Als Vernunft mehr als der Koran galt
Als Vernunft mehr als der Koran galt

Als Vernunft mehr als der Koran galt

"Gebet in Kairo" / Von Jean-Léon Gérôme, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1456897
Nicht der Islam, sondern die arabisierte Form griechischer Philosophie und Naturwissenschaft zählen zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur.

Wissenschaft schützt vor Torheit nicht, insbesondere dann, wenn historische Ereignisse mit undifferenzierter Begrifflichkeit erfasst werden. Am 12.5.2016 sagte der Berliner Mittelalterhistoriker Michael Borgolte zu Focus-online:

„Der Islam gehört zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur. … Muslimische Gelehrte im Mittelalter (haben) ganz wesentlich dazu beigetragen, das Wissen über griechische Philosophie und Naturwissenschaften zu erhalten und ins lateinische Europa zu übertragen. Ob in Bagdad oder im muslimischen Spanien: Islamische Gelehrte haben die Texte der griechischen Philosophen und Denker in die Volkssprache übertragen und von dort wurden sie ins Lateinische übersetzt. Ohne den Islam keine Scholastik, keine Universitäten und keine Wissenschaft in unserer heutigen Form.“[1]

Die Weisheit der Akademie von Gundischapur

Hier wird der Islam mit Teilen der arabischen Kultur des Mittelalters verwechselt. Beide haben ganz verschiedene Ursprünge und waren sogar starke Gegensätze: Der Islam hat seinen Ursprung im Koran Mohameds, die parallel dazu verlaufende arabische Wissenschaft geht auf die in der persischen Akademie von Gundischapur gepflegte griechische Philosophie und Naturwissenschaft zurück; sie gründet also nicht im Islam. Dass die Gelehrten dieser Wissenschaftsströmung – unausweichlich – zugleich Muslime waren, macht ihre Wissenschaft nicht islamisch.

Als der römische Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert im Rahmen seiner allgemeinen Entrechtung aller Nichtchristen und Ketzer auch die platonische Akademie von Athen schloss und allen lehrenden Philosophen das Gehalt entzog, wanderten diese letzten Träger des griechischen Geistes nach Gundischapur im Westen Persiens, wo sie vom Perserkönig Chosrau I. in seine berühmte Akademie aufgenommen wurden.

Die dort gelehrte spirituelle zarathustrische und indische Weisheit, erhielt so eine bedeutende Ergänzung durch die vorchristliche griechische Weisheit und nachchristliche neuplatonische Gnosis. Die Schriften Platos, alchemistische, astronomische und medizinische Werke und die naturbeschreibenden Schriften des Aristoteles wurden, wie zuvor schon z. T. in Edessa ins Syrische, nun ins Persische und auch ins Arabische übersetzt.

Die Weisheit der Akademie von Gundischapur war auf eine weite Verbreitung angelegt. Es entwickelte sich z. B. eine erstaunliche medizinische Wissenschaft mit modern anmutenden Krankenhäusern, deren Heilkünste große Berühmtheit erlangten.[2] Parallel dazu entstand in Medina in Arabien der aggressive Islam.

„Beispiellos wuchtig bricht die islamitische Bewegung aus. In Sturmeseile braust sie (binnen 90 Jahren) von Arabien durch Syrien, Palästina, Kleinasien, Ägypten, Nordafrika. Wie ein ungeheuer großer Halbmond, dessen Spitzen Konstantinopel und Frankreich berühren, klammert sich der Islam um Europa herum; in dieser Gestalt, die sein heiliges Symbolum ist, auch sein Wesen offenbarend: Schlackenbruchstück zu sein der althebräischen Religion.“[3]

Diese fanatisch-rauschhafte Unterwerfungsreligion unter einen fernen allmächtigen Willen, der in den widerspruchsvollen, unsystematischen Offenbarungen eines ungelehrten Kameltreibers universelle Geltung beanspruchte, war der reine Gegenpol zu den kühlen, besonnenen Vernunft-Wissenschaften der Akademie von Gundischapur, die erst im Anfang ihrer Ausbreitung standen. Indem der Islam in den heißblütigen Seelen der semitisch-arabischen Welt zündete und sich stürmisch ausbreitete, zogen die Wissenschaften der persischen Akademie zwar allmählich nach, fanden aber die meisten Seelen von ihrem religiösen Antipoden besetzt vor.

Griechische Gedankenkunst in arabischer Sprache

Zwischen 635 und 641 eroberten die Araber Damaskus, Jerusalem, Alexandria und Gundischapur. Doch der Usurpator des Kalifenstuhls, der Begründer der Omaijaden-Dynastie Muavia (656-680), der die Residenz nach Damaskus verlegte, öffnete in religiös laxer Weise der hellenistischen Wissenschaftsströmung Gundischapurs bis zu einem gewissen Grade die Tür. Und sein Enkel Chalid ben Jezid ben Muavia ließ in großem Stil hellenistisch gnostische Wissenschaftswerke aus dem Griechischen, Syrischen und Persischen ins Arabische übersetzen. Fast das ganze Werk des Aristoteles, die vorsokratische und spätgriechische Philosophie, der Neuplatonismus, ein Teil des Platon, Pythagoras, Hippokrates und Ptolemäus befanden sich in den Händen arabischer Gelehrter, bevor im Abendland etwas davon bekannt war.

Als der Kalif Al Mansur von der Abbasiden-Dynastie (754-775), der Gründer der neuen Residenz Bagdad, im Jahr 765 schwer erkrankte und seine Ärzte keinen Rat mehr wussten, holte man den Direktor der medizinischen Akademie und des Krankenhauses von Gundischapur, den syrischen Arzt ben Batischua, und al Mansur war schnell geheilt. Dies öffnete der persisch-hellenistischen Wissenschaftsströmung vollends die Tore in die arabische Kulturwelt.[4]

Die Übersetzung ins Arabische brachte allerdings eine gewisse Verfälschung mit sich. Indem man die griechische Gedankenkunst in die arabische Sprache presste, wurde sie in den entscheidenden Denkformen gewandelt. Das abstrakt-logische, nach außen gerichtete Verstandesdenken der Araber konnte das Spirituelle der griechischen und gnostischen Schriften kaum erfassen. So entwickelte sich eine ganz auf das Materiell-Physische gerichtete Naturwissenschaft, die sich fast ausschließlich auf das mathematisch Erfassbare und die Erfahrung der Sinne beschränkte.

Nach der Gründung von Bagdad kam der Islam an den Mauern von Byzanz und dem Schwert Karl Martells in Südfrankreich zum Stillstand. Und es spielten sich im Inneren des Arabertums mehr geistige Kämpfe zwischen den beiden Strömungen ab: der religiösen Gesetzes-Offenbarung Mohameds, die sich in eng-orthodoxe Strömungen und offenere Sekten aufgliederte, und der Wissenschafts-Strömung.

„Die rechtgläubigen Moslems verachteten das Studium der heidnischen Wissenschaften als ein todwürdiges Verbrechen wider den Koran.“[5]

Doch der Kalif Al Mansur, ihr geistliches Oberhaupt und Stellvertreter des Gesandten Allahs, der ungeheuer beeindruckt von seiner eigenen Heilung war, liebte und förderte die heidnischen Weisheiten und Wissenschaften. Binnen weniger Jahrzehnte wurde Bagdad gleichsam geistige Welthauptstadt, die weithin ausstrahlte. Zahlreiche wissenschaftliche Bildungsstätten sprossten auf. Die von Al Mansur gegründete Akademie von Bagdad zählte bis zu 6.000 Schüler und Lehrer.

Vernunft und Reaktion

Einen Gipfel erreichte diese kulturelle Entwicklung der arabischen Kultur unter den Kalifen Harun al Raschid (786-809) und Al Mamun (813-833), die Großes für die Wissenschaften und Künste, für Zivilisation und Wohlstand leisteten. Kalenderberechnungen, Ausmessungen der Erde nach Meridianen, Berechnungen der Mondphasen erfolgten, botanische Gärten wurden angelegt, Optik, Chemie, Anatomie, Chirurgie gelehrt, das Prinzip der Camera obskura entdeckt, die Physik des menschlichen Auges genau beobachtet, eine erste Uhr gebaut und der Blutkreislauf des Menschen beschrieben.

„Alle diese Herrscher ließen Schulen, Hochschulen, Bibliotheken, Krankenhäuser, Laboratorien, astronomische Observatorien errichten. Scharen von Gelehrten sandten sie auf Staatskosten in ferne Länder bis nach China und Schleswig-Holstein, um geographische, astronomische, botanische und naturwissenschaftliche Studien zu machen. Vor allem aber ließen sie alle irgend erreichbaren griechischen, persischen, indischen, ägyptischen Wissenschaftswerke unter großen Opfern aufkaufen oder gelegentlich von Friedensschlüssen von den Byzantinern ausliefern. Weitaus die meisten philosophischen und wissenschaftlichen Werke der Griechen und Hellenisten wurden jetzt ins Arabische übersetzt, wobei die mit Astrologie und Alchemie verbundene Medizin bevorzugt wurde.“[6]

Al Mamun schränkte den Islam gewissermaßen ein, indem er in einem 832 erlassenen Edikt den nach orthodoxer Auffassung göttlichen und ewigen Koran gar für zeitlich geschaffen, also für bloßes Menschenwerk erklärte.

„Ein späteres Dekret verfügte, dass niemand als Zeuge oder Richter fungieren dürfe, der sich nicht öffentlich zu diesem Dogma bekannt habe.“[7]

Für etliche Jahrzehnte wurde dadurch die Orthodoxie zurückgedrängt und die Vernunft über den Koran gestellt. Doch die Reaktion folgte bald. Al-Murawakkil, der 847 den Thron bestieg, machte alle liberalen Dekrete rückgängig. Die Ewigkeit des Korans wurde wieder gesetzlich eingeführt, die Sekte der Schiiten geächtet und jeder Ausdruck andersartiger Ansichten in Literatur und Philosophie verboten.

Jahrzehnte später nahm die Reaktion mildere Formen an, und immerhin nahmen einige strenggläubige islamische Theologen „tapfer den Fehdehandschuh der Logik auf und schickten sich an, die Wahrheit des überlieferten Glaubens mit Hilfe der Vernunft zu beweisen.“[8] Sie wurden die Scholastiker des Islam, welche die gleiche Versöhnung des religiösen Dogmas mit den griechischen Wissenschaften unternahmen wie Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert bei der christlichen Religion.

Doch vielen Strenggläubigen gefiel nicht, dass der überlieferte Glaube dem Verstand unterworfen wurde und hielten sich an den Wahlspruch „Glaube, ohne nach dem Wie zu fragen.“ In Bagdad verlor das „Ferment der Philosophie“ (Durant) seine Wirksamkeit und trat nur noch an kleineren Höfen in Erscheinung.

Allmählich starben Philosophie und Wissenschaften im Osten aus. Und es setzte im 9. Jahrhundert eine politische Entmachtung der Kalifen ein. Der Titel beschränkte sich nur noch auf die Würde des geistlichen Oberhauptes aller Gläubigen. Seit dem 8. Jahrhundert waren Turkvölker eingesickert, die, dem griechischen Denken fremd, bestrebt waren, den islamischen Glauben, den sie angenommen hatten, mit dem Schwert zu retten. Sie bildeten Palastgarden an allen islamischen Höfen, und ihre Führer wurden Statthalter und übten die politische Macht aus. Die staatliche Leitung ging ab 936 auf einen türkischen Oberemir über.

Aufstieg der Wissenschaften im Westen

Doch indem die Wissenschaftsströmung im Osten versiegte, stieg sie im Westen immer mehr auf und drang über Nordafrika und Spanien nach Frankreich, Deutschland bis nach England vor, um allmählich die Grundlage der modernen materialistischen Naturwissenschaft zu bilden. In Spanien gipfelte die Gesamtheit der arabischen Wissenschaft in der gewaltigsten Gestalt aller arabischen Philosophen, in Ibn Roschd, genannt Averroes (1126-1198), und seinem Schüler Musa ben Meimun (Maimonides ca. 1135-1204), die sich im wesentlichen auf den genialen Avicenna (980-1037) stützten. Die islamischen Herrscher in Spanien ließen die Philosophen weitgehend gewähren, die ihnen ihre Rechtgläubigkeit beteuerten. Averroes wurde die einflussreichste Gestalt der arabischen Philosophie.

Er fasste in einem Kompendium die gesamte arabische Heilswissenschaft zusammen, verfasste zu jedem Hauptwerk des Aristoteles nach einer Zusammenfassung einen je eingehenden Kommentar, schrieb eigene Werke über Logik, Physik, Psychologie Theologie, Recht, Astronomie und Grammatik. Seine Enzyklopädie der medizinischen Wissenschaft stand bei den christlichen Universitäten, ins Lateinische übertragen, lange in Gebrauch. Zu seiner Zeit wurde überhaupt die gesamte arabische Wissenschaftsliteratur ins Lateinische übersetzt und nach West- und Mitteleuropa getragen.

Doch die strenggläubigen Muslime hielten nicht ständig still. 1150 befahl der Kalif Mustandschid in Bagdad, alle philosophischen Werke des Avicenna zu verbrennen. 1194 ließ der Emir von Sevilla alle Werke des Averroes mit Ausnahme einiger naturwissenschaftlicher Schriften verbrennen, untersagte seinen Untertanen das Studium der Philosophie und hieß sie, alle philosophischen Werke, denen sie je begegnen sollten, ins Feuer zu werfen.

„Diese Anweisungen wurden von dem Volke eifrig befolgt, da es sich gegen Angriffe auf einen Glauben, der ihm die liebste Tröstung in einem geplagten Leben war, heftig empörte. Etwa zu dieser Zeit wurde Ibn Habib hingerichtet, weil er sich mit Philosophie befasste. Nach 1200 wich der Islam allem spekulativen Denken aus. Mit sinkender politischer Macht suchte das Muselmanentum immer mehr die Hilfe von Theologen und Anwälten der Strenggläubigkeit. Diese Hilfe wurde gewährt, aber auf Kosten des unabhängigen Denkens.“[9]

Scholastik

Auch auf die Scholastik hat nicht der Islam, sondern die arabische Auslegung des Aristoteles einen starken Einfluss ausgeübt. Die wissenschaftlichen Lehren des Averroes darüber wurden ja gerade von Vertretern des Islam in Spanien verfolgt und verboten. Averroes selbst starb 1195 verarmt in Marokko. Seine Schriften aber waren längst nach Italien und Frankreich gelangt, wo sie an den Universitäten gelehrt wurden. In Paris gehörten sie bereits in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts zum festen Bestandteil des Lehrangebotes.

Dort fanden sie Albertus Magnus und dann sein Schüler Thomas von Aquin, die beiden größten Gestalten der christlichen Scholastik, bereits vor, als sie dort ihre Lehrtätigkeit aufnahmen. Als Angehörige des Dominikaner-Ordens waren sie schon vorher mit den seelenbeschreibenden, logischen und metaphysischen Schriften des großen Griechen vertraut, die nicht den Weg der naturbeschreibenden über die arabische Übersetzung gemacht hatten, sondern schon bald nach dem Tode des Aristoteles (322 v. Chr.) durch seinen Schüler Theophrastus nach Rom gebracht und in den Besitz der Dominikaner gelangt waren.[10] So hatten die Dominikaner eine wache Sensibilität für die arabischen Abweichungen vom ursprünglichen Geist des Aristoteles.

Averroes lehrte, dass der intelligente Geist des Menschen Teil einer einheitlichen, universellen Intelligenz sei, in die alle Menschen eingetaucht seien. Wenn sie sterben, ziehe sich der Leib aus diesem allgemeinen Verstande zurück und der intelligente Geist des Menschen löse sich wieder in der allgemeinen Geistigkeit der universellen Vernunft auf. Eine Unsterblichkeit des Menschen im Sinne eines individuellen Weiterdauerns nach dem Tode gebe es nicht. Was dauere, sei nur die Allseele, die Allgeistigkeit, die universelle Intelligenz, also das, was allen Menschen gemeinsam ist.

Das Gefühl vom kosmischen Ursprung der Ideen ging aber in dem ganz auf die Sinneswelt gerichteten Intellektualismus des arabischen Denkens immer mehr verloren. Auch viele europäische Denker übernahmen die Auffassung, was der Mensch von den Dingen in seinem Denken erfasse, seien nur Abstraktionen, die Ideen seien nur Formeln, Namen (nomen), mit denen er die Dinge ordne und zusammenfasse (Nominalismus), die aber selbst keine Realität außerhalb des Menschen hätten.

Dagegen wandten sich mit aller Schärfe insbesondere die Dominikaner, an vorderster Front Albertus Magnus und Thomas von Aquin. Sie machten geltend, dass die Intelligenz natürlich universell, in allen Menschen einheitlich sei, jeder Mensch sich aber als eine Individualität erlebe und erkenne, die sich durch innere Aktivität mit der universellen Intelligenz verbinde, dadurch in seiner Individualität wachse und nach dem Tode weiterlebe. Die Ideen – damals Universalien genannt – seien nicht bloß Namen, sondern real in der Welt gegründet. Thomas unterschied:

  1. Vor der Schöpfung der Dinge bestehen die Universalien in der göttlichen Vernunft (universalia ante res).
  2. Dann strömen sie aus und verdichteten sich zu den je verschiedenen Einzeldingen, in denen sie wirken (universalia in rebus).
  3. Von dort erfasst sie der Mensch in seiner Vernunft, in der sie rein anschaubar werden (universalia post res).

Für Thomas von Aquin waren die Ideen also nicht Namen und subjektive Ordnungsstrukturen, sondern geistige Realitäten, die in den Dingen verborgen liegen. Sie seien es, welche die Welt konstituieren, und deren verborgenen Wirkungen wir denkend auf die Spur kommen können. Die arabisierte Lehre des Aristoteles wurde von den christlichen Scholastikern als Entstellung mit allen Kräften bekämpft.

Diese gegensätzlichen Strömungen: auf der einen Seite der Mensch als vorübergehender Ausdruck einer universellen Intelligenz und auf der anderen Seite als dauernde Individualität, die sich mit der universellen Intelligenz aktiv verbindet, sowie die polaren Auffassungen vom Ideen-Realismus einerseits und dem Nominalismus der Ideen andererseits sind bis heute wirksam und durchziehen, bewusst oder unbewusst, als Folgewirkungen die Auseinandersetzungen des wissenschaftlichen Denkens wie auch das persönliche Vorstellen vieler Menschen.

Fazit

Es ist also nicht der Islam, der zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur, der Scholastik und der Wissenschaften in unserer heutigen Form gehört, sondern die arabisierte Form griechischer Philosophie und Naturwissenschaft. Die auf die Koran-Offenbarungen Mohameds aufbauende dogmatische Gesetzesreligion des Islam war und ist im Grunde wissenschaftlich steril. Sie erkennt prinzipiell die menschliche Vernunft und daraus entstehende Wissenschaften als unabhängige Wissensquelle neben den göttlichen Offenbarungen überhaupt nicht an.

Die Ausbreitung dieser frühen ins Arabische transformierten Wissenschaften griechischen Ursprungs fand gegen den Widerstand der gesetzestreuen Vertreter des Islam und nur in dem Maße statt, in dem islamische Kalifen ihr aus persönlichen Gründen Raum gaben. Und der Islam hat dieser arabischen Wissenschaftskultur in den islamischen Ländern nach 1200 schließlich auch ein Ende bereitet, bis heute.

Genauer betrachtet, hat die arabische Interpretation der griechischen Weisheit auch ein stark einseitiges Element in die Fundamente der europäischen Kultur hineingebracht, indem sie die Naturwissenschaft bis heute materialistisch verengte, die Wissenschaft zum großen Teil in ein nominalistisches Fahrwasser trieb und an die Wurzel der Individualität die nagende Vorstellung legte, dass sich der menschliche Geist nach dem Tode wieder auflöse.

 

Anmerkungen

[1] http://www.focus.de/politik/deutschland/wider-die-kritiker-historiker-islam-gehoert-zu-den-fundamenten-deutscher-kultur_id_5525038.html

[2] Vgl. Sigismund von Gleich: Entwicklungslinien im Hinblick auf den Impuls von Gondi-Schapur, Stuttgart 1966, S. 21 ff.

[3] a. a. O., S. 24

[4] a. a. O., S. 25 ff.

[5] a. a. O., S. 28

[6] Sigismund von Gleich a. a. O., S. 29

[7] Durant Kulturgeschichte der Menschheit, Köln 1985, Bd. 5, S. 506

[8] Durant a. a. O., S. 508

[9] Durant a. a. O., S. 597

[10] Berthold Wulff in Jan Pohl (Hrsg.): Die Welt des Islam, 1989, S. 60

Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel