Gefangen im obskuren Denken der Euro-Priesterschaft
Gefangen im obskuren Denken der Euro-Priesterschaft

Gefangen im obskuren Denken der Euro-Priesterschaft

Es gibt gravierende Zweifel, dass die Menschen in ökonomischen Fragen wie der Euro-Krise tatsächlich noch entscheidungsfähig sind. Sie unterliegen nämlich einer ständigen Beeinflussung zu dem Zweck, sie für  fragwürdige politische Ziele einzusetzen, schreibt der OECONOMICUS für GEOLITICO.

Der Sanskrit-Begriff ‘mantram’ (umgangssprachlich: Mantra) vereint die beiden Wortwurzeln ‘manas’ (Geist) und ‘tram’ (Schutz, schützen bzw. Instrument).

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Kernaussagen oder Merksprüche, die gebetsmühlenartig immer wieder auf’s Neue z.B. von den Euro-Dogmatikern in unterschiedlichster Ausprägung in die Synapsen der Menschen geblasen werden.

Sinn und Zweck ist es, die so „Erleuchteten“ als Distributoren für die fragwürdigen Ziele der Hohen Priester politischer Sümpfe einzusetzen, um von den Mitgliedern des „Club’s betreuter Denker“ möglichst große Zustimmungswerte zu erlangen.

Sobald dieses Ziel erreicht ist, gibt es aus den Brüsseler Sümpfen – nach Timm Esser: „Der Name Brüssel (Bruxelles) stammt aus der Wortzusammensetzung des keltischen “bruoc” (Sumpf) und des lateinisch-keltischen “sella” (Tempel oder Kapelle)“ – kein Entkommen mehr!

Anschauliche Beispiele solcher Mind-washing-Methoden liefern uns drei ausgewählte Episoden der letzten Tage:

 Botschaft eines Semantik-Artisten

Eine der zentralen Forderungen des Bundes-Predigers nach ‘mehr Solidarität’ könnte in den Ohren zahlloser Transfer-Empfänger, die 30 und mehr Jahre für dieses System geschuftet haben und im Alter von 50 – 60 den Arbeitsplatz verloren oder erkrankt sind, wie purer Hohn klingen. Ähnliche Gefühle dürften sich bei von Altersarmut bedrohten Menschen eingestellt haben.

Bei seinem Aufruf (der Text wurde sicher von einem politisch korrekten Ghostwriter zurechtgezimmert) nach ‘Mut und Zivilcourage’ ist dem europaverblendeten Mitglied der “Atlantik-Brücke e.V.” (einer Organisation, die sich weder für echte Bürgernähe noch Elemente direkter Demokratie einsetzt), vermutlich entgangen, dass der Ruf nach engagierten Bürgern verstummt, sobald wunde Punkte oder Tabu-Themen berührt werden!

Beispiele hierzu sind Legion:

  • offener gesellschaftlicher Diskurs zur Abschaffung von Listenplätzen bei Bundestagswahlen und damit Einzug ins Parlament ausschließlich via Direktmandat;
  • aktive Bürgerbeteiligung und Volksabstimmung zu Themen, welche die Zukunftsperspektiven von uns, unseren Kindern und Enkeln nachhaltig beeinflussen;
  • wirksame Stopp-Schilder für Partikularinteressen und deren Lobby-Armeen
  • Vorgänge, die letztlich zur Verbrennung von Steuergeldern führen (S21, BER, ‘Elb-Disharmonie’ u.v.m.)
  • Brüsseler Plutokratie und zunehmende Prekarisierung überwiegender Mehrheiten
  • Ausweitung deutscher Waffen-Exporte

 Weihnachtsansprache eines königlichen Elefanten-Jägers

Der Kernpunkt der Botschaft von Juan Carlos war -wie könnte es auch anders sein- der Aufruf an die spanische Bevölkerung zu mehr Einigkeit!
Ob er dabei auch an menschenunwürdige Entscheidungen politischer ‘Sprachschurken’ oder Dieben und Hehlern aus den Tempeln der Hochfinanz gedacht haben mag, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Monti’s Elysium

 Der Aufruf an die italienische Bevölkerung zu einer Debatte über die Zukunft des hochverschuldeten Landes, könnte als Versuch zur Einnahme der Pole-Position für die im Februar 2013 anstehenden Parlaments-Wahlen gewertet werden.
Leider hat sich der Professor der Wirtschaftswissenschaften bei seiner als “Agenda Monti” veröffentlichten Studie etwas missverständlich ausgedrückt.
Dort heißt es:

„Ab 2015 soll die Verschuldung um jährlich fünf Prozent gesenkt werden. Ziel sei es, den Schuldenstand von derzeit rund 126 auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken.”

Offenbar hat er dabei schlichtweg ausgeblendet, sich mit der Schuldentragfähigkeit des Landes intensiv auseinanderzusetzen.

Schuldentragfähigkeit

Da mit wohlfeilen Hinweisen zur Relation zwischen BIP und Staatsverschuldung immer wieder versucht wird, ökonomisch weniger erfahrenen Menschen das “Alles-wird-Gut-Mantra” um die Ohren zu hauen, sind an der Stelle einige grundsätzliche Bemerkungen zu den “Kennzahlen staatlicher Verschuldung” notwendig:

Schuldentragfähigkeits-Konzepte werden bereits seit den 1980er Jahren u.a. seitens der Weltbank und des IMF diskutiert.
Dabei geht es um konservative Benchmarks, um die Schuldentragfähigkeit einer Volkswirtschaft zu ermitteln:

1.     Schuldenobergrenze = 40% des BIP

2.     Schuldenobergrenze = 150% der Exporteinnahmen

3.     Schuldendienst = 15% der Exporteinnahmen

Solche Eckdaten wurden in Fachkreisen heftigst kritisiert, einerseits weil man die Meinung vertrat, dieses Korsett sei viel zu eng und würde die Wachstumschancen prosperierender Volkswirtschaften unnötig einengen, während mahnende Stimmen argumentierten, Exporteinnahmen hätten einen zu großen Einfluss auf das Erreichen und Beibehalten der Schuldentragfähigkeit.

Der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs (Columbia University) setzte sich beispielsweise dafür ein, dass Schuldendienstkapazitäten nach den alternativen Nutzungsmöglichkeiten für die finanziellen Ressourcen, die in den Schuldendienst fließen, beurteilt werden sollte. Eine Einschätzung der Budgetkosten, die für soziale Ausgaben benötigt werden, müsse vorab erstellt werden, wobei zu berücksichtigen sei, dass Schuldenrückzahlung die Kapazität von Regierungen gefährden könne, diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Um zu den Einschätzungen des IWF und der Weltbank zurückzukehren, erscheint mir ein gemeinsames Statement beider Organisationen aus 2002 recht bemerkenswert:

“Externe Schuldentragfähigkeit ist ein umfassendes Konzept und kein einzelner Schuldenindikator oder eine spezifische Höhe eines Indikators können vollständig über Schuldentragfähigkeit informieren”.

Staatsverschuldung von Italien 2013
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Italiens Realität

Italien’s explizite Staatsverschuldung hat per Ende Oktober 2012 mit 2,014 BillionenEuro ein neues Allzeithoch markiert, wobei sich gleichzeitig die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent abschwächte.

Wird nun mittels restriktiver Ausgabenpolitik bei gleichzeitiger Steuer- und Abgabenerhöhungen gegenüber dem Bevölkerungsteil ohne einflussreiche Lobby-Vertreter versucht, die Staats-Verschuldung deutlich zu reduzieren, muss zwingend davon ausgegangen werden, dass sich sowohl das Konsumverhalten der Menschen, ebenso wie die Investitionsbereitschaft der Unternehmen, spürbar verändern.
In der Folge dürften sich die Sozialhaushalte weiter aufblähen, da eine weitere Absenkung von Mitteln für die Daseinsfürsorge kontraproduktiv für den sozialen Frieden des Landes einzuschätzen wäre.
Darüber hinaus müsste man die ökonomisch stärkeren Regionen, wie etwa Südtirol, Lombardei, Emilia-Romagna, Latium, Venetien oder Trentino zu Lasten des Mezzogiorno noch stärker als bisher zur Kasse bitten, was die Sezzessionsbewegung speziell in Südtirol weiter beflügeln könnte.

Bei Würdigung dieser in Kurzform dargestellten Faktoren, müsste man also davon ausgehen, dass sich die Wirtschaftsleistung der achtgrößten Volkswirtschaft der Erde weiterhin negativ entwickeln könnte.
Somit kann sich die Staatsverschuldung in Relation zum BIP nur schwerlich den Phantasien des Paradiesverkünders auch nur annähern.

In  diesem Zusammenhang empfieht der Oeconomicus  das Buch „Hirten und Wölfe“ von Hans-Jürger Krysmanski von der Uni-Münster. Weitere Beiträge vom Oeconomicus finden Sie hier.