So verkommen ist die Fußball-Welt

Der Profi-Fußball ist eine Form moderner Sklaverei. Die Fans wollen Spektakel um jeden Preis und verschließen die Augen vor Maßlosigkeit und Kriminalität. Lasst die Spiele beginnen!

Fußball nennt man das Spiel, bei dem Millionen Menschen dabei zuschauen, wie 22 Millionäre einem Ball hinterherlaufen. In etwa so hat es der Sportreporter und Kabarettist Werner Schneider vor Jahrzehnten einmal sehr treffend formuliert.

Heute werden voraussichtlich sogar Milliarden vor den Fernsehern hocken und das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien anschauen. Und wie’s aussieht, wird die nicht wegen ihrer Stimme, sondern vor allem durch ihr Po bekannt gewordene Jennifer Lopez nun doch während der Feierlichkeiten im Corinthians-Arena in São Paulo singen, umrahmt von nicht weniger als 600 Tänzerinnen und Tänzern.

Dokumente der Fifa

In den kommenden Wochen dürfte der Fußball weltweit allgegenwärtig sein: auf Großbildschirmen und Leinwänden beim neudeutschen „public viewing“, in den Nachrichtensendungen und natürlich auch im Internet. Es gibt sogar spezielle Seiten wie wm2014-brasilien.net, auf denen die User in Echtzeit alle Neuigkeiten aus dem Land des Fußballs abrufen können.

Und was hat das alles noch mit Sport zu tun, mit der Idee des fairen Wettkamps, bei dem allein die natürlichen Kräfte des Körpers, die motorischen Fähigkeiten der Spieler und letztlich ein Quäntchen Glück über Sieg und Niederlage entscheiden? Gar nichts. Es handelt sich um ein gigantisches Geschäft, das in weiten Teilen kriminell und menschenverachtend ist.

Die Kriminalität im Fußball-Zirkus belegen aktuell die Dokumente der Schweizer Ermittlungsbehörden, gegen deren Offenlegung der Weltfußballverband Fifa lange Zeit verbissen vorging. Demnach haben sich der einstige Fifa-Präsident Joao Havelange und sein früherer Schwiegersohn Ricardo Teixeira in den neunziger Jahren von der mittlerweile insolventen Marketingfirma ISMM/ISL schmieren lassen. Teixeira hatte übrigens maßgeblichen Anteil daran, dass die heute beginnende WM nach Brasilien vergeben wurde. Er soll mindestens zehn Millionen Euro kassiert haben. Insgesamt sollen Verantwortliche der Fifa Provisionen von mehr als 100 Millionen Euro erhalten haben.

Abgabenzahler als Melkkuh

Ausdruck verantwortungsloser Verkommenheit ist der Handel zwischen TV-Sendern und Fußballverbänden einstufen. Für die Fernsehrechte an der Bundesliga werfen die TV-Sender den Vereinen und Verbänden ein Vermögen vor die Füße, das sie bei den Zuschauern per Zwangsabgabe einklagen. Damit ist der Steuer- und Abgabenzahler die größte Melkkuh der Fußball- und Sportmafia – ob er will oder nicht. Denn die echten Fans, also die Stadionbesucher und Kunden des Bezahl-Fernsehens, machen nur einen kleinen Teil der Einnahmen in diesem Big Business aus, an dem sich neben den Fußballclubs auch viele andere schadlos halten.

Und mittendrin stehen die Spieler. Sie sind die Huren des Sports, die nicht nur ihre Körper, sondern auch die Verfügungsgewalt über sich selbst verkaufen. Sie sind moderne Sklaven. Der Nachwuchs wird schon im Kindesalter aussortiert. Spätestens ab der Pubertät werden die Jünglinge ihren potenziellen Freiern feilgeboten. Wer heute mit 18 Jahren noch keinen „Manager“ hat, landet in der dritten Liga.

Zwar bekommen die Spieler für den Verlust ihrer Freiheit viel Geld, ruinieren dabei aber oftmals ihre Gesundheit. Kaum jemand weiß, dass ein auffallend großer Teil der italienischen Fußballer an Amyotrophe Lateralsklerose erkrankt. Dabei handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, also um eine Lähmung, die langsam aber sicher zum Tod führt. Kopfbälle etwa könnten ein Auslöser sein.

Blut fließt vor der Arena

Nicht wenige leiden bereits während oder nach ihrer aktiven Laufbahn unter seelischen Störungen. Manche versuchen die Depression im Alkohol zu ertränken, andere mit Drogen. Der Suizid des Torhüters von Hannover 96 vor wenigen Jahren warf ein Licht auf diese dunkle Seite des Fußballs, die so gut es geht vor den Massen verborgen bleibt.

Denn die Fans wollen Spektakel um jeden Preis. Sie wollen drei Spiele die Woche. Wenn ein Spieler das nicht durchhält, wird er aussortiert. Das Stadion ist der moderne Circus Maximus.

Doch das Blut fließt heute vor der Arena. Für Hooligans sind die Spiele nichts als Aufputschmittel und Anlass für primitivste Gewalt und Zerstörungswut – für deren Folgen dann ebenfalls der Steuer- und Gebührenzahler aufkommt. Da ist es dann doch nur folgerichtig, wenn in Brasilien zur WM die gefürchteten Anarchisten der „Schwarzen Blöcke“ gleich gemeinsam mit Verbrecherbanden losschlagen. Diese Banden bestehen übrigens allesamt aus ehemaligen Häftlingen, die von ihren Bossen aus den Haftanstalten kontrolliert werden. Gemeinsam wollen sie in den kommenden Wochen Städte ins Chaos stürzen. Als ob wir davon nicht schon genug auf dieser Welt hätten.

Über Thomas Castorp

Thomas (Hans) Castorp blickt vom Zauberberg herab auf die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Fragenstellungen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel