint sich aktuell das Gleichgewicht Richtung Berlin zu verschieben. Einer der Hauptfaktoren ist der anstehende Brexit, der die Bedingungen für ausländische Unternehmen in London erschweren wird. Aber auch andere Faktoren wie Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer, Lebenshaltungskosten sowie die Infrastruktur spielen eine Rolle.

Wie schon erwähnt, schwebt der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU wie ein Damoklesschwert über der Gründerszene an der Themse. In London, das sich in den letzten Jahren als Finanzhauptstadt Europas etabliert hat, geht die Angst um, dass der Brexit zum  Abzug der Start-ups und auch größerer europäischer Banken führt. Das könnte die britische Wirtschaft nachhaltig schwächen.

Nachteile für London

Aber auch für die Arbeitskräfte zeichnen sich Folgen ab. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte es auch für höher Qualifizierte schwerer werden, ein Arbeitsvisum beziehungsweise eine Aufenthaltsgenehmigung für die Familie zu erhalten. Zudem ist noch nicht klar geregelt, ob neue Barrieren für den Handel zwischen Großbritannien und der EU entstehen, welche die Position der in London ansässigen Firmen schwächen.

Aus diesem Grund verlagert sich die europäische Startup-Szene von London auf das  europäische Festland. Am meisten profitiert Berlin von dieser Entwicklung. Hier gab es in den letzten Jahren eine Vielzahl von Firmengründungen und einen Zuzug von jungen Unternehmen und Fachkräften. So haben sich in Berlin Firmen wie Soundcloud, ein Onlinestreamingdienst, hellofresh, ein Online-Supermarkt, der Zutaten für ganze Gerichte und deren Rezept direkt nach Hause liefert und Delivery Hero, das hinter verschieden Lieferservices wie pizza.de steht, in Berlin angesiedelt.

Perfekte Lebensverhältnisse für Familien

Zwar ist Berlin im Vergleich zu manch anderen Regionen in Deutschland nicht sehr wirtschaftsstark, allerdings sind die Lebensverhältnisse perfekt für junge Arbeitskräfte und Familien. Die Stadt ist sehr international, und so kommen aus dem Ausland stammende Fachkräfte mit Englisch gut im Alltag zurecht. Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer sind im Gegensatz zu London moderat. Die Kosten für die Betreuung und Ausbildung der Kinder sind ebenfalls nicht zu hoch. Zudem sind die Löhne im europäischen Vergleich zufriedenstellend,  und die Lebenshaltungskosten gemessen an anderen europäischen Metropolen gering.

Diese vielen Faktoren ziehen junge Leute in die deutsche Hauptstadt und sind Grund dafür, dass sich so eine große Start-up Szene in Berlin gebildet hat. Kommen mit dem Brexit Einschränkungen für die britischen Firmen daher, ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung beschleunigt und Berlin in ein paar Jahren London endgültig den Rang abgelaufen hat.

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7 Kommentare zu Berlin wird EU-Startup-Metropole

  1. Frage eines Forum-Neulings:
    Was bedeutet es, wenn ‚geolitico‘ als „Name“ des Verfassers angegeben wird? Warum keine echte Namensnennung?

  2. Zur Hölle mit den Startups und ihrem Digitalisierungsschrott.

  3. Ein paar ,rich kids’, die sich sogar das Leben im exorbitant teuren London leisten konnten, sind nach Berlin umgezogen und konnten deshalb mit dem eingesparten Geld Klone bewährter Geschäftsmodelle wie einen weiteren Streaming-Dienst oder einen weiteren Lieferdienst aufsetzen. Von einer echten Start-up-Szene, wie sie beispielsweise am Beginn des Silicon Valley stand, könnten die Verhältnisse kaum weiter entfernt sein! In London würde man eine Start-up-Szene erst recht vergeblich suchen. Dort gibt es nur Vertreter reicher (sonst schließlich keine Chance auf London als Standort), ausländischer Unternehmen, wo man gerade mal Englisch kann und keine richtig europäische Sprache. Der Kommentar von Wayne Podolski ist sinnvoller als der gesamte Artikel.
    乱馬

    • Man bemerkt die fehlenden wirklichen Start-ups übrigens am fehlenden Wirtschaftsaufschwung! Gerade so als versuchte man mit solchen Jubelartikeln einen Kondratieff-Sommer herbeizuschwadronieren. So funktioniert Wirtschaft aber nicht!
      乱馬

    • Horst Wonneberger // 28. Oktober 2017 um 11:07 // Antworten

      Danke für Ihren Kommentar. 80 Prozent der entwickelten Konzepte schaffen es nicht zur Reife. Die Hoffnung aller: Dass irgendwann einer der drei Kopier-Brüder um die Ecke kommt, und weil ihnen die Liquidität aus dem Hintern schießt, überbewertet die Idee/das unfertige Produkt übernimmt. So werden jedoch auch junge EURO-Millionarios geschaffen. Also, was soll´s… Das ist das Spiel, das gespielt wird, solange die Musik läuft. Es wird sich mit der Zeit überholen. Die nächste europäische Startup-Metropole ist dann eben Warschau, Prag, Bratislava oder Budapest…

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