Rätsel um deutsche Goldbestände

Bundesbank und Bundesregierung machen ein Geheimnis aus den deutschen Goldbeständen. Warum? Eine Petition fordert den Rücktransport der deutschen Goldreserven.

Die deutschen Goldreserven sind eine wichtige wirtschaftliche Stütze, denn sie können zur Währungssicherung und Finanzierung eingesetzt werden. Doch verfügt Deutschland überhaupt noch über die in den Büchern genannten 3.391 Tonnen Gold? Diese Frage versuchen Experten bereits seit längerem zu klären. Die Deutsche Bundesbank jedoch gibt keinerlei Hinweise und wehrt sich gegen eine Veröffentlichung von Inventar- und Barrenlisten. Sogar die Rückholung deutscher Goldreserven im Herbst 2013 wirft Fragen auf, die bis heute nicht beantwortet werden konnten.

Deutsches Gold lagert zu 69 Prozent im Ausland

In den 1950er und 1960er Jahren konnte Deutschland durch hohe Außenhandelsüberschüsse enorme Goldreserven aufbauen, die direkt im Ausland erworben wurden. Aufgrund der einfachen und sicheren Lagerung und auch aufgrund der Tatsache, dass das Gold im Ausland schnell in Devisen eingetauscht werden konnte, wurden die Goldbarren Deutschlands in den Tresoren der Zentralbanken in Paris, London und New York eingelagert. Diese Praxis war vor allen in Zeiten des Kalten Krieges wichtig, um im Notfall kurzfristig auf Geldreserven zurückgreifen zu können. Heutzutage jedoch besteht kaum noch Notwendigkeit, die deutschen Reserven im Ausland zu deponieren. Insbesondere die Lagerung in Frankreich ist seit der Euro-Einführung nicht mehr nötig. Aus diesem Grund fordern Experten bereits seit Jahren, deutsches Gold zurück nach Hause zu holen. Erst 2012 jedoch stimmte auch die Bundesbank zu und will bis 2020 rund 674 Tonnen aus Paris und New York nach Frankfurt holen und künftig in Deutschland lagern.

Offene Fragen zu den deutschen Goldbeständen

Im Rahmen der Forderung, deutsches Gold zurück zu holen, wandten sich Politiker sowie der Bundesrechnungshof an die Deutsche Bundesbank, um Belege über die vorhandenen Bestände einzufordern. Diese Belege jedoch konnte die Bundesbank nicht liefern, denn eine Inventur im Ausland wurde in den vergangenen Jahrzehnten nie durchgeführt. Zwar gibt die Bundesbank in Pressemeldungen bekannt, es gäbe für die Goldbestände im Ausland sowohl Barren- wie auch Inventurlisten, einer Veröffentlichung jedoch stimmten die Vorstände nicht zu. Auch ist es derzeit nicht möglich, die Bestände in den Tresoren zu besichtigen und sich so selbst von deren Vorhandensein zu überzeugen.

Obwohl diese Tatsachen höchst ungewöhnlich sind und jeden Privatanleger wohl verzweifeln ließen, scheint die Bundesbank sorgenlos zu sein. Sie geht nach wie vor davon aus, dass das deutsche Gold in den Tresoren lagert und problemlos nach Deutschland zurückgeführt werden kann. Dass dies nicht problemlos möglich ist, zeigen die Goldtransporte im Herbst 2013. Statt der geplanten 80 Tonnen, die pro Jahr nach Deutschland zurückgeholt werden sollten, kamen in Frankfurt nämlich nur 37 Tonnen an. Die Lieferung aus New York betrug sogar nur fünf Tonnen.

Wurde das deutsche Gold bereits verbraucht?

Die verzögerte Lieferung der deutschen Goldreserven begründet die Bundesbank in erster Linie mit der immensen logistischen Herausforderung, die eine solche Überlieferung mit sich bringt. Erst nach monatelanger Planung und mit Hilfe der Bank für internationalen Zahlungsausgleich war es möglich, die Goldreserven zu überführen und nach Deutschland zu bringen. Die Rückholung aus Paris gestaltete sich in diesem Zusammenhang einfacher, sodass die größten Mengen daher auch aus Frankreich eingetroffen sind. Zwar scheint diese Erklärung durchaus logisch, sie ist allerdings nicht nachvollziehbar, denn schon 2000 und 2001 holte die Bundesbank mehrere hundert Tonnen Gold aus London zurück – damals binnen weniger Wochen.

Wenn es also nicht an der Logistik scheitert, warum kommt dann so wenig Gold in Deutschland an? Diese Frage kann wohl nur damit beantwortet werden, dass es kein Bundesbankgold mehr in New York gibt, da es bereits anderweitig verbraucht oder ausgeliehen wurde. Zwar gibt es hierfür keine Belege, die Tatsache jedoch, dass die Bundesbank jetzt ankündigt, alle Barren aus New York dem LGD-Standard entsprechend umschmelzen zu wollen, nährt diese Theorie. Schließlich ist es nach einer solchen Umschmelzung nicht mehr möglich, die ehemaligen Barrennummern zu erkennen und so zu überprüfen, ob es sich hier tatsächlich um das Gold des deutschen Volkes handelt.

Anleger können etwas tun, um Klarheit über die deutschen Goldreserven zu erlangen

Aber Anleger und deutscher Staatsbürger müssen die Geheimniskrämerei der Deutschen Bundesbank und der Bundesregierung nicht länger hinnehmen. Wenn sich zahlreiche Bürger zusammentun, ist es möglich, Antworten und Belege zu fordern, um den Verbleib des deutschen Goldes zu erklären. Auch können Anleger die Bundesbank auffordern, Nachweise zu liefern, dass es sich hier tatsächlich, wie immer behauptet wird, um das Gold des deutschen Volkes und nicht etwa um eine Kopie handelt.

Wer beteiligen will, kann die Petition zur Rückforderung und zum Rücktransport der deutschen Goldreserven nutzen: „Holt unser Gold heim – für die Rückführung des Goldes der Bundesbank“. Um nähere Informationen zum Rücktransport im Herbst 2013 zu erlangen, wurde die Petition ins Leben gerufen. Sie will dafür sorgen, dass Bundesbürger endlich Klarheit erhalten, was mit den deutschen Goldreserven passiert ist und warum diese nur verspätete geliefert werden konnten. So kann jeder helfen, diese Unklarheiten zu beseitigen!

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