Währungs-Turbulenzen lösen Angst aus

Die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern ziehen die US-Börse in den Keller. In der Türkei setzt sich die Notenbank gegen Ministerpräsident Erdogan durch.

DDie Währungsturbulenzen in den Ländern Lateinamerikas und der Karibik sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch nicht ausgestanden. Es sei daher ratsam, sie weiterhin mit den Mitteln der Geldpolitik zu bekämpfen. IWF- Direktor Alejandro Werner riet den Staaten dringend dazu, eine solide Kapitalbasis zu schaffen und die Wechselkurse zu flexibilisieren. Erneute Unruhen an den Märkten müssten vermieden werden.

Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien, Indien oder die Türkei erleben derzeit einen massiven Kapitalabfluss. Grund ist die Ankündigung der US-Notenbank FED,  künftig den Ankauf von Staatsanleihen zurückzufahren. Nun erscheinen den Marktteilnehmern Investitionen in den Vereinigten Staaten wieder attraktiver, weshalb sie ihr Geld, das zuvor wegen der lockeren US-Geldpolitik in  die Schwellenländer gewandert war, dort wieder abziehen. Unter dem Eindruck der Ereignisse werteten viele Schwellenländer ihre Währungen weiter ab.

Devisenmarkt der größte Finanzmarkt der Welt

In den vergangenen Jahren hat sich der Handel mit Devisen, also das sogenannte Forex Trading, stark gewandelt. Neben Kreditinstituten waren die Marktteilnehmer beim Forex Trading auf dem Devisenmarkt in der Vergangenheit neben den Zentralbanken auch größere Industrieunternehmen, private Devisenhändler, Devisenmakler und Handelshäuser. Inzwischen beteiligen sich aber auch viele Privatleute am Forex Trading übers Internet.  Eine nach wie vor wichtige Gruppe von Akteuren auf dem Devisenmarkt sind die Zentralbanken. Sie können durch Devisenmarktinterventionen aus wirtschaftspolitischen Gründen in den Markt eingreifen, um beispielsweise das Devisenmarktgleichgewicht wiederherzustellen.

Mit einem weltweiten Tagesumsatz von rund 5,3 Billionen Dollar im Jahr 2013 ist der Devisenmarkt der größte Finanzmarkt der Welt. Durch den Devisenmarkt wird der Tausch inländischen Geldes in ausländisches und umgekehrt ermöglicht und dadurch Kaufkraft von Inlandswährung in Auslandswährung umgewandelt.

US-Börsen im Minus

Welche Auswirkungen der Devisenhandel auch auf andere Marktsegmente hat, zeigten jetzt die Turbulenzen in den Schwellenländern. Weil viele Länder ihre Währungen weiter abwerteten, stieg die Furcht vor weiteren Erschütterungen und drückte die US-Aktienbörsen ins Minus. „Die Turbulenzen in den Schwellenländern erweisen sich als hartnäckiger Belastungsfaktor“, sagte LBBW-Analyst Berndt Fernow. „Wichtig ist jetzt, dass die gesamte Weltkonjunktur nicht den Faden der Erholung verliert und ins Straucheln gerät“, sagte sein Kollege Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Nach Ansicht des IWF sind jedoch kleinere Länder wie Uruguay und Paraguay besser als in der Vergangenheit darauf vorbereitet, Auswirkungen der Währungskrise in Argentinien zu verkraften. Die Folgen einer Devisenabwertung für die Inflation seien in der Region geringer als vor 20 Jahren.

Übertriebene Angst?

Auch die Währungsexperten der DZ Bank halten „die Angst vor einem Flächenbrand in den Emerging Markets wie zuletzt während der asiatischen Währungskrise 1997“ für übertrieben. Gleichwohl sei es für Schnäppchenkäufe in den angeschlagenen Schwellenländern noch zu früh. Sie raten zu einer Differenzierung zwischen den einzelnen Märkten.

Die Türkei versucht den Kapitalabfluss durch attraktive Zinsen zu stoppen. Allerdings ist dieser Kurs in der Regierung heftig umstritten. Die türkische Notenbank setzte ihn gegen den Widerstand von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan durch und hob ihren Leitzins von 4,5 auf 10,0 Prozent drastisch an.

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