Entlarvt ein DNA-Test einen BND-Offizier als Gladio-Terroristen?
Entlarvt ein DNA-Test einen BND-Offizier als Gladio-Terroristen?

Entlarvt ein DNA-Test einen BND-Offizier als Gladio-Terroristen?

Der Sohn des inzwischen verstorbene BND-Offiziers sagt im sogenannten Luxemburger „Bommeleeer-Prozess“ aus. Der ungeheure Verdacht: Der BND-Mann könnte  als Drahtzieher geheimer Nato-Armeen unter anderem den Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 organisiert haben...

 

Die eidesstattliche Erklärung von Andreas Kramer über die geheimen Netzwerke der Nato in Deutschland ist fast 6 Wochen her. Im derzeitigen “Bommelleeer-Prozess” in Luxemburg wird das Stay Behind-Netzwerk fast an jedem Prozesstag thematisiert. Doch die deutschen Medien wissen in großer Mehrheit nichts damit anzufangen.

Im sogenannten „Bommeleeer-Prozess“ spielt das Stay Behind-Netzwerk – eine der geheimen Nato-Armeen in Europa – eine entscheidende Rolle. Sollte diese nämlich, wie von der Verteidigung vermutet wird, hinter den Bombenanschlägen in den Jahren zwischen 1984 und 1986 stecken, würde das die beiden angeklagten Ex-Elite-Gendarmen entlasten. Deshalb ließ das Gericht in einer Blitzaktion ein Backup-Archiv des luxemburger Geheimdienstes beschlagnahmen, da sich aus dessen Akten anscheindend dokumentierte Verbindungen zum Stay Behind-Netzwerk ergeben.

Dieses Nato-Netzwerk war in ganz Eruopa aktiv,  seine Rolle ist aber in Deutschland jedoch nie untersucht worden. Dabei sprechen zahlreiche Indizien dafür, dass die Gladio/Stay Behind-Armee für das Oktoberfest-Attentat 1980 in München verantwortlich war. Der GRÜNEN-Politiker Jerzy Montag und andere Abgeordnete wollten das im Herbst 1990 genauer wissen und stellten dem Bundestag einen entsprechenden Frage-Katalog vor, der jedoch nicht beantwortet wurde.

In Italien flog das Gladio-Netzwerk 1990 auf, in Belgien und in der Schweiz fand daraufhin eine Aufarbeitung statt. In Luxemburg trat der damalige Premiere vor das Parlament und betonte nichts gewusst zu haben. Nachdem nun auch dort die Existenz  dieser geheimen Armeen gerichtlich festgestellt wurde und ihre Rolle untersucht wird, ist es höchste Zeit, dass auch in Deutschland eine Aufklärung und Untersuchung stattfindet. Zumal der bevorstehende NSU-Prozess nicht ohne die Frage auskommen kann, wie deutsche Sicherheitsbehörden in diesen Netzwerken, die ihre „Soldaten“ vorwiegend aus der rechtsextremistischen Szene rekrutierten, vertstrickt waren und vielleicht noch sind.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage des deutschen Historikers Andreas Kramer. Er ist der sohn von  Johannes Kramer, einem Offizier des Bundesnachrichtendienstes, der die Stay Behind-Netzwerke in Luxemburg und in Deutschland koordiniert haben soll. Johannes Kramer  soll demnach nicht nur für die Bombenanschläge verantwortlich gewesen sein, die Gegenstand des Prozesses sind, sondern auch für die Attenate in Bologna und auf das Münchener Oktoberfest 1980. In München starben  13 Menschen  und 113 wurden teilweise schwer verletzt.

Nun ordnete das Gericht in Luxemburg eine Untersuchung an, in der die DNA von Kramer mit der auf den Erpresserbriefen, die der Ende 2012 verstorbene Johannes Kramer nach Aussagen seines Sohnes geschrieben haben soll, verglichen werden. Die Erpresserbriefe erhielten die Behörden während der Bombenanschläge.

Bereits am 13. März sagte Andreas Kramer in einer eidestattlichen Versicherung in Luxemburg aus, dass sein Vater die Stay Behind-Armeen in Deutschland, der Schweiz und in Luxemburg im Dienste der Nato koordinierte. Das Dokument wurde als Link zu einer pdf-Datei in der schweizer Online-Ausgabe der Tageswoche veröffentlicht. Demnach war Johannes Kramer sogar als Doppelagent tätig und lieferte Informationen an die Sowjetunion. Eine genauere Aufarbeitung folgt. Zumndest hier!

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Völlig unverständlich bleibt, warum deutsche Medien kaum darüber berichten. Und es stellt sich die Frage, wie die Berichterstattung während des NSU-Prozesses aussehen wird. Während des Buback-Prozesses gegen “RAF-Terroristin” Verena Becker wurde von diesem wichtigen Stück versuchter Geschichtsaufarbeitung ebenfalls kaum berichtet. Verena Becker selbst trug nichts zur Aufklärung bei. Sie schwieg dazu. Und nahezu still war es auch im Blätterwald. Das zumindest wird im NSU-Prozess nicht passieren. Und wird Zschäpe ebenfalls weiter schweigen? Als sie sich stellte, waren ihre Worte: “Ich habe mich nicht der Polizei gestellt, um nicht auszusagen!”

Weitere Texte von Björn Kügler/Denkland finden Sie hier.

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Weiterfürende Dokumente:

Hier gibt es nun freigegebene ehemalige „Top Secret“-Dokumente zum Prozess.

Ein Dossier der Luxemburger Zeitung Das Wort.

Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel