Schule des imperialen Kapitalismus

Menschen in der Friedrichstraße in Berlin Mitte © GEOLITICO Menschen in der Friedrichstraße in Berlin Mitte © GEOLITICO
Gelenkt durch die EU erziehen unsere Schulen die Kinder des Kapitalismus einheitlich nach dem Bild des auf den nackten Egoismus reduzierten „homo oeconomicus“.

Die EU ist nicht für die inhaltliche und strukturelle Gestaltung des Schulwesens in den EU-Staaten zuständig. Diese liegt ausschließlich in der Kompetenz der Mitgliedstaaten selbst. Das ist im Lissabon-Vertrag von 2007 festgehalten und auch vom Bundesverfassungsgericht in seinem „Lissabon-Urteil“ von 2009 ausdrücklich als eine nicht übertragbare Kernkompetenz nationaler Souveränität hervorgehoben worden. Die EU sieht sich daher laut Webseite „EU-Bildungspolitik“ lediglich für die Durchführung von Maßnahmen zur Unterstützung, Koordinierung oder Ergänzung der nationalen Maßnahmen der Mitgliedstaaten zuständig.“ Das klingt harmlos und vernünftig. Dahinter verbirgt sich aber der Wille des potentiellen europäischen Einheitsstaates, auch das Bildungs- und Kulturleben der europäischen Völker, die schon jetzt bevorzugt „Regionen“ genannt werden, zu beeinflussen und letztlich auch im Sinne eigener Zielsetzungen zu regeln und zu lenken.

Dabei muss man sich vor Augen führen, dass die EU schon von ihrem Ursprung her eine einseitige wirtschaftspolitische Interessengemeinschaft ist. In die Quasi-Verfassung des Lissabon-Vertrages ist der „Grundsatz der offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb“ aufgenommen. Dies bedeutet, wie auch der Staatsrechtler Prof. Schachtschneider feststellt, die rechtlich verpflichtende Festlegung auf die Interessen einer global uneingeschränkten kapitalistischen Wirtschaftsweise, d. h. auf die Interessen der Kapitalbesitzer .[1]

Strategie der Gleichschaltung

Der Europäische Rat (Staats- bzw. Regierungschefs) sah sich auf seiner Sitzung im März 2000 in der Entwicklung des Wirtschaftslebens voller Sorgen „mit einem Quantensprung konfrontiert, der aus der Globalisierung und den Herausforderungen einer neuen wissensbasierten Wirtschaft resultiert“, und er beschloss in aller Bescheidenheit, die EU „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Das heißt im Klartext: In einem solchen globalen  profitorientierten Marktgeschehen müssten die Menschen von Jugend an in ihrem Wissen und Verhalten viel stärker auf die dort bestehenden Anforderungen vorbereitet werden. Das ließ sich jedoch mit den in ihren Augen rückständigen traditionellen Bildungssystemen der Mitgliedstaaten nicht erreichen. Was also tun, da man für die schulische Bildung nicht zuständig ist?

Man entwickelte listig einen  indirekten Weg, den der Offenen Methode der Koordinierung[2]. Die Mitgliedstaaten werden propagandistisch über politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Kanäle veranlasst, sich mit den von der EU gewünschten Zielen zu identifizieren, sie gemeinsam zu vereinbaren, mit Unterstützung der EU zu realisieren und ihr Erreichen gemeinsam zu überprüfen. Man überlässt den Mitgliedstaaten dabei die Formulierung und Umsetzung der scheinbar eigenen Politik, erreicht aber auf diesem Wege letztlich dasselbe wie auf dem Verordnungswege. Die Methode bietet also die Möglichkeit der politischen Steuerung ohne eine EU-Rechtssetzung, zu der man hier die Kompetenz (noch) nicht hat.

So verständigte sich folgerichtig der EU-Rat der Bildungsminister auf Vorschlag der EU-Kommission im Februar 2002 auf ein detailliertes gemeinsames „Arbeitsprogramm 2010 für die allgemeine und berufliche Bildung“[3], durch das in allen Mitgliedsländern „eine einzige umfassende Strategie angewandt“ werden soll, so dass „die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung untereinander kompatibel“ sind. Die europäischen Bildungssysteme sollen dadurch einheitlich „in ihrer Qualität und Wirksamkeit“ so erhöht werden, dass sie „höchste Qualität“ erzielen und Europa in dieser Beziehung „als eine Bezugsgröße mit Weltgeltung anerkannt“ wird. Das bedeutet die Einebnung  der Vielfalt der europäischen Bildungssysteme auf das Niveau einer gemeinsamen wirtschaftsorientierten Ausbildung. Die Durchführung soll noch „durch anderweitige Formen der europäischen Zusammenarbeit“ wie „vergleichende und prospektive (vorausschauende) Studien, statistische und andere Erhebungen“ unterstützt werden, die vielfach „auf den Arbeiten anderer internationaler Organisationen (wie OECD und Europarat)“ aufbauen oder diese ergänzen würden.

Intellektuelle Fähigkeiten als wirtschaftliches Kapital

Die Zusammenarbeit mit der OECD, einer weltweiten Wirtschaftsorganisation mit 34 Mitgliedstaaten, zu denen auch die meisten EU-Staaten gehören, liegt nahe, da die OECD schon lange im Interesse der Wirtschaft eine Umwälzung der nationalen Bildungssysteme für notwendig hält. Diese beruhten bis dahin wenigstens im Grundsatz noch auf der humanistischen Persönlichkeitsbildung. Da die Demokratie als Gesellschaftsform freier Menschen den sich selbst bestimmenden, eben freien Menschen voraussetzt, muss das Bildungswesen der Demokratie auch das vornehmste Ziel haben, die heranwachsenden Menschen zur Freiheit zu erziehen. Es muss sie so umfassend bilden, dass sie zum selbstbewussten Gebrauch all ihrer Anlagen und Fähigkeiten, ihres Denkens, Fühlens und Wollens und damit zur selbstbestimmten, selbstverantwortlichen Gestaltung ihres eigenen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens imstande sind. Nur dadurch sind sie auch fähig, gewordene Verhältnisse und Strukturen, die stets zur Erstarrung neigen, immer wieder an die Bedürfnisse des sich weiter entwickelnden freien Menschen verändernd anzupassen. In den demokratischen Verfassungen der deutschen Bundesländer und ihrer Schulgesetze sind diese Ziele auch mehr oder weniger deutlich verankert.

Bereits 1961 hatte die OECD auf einer Konferenz in Washington über „Wirtschaftswachstum und Bildungsaufwand“, den Plan gefasst, das kulturelle Verhalten der Völker, das den bisherigen Bildungssystemen und -zielen zugrunde liegt, gründlich zu verändern. Ausdrücklich ging es darum, alle tradierten Vorstellungen in den in ihren Augen rückständigen Ländern außer Kraft zu setzen.

 „,So heißt es im Bericht zu der genannten Konferenz, es ginge im Hinblick auf die Entwicklungsländer um nichts weniger, ´als dass Millionen Menschen von einer Lebensweise losgerissen werden sollen, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden das Lebensmilieu ausmachte`. Alles, was bisher an Schule und in der Erziehung in diesen Ländern geleistet wurde, habe soziale und religiöse Ziele verfolgt, die vorwiegend „Resignation und spirituelle Tröstung gewährten; Dinge, die jedem wirtschaftlichen Fortschrittsdenken glatt zuwiderlaufen’. Diese jahrhundertealten Einstellungen zu verändern sei vielleicht die schwerste, aber auch die vordringlichste Aufgabe der Erziehung in den Entwicklungsländern. Wohlgemerkt zählt die OECD dabei auch die Nationen Europas zu ebendiesen Entwicklungsländern. So bezeichnet sie gerade Deutschland, ´mit seiner dezentralisierten Schulverwaltung (. . .), was die Erziehungsplanung angeht, auch als ein etwas unterentwickeltes Land.´ Folglich geht es darum, auch Deutschland bei der Bildung einer kulturellen Entwurzelung zu unterziehen.“ (Silja Graupe/Jochen Krautz[4])

Was für ein Menschenbild liegt solchen Zielen zugrunde? Hier wird die ungeheure kulturelle Dimension dieser gewaltigen Umwälzung der Bildung deutlich. Der Mensch soll nicht mehr im Sinne der christlichen Humanitätsideale Europas (vergl. „Wider die zunehmende Totalisierung“), also zur autonomen, sich selbst bestimmenden Individualität gebildet, sondern zu immer neuer Anpassung an die abstrakten Anforderungen der Wirtschaft befähigt werden. Anpassungsbereitschaft und -fähigkeit gelten der OECD als Schlüsselkompetenzen

So heißt es 1961 in unmissverständlicher Offenheit: ´Heute versteht es sich von selbst, dass auch das Erziehungswesen in den Komplex der Wirtschaft gehört, dass es genauso notwendig ist, Menschen für die Wirtschaft vorzubereiten wie Sachgüter und Maschinen. Das Erziehungswesen steht nun gleichwertig neben Autobahnen, Stahlwerken und Kunstdüngerfabriken.´“ (Graupe/Krautz a.a.O.)

Intellektuelle Fähigkeiten gelten als eine Form des wirtschaftlichen Kapitals, das wie ein Spinnrad oder eine Getreidemühle als Produktionsfaktor wirtschaftlichen Ertrag bringt. In vergleichenden Schulleistungstests, die in allen Ländern durchgeführt werden, sieht die OECD den effizientesten Weg, Einfluss auf das Verhalten souveräner Staaten auszuüben. So wurde im Jahr 2000 der erste in einer Reihe von PISA-Tests gestartet, die zum Ziel haben, im Wirtschaftsleben benötigte Kompetenzen 15-Jähriger zu messen, also die Fähigkeit, sich an die ökonomischen Erfordernisse flexibel anzupassen. Die Effizienz entsteht durch die „naming and shaming technique“: Wer nicht dem Pisa-Kodex entspricht, wird am medialen Pranger bloßgestellt.

Der damit inszenierte „PISA-Schock“ löste überall in den Ländern das Verlangen aus, durch eine sofortige Bildungsreform  beim nächsten Test unbedingt besser abzuschneiden. Um im Bildungsland Deutschland mit dem Schock sicher zu gehen, ließ man hier die Sonderschüler an der Studie teilnehmen.[5] Das OECD-Konzept entwickelte sich zum neuen Maßstab für Bildungserfolg, und  Lehrpläne, Standards und zentrale Prüfungen wurden entsprechend darauf zugeschnitten. So schaffen die Tests in der Bevölkerung eine Atmosphäre, in der die EU ihre ökonomistischen Bildungsziele leicht realisieren (lassen) konnte und kann.

Die Rolle des Bundesbildungsministeriums

In diesem Prozess spielt das Bundesbildungsministerium, im EU-Rat der Bildungsminister an der EU-Bildungsstrategie beteiligt, die besondere Rolle eines bildungspolitischen Verbindungsgliedes. Nach seiner Webseite sieht es sich auch „verantwortlich für die Gestaltung und den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung. Diese reicht von der Europäischen Union und Europa über die weltweit gepflegten bilateralen Beziehungen bis hin zur Vertretung in multilateralen Gremien, wie z.B. in der OECD und den Vereinten Nationen.“

Das Bundesministerium hatte also als EU-Scharnier dafür zu sorgen, dass das EU- „Arbeitsprogramm für die allgemeine und berufliche Bildung“  in Deutschland von den Bundesländern, die eigentlich für das Schulwesen jeweils zuständig sind, folgsam realisiert wird. So verkündete auch am 18.2.2003 die damalige Bundesbildungsministerin im Kabinett Schröder, Edelgard Bulmahn, auf einer Pressekonferenz das neue Bildungskonzept für Deutschland und stellte dazu eine Studie ihrer wissenschaftlichen Hilfstruppen „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ vor.[6] Gleich zu Eingang führte sie in die Thematik mit den Worten ein:

„Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei der Internationalen PISA-Vergleichsstudie hat die großen Mängel des deutschen Bildungssystems offenbart.“

Dann nannte sie, was als erstes geändert werden müsse:

  1. Wir müssen stärker die Ergebnisse unseres Bildungswesens in den Blick nehmen, d. h., wir müssen den Wechsel von einer Input- zu einer Output-Steuerung vollziehen.
  2. Zwischen Bund und Ländern besteht Konsens über die Einführung national verbindlicher Bildungsstandards. Aber die Studie zeigt uns auch, dass Bildungsstandards Kompetenzstandards sein müssen.“ (S. 177, 178 auf obigem Link)

Die Begriffe input (engl.: Eingabe) und output (engl.: Ergebnis) stammen aus dem angelsächsischen Wirtschaftsleben und bezeichnen den mengenmäßigen Einsatz von Produktionsfaktoren (input) bzw. den mengenmäßigen Ertrag (Ausstoß) an Produkten. Die Anwendung dieser Begriffe in den letzten Jahren auf die Steuerung des Bildungssystems zeigt schon den Wechsel zu einem Paradigmenwechsel im Denken selbst auf: von einem am Menschen orientierten pädagogischen zu einem von den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen und Interessen ausgehenden ökonomisierten Denken, welches das Bildungswesens wie einen großen Produktionsprozess betrachtet, in den nur das Richtige eingegeben werden muss, damit auch die „pädagogischen Produkte“ in genügender Zahl herauskommen, die von der bestehenden Wirtschaft gefordert werden.

Der Mensch wird zum „Humankapital“, Bildung zur Ware und damit zum Gegenteil von wahrer Bildung. (Vgl. die hervorragende Untersuchung von Jochen Krautz: Ware Bildung, Diederichs 2007). Die bisherige Bildungspolitik, deren Ziele noch in den früheren Verordnungen und Lehrplänen ausformuliert wurden, wird von diesem Denken als unzureichende Input-Steuerung bezeichnet. Sie müsse von einer neuen Steuerung abgelöst werden, die ihr Hauptaugenmerk auf die konkreten Ergebnisse des Outputs richten müsse, für die messbare Standards festzusetzen seien.

Bildungsstandards benennen Ziele für die pädagogische Arbeit, ausgedrückt als erwünschte Lernergebnisse der Schüler.“Die Bildungsstandards legen fest, welche Kompetenzen die Kinder oder Jugendlichen bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe erworben haben sollen“ (S. 21 der Studie). In einer Reihe von über dreißig weiteren vom Bundesbildungsministerium herausgegebenen Studien ist die mit dem Titel  „Qualität entwickeln – Standards sichern – mit Differenzen umgehen“ besonders aufschlussreich. Hier wird von vorneherein klargestellt, dass Kompetenzen in ihrem Erwerb immer auf konkrete Lebensbereiche und -situationen, sowie deren Anforderungen angewiesen seien, auf die sie sich beziehen und in deren spezifischen Rahmen sie zu konkreten Lernleistungen  und Problemlösungen befähigen sollen.

Auf allgemeine, fachübergreifende Persönlichkeitsmerkmale und intellektuelle Kompetenzen, die sich nicht als Leistungen für Problemlösungen direkt beobachten lassen, kommt es dabei nicht an. Es sollen bestimmte Begriffs- und Verhaltensschemata veranlagt werden, „habituell gewordene Denkstrukturen, die auf intelligente Formen der Anpassung zurückzuführen sind.“

Bildung in diesem Sinne heißt also: Anpassung der Schüler an bestehende rechtliche und wirtschaftliche Strukturen, innerhalb derer sie sich bewegen können sollen. Jürgen Oelkers, einer der beiden Hauptautoren, ist stark von dem amerikanischen Pädagogen John Dewey  beeinflusst, der der philosophischen Linie des Pragmatismus angehörte und mit Geldern der Rockefelder-Foundation das US-amerikanische Bildungssystem neu ausgerichtet hat. Hier wird die Verbindung des ohne vertiefte Erkenntnis auf zweckrationales Handeln gerichteten amerikanischen Pragmatismus zur EU-Gesellschaftspolitik deutlich. (Vgl. die ausgezeichneten Analyse von Lars Grünewald „Schule ohne Abschluss“, S. 12 ff.[7])

Grundlegender Paradigmenwechsel

Zugrunde liegt dieser sich als „Wissenschaft“ gebenden Bildungstheorie letztlich das auf den nackten Egoismus reduzierte Menschenbild des „homo oeconomicus“, des Menschen, der unentwegt und in jeder Lage darauf aus ist, seinen Nutzen bzw. Vorteil zu maximieren. Der Mensch wird nicht als Subjekt, als ein Wesen betrachtet, das sich unter dem Einfluss von Moral und Sittlichkeit zu Höherem entwickeln kann und soll, was seine Würde ausmacht, sondern als Objekt sowohl seines eigenen animalischen Eigennutzes wie den anderer Akteure der ökonomischen Kampfgesellschaft.

In erstaunlich kurzer Zeit war das neue EU-Bildungskonzept in den deutschen Bundesländern umgesetzt. Schon 2004 verkündete das Kultusministeriums von Baden-Württemberg auf seiner Webseite stolz:

„Mit den neuen Bildungsplänen wird ein grundlegender Paradigmenwechsel in den verbindlichen Vorgaben für den Unterricht an unseren Schulen vollzogen.“

Man muss sich vor Augen führen, dass eine solch ungeheure innere Umwälzung des Bildungswesens, wie sie sich bereits weitgehend vollzogen hat, nur durch das System der hierarchisch aufgebauten staatlichen Schulorganisation möglich ist, in dem die Spitzen als wenig reflektierende Handlanger oder bewusste Kollaborateure gewonnen oder die Stellen entsprechend neu besetzt werden.

Ein solcher ökonomistischer Imperialismus, der eine gewachsene Kultur in ihrem Bildungswesen umpolt und damit letztlich entwurzelt, kann nur in einem von Staat und Wirtschaft unabhängigen, freien Bildungswesen, das sich koordinierend selbst verwaltet, verhindert werden.

 

Anmerkungen

[1] http://de.scribd.com/doc/50186526/Schachtschn-Lissab-Klage

[2] http://www.eu-bildungspolitik.de/offene_methode_der_koordinierung_66.html

[3] http://www.eu-bildungspolitik.de/uploads/dokumente_bildungspolitik/2002_06_eu-arbeitsprogramm2010_de.pdf

[4] http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2013/12/Graupe_Krautz_Anpassung_an_Scheinwelt.pdf

[5] http://pisawortlaut.wordpress.com/zur-kritik-an-pisa/

[6] http://www.bmbf.de/pub/zur_entwicklung_nationaler_bildungsstandards.pdf

[7] http://www.selbstorganisierte-bildung.de/nachlesen/vortrag-schule-ohne-abschluss

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Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

15 Kommentare zu Schule des imperialen Kapitalismus

  1. hubi Stendahl // 22. Juli 2017 um 10:00 // Antworten

    @Herbert Ludwig

    Die Zusammenhänge kann man ohne Zweifel so unterschreiben. Nur einen wichtigen Fehler finden wir auch hier:

    Zitat:
    „Zugrunde liegt dieser sich als „Wissenschaft“ gebenden Bildungstheorie letztlich das auf den nackten Egoismus reduzierte Menschenbild des „homo oeconomicus“, des Menschen, der unentwegt und in jeder Lage darauf aus ist, seinen Nutzen bzw. Vorteil zu maximieren.“

    und weiter:

    “ Der Mensch wird nicht als Subjekt, als ein Wesen betrachtet, das sich unter dem Einfluss von Moral und Sittlichkeit zu Höherem entwickeln kann und soll,…… sondern als Objekt sowohl seines eigenen animalischen Eigennutzes wie den anderer Akteure der ökonomischen Kampfgesellschaft.“

    Der Fehler im Text besteht in der fehlenden Unterscheidungsfähigkeit zwischen Eigennutz (natürlich) und Selbstsucht (krankhaft).

    Der Eigennutz ist ein völlig normaler Antrieb, ohne dem eine prosperierende Entwicklung der Menschheit gar nicht stattfinden könnte. Er ist natürliches Ausleseprinizip ebenso wie Überlebenstrieb. Wir müssen also endlich lernen, diese feine Unterscheidung zur SELBSTSUCHT zu erkennen, um aus dem Irrsinn auferlegter künstlicher Moral herauszukommen.

    Jedes Wesen, auch der Mensch, hat einen inhärenten (notwendigen) EGOISMUS (EIGENNUTZ), der ZUSAMMEN MIT DEN WEITEREN EIGENSCHAFTEN WIE LIEBE, ALTRUISMUS, ABER AUCH HASS UND GIER, EINE AUSGEWOGENE EVOLUTORISCHE (ÜBERLEBENS-) STRATEGIE DARSTELLT (die sich ja ständig weiterentwickelt).

    Es ist mir ein Rätsel, dass dieser Verwechslung selbst gebildeten Personen immer wieder zum Opfer fallen.

    Gehen wir mal logisch vor:

    Im heutigen System, dass uns seit der Arbeitsteilung begleitet, also seit über 5000 Jahren, haben wir streng genommen DREI Arten von Moral:

    1) Die doppelte Moral: Windige vorantike Geschäftsleute, die die Macht, noch ohne liquides Geld innehatten, haben sich die Religionen zum Werkzeug gemacht, um die umverteilende Wirtschaft von arm zu reich, von fleißig zu faul, vor Zusammenbrüchen zu bewahren, in dem der EIGENNUTZ als eine böse Eigenschaft verteufelt wurde und die Armen mittels Religion zu „gemeinnützigem“ Verhalten konditioniert werden sollten. Die Reichen hatten es hingegen nie nötig dem Eigennutz abzuschwören. Wir wissen, trotzdem brachen die Gesellschaftsstrukturen immer wieder zusammen, weil trotz aller Gesetze Diebstahl und Betrug systemimmanent sind. Der Fehler liegt im System des Wirtschaftens selbst, in dem kein Platz für das natürliche eigennützige Verhalten ist. Das hat auch Kant mit seinem kategorischen Imperativ falsch aus der christlichen Tradition abgeleitet. Das Verbot des individuellen Eigennutzes für die Armen führt so zu einer doppelten Moral, die den Kapitalisten, den Geldadel, den SELBSTSÜCHTIGEN, schützt.

    2) Die dritte Form der Moral: Hier geht es nicht um die eigentliche Macht, die Geldelite oder Kapitalisten, die ein Gewissen, eine ausgewogene natürliche Mischung aus den o.e. Eigenschaften nie hatten, sondern um das große Heer der Nutznießer bzw. Profiteure. Sie sind die Nachfolger der Hofstaaten aus der Feudalzeit und bestehen aus dem bürgerlichen Volk, den Pensionisten und Mittelständlern, die nicht wie die Kapitalgeber ihr Gewissen (falls sie je eins hatten) bereits abgetötet haben, sondern spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist, angesichts der Ungerechtigkeiten die um sie herum geschehen. Sie beruhigen ihr Gewissen (siehe oben inhärenter Altruismus), in dem sie sich mit kirchlicher Frömmigkeit, Mildtätigkeit oder Unterstützung sozialer Hilfsmaßnahmen ein gutes Gewissen erkaufen (z.B. der Gutmensch). Sie halten den Gegensatz von Eigennutz und Gemeinnutz für eine unabänderliche Tatsache und beruhigen sich damit, dass alle Menschen „Sünder“ sind, sie selbst immerhin -versuchen- sich altruistisch zu verhalten. Jesus von Nazareth sprach hier von Heuchlern.

    Eine Moral, die den Eigennutz als böse unterstellt, ist in diesem Sinne nichts weiter als verlogen. Sie zwingt die Menschen sich und andere zu belügen, Wege zur Umgehung zu suchen und zu finden. Wenige Menschen mögen es geschafft haben diese widernatürliche Moral zu leben (Selbstgeißelung, Kasteiung etc.), die meisten versinken in der „Sündhaftigkeit“ und im Ablasshandel, sofern sie das Glück haben in einem dafür notwendigen Stand (Pensionisten, Zinsgewinner, Mittelstand) zu sein.

    Die Verwechslung von Eigennutz (natürlich) und Selbstsucht (krankhaft) führt immer dann zur Katastrophe, wenn staatliche oder überstaatliche Organisationen die verlogene Moral über Gebühr abfordern, um politische Ziele umzusetzen, wie auch heute wieder. Die Geschichte ist voll davon. Wie eine Umsetzung unter Berücksichtigung natürlicher menschlicher Attribute zu einer neuen NATÜRLICHEN Wirtschaftsordnung funktionieren könnte:

    http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/natuerliche-wirtschaftsordnung-moralische-auswirkungen

  2. @hubi Stendahl
    Die Übergänge von „Eigenutz“ zu „Selbstsucht“ sind ja fließend. Aus dem Zusammenhang ergibt sich eigentlich, dass ich die gesetzlich und systemisch geförderte Selbstsucht meine. Aber Sie haben recht, dass ich sie deutlich vom notwendigen Eigennutz hätte abheben sollen.

    Ich habe den Unterschied in anderem Zusammenhang am Eigentumsbegriff und dessen Überdehnung deutlich zu machen versucht.
    Der eigentliche Sinn des Privateigentums ist, die äußere Existenz des Menschen mit materiellen Gegenständen zu sichern, die er zu seinem privaten, persönlichen Leben brauchen und verbrauchen kann und über die er deshalb auch ein unbegrenztes Verfügungsrecht haben muss. Dieses Privateigentum unterstützt so die Entwicklung zur in sich geschlossenen Persönlichkeit, die sich insofern von den anderen abschließen, behaupten und notwendig egozentrisch auf den eigenen Nutzen bedacht sein muss.

    Demgegenüber ist ein Wirtschaftsunternehmen jedoch keine Sache, die dem privaten Gebrauch und Verbrauch des Eigentümers, sondern gemeinsam mit notwendigen Mitarbeitern der Bedürfnisbefriedigung vieler anderer Menschen dient. Es hat also eine soziale, gesellschaftliche Aufgabe, und die unbegrenzte Verfügung über Produktionsmittel, Finanzkapital und Gewinn oder gar der Verkauf des ganzen Unternehmens hat enorme soziale Auswirkungen für andere Menschen. Da die Arbeitnehmer eines Betriebes de facto Produktionsmittel sind, werden sie z. B. bei einer Veräußerung wie eine solche Sache gleichsam mitverkauft und je nach Verschlankung, Aufteilung, Fusion oder Zerschlagung des Unternehmens mitverschoben oder entsorgt. Sie sind mit ihrer wirtschaftlichen Existenz der Macht der Kapitaleigentümer weitgehend hilflos ausgeliefert.

    Hier erlaubt der undifferenzierte Eigentumsbegriff die Ausdehnung des natürlichen Eigennutzes in die sozial krankhafte und zerstörerische
    Selbstsucht. Aber damit haben wir es in der kapitalistischen Wirtschaft zentral zu tun.

  3. Karl Bernhard Möllmann // 22. Juli 2017 um 13:27 // Antworten

    . . .
    Mir gefällt die glänzende Herausarbeitung des Schlawieners mit Namen EU – die sich an KEINE Verträge hält – und längst zur wohl größten Gefahr für die Demokratie verkommen ist.
    .
    DAS erklärt nebenbei auch die Explosion von Depressionen & Selbstmorden – denn in einem Wort gesprochen ist die europäische „Bildung“ zur „Fremd-Steuerung“ der Menschen verkommen – sowas nannte man früher: „ENTMÜNDIGUNG“.
    .
    Fremdsteuerung führt im Extrem zu den in letzter Zeit in Mode gekommenen „Selbst-Mord-Attentätern“ – die von CIA & CO derart perfekt GEHIRN-gewaschen werden – daß sie wie in Trance zu willigen, ferngesteuerten Massen-Mördern gedungen werden können . . .
    .
    Echte Demokratie braucht Bürger mit klarem Verstand und der Fähigkeit des logischen Denkens – dazu gehört als Grundbedingung echte Freiheit – denn „moderne“ Psychopathen sind perfekte LÜGNER wie Ex-US-Präsident George W. Bush – oder sein ebenso krimineller Nachfolger Barack Obama, der seit 2013 die Terrormiliz IS mit US-Waffen aufgebaut hat, wie Donald Trump vor 4 Wochen bekannt geben ließ, als er die GEHEIMEN WAFFEN-LIEFERUNGEN an die Anti-Assad-Rebellen durch die CIA offiziell nach VIER LANGEN JAHREN DER LÜGE & DES GEHEIMEN US-TERRORS wegen „Erfolgslosigkeit“ endlich wieder einstellen ließ . . .
    .
    Heimlich still & leise erfahren wir Bürger so um drei Ecken & mit 4-jähriger Verspätung – daß die Welt-Macht USA unter Friedens-Nobel-Preis-Träger Barack Obama – den TERROR erfand, um so ein ungeliebtes Land wie Syrien zu zerstören und anschließend auszubeuten.
    .
    DAS ist erstens ein VERBRECHEN gegen die Allgemeinen Menschen-Rechte – und zeigt zweitens – daß nicht einmal die USA eine echte Demokratie sind.
    .
    Die Amerikaner wurden weder informiert noch gefragt.
    .
    Weil die Welt-Macht USA derart ungeniert & kriminell immer wieder fremde & souveräne Staaten überfällt – ist das Thema „BILDUNG“ für uns alle überlebenswichtig !
    .
    Wer nur als „human resources“ (menschlicher Rohstoff) auf amerikanische Art & Weise zur Profit-Maximierung gedrillt wird – OHNE ZU KAPIEREN – der wird wie entmündigte Amerikaner, entmündigte Türken, entmündigte Nordkoreaner oder wie damals bereits entmündigte Deutsche – JA & AMEN zur nächsten großen Schweinerei der Amerikaner sagen . . .
    .
    Einzig & allein ein bestens trainierter VERSTAND – der eigenständig & logisch denken kann, und die Freiheiten besitzt, die vom Deutschen Grundgesetz GARANTIERT werden – kann derartig perversen Psychopathen die rote Karte zeigen, wenn sie wie derzeit den „arabischen Frühling“ verbreiten, und hinter ihren perversen LÜGEN nurden nackten TERROR verbergen!
    .
    Die GEDANKEN sind FREI !
    .
    Die Bildungs-Pläne der EU sind dagegen Terror !

    • „DAS erklärt nebenbei auch die Explosion von Depressionen & Selbstmorden – denn in einem Wort gesprochen ist die europäische „Bildung“ zur „Fremd-Steuerung“ der Menschen verkommen – sowas nannte man früher: „ENTMÜNDIGUNG“.“

      Und das führt dann zur Überlegenheit im Konkurrenzkampf mit anderen? Das wäre laut dem Artikel schließlich das Ziel des durch die EU reformierten Bildungssystems.
      Ranma

  4. hubi Stendahl // 22. Juli 2017 um 13:53 // Antworten

    @falkenauge

    Danke für die Antwort.

    Zitat:
    „Es hat also eine soziale, gesellschaftliche Aufgabe, und die unbegrenzte Verfügung über Produktionsmittel, Finanzkapital und Gewinn oder gar der Verkauf des ganzen Unternehmens hat enorme soziale Auswirkungen für andere Menschen.“

    Er hat eben keine soziale, gesellschaftliche Aufgabe. Seine Aufgabe besteht in der profitablen Führung eines Unternehmens, unter Zuhilfenahme und unter Ausnutzung der von der Gesellschaft (Staat) zur Verfügung gestellten Rahmenbedingung (hier Kapitalismus).

    Dieser Kapitalismus, der ja nicht etwa naturgegeben ist, sondern von Menschen gemacht wurde, hat in seinem System den entscheidenden Fehler, dass er keinen fairen Wettbewerb zulässt. Wettbewerb aber ist eines der Fundamente zur Entwicklung und Fortdauer allen Lebens.

    Das Problem liegt also nicht beim Unternehmer, wie der unselige Karl Marx es annahm, der ja auch Altruismus einforderte und den Fehler bei der Ausbeutung verortete. Eine fatale Fehleinschätzung, die hunderte Millionen Tote zur Folge hatte, weil man unter der Flagge des Sozialismus versuchte eine „Massenseele“ zu konstruieren, der man den Eigennutz (nicht die krankhafte Selbstsucht) einfach ab zu erziehen versuchte. Die modernen Gehirnwäschemethoden zeigen gerade, dass das nur unvollständig, aber nicht dauerhaft möglich ist, weil es durch den genetisch inhärenten Eigennutz konterkariert wird. Dafür gab und gibt es staatliche Gehirnwäsche und natürlich die religiösen Methoden. Als allegorischer Vergleich soll hier mein Hund herhalten, der nach Training wunderbar apportiert, seine Nachkommen aber wieder aufs Neue konditioniert werden müssen. Auf einem solchen Hirngespinst kann man also keinen Staat und keine prosperierende humane Entwicklung aufbauen. Gutmenschen, Kommunisten und Sozialisten sollen sich einmal einem Test unterziehen und in einen Betrieb mit 500 Mitgliedern zeigen, inwieweit sich die Prosperität und das Gemeinwesen dadurch steigern lässt, dass den Arbeitern die Möglichkeit gegeben wird untereinander den Lohn selbst zu bestimmen, um zu zeigen, wie hoch der Stolz ist, für das Gemeinwesen tätig zu werden, unter Hergabe von Arbeitsertrag für die Gemeinschaft. Das Ergebnis ist uns wohl allen klar. Der schnellere, intelligentere, stärkere oder fleißigere Arbeiter wird für seine schnellere, bessere oder stärkere Arbeit mehr einfordern, als der schwache, gemütliche, kleine oder dumme Arbeiter.

    Jetzt muss klar sein, dass es hier im Sozialismus immer nur um die Disposition des Eigentums von Kapitalisten geht, nie um die Aufhebung des polaren Gegeneinanders.

    Die zukünftige Grundlage zur weitestgehenden Aufhebung des Gegensatz Eigennutz vs. Gemeinnutz (Gerechtigkeit) kann also nicht sein, nur das Bildungswesen zu reformieren oder den Reichen etwas abzunehmen, und dabei die Fundamente der Ökonomie zu erhalten. Es kann nur dann einen nächsten gesellschaftlichen Schritt geben, wenn der Zwang natürliche Eigenschaften zu unterdrücken aufhört. So lange wird es immer bei einem elitären sozialistischen Staat in den unterschiedlichen Ausprägungen bleiben, aber nie, niemals zu einem echten sozial-(istischen) Volk kommen.

    Die Zukunft der Menschheit ist nicht die Abschaffung der Marktwirtschaft, die zwangsläufig im Staatskapitalismus (Totalitarismus) enden wird, was wir derzeit erleben. Die einzig gangbare Zukunft ist die Befreiung der Menschen vom unnatürlichen Zwang sich dem parasitären fehlerhaft konstruierten Kapitalismus durch falsche Moral zu unterwerfen. Das funktioniert mit dem Gegenprinzip zum Privatkapitalismus durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform (echte Soziale Marktwirtschaft), die einen Staat als Handlanger des Kapitals heutiger Prägung überflüssig macht.

    Geschieht das nicht bald, fliegt uns angesichts der Globalisierung der gesamte Laden um die Ohren und wir finden uns in der (geistigen) Steinzeit wieder. Ihr Bericht zur aktuellen PISA – „Bildungsoffensive“ der westlichen Staaten, zeigt dabei den Trend zum Totalitarismus in einzigartiger Weise auf, wie der Lehrverband gerade selbst deutlich macht:

    http://www.presseportal.de/pm/58964/3689974

    Deshalb war mir die Unterscheidung von Eigennutz und Selbstsucht wichtig. Der Leser darf in sich nicht den Schluss ziehen, er sei „fehl geschaltet“, weil er, ehrlich mit sich selbst, täglich feststellt, dass er eigennützig handelt. Vielleicht machen wir das in 100.000 Jahren nicht mehr. Dann haben wir uns entwickelt und treten aus einer zwischenzeitlichen Ying/Yang Gesellschaft in eine kosmologische. Nur ohne erste Erleuchtung wird das wohl nix. Die Natur braucht nicht den Menschen, der Mensch braucht die Natur.

    • „Der schnellere, intelligentere, stärkere oder fleißigere Arbeiter wird für seine schnellere, bessere oder stärkere Arbeit mehr einfordern, als der schwache, gemütliche, kleine oder dumme Arbeiter.“

      Da kennst du die Menschen aber schlecht! Unter echten Menschen läuft es leider genau umgekehrt ab!
      Ranma

      • hubi Stendahl // 23. Juli 2017 um 09:53 //

        @Ranma
        „Unter echten Menschen läuft es leider genau umgekehrt ab!“

        Was sind „echte und unechte Menschen? Ein Mensch handelt zunächst eigennützig. Er macht das ganz automatisch, weil er sein Leben sichert, wie das jedes Wesen macht. Und wir können mit ein bisschen neutraler Betrachtung erkennen, dass es nützlich, ja notwendig ist.

        Was ist Eigennutz eigentlich im Gegensatz zur Selbstsucht?

        Also los:

        Die Grundlage jeder menschlichen Beziehung, also auch
        jeder menschlichen Gemeinschaft, ist der Leistungsaustausch im weitesten Sinn des Wortes. Jeder Mensch ist mit seinen wirtschaftlichen und kulturellen, mit seinen körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnissen auf die Hilfe und Ergänzung
        durch die Mitmenschen angewiesen und erhält sie auch als Gegenleistung für die Hilfe und Ergänzung, die er selbst den anderen gewährt. Der Leistungsaustausch geschieht ganz allgemein ebenso wie im Sonderfall des wirtschaftlichen Warentausches auf der Grundlage des freien Wettbewerbes nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage und ist stets für beide Teilnehmer vorteilhaft. Es gilt hier im Wesentlichen dasselbe Gesetz wie für den (direkten) Warentausch: FÜR JEDEN DER BEIDEN TEILNEHMER HAT DIE BEIM AUSTAUSCH EMPFANGENE LEISTUNG, ABER EINEN HÖHEREN SUBJEKTIVEN WERT WIE DIE DAFÜR GEGEBENE GEGENLEISTUNG. Der Egoismus, also das Streben nach Eigennutz, ist also moralisch nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten; denn der Gemeinnutz kann nur in dieser Weise durch Erfüllung des Eigennutzes gesichert werden und umgekehrt.

        Ethisch moralisch verwerflich, gesellschaftlich verfemt, gesetzlich verboten und mit Strafe bedroht aber ist die Selbstsucht, die den Eigennutz auf Kosten des Gemeinnutzes mit Umgehung des Leistungsaustausches zu verwirklichen strebt, z. B. durch Diebstahl
        und Betrug nicht nur in dem üblicherweise verstandenen kleinen Maßstab, sondern auch im großzügigen Maßstab unserer gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaft und staatlichen Welt- und Geldordnung. Aber auch die Selbstlosigkeit, d. h. der Verzicht auf Leistungsaustausch zugunsten des Gemeinwohles oder richtiger gesagt: der Verzicht auf eine handgreifliche Gegenleistung für die gebotene eigene Leistung wird den moralischen Heiligenschein (Heuchlerei) verlieren; denn man wird erkennen, dass die meisten und vielleicht sogar alle selbstlosen Handlungen in Wahrheit nur die Befriedigung eines feineren, also edleren und darum wertvolleren Egoismus (Eigennutz) bezwecken.

        Wenn Sie das verstanden haben, dann definieren Sie bitte ihren sinnfreien Begriff „echter Mensch“ nochmal.

        Wenn Sie das nicht verstanden haben, dann gehen Sie in´s Kloster, besorgen sich bei einer Domina eine Peitsche und üben sich in Selbstkasteiung.

  5. @hubi Stendahl:

    Unechte Menschen sind diejenigen, die nur in deinem Kopf existieren! Echte Menschen existieren dagegen auf die selbe Weise wie du. Damit wollte ich keinerlei Bewertung der auf die selbe Weise wie du existierenden Menschen abgeben, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß sie sich ganz anders verhalten als die nur in deinem Kopf existierenden Menschen.

    „Ein Mensch handelt zunächst eigennützig. Er macht das ganz automatisch, weil er sein Leben sichert, wie das jedes Wesen macht. Und wir können mit ein bisschen neutraler Betrachtung erkennen, dass es nützlich, ja notwendig ist.“

    Dem stimme ich zu. Die Unterscheidung zwischen Eigennutz und Selbstsucht ist wirklich sinnvoll. So eigennützig wie du es hier beschreibst, verhalten sich alle Menschen, egal ob sie in echt oder nur in deinem Kopf existieren, egal ob sie zu den schnellen/ intelligenten/ starken/ fleißigen Menschen oder zu den schwachen/ gemütlichen/ kleinen/ dummen Menschen zählen. Wobei mir auffällt, daß es mindestens noch sinnvoll gewesen wäre, wenn du dein Adjektiv klein in diesem Zusammenhang erläutert hättest. Mit dem Eigennutz ist es dann jedoch für einen Teil der Menschen getan, während beim anderen Teil noch Selbstsucht obendrauf kommt. Hier unterscheiden sich dann die auf die gleiche Weise wie du und die nur in deinem Kopf existierenden Menschen voneinander.

    „Ethisch moralisch verwerflich, gesellschaftlich verfemt, gesetzlich verboten und mit Strafe bedroht aber ist die Selbstsucht, die den Eigennutz auf Kosten des Gemeinnutzes mit Umgehung des Leistungsaustausches zu verwirklichen strebt, z. B. durch Diebstahl
    und Betrug nicht nur in dem üblicherweise verstandenen kleinen Maßstab, sondern auch im großzügigen Maßstab unserer gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaft und staatlichen Welt- und Geldordnung.“

    Deine vorherige Erklärung der Selbstsucht fand ich irgendwie besser, weil hier bereits gesetzliche Rahmenbedingungen einfließen, die erst als Folge entstehen, wenn der Unterschied zwischen Eigennutz und Selbstsucht allgemein verstanden ist, wodurch deine Erklärung dann jedoch bereits überflüssig geworden wäre. So oder so ist neben deiner Erklärung des Eigennutzes auch die Erklärung der Selbstsucht sehr gut und sinnvoll. Während es bei den nur in deinem Kopf existierenden Menschen die Gruppe der schnellen/ intelligenten/ starken/ fleißigen ist, die sich durch Selbstsucht auszeichnet, ist es unter den in echt existierenden Menschen die Gruppe der schwachen/ gemütlichen/ kleinen/ dummen Menschen, die das tut, weil es letztere sind, die keinen Gedanken daran verschwenden was wohl passieren würde, wenn sich jeder so verhielte. Deshalb sind es die schwachen/ gemütlichen/ kleinen/ dummen Menschen, die mehr für sich fordern als die schnellen/ intelligenten/ starken/ fleißigen Menschen. So geht das eigentlich auch schon aus deiner Definition hervor. Trotzdem hast du dann in einem Gedankensprung die Zuordnung zwischen den beiden Menschengruppen auf der einen und ihrem eigennützigem oder selbstsüchtigem Verhalten auf der anderen Seite vertauscht. Ich wollte nichts weiter als genau darauf aufmerksam machen.

    „Der Leistungsaustausch geschieht ganz allgemein ebenso wie im Sonderfall des wirtschaftlichen Warentausches auf der Grundlage des freien Wettbewerbes nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage und ist stets für beide Teilnehmer vorteilhaft.“

    Schon an der Stelle erwähnst du, daß es gewisse Rahmenbedingungen geben muß, damit ein Austausch für beide Teilnehmer vorteilhaft ist. Im vorherigen Kommentar hättest du das schon nicht verschweigen sollen. Es gibt nämlich auch Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, daß ein Austausch nicht für beide Teilnehmer vorteilhaft ist. Fast jeder Austausch zwischen einer Privatperson und einem Staatsorgan kann als Beispiel dafür dienen.

    „FÜR JEDEN DER BEIDEN TEILNEHMER HAT DIE BEIM AUSTAUSCH EMPFANGENE LEISTUNG, ABER EINEN HÖHEREN SUBJEKTIVEN WERT WIE DIE DAFÜR GEGEBENE GEGENLEISTUNG.“

    Bei vielen Formen des Leistungsaustausches müßtest du allerdings ein unfehlbarer Prophet sein, um den subjektiven Wert einer Leistung vorherzusagen, die du empfangen wirst. Wenn du eine Leistung mit nur subjektivem Wert gegen eine andere Leistung mit nur subjektivem Wert tauschst, dann ist immer eine Seite im Nachteil. Normalerweise ist es die weniger fiese, weniger mächtige, weniger gewaltbereite, weniger kriminelle Seite, die den Nachteil hat. Schlimmstenfalls hat man eine staatliche Stelle als Gegenseite vor sich. Das ist nur konsequent, weil ungleiche Machtverteilung eine Notwendigkeit für die Entstehung und den Fortbestand der Staaten ist.

    „Aber auch die Selbstlosigkeit, d. h. der Verzicht auf Leistungsaustausch zugunsten des Gemeinwohles oder richtiger gesagt: der Verzicht auf eine handgreifliche Gegenleistung für die gebotene eigene Leistung wird den moralischen Heiligenschein (Heuchlerei) verlieren; denn man wird erkennen, dass die meisten und vielleicht sogar alle selbstlosen Handlungen in Wahrheit nur die Befriedigung eines feineren, also edleren und darum wertvolleren Egoismus (Eigennutz) bezwecken.“

    Was jedoch, wenn dieser edlere Egoismus dem Selbsterhaltungstrieb zuwiderläuft, aus dem er hervorgegangen ist? In dem Fall ist es sicherlich wahrscheinlicher, daß man falsch konditioniert wurde, weil man irgendwie auch inmitten krimineller und sehr gewaltbereiter Leute überleben und aufwachsen mußte. Einen Menschen wegen solcher Erfahrungen noch mehr auszunutzen unterscheidet sich, abgesehen von der fehlenden Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dafür, eigentlich nicht von dem wie du zuletzt die Selbstsucht beschrieben hast.
    Ranma

  6. @Rosi u. Ranma

    Otto Valentin hat viele Problempunkte des/ unseres, über 2.000-jährigen Boden- und Kapital-Monopolismus, anschaulich und ausführlich behandelt (Hinweis kam von @Hubi auf Ernst Winkler u. natürliche Wirtschaftsordnung, Wirtschaft ohne Wettbewerbs- und Marktstörung der Mehrheit aller Menschen/ Gesellschaftsteilnehmer):

    http://humanwirtschaftspartei.de/wp-content/uploads/2014/11/loesung_der_sozialen_frage-nd-2.pdf

    Otto Valentins Arbeit ist, mAn, anschlussfähig/ kombinierbar, mit dem Ansatz von Franz Hörmann und seinem Informationsgeld OSBEEE. Hörmann behandelt im Folgenden u.a., anspruchsvoll die unzulässige Mathematisierung (in meinen Worten, als ‚willkürliche, lineare Transzendierung‘ des natürlichen Wechselverhältnisses von Geben und Nehmen und seinem verrechnenden Austausch [ursprüngliche > subsistenzielle Kreidekreistausch-Ökonomie]) der sog. ‚Bourbaki-Gruppe ‚:

    • hubi Stendahl // 25. Juli 2017 um 09:49 // Antworten

      @Conrath

      Zitat:
      „Otto Valentins Arbeit ist, mAn, anschlussfähig/ kombinierbar, mit dem Ansatz von Franz Hörmann und seinem Informationsgeld OSBEEE.“

      Chapeau. So kommen wir weiter. Jetzt muss das Fundament von Silvio Gesell als Sozialphilosoph noch richtig verstanden werden und hinzugefügt werden.
      Es ist alles viel einfacher als die gehypten Nobelpreisträger uns weismachen wollen. Auch die Probleme in Hörmanns Modell würden dann lösbar.

      Denn:

      Hörmann, Valentin, Gesell oder Ernst Winkler versteht jeder, wenn er sich etwas Mühe gibt. Es braucht kein VWL oder BWL Studium, um die Zusammenhänge zu verstehen.

      Es braucht nur die Rückkehr zu einem natürlichen Verständnis der Dinge, um die Logik über die Vernunft aufzunehmen.

    • pedrobergerac // 27. Juli 2017 um 10:04 // Antworten

      Der verlinkte Vortrag von Franz Hörmann ist absolut zu empfehlen. Vielen Dank.

  7. Karl Bernhard Möllmann // 24. Juli 2017 um 09:29 // Antworten

    . . .
    Wenn GEBEN & NEHMEN sich die Waage halten – DANN nennen wir diesen Austausch unter fairen Bedingungen einen MARKT.
    .
    Wenn entweder GEBEN oder NEHMEN einseitig sind – DANN nennen wir diese Umverteilung zu Lasten der einen Seite und zum Nutzen der anderen Seite KRIMINELL.
    .
    BEIDE Seiten eines Handelns müssen also in die Waage, also zum Ausgleich gebracht werden.
    .
    KRIMINELLEN & PSYCHOPATHEN geht derartig harmonisches Handeln am Arsch vorbei – „nach mir die Sündflut“ würde das Verantwortungs-Niveau des typischen Psychopathen am besten beschreiben – WIE ES DEN ANDEREN ERGEHT IST IHM EGAL.

    • „Wenn entweder GEBEN oder NEHMEN einseitig sind – DANN nennen wir diese Umverteilung zu Lasten der einen Seite und zum Nutzen der anderen Seite KRIMINELL.“

      Kriminelle Psychopathen nennen das aber nicht so. Das wäre nicht so schlimm, wenn es nicht ausgerechnet die kriminellen Psychopathen wären, die für die gesetzlichen Definitionen verantwortlich zeichnen. Deshalb gilt vieles als Markt oder als freiwillig oder als ausgeglichen oder als gerecht, was in Wirklichkeit nicht so ist.
      Ranma

      • Karl Bernhard Möllmann // 25. Juli 2017 um 10:11 //

        . . .
        Ist schon klar, Ranma!
        .
        Aber steter Tropfen hölt den Stein!
        .
        Je geläufiger uns die Definion von „BETRUG“, als ein EIN-seitiges Geschäft ist – wo immer die ANDERE Seite verliert – desto schneller & KLARER erkennen wir JEDEN Betrug unserer eigenen Führer.
        .
        EGAL wie perfekt die TARNUNG.
        .
        Nur wenn BEIDE Seiten gewinnen – ist es ein „Geschäft“ – und man darf von einem freien Markt sprechen.
        .
        Wir müssen lernen, immer & überall ganz genau hin zu schauen!

  8. „Jetzt muss das Fundament von Silvio Gesell als Sozialphilosoph noch richtig verstanden werden und hinzugefügt werden.“ (hubi Stendahl)

    Das wäre mal ein Thema.

    „Hörmann, Valentin, Gesell oder Ernst Winkler versteht jeder, wenn er sich etwas Mühe gibt. Es braucht kein VWL oder BWL Studium, um die Zusammenhänge zu verstehen.“ (hubi Stendahl)

    Ich finde Gesell durchaus leicht verständlich. Aber die Vielzahl schräger Ansichten unter den Gesellianern zeigt wohl, daß es doch nicht so leicht ist. Wahrscheinlich verstehe ich Gesell deshalb, weil ich seine Schriften vollständig gelesen habe. Das ist doch etwas anderes als nur Gerüchte darüber zu kennen. Sämtliche Werke sämtlicher Leute, die sich irgendwann irgendwie mal mit einem Thema befaßt haben, zu lesen schafft niemand. Man muß sich darum auf das Wesentliche konzentrieren. Silvio Gesell und David Graeber sind die Meistgehaßten, weil die einfach mal so den Leuten die Wahrheit sagen und man von den beiden so gut wie alles über Wirtschaft lernen kann. Lernen ist dann auch das Stichwort, das uns zum Thema des Artikels zurückbringt. Wie kann man ernsthaft von geringerem Können des Humankapitals Wettbewerbsvorteile erwarten? Man nimmt den Schülern Logik und Mathematik und erwartet dadurch Vorteile in der Robotik und der Informatik?
    Ranma

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