Wetten für die Staatskasse

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Gelder aus Glücksspieleinnahmen von Lotto, Wetten und Geldspielautomaten, fließen in die Landeshaushalte und wohltätige oder gemeinnützige Projekte.

 Online-Glücksspiel und Sportwetten-Betreiber liegen hoch im Kurs. In den letzten Jahren konnte ein wahrer Online-Casino-Boom verzeichnet werden. Das mag daran liegen, dass Internetcasinos zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet haben, man das Haus nicht verlassen muss, um zu zocken, und an den virtuellen Poker- oder Roulettetischen immer ein freier Platz auf den Spieler wartet.

Wohin fließt das durch Glücksspiel erwirtschaftete Geld?

Längst werden nicht mehr nur Wetten abgegeben und Lotto gespielt, heute zockt man oft Spielautomaten online und vergnügt sich viel lieber im live Bereich des Online Casinos als in einer landbasierten Spielbank. Lotto mag zwar als eines der sozialsten Glücksspiele angepriesen werden, dessen Gelder die Landeshaushalte unterstützen sowie gemeinnützige Projekte in Sport, Kultur und Gesellschaft.

Dennoch wandern zunehmend vor allem junge Leute ins Internet ab, da ihnen dort meist ein größeres und vielfältigeres Angebot an Spielen geboten wird, die zudem saftige Gewinne versprechen, oftmals sogar in Millionenhöhe.

An dieser modernen Form des Glücksspiels kommt kaum ein Land vorbei. Auch Deutschland wird sich schon aus finanziellen Gründen anpassen müssen, wenn es nicht will, dass kleinere EU-Staaten diesen Wirtschaftszweig komplett an sich ziehen.

Spielsalon

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Über 30 Milliarden Euro Umsatz

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 267.000 Geräte in Deutschland aufgestellt, deren Einnahmen der Umsatzsteuer, Ertragssteuer und der Vergnügungsteuer unterliegen. Bei den Glücksspielen, zu denen unter anderem auch Pferdewetten, Lotto und Toto, sowie die Klassen- und Fernsehlotterie zählen, wird eine bestimmte Summe an Geld investiert, um sozusagen am Spiel teilnehmen zu können.

Laut einer Forsa-Umfrage ist Glückspiel noch immer eine Männer-Domäne. 82 Prozent gaben an, schon einmal ihr Glück versucht zu haben. Aber auch 61 Prozent der Frauen zwischen 18 und 20 Jahren haben demnach schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Zumeist haben sie ihre „Glücksspielkarriere“ mit dem Lotteriespiel eingeläutet. Dass „Lotto 6 aus 49“ wurde von 41 Prozent als das erste Glücksspiel in ihrem Leben angegeben.

Der Umsatz der Branche stieg von 27 Milliarden im Jahr 2002 auf 31 Milliarden in 2010, und im Jahr 2014 lag er bereits bei 34,6 Milliarden Euro. Der größte Anteil mit etwa 20 Milliarden Euro entfällt dabei im Jahr 2014 auf Geldspielautomaten, 6,9 Milliarden Euro auf den deutschen Lotto-und Toto-Block und 5,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten die Spielbanken. Somit kassiert auch der Staat fleißig mit.

Finnisches Modell

Vielleicht könnte man sich aber auch eine Scheibe von der finnischen Spielbranche abschneiden. In Finnland werden nämlich direkt Gewinne aus den Spielautomaten an soziale Organisationen und an die Gesundheitsfürsorge ausgezahlt und somit unterstütz und gefördert. Anstatt die Spiellust der Bürger auszunutzen, hegt die finnische Politik das Ziel, die erwirtschafteten Gelder aus Lotto, Pferderennen, Wetten und Automaten, an wohltätige Organisationen zu Spenden.

 

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2 Kommentare zu Wetten für die Staatskasse

  1. Conrath // 19. März 2017 um 17:29 //

    Zum staatlich konzessionierten Glücksspiel

    Felix Martin schreibt in ‚Geld, die wahre Geschichte‘, das im 17. Jhdt. das Lotteriespiel durch sogenannte Projektemacher vorgeschlagen und realisiert wurde. „Ein neuartiger Plan sah eine staatliche Lotterie vor, bei der 100.000 Lose zu je 10 Pfund verkauft werden sollten. […] Das eingenommene Geld wurde in der [damals] üblichen Weise ausgeliehen, aber Investoren, die der Eintönigkeit der Kuponzahlungen überdrüssig waren, hatten die Chance, ein detailliert gestaffeltes Menü von Barpreisen zu gewinnen.“ zit. n. Richards 1958.

    Die Könige und Fürsten mussten schon damals, trotz ihres noch bestehenden Münzregalrechtes, für Beteiligungsgeschäfte mit Ihren vermögenden Bürgern und Kaufleuten sorgen, um in einer Mischkalkulation daraus die ersten Formen von staatlich kontrollierten Anleihegeschäften zu machen.

    Auch der Charakter der sogenannten Risikoinvestitionen hat, seit Beginn, die Ähnlichkeit mit dem Casino-Glücksspiel und einfachen Wetten, weil sich in dem Begriff Risiko nur das Fehlen genauerer Informationen verbirgt, es kein echtes Risiko ist, da meist mit leistungslos erworbenen ‚Überschüssen‘ gespielt/ gehandelt, wurde, nicht mit dem Stamm- oder Grundkapital. Darauf achteten jedenfalls die Hanseverbindungen sehr streng. Wer nur noch zockte, ohne Rücklagen wurde nicht mehr zur nächsten Eiswette, den gesellschaftlichen informellen Veranstaltungen, eingeladen und verlor damit umgehend seine Schuldzahlungsglaubwürdigkeit. Und ein rechtschaffender Gildekaufmann sah zu, dass er neben seinen sichereren, weil deutlich bekannteren, Brot und Butter Handelsgeschäften, nur ein kleiner, nicht erforderlicher, Teil, den Wettgeschäften gewidmet wurde. Zu allen Zeiten galt die Umkehrung dieses Prinzips als unverantwortliches und zerstörerisches Handeln, wurde seit Aristoteles regelmäßig kritisiert und ethisch verpönt.

    Die Spielbank und ihr staatlicher Konzessionsgeber gewinnt allerdings immer, was ja gewollt ist. Heute nehmen im Großen diese Stelle die Schattenbanken ein, die quasi ausschließlich nur noch ‚w e t t e n‘, allerdings in einem fast unvorstellbarem Umfang. –

    Wer daran irgendwie, mehr virtuell als reell teilnimmt, der hofft in der gleichen Richtung mit, wie die kryptischen Hyperfinanzmanipulateure. Es ist ein Beitritt, der den repräsentativen (uneigentlichen) Demokraten ganz gut passt. Genauso wie das Kriegsspielen der vielen Bürgerdarsteller im virtuellen Raum, ein Beitritt zur Hölle, der Spielhölle. Aber sie gehört zum menschlichen Erfahrungsbereich des Umgangs mit Faszination und Unsicherheit, das muss auch beizeiten gelernt werden, wie Schreiben und Lesen.

    Sind Lotto- und Ballerspiele deswegen zu verurteilen?

    Ganz früher hätte ich ja gesagt, heute meine ich, dass es immerhin jeden einmal, oder mehrfach erfahren lässt, wie es sich anfühlt. Wer das dann ständig braucht, ist mMn süchtig.

    Ich habe einmal 6-er Lotto mit Zusatzzahl gespielt, ein Spiel, ein Einsatz, es war 1984, 1 Woche später hatte ich 40.000 DM Gewinn ausgezahlt bekommen. Danach sagte ich mir: ‚So mein Lieber, laut Wahrscheinlichkeitsstatistik ist es sinnvoll, genau jetzt aufzuhören, da der Zeitraum, in dem ich auch nur die Hälfte davon nochmals gewinne, meine Lebensspanne mehrfach überschreitet, die mittlere statistische jedenfalls. Und so ist es auch geblieben. Damals kam gerade das zweite Kind und die Firma war in ihrem 4. Betriebsjahr und so konnte das Geld im Nu in der laufenden Haushaltsführung aufgehen. Wer sich mit Lotto eine Existenz aufbauen will, kann mMn auch als Parkplatzwächter auf dem Mond anheuern.

  2. Dennis Schmidt // 24. März 2017 um 09:35 //

    Finnland ist ein gutes Beispiel, wie es klug organisiert werden kann, so dass alle zufrieden sind. Mindestens sieht es so aus.

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  1. Schlagzeilen des Tages vom 19. März 2017 › Opposition 24

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