Dem Islam fehlt das Ideal der Freiheit
Dem Islam fehlt das Ideal der Freiheit

Dem Islam fehlt das Ideal der Freiheit

"Gebet in Kairo" / Von Jean-Léon Gérôme, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1456897
Dem Islam fehlt das Ideal des aus eigener Erkenntnis und Liebe handelnden Menschen.Er steht gegen die europäische Geistesströmung der freien Individualität.

Vor dem Hintergrund der durch die AfD ausgelösten Debatte um den Islam in Deutschland, erscheint es sinnvoll, sich einmal eingehender mit dem Thema zu befassen. Aus diesem aktuellen Anlass schreibt Herbert Ludwig in einem zweiteiligen Religionsporträt über „Islam und Sippenbildung“ und „Islam und Islamismus“.

 

Es ist auffallend, dass die Menschen der islamischen Völker in ihrem Bewusstsein sehr stark in Abstammungsgemeinschaften verankert sind. Die Familie, die Sippe, der Stamm oder der von der Abstammung geprägte Volkszusammenhang sind als Kollektive die bestimmenden sozialen Kräfte, denen der Einzelne weitgehend untergeordnet ist. Er empfindet sich auch in der Regel nicht als eine davon unabhängige Persönlichkeit mit eigenen Lebensvorstellungen, sondern als ein Glied der Gemeinschaft, ohne die er nicht leben könnte, deren Zusammenhalt und Lebensregeln ihn mitumfassen und seine Lebenswege stark bestimmen.

Damit sind Konflikte vorprogrammiert, wenn Familien aus solchen Ländern nach Europa auswandern und insbesondere die Jugendlichen mit der hiesigen individualistischen Kultur enger in Berührung kommen. Streben sie ihren einheimischen Altersgenossen nach und wollen sie auch nach eigenen, persönlichen Vorstellungen ihr Leben gestalten, z. B. mit „Ungläubigen“, die ihrer Familie nicht genehm sind, Freundschaft oder gar eine Ehe schließen, kommt es oft zu furchtbaren existenziellen Auseinandersetzungen. Der Ungehorsame wird als ungehöriger Rebell betrachtet, der es wagt, seinen persönlichen Willen über den der Sippe zu stellen und damit die „Familienehre“ zu schänden. Da die Familie über dem Einzelnen steht, dessen austauschbares Glied er nur ist, muss er geopfert, von den eigenen Verwandten ausgesondert werden, um die „Familienehre“ wiederherzustellen.

Kollektive Eigenschaften

Für die sechs Jahre von 2009 bis 2014 hat die Bloggerin Uta Glaubitz 135 bekannt gewordene „Ehrenmorde“ und 48 schwere Mordversuche in Deutschland registriert, überwiegend an jungen Frauen. Aber auch in den islamischen Ländern selbst, in denen die Menschen ja heute ebenfalls auf die vielfältigste Weise mit der Persönlichkeits-geprägten Zivilisation des Westens in Berührung kommen, rebellieren immer mehr einzelne Menschen gegen die Fesseln der Blutsbande.

„Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen gibt es weltweit etwa 5.000 Ehrenmorde jährlich, davon 300 in der Türkei. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher bei bis zu 100.000 Morden pro Jahr. Das Land mit der höchsten Ehrenmordrate dürfte Pakistan sein.“[1]

Als die Menschheitsentwicklung durch die Erfindung der Schrift in den Beginn der geschichtlich nachvollziehbaren Phase eintrat, die von der Geschichtswissenschaft auf die zweite Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrtausends angesetzt wird, wurden mit den Sumerern, Chaldäern, Babyloniern, Indern, Chinesen, Persern, Ägyptern usw. Völker wahrnehmbar, die weitgehend in sich geschlossene Gemeinschaften waren, aus denen der einzelne Mensch nicht heraustrat. Die Völker waren Teile unterschiedlicher Rassenzusammenhänge und gliederten sich in Stämme, Sippen und Familien weiter auf. Eine Rasse ist in bestimmten leiblichen Merkmalen wie Statur, Haut- und Haarfarbe, Gesichtsbildung und Physiognomie der Menschen begründet, die sich mit dem Blut auf die Nachkommen vererben.

Das gemeinsame Blut aber, das den einzelnen Menschen mit den anderen Gliedern der Sippe, des Volkes und der Rasse verband, erlebte er noch nicht als einen bloß physischen Strom, der durch seine Adern floss, sondern als Träger bestimmter seelisch-geistiger Eigenschaften und Erlebnisse, die auch alle anderen erfüllte und so alle zu einer Abstammungsgemeinschaft zusammenschloss. Die körperlichen und seelisch-geistigen Eigentümlichkeiten waren deshalb auch kollektiver und nicht individueller Natur.[2]

Der Einzelne empfand sich in ähnlicher Weise als Glied der Gemeinschaft, wie sich ein Blatt an einem Baume, wenn es sich bewusst erleben könnte, als dessen unselbständiges Glied fühlen müsste. Ihm kam keine Art von Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu. Daher bezeichnet man auch die kleineren Rassen-Gemeinschaften – ein Bild aus der Pflanzenwelt gebrauchend – treffend als „Stämme“.

„Ein Individualismus, ein individuelles Freiheitsstreben ist auf dieser Stufe der Entwicklung in keiner Form vorhanden.“ [3]

Den zentralen Inhalt der gemeinsamen Erlebnisse der Blutsgemeinschaft bildete ein göttliches Wesen, das als der Geist der Rasse bzw. des Stammes, sein göttlicher Begründer und Ahnherr empfunden wurde, zu dessen inspirierender und lenkender Gegenwart man sich zumindest ahnend erhob. Mit ihm stand jedes Glied durch das Blut, das gleichsam von ihm durch die Generationen herunterrann, in einer verwandtschaftlichen Verbindung. Daher zeigten alle Religionen in irgendeiner Form den Charakter des nationalen Ahnenkultes. Der Herrscher wurde als Inkarnation, als Sohn oder Repräsentant des göttlichen Gemeinschaftsgeistes verehrt, so dass alle Herrschaft in dieser Zeit Theokratie, Gottesherrschaft war, in der religiöses, staatliches und wirtschaftliches Leben noch eine Einheit bildeten.

Emanzipation in Europa

Mit der Geschichte Griechenlands und Roms vollzog sich der Übergang der menschheitlichen Haupt-Entwicklungsströmung von Asien nach Europa. Der Mensch erwachte aus einem mythischen Bewusstsein in das begriffliche, logische Verstandesdenken, das ihm die wachsende Sicherheit gab, die Weltinhalte, die ihm vorher in Bildern zuströmten, im eigenen Denken in Ideenform selbständig erkennen zu können (vgl. Die EU ist der größte Feind Europas). Das damit entstehende Selbstbewusstsein führte zu einem allmählichen Herauslösen aus der Gebundenheit an die Abstammungsgemeinschaft.

Bei den Griechen wurde immer mehr die gemeinsame Sprache und bei den Römern die rechtliche Zugehörigkeit zum politischen Staat prägendes Element der Zugehörigkeit zum Volk. Das Volk löste sich damit aus dem vorherrschenden Rasseprinzip heraus. Es wurde im Übergang zu den heutigen europäischen Völkern vollends zur seelischen oder Sprachgemeinschaft, in der der Einzelne in eine gemeinsame Seelenwelt eingetaucht, aber nicht von ihr zwingend abhängig ist und sich so als individueller Mensch von ihr innerlich emanzipieren kann.

Die Griechen und Römer brachten zwar noch an die Abstammung gebundene Nationalreligionen mit, gaben sie aber in der Begegnung mit dem Christentum allmählich auf, das sie im Laufe von dreihundert Jahren, wenn auch nach anfänglichem Widerstreben schließlich annahmen.

Das Christentum ist keine Nationalreligion, sondern wendet sich an alle Völker. Christus sah es als an der Zeit an, das innerste geistige Wesen des Menschen, sein Ich, zu stärken und aus der Abhängigkeit der Blutsbande zu befreien. Die zentralste und radikalste Aufforderung dazu findet sich im Lukas-Evangelium Kap. 14, Vers 25-26:

„Wenn jemand zu mir kommt und sich nicht frei machen kann von seinem Vater und seiner Mutter, von seinem Weibe und seinen Kindern, von Brüdern und Schwestern, ja sogar von seiner eigenen Seele, der kann nicht mein Jünger sein.“

Damit ist sicher nicht gemeint, sich von seiner Familie zu trennen, sondern sich innerlich von der Bestimmung, die vom gemeinsamen Blut ausgeht, zu befreien. Ja, man soll sich auch von seiner Seele, die ja bisher durch die Kräfte der Blutsgemeinschaft geprägt worden ist, frei machen. Dann bleibt nur noch, sich auf sein Ich zu stellen und all sein Handeln aus der eigenen Erkenntnis selbst zu bestimmen. Daher sagte Christus auch:

„Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Das Ich ist allgemein menschlich, macht jeden zum Menschen, unabhängig davon, in welcher speziellen Form des durch Rasse, Stamm oder Sippe geprägten Leibes es wohnt. Als Ich ist er mit allen Menschen gleich und brüderlich verbunden. Und nur als Ich kann es mit Christus verbunden werden, das heißt sein Jünger sein. Denn er bezeichnete sich selbst als Menschenbruder.

Der tiefe christliche Ich-Impuls

Damit begann in Griechenland und Rom, dass sich die Beziehung des Menschen zum Göttlichen vom Erleben, das aus dem Blut aufstieg, loslöste und unmittelbar Sache der sich emanzipierenden Seele wurde. Sie ging von Gott auf jeden einzelnen Menschen über, unabhängig davon, welchem Verwandtschaftszusammenhang er noch angehörte. Das Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft hat sich dadurch grundlegend geändert. Nicht mehr darf der Einzelne der Gemeinschaft untergeordnet sein, sondern umgekehrt ist die Gemeinschaft für den Einzelnen da und hat seiner Entwicklung zu Freiheit und Selbstbestimmung zu dienen. Dieser tiefe christliche Ich-Impuls, der in den Idealen der Französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit eruptiv und schlagwortartig zum Ausdruck kam, liegt als innere, gegen alle Widerstände gärende und treibende Kraft der ganzen geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung der europäischen Völker und ihrer amerikanischen Ausgliederungen zugrunde.

Der Einschlag des Islam

Die Menschen Asiens und Afrikas haben diese Entwicklung zur freien, in sich selbst gegründeten Individualität, wie sie in Europa vor sich gegangen und noch längst nicht abgeschlossen ist, im allgemeinen nicht mitgemacht. Sie sind mehr oder weniger der seelischen Bestimmung durch die Kräfte der Abstammungsgemeinschaften verhaftet geblieben. Das Christentum hat sich bei ihnen auch nur geringfügig ausbreiten können.

Die arabische Halbinsel lag im 6. Jahrhundert am Rande, in einem toten Winkel des damaligen Weltgeschehens. Die Araber waren in verschiedene, sich bekämpfende Stämme zersplittert, die keinen Zusammenhalt und keine gemeinsame arabische Identität hatten.

„Das geistige Leben der Araber war bestimmt durch das Bewusstsein der Stammeszugehörigkeit, das in dem Hochhalten der Stammestradition und der Tugend der Vorfahren, in der Pflege gemeinsamer Interessen, in dem strengen Abschluss gegen Fremde und in der Verpflichtung zur Blutrache seinen Ausdruck fand.“ [4]

Sie gliederten sich in zwei Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen Lebensweisen: eine reiche Händlerschicht im städtischen Handelszentrum Mekka und die in der Wüste lebenden Beduinen, die „Parasiten des Kamels“, die vielfach von den Überfällen auf die Handelskarawanen oder erpressten „Schutzgeldern“ lebten.

Der Islam hatte es anfangs nicht leicht, hier angenommen zu werden, traf aber doch auf ein latentes Bedürfnis, in dem er Fuß fassen konnte. Die Stammesreligionen waren in die Dekadenz gekommen und trugen zur Zersplitterung der arabischen Stämme bei. Die Lehre, die Mohammed in einer von ihm geschilderten Vision durch Vermittlung des Engels Gabriel von Allah empfing, wies ihn auf die mit den Juden gemeinsame semitische Abstammung von Abraham hin. Die Juden stammen über den Sohn Isaak von Abraham ab, die Araber über den mit der Magd Hagar, einer ägyptischen Sklavin, gezeugten Sohn Ismael. Mohammed machte geltend, dass Allah der Gott Abrahams sei, damit also der gemeinsame Gott der Juden und Araber. Der Islam wolle nichts anderes als die reine Lehre Abrahams, die Juden und Christen verfälscht hätten, wiederherstellen.

Das Wort „Allah“ ist auch seiner Herkunft nach eine Zusammenziehung von „al illah“, der arabischen Entsprechung von hebräisch „eloh(a)“, der Einzahl von „elohim“. Die Elohim werden von Moses im hebräischen Urtext als die Schöpfer von Himmel und Erde genannt: „Bereschit bara elohim …“ Elohim ist Mehrzahl, die Verbform „bara“ steht aber in der 3. Person Singular. Moses sah in den „Elohim“ offenbar eine Gesamtheit, durch die etwas Einheitliches wirkte, eine einheitliche Gottheit. Die übliche deutsche Übersetzung „Im Anfang schuf Gott (Himmel und Erde)“ ist daher nicht falsch, aber nicht ganz genau. Der spätere stramme Monotheismus zeigt sich hier als nicht ganz eindeutig. In Jehova trat diese Gottheit den Juden als der Gott gegenüber, der Abraham zum Stammvater Israels eingesetzt hatte und das Volk durch seine Geschichte führte.

Dem Mohammed, des Lesens unkundig und kein Schriftgelehrter, waren diese Zusammenhänge mit der Übernahme des Wortes Allah sicher nicht bewusst. Für die weitere Entwicklung aber wesentlich war, dass er mit dem Islam bei allen arabischen Stämmen den gemeinsamen Ursprung und die gemeinsame, auf Abraham zurückgehende Ahnen-Gottheit ansprach. So wurde der Islam die arabische Religion für alle Araber.

„In Mohammed und seiner Religion war eine umfassende, von allen anerkannte Autorität etabliert, der sich alle Stämme unterordneten. Im monotheistischen Islam war der Stamm als kleinster Bestandteil der zersplitterten arabischen Beduinengesellschaft aufgehoben in einer alle Araber umfassenden islamischen Gemeinschaft (umma).“ [5]

Die Verbindung von Blutsgemeinschaft und Islam

Die Kräfte des gemeinsamen Blutes wirkten in den Sippen und Stämmen der Araber im 7. Jahrhundert, in dem sie den Islam annahmen, außerordentlich stark. Das ganze Gemeinschaftsleben war von den Banden der Blutsverwandtschaft und der absoluten Autorität der Sippen- und Stammesältesten getragen. Insbesondere spielte, wie schon erwähnt, die Blutrache noch eine große Rolle, die Ausfluss des Vorranges der Blutsgemeinschaft vor dem Einzelnen ist. Wird ein Mitglied einer Sippe von einem Mitglied einer anderen Sippe getötet, kommt es nicht darauf an, Rache an dem ausführenden Täter zu üben. Denn Mörder ist eigentlich die andere Sippe, deren unselbständiges Glied der Täter nur ist. Daher wird der rächenden Gerechtigkeit auch genügt, wenn ein anderes Glied der mordenden Sippe getötet wird. Die Blutskräfte waren bei den Arabern noch stärker als bei den Juden, insbesondere wilder und leidenschaftlicher.

Der abstrakte Monotheismus des Islam wirkt wie eine unpersönliche Naturkraft. Der Wille Allahs ist unausweichliches Gesetz, demgegenüber dem Menschen keine Freiheit zukommt. Allah hat keinen Sohn, der als Vermittler die Kluft zum Vater überbrücken könnte. Er thront alleine in einer absoluten Transzendenz und erwartet unbedingten Gehorsam von seinen Geschöpfen, denen sein Tun unerforschlich ist. Die Gesinnung, in der das Wort Gottes im Koran entgegen zu nehmen ist, heißt „Islam“, was völlige Hingabe, Unterwerfung bedeutet. Daher heißt es in der 19. Sure:

„Keiner in den Himmeln und auf Erden darf sich dem Erbarmer anders nahen denn als Sklave.“

Und vom wahren Gläubigen wird erwartet:

„Du siehst sie sich verneigen und niederwerfen, Huld begehrend von Allah und Wohlgefallen. Ihre Merkzeichen auf ihren Angesichtern (der Staub) sind die Spur der Niederwerfung“ (Sure 48).

Allah gegenüber gibt es nur Sklaven, die sich vor ihm niederwerfen. Der einsam im Jenseits Thronende schaut nur auf die Rücken seiner im irdischen Staub liegenden untertänigen Geschöpfe und Befehlsempfänger herab.

In der göttlichen Trinität des Christentums dagegen steht der „Sohn“ dem „Vater“ als ein eigenes, freies Wesen gegenüber, das weiß, was dieser will und tut und mit dem es in der Erkenntnis verbunden ist.

„Denn der Vater hat den Sohn zum Freunde und zeigt ihm alles, was er selber tut.“
(Joh. 5, 20, nach Rudolf Frieling[6]).

Entsprechend will Christus das Verhältnis der Menschen zu ihm gestalten:

„Ich nenne euch nicht mehr Knechte (Sklaven); denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, das habe ich euch zu erkennen gegeben“ (Joh. 15,15).

Das freie Gegenüberstehen ist auch die Voraussetzung der wahren Liebe, die über die naturhaft gebundene Liebe hinausgeht. Allah dagegen ist nicht der Vater, denn dieser setzt begrifflich einen Nachkommen voraus. Allah als der einzige Gott ist der Gewaltige, Übermächtige. Von dem „Erbarmer“ ist im Koran zwar viel die Rede, „aber Allahs Erbarmen ist doch, genauer betrachtet, die freundliche Laune eines absoluten Machthabers, der in soundso vielen Fällen kein Erbarmen zeigt.“ Die Auslöschung des Sohnes schließt eine Selbständigkeit und Freiheit des Menschen neben Allahs Allmacht im Grunde aus.

In den islamischen Völkern verbindet sich die Stellung des in der Blutsgemeinschaft gebundenen, der Autorität des Sippen- oder Stammesältesten bzw. Herrschers unterworfenen unselbständigen Menschen mit der Stellung des Allah völlig Ergebenen, Unterworfenen, (dies ist die Bedeutung von „Muslim“), der seinen Worten und Gesetzen unbedingten Gehorsam schuldig ist. Der einzelne Mensch ist in eine zweifache hierarchische Ordnung eingespannt, die ihn von oben lenkt und leitet, gegen die er keine eigene Erkenntnis und keinen eigenen Willen geltend machen kann, ohne als Schänder und Entehrer der ihm übergeordneten Blutsgemeinschaft getötet oder ausgestoßen bzw. als Sünder und Empörer gegen Allah zivil- und strafrechtlich bis zur Todesstrafe verfolgt zu werden.

Konflikt mit den europäischen Lebensverhältnissen

Der Islam beansprucht, bis in die gesellschaftlichen Verhältnisse, Strukturen und Gesetze

hineinzuwirken, damit das gesellschaftliche Leben Ausdruck des religiösen Lebens sei. Die Scharia, das islamische Recht, will erreichen,

„dass die religiösen Verpflichtungen des Einzelnen gegenüber Gott erfüllt werden und alle Beziehungen des Einzelnen zu seinen Mitmenschen – Vermögensrecht, Familien- und Erbrecht, Strafrecht unter anderem – stets diesem Gesetz entsprechen. Um Glaubensfragen im engeren Sinne kümmert sich die Scharia nicht. Der Mensch hat das islamische Recht mit seinen Bestimmungen und Widersprüchen kritiklos zu akzeptieren. Das Forschen nach der Bedeutung und inneren Logik der göttlichen Gesetze ist nur zulässig, soweit Gott selbst den Weg dazu weist. Somit ist die religiöse Wertung aller Lebensverhältnisse die Grundtendenz der Scharia.“ [7]

Das bedeutet einen prinzipiellen Konflikt mit den europäischen Lebensverhältnissen und Gesetzen, die auf der „freien Entfaltung der Persönlichkeit“ beruhen, die ein Natur- und Grundrecht des deutschen Grundgesetzes ist, das dem Staat vorhergeht und von ihm nicht verändert werden kann.

Die daraus entstehenden individualistischen Freiheitsrechte sind auch mit den Prinzipien der Blutsgemeinschaft unvereinbar, da sie ihre Auflösung zur Folge hätten. Islam und Blutsgemeinschaft sind prinzipiell Antipoden der freien Individualität. Sie haben die Emanzipation des Menschen aus dem Gruppenhaften zur Individuation, wie sie das Abendland vollzog, nicht mitgemacht und müssen deshalb „die harte Strenge des Gesetzes aufbieten, um mit der unbeherrschten Wunschnatur des Menschen fertig zu werden.“ [8]

Sie haben kein Verständnis dafür, dem Einzelnen die Gestaltung des sozialen Lebens zu überantworten, das dadurch der Chaotisierung ausgeliefert und Gott entfremdet würde. Die niedere Natur des Menschen kann in dieser Auffassung nur dann nicht böse wirken, wenn sie in das feste Korsett göttlicher Gesetze eingeschnürt wird.

„Wollte man ein Psychogramm des islamischen Menschen entwerfen, dann müsste man es unterdieser Dualität stehend sehen: Auf der einen Seite ein starkes, in der irdisch orientierten Wunschnatur des Menschen sich verwirklichendes Willensleben, das sich den strengen Ordnungen göttlicher Gebote unterordnen muss, und auf der anderen Seite ein Erkenntnisleben, das die göttlichen Wahrheiten nur von außen als Offenbarung empfangen kann.“ [9]

Wachsende Parallelgesellschaften

Es fehlt ihm das Zukunftsideal des freien, aus eigener Erkenntnis und Liebe handelnden Menschen. Daher ist eine Integration von Menschen, die streng am Islam und der Bestimmung durch die Blutsgemeinschaft festhalten, in die europäischen Gesellschaften, die in der Tradition der Entwicklung zur freien Individualität stehen, prinzipiell nicht möglich. Integration erfordert eine innere Emanzipation aus den islamischen und blutsmäßigen Banden. Dies geschieht bei einigen, die meisten jedoch bilden Parallelgesellschaften, die wachsendes Konfliktpotential in sich tragen. Der Islam ist daher eine zur europäischen Geistesströmung der freien Individualität völlig gegensätzliche und in der Konsequenz seiner Intentionen feindliche Geistesströmung.

Der Islam gehört daher nicht zu Europa. Die Behauptung: „Der Islam gehört zu Deutschland“, gehört sich nicht – um im Bilde zu bleiben. Wer sie äußert, hat sozusagen innerlich aufgehört, zu Deutschland zu gehören. Der geistige Entwicklungsstrom zur freien Individualität hat ihn nur wenig berührt, und er steht der Geisteshaltung des Islam innerlich näher als dem Lebensstrom der europäischen Kultur- und Geistesentwicklung – eine Erscheinung, die aber weit verbreitet ist, und den inneren Verlust des Christentums oder zumindest des daraus hervorgehenden Humanismus offenbart.

Es soll nichts dagegen gesagt werden, dass der Islam in den Völkern Asiens und Afrikas in deren besonderen Lebenssituationen eine für viele Menschen passende Religion sein kann und ihrem religiösen Bedürfnis nach Hingabe an ein Göttliches Nahrung bietet. Nach Europa gehört er aber nicht, weil er hier direkt gegen die europäischen Individualitäts-und Freiheits-Impulse gerichtet ist.

Angesichts der demographischen Entwicklung der Deutschen könnte es ja in der Zukunft dahin kommen, dass sie gegenüber den wachsenden islamischen Parallelgesellschaften in die Minderheit geraten und nach ihren eigenen formalen demokratischen Regeln vor die Alternative gestellt werden, sich nun umgekehrt in eine islamisch geprägte Gesellschafts- und Rechtsordnung zu integrieren oder das eigene Land zu verlassen. Dann könnten sie zu spät an das Wort ihres vergessenen Dichterfürsten und Weimarer Ministers Johann Wolfgang Goethe erinnert werden:

„Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten.“

Das würde ja das Ende Deutschland als europäische Kulturnation bedeuten.

 

Anmerkungen

[1] http://www.ehrenmord.de/faq/wieviele.php

[2] Hans Erhard Lauer: Die Volksseelen Europas, Stuttgart 1965, S. 17-18

[3] Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen, München 1989, S. 300

[4] Vgl. Wilhelm Maas: Arabismus, Islam, Christentum; Stuttgart 1991, S. 14 f.

[5] Wilhelm Maas a. a. O., S. 18

[6] Rudolf Frieling: Christentum und Islam, Stuttgart 1977, S. 71

[7] Wikipedia: Scharia

[8] F. Herbert Hillringhaus in: Jan Pohl (Hrsg.): Die Welt des Islam, Dornach 1989, S. 48

[9] a. a. O., S. 49

Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel