Wir müssen vieles infrage stellen

Demonstranten halten die Flagge hoch, die Flüchtlinge willkommen heißt © GEOLITICO Demonstranten halten die Flagge hoch, die Flüchtlinge willkommen heißt © GEOLITICO
Der Staat lässt seinen Bürgern – angeblich zu deren Nutzen – gefilterte Informationen zukommen. Was er nicht merkt: So blüht die Paranoia, und das Schisma wächst.

Wir waren kurzfristig erleichtert, ließ uns das Bundeskriminalamt über die Bild-Zeitung doch mitteilen, dass die Asylkriminalität nicht nur vergleichsweise gering ist, sondern immer weniger wird. Lächerliche 458 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen durch Flüchtlinge habe es in Deutschland 2015 gegeben, lächerlich deshalb, weil diese Zahl gegenüber den 47.000 Sexualdelikten (2014) der Restbevölkerung tatsächlich kaum ins Gewicht fiele.

Doch schon hier wurden wir skeptisch: Traumatisierte Menschen aus eher gewaltbereiten und frauenfeindlichen Kulturen, vornehmlich Männer im vergewaltigungsaffinen Alter und zudem von legalen Möglichkeiten zu heterogeschlechtlicher Betätigung weitgehend abgeschnitten, sollen sich so vorbildlich verhalten haben? Da konnte doch was grundsätzlich nicht stimmen. Parallel häuften sich die Meldungen über bewusste Täuschungen der Allgemeinheit in „übergeordnetem Interesse“.

Ein LKA-Beamter plaudert

Nun sind wir also gar nicht mehr erleichtert, sondern verunsichert. Wir stehen weitgehend hilflos einer diffusen Gefahr gegenüber, deren wahres Ausmaß wir nicht erfassen können, weil unsere Regierung, also unser Staat, für sich das Recht in Anspruch nimmt, uns zu unserem angeblich eigenen Nutzen zu belügen. Vielleicht ist die neue Gefahr tatsächlich nicht so groß, was wir bei einer demokratisch-korrekten Berichterstattung seitens der Behörden gerne glauben würden. So aber blüht die Paranoia und das Schisma wächst.

Es geht ja schon damit los, dass in vielen Kriminalitätsstatistiken Deutsche und Flüchtlinge gar nicht getrennt werden. In Nordrhein-Westfalen wird sogar durch politische Anordnung verhindert, dass der Zuwanderungshintergrund von Straftätern erfasst werden kann. Wie kann da ein BKA sich hinstellen und behaupten, aussagekräftige Zahlen zu veröffentlichen?

Eigentlich können wir also diese Angaben für unsere Urteilsfindung komplett ignorieren, doch seien hier die Kernpunkte des Papiers dennoch der Vollständigkeit halber aufgeführt: Bei einer Vervierfachung der Flüchtlingszahlen stieg demnach die Zahl der Straftaten gegenüber dem Vorjahr nur um 79%. Oft seien andere Flüchtlinge die Opfer gewesen. Ein Drittel seien Kleindelikte, ein weiteres Drittel Diebstähle. Rohheitsdelikte hätten sich verdoppelt, lägen jetzt bei 36.000 Fällen. Bei 127 Tötungsfällen habe es nur ein deutsches Opfer gegeben. Für einen Großteil der Straftaten seien Flüchtlinge aus den Balkanländern sowie aus Eritrea und Nigeria verantwortlich.

Die Aussagen jenseits der Zahlen mögen sogar von Belang sein, doch welches Lügenkompendium uns da vorgelegt wurde, erkennen wir schon daran, wie viel mehr Gewalttaten selbst aus der die Wahrheit bekanntermaßen ebenso filternden Tagespresse bekannt wurden. Wie es zu solchen Diskrepanzen kommt, zeigt ein Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom vergangenen November, in dem ein LKA-Beamter anonym über die entsprechenden Verschleierungspraktiken der Polizei berichtete[1].

Auf Anweisung von oben müsse Flüchtlingskriminalität im Interesse des „zivilen Friedens“ heruntergespielt werden, heißt es dort.

„Es wird nicht gelogen, nichts vertuscht, aber es werden ganz bewusst Dinge weggelassen.“

Anweisung vom Innenminister

Der Beamte nennt als Beispiel einen Vorfall, bei dem ein bis dahin völlig unauffälliger Syrer einem anderen mit brutalem Kopfstoß den Schädel blutig schlug. Im Polizeibericht wurde das zu einem „Streit mit minderschwerer Verletzung“. Die Anweisung von oben laute, „unseren Interpretationsspielraum so zu nutzen, damit der zivile Frieden gewahrt bleibt“. Der niedersächsische Innenminister habe ihm persönlich gesagt, man könne der Bevölkerung nicht zumuten, dass ein Ergebnis herauskomme, mit dem bestätigt werde, dass es eine Häufung von sexueller Gewalt und schwerster Körperverletzung gebe. „Das wäre ein schlechtes Ergebnis“, so hat der Beamte seinen obersten Dienstherrn verstanden.

Das habe er dann so an seine Leute weitergegeben. Dann würden eben Statistikfilter ein wenig anders gesetzt, manche Zahlen würden verspätet geliefert, es würde kaschiert, weggedrückt und umbenannt. Das Wort „Ehrenmord“ kommt in den Protokollen nicht vor.

„Im Polizeideutsch lässt sich manches verpacken.“

Nun hat der Mann sich offenbart, weil er es nicht mehr ertragen konnte, so die Zeitung, die Wahrheit verdrehen oder verschweigen zu müssen. Als ein Beispiel nennt er die in den Lagern praktizierte Form der Pädophilie, bei der Flüchtlingskinder für kinderpornografische Verbrechen missbraucht würden. Die jüngsten Opfer seien zwei bis sechs Jahre alt.

Auch die Handgranate von Villingen, die angeblich von Ausländerfeinden auf ein Flüchtlingsheim geworfen wurde und zu der üblichen Empörungsrhetorik der Prominenz führte, entpuppte sich zwei Wochen später als Anschlag konkurrierender Sicherheitsunternehmen. Als Logik oder auch Ironie des Schicksals mag da gelten, dass die Granate auch noch von (osteuropäischen) Migranten geworfen wurde. Und weil das Internet ein langes, aber schlechtes Gedächtnis hat, überlebten bei Google fast nur und an prominenter Stelle die frühen Fehlmeldungen der Empörung[2]. Eine ähnlich negative Popularität in der systemkritischen Öffentlichkeit fand auch die Münchner Abendzeitung, die aus dem somalischen Vergewaltiger „Ali S.“ einen bayrischen „Joseph T.“ machte.

„Kriminalisierungskandidaten“

Wir erfahren also in der Regel nicht, was direkt vor unserer Nase passiert, und müssen uns aus medialen Restinformationen und dem Hörensagen ein Bild der Lage zusammenreimen. Selbst wenn des Englischen Mächtige sich beim Live-Ticker von „Breitbart“[3] über aktuelle Schreckensmeldungen umfänglich informieren, sind das alles nur Spitzen des Eisbergs im guten wie im schlechten Sinne. Eine Wahrheitssuche zu Zeiten der Miss- und Desinformation ist hochgradig problematisch, öffnet es doch Übertreibungen und Angstvorstellungen Tür und Tor. Man tut gut daran, nicht gleich jede Meldung mit einem Schreckensfaktor X zu multiplizieren, sondern zu versuchen, aus den vorhandenen Informationen und Erfahrungswissen kybernetisch Situationsszenarien zu entwickeln. So wie es Antje Sievers tut:[4]

„Wenn in einem türkischen Fußballstadion eine Schweigeminute für die Opfer der Anschläge von Paris in Pfeifen und Allahu-Akhbar-Gebrüll untergeht, dann lässt das Böses für die europäische Zukunft ahnen.“

Oder was sagt uns das, wenn in Berlin-Kreuzberg einheimische Jugendliche (unbekannter Herkunft und Motivation) jugendliche Flüchtlinge zu einem Fußballspiel einladen und dies in einer Massenschlägerei von 30 Personen endet?[5] Ursache soll ein unbekannter Pöbler auf den Zuschauerrängen gewesen sein, gegen den nun tatsächlich wegen „schweren Landfriedensbruchs“ ermittelt wird. Da lagen wohl bei den Jugendlichen wie auch bei den Offiziellen die Nerven blank.

Ob diese Jugendlichen zu der gewaltbereiten Minderheit gehören, die der Verfassungsschutz schon vor der Flüchtlingsschwemme mit 40.000 Migranten bezifferte? In jedem Fall können wir davon ausgehen, dass sich das Problem nun multiplizieren wird. Und erneut muss betont werden, dass auch ohne auf staatliche Fälschungen hereinfallen zu müssen, davon ausgegangen werden kann, dass die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge höchstens dort kriminell geworden ist, wenn sie sich den Asylstatus erschlichen hat.

Aber aufgrund der unzumutbaren Situation und Perspektiven, die Einwanderer hier vorfinden, aufgrund des mangelnden staatlichen Willens zur Rückführung und aufgrund des archaischen Kulturhintergrundes, den sie mitbringen, haben sie wohl meist nur wenige Chancen, sich ein normales Leben aufzubauen; sie sind also sozusagen „Kriminalisierungskandidaten“.

Beim Versuch, die Realität trotz aller offiziellen und medialen Fälschungen wenigstens schematisch abzubilden, sind Praktiker hilfreich. So erkannte Patricia Khoder, eine libanesische Journalistin im Tagesspiegel, also sogar in einem Zentralorgan der selbstgefühlten Gutmenschen:

„Es ist gut, großzügig zu sein und Flüchtlinge willkommen zu heißen. Gut ist es aber auch, vorsichtig und realistisch zu sein. Die allermeisten Flüchtlinge werden Deutschland nicht verlassen, wenn der Krieg in ihrer Heimat einmal zu Ende ist. Sie werden bleiben, wie die libanesischen Flüchtlinge in den 80er-Jahren geblieben sind. Ein nennenswerter Teil von ihnen hat sich kaum integriert, macht durch größere oder kleinere Straftaten von sich reden und will nicht in den Libanon zurück.“

Polizisten ohne Rückendeckung

Die staatliche Aufforderung an die Polizei, die Bürger lücken- und lügenhaft zu informieren, hat den fatalen Nebeneffekt des weiteren Vertrauensverlustes der Beamten in ihre Führung, ihren Apparat und ihre Aufgabe. Ohnehin sind die Sicherheitskräfte inzwischen im desillusionierenden Dauereinsatz. Und wenn sie nicht schon an den Grenzen an ihre Grenzen kommen, Kindermädchen in Flüchtlingsheim spielen oder gesetzlich kaum greifbaren Illegalen nachspüren, müssen sie auch noch versuchen zu verhindern, dass Linksextremisten bei ihrem Kampf „gegen Rechts“ oder das „Schweinesystem“ ganze Straßenzüge in Flammen setzen. „Konsequent“ sparte der Staat seit 1998 bundesweit 16.000 Stellen bei der Polizei ein.

Umgehen müssen die Beamten auch mit der misslichen Situation der fehlenden organisatorischen und gesetzlichen Unterstützung durch den Staat. Wie soll sich ein Polizist täglich neu motivieren, wenn, wie bei den Kölner Neujahrsfeierlichkeiten geschehen, Asylbewerber vor seiner Nase ihre Papiere zerreißen und grinsend sagen: „Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen Neuen.“ Oder: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen!“ Wenn sie angesichts zu geringer Kapazitäten und fehlender gesetzlicher Möglichkeiten all das Elend, die Gewalt und die Verwahrlosung erleben, ohne relevant dagegen einschreiten zu können? Wenn sie bedroht, beleidigt und verletzt werden, ohne dafür ausreichende Rückendeckung durch den Apparat[6] zu bekommen?

Wie auch immer, das Lebensgefühl nicht nur der Polizisten ist schon jetzt ein anderes als noch vor wenigen Jahren – und kein besseres. In den Waffengeschäften sind die Regale leergeräumt[7], die Schützenvereine melden massiven Zulauf. Schon 2015 gab es laut Waffenhändlerverband eine Verdopplung beim Verkauf der waffenscheinfreien Abwehrmittel. Und der Hass wächst an verschiedenen Fronten, nicht nur durch das Schisma innerhalb der autochthonen Bevölkerung, sondern auch seitens der Leidtragenden einer grandios gescheiterten Altintegration, die sich jetzt in der vierten, in weiten Bereichen verlorenen Generation[8] schmerzlich bemerkbar macht.

Kulturelle Gewaltpotenziale

Mögen auch manche der Sorgen dennoch noch unbegründet sein, haben die Zustände schon ohne, aber erst recht mit weiterer Zuwanderung eine explosive Dynamik innewohnen. Man kann sehr wohl ein armer, unschuldiger Flüchtling sein und dennoch kulturelle Gewaltpotenziale mit sich bringen oder hier unter unzumutbaren Bedingungen entwickeln. Ein Video[9] vom November über die aggressive Grundhaltung (einiger?) afrikanischer Flüchtlinge vermittelt das sinnlich. Aus dem Zorn, entstanden aus egozentrischer Wahrnehmung und medial vermitteltem Anspruchsdenken wächst schließlich Gewalt.

All das dürfen wir natürlich eigentlich weder denken noch schreiben, weil es Gutmenschen sogar bis in die UNO-Charta getragen haben, dass kulturelle Unterschiede und sich daraus ergebende Konfliktpotenziale zu benennen, eine Form von Rassismus sei. Wer das Offensichtliche sieht und darüber redet, ist also vor dem Weltgewissen ein Rassist – und wer will das schon sein? Es scheint, wir müssen sehr viel mehr infrage stellen als nur eine absurde Tagespolitik.

 

Anmerkungen

[1] http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Fluechtlingskriminalitaet-Ist-die-Gewalt-Statistik-geschoent

[2] http://www.tagesspiegel.de/politik/handgranaten-anschlag-in-villingen-schwenningen-tote-terror-haette-ja-sein-koennen/12952000.html

[3] http://www.breitbart.com/london/2016/01/29/migrant-crisis-live-wire/

[4]http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2015_12_21_dav_aktuelles_wehrhafte-demokratie.html

[5] http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-kreuzberg-fussballspiel-mit-fluechtlingen-endet-in-massenschlaegerei/12502926.html

[6] http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/nicht-systemrelevant-wer-schuetzt-die-polizisten-.html

[7] http://www.morgenpost.de/berlin/article206734243/Immer-mehr-Berliner-ruesten-sich-mit-Gaspistolen-aus.html

[8] www.youtube.com/watch?v=qv5WlxjLe7s

[9] https://youtu.be/3q71DykReK8

Über Konrad Kustos

Kustos studierte Germanistik, Geografie und Publizistik an der Freien Universität und promovierte über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsliteratur und Literaturliteratur. Viele Jahre arbeitete er als Journalist in leitenden Positionen bei großen Berliner Tageszeitungen. Der Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit lag bei der Architektur und dem Aufbau der neuen Hauptstadt nach der Wende von 1989. Als roter Faden durch seine Arbeit zieht sich die Verteidigung des Normalbürgers gegen elitäre Denkweisen sowie der Versuch, Ideologien zu enttarnen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel