Oktoberfest-Terror von 1980 beschäftigt Generalbundesanwalt

Wird das Verfahren nach 32 Jahren wieder aufgerollt? Der Luxemburger „Bommeleeer-Prozess“ liefert neue Hinweise auf den Anschlag, der einst einem rechtsextremen Einzeltäter zugeschrieben wurde. Jetzt rückt der BND ins Visier der Justiz und mit ihm die geheimen  Gladio-Armeen...

 

Beim Oktoberfest-Attentat 1980 in München mit 13 Toten und 211 Verletzten kam der als Täter ausgemachte Rechtsextremist Gundolf Köhler selbst ums Leben. Von Anfang an gab es Zweifel an der Einzeltäterthese des Generalbundesanwaltes. Nun, über 32 Jahre später sorgt der „Bommeleeer-Prozess“ im Luxemburg dafür, dass der Generalbundesanwalt neuen Hinweisen nachgeht, deren Spuren zu Gladio/Stay Behind führen, den geheimen Nato-Armeen in Europa. Laut Abendzeitung München vom 01. Mai 2013 erklärte der Generalbundesanwalt schriftlich:

„Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof prüft seit geraumer Zeit intensiv, ob die förmliche Wiederaufnahme der Ermittlungen wegen des Anschlags auf dem Oktoberfest am 26. September 1980 in München geboten ist. Im Rahmen dieser Prüfung geht der Generalbundesanwalt fortwährend den von verschiedenen Seiten – teils auch öffentlich – vorgebrachten Spuren und Hinweisen nach. Die Prüfung des Generalbundesanwalts dauert an.“

Die genannten “teils auch öffentlich” vorgebrachten Spuren und Hinweise konnten aus der Berichterstattung der Massenmedien so gut wie gar nicht gewonnen werden, da diese zu den derzeitigen Ereignissen, die zu dieser Prüfung führt, mehrheitlich schweigen. Diese gehen eher zurück auf den sogenannten „Bommeleeer-Prozess“ und den dazugehörigen Veröffentlichungen in Zeitungen aus Luxemburg und nur vereinzelnd in der Schweiz und Deutschland.

In diesem noch laufenden Prozess wurden zwei Ex-Elite-Gendarmen für Bombenanschläge zwischen 1982 und 1984 angeklagt. Die Verteidigung verfolgt jedoch sehr viele Hinweise und die daraus abzuleitende These, dass Nato-Geheimarmeen in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst MI6 und dem amerikanischen CIA die Verursacher dieser Terrorserie seien. Unterstützt wird diese Spur vom deutschen Historiker Andreas Kramer. Dieser sagte vor Gericht und unter Eid aus, dass sein Vater, BND-Offizier Johannes Kramer, sowohl die Anschläge in Luxemburg als auch die Anschläge 1980 in Bologna und eben auf das Oktoberfest im selben Jahr in München zu verantworten habe.

Todesopfer des Münchener Oktoberfestes im September 1980 / Screenshot aus einem Video im Text

Todesopfer des Münchener Oktoberfestes im September 1980 / Screenshot aus einem Video im Text

Ziel dieser Anschläge sei gewesen, innerhalb einer „Strategie der Spannung“ die politische Bedeutung linker bzw. kommunistischer Strömungen in Europa zu schwächen. Ursprünglich wurden die geheimen Nato-Armeen aufgebaut, um im Falle einer sowjetischen Invasion hinter den dann neu gezogenen Fronten Sabotageakte ausführen zu können.

Diese dunkle Seite der europäischen Nachkriegsgeschichte wurde in Deutschland bisher noch nicht untersucht, Anfragen im Parlament wurden bisher abgelehnt. Auch die Presse sah bisher keinen Grund, über die Hintergründe von Gladio und deren vermutlichen Verbindungen zum BND, MAD und zum Verfassungsschutz zu untersuchen. Selbst dieser Tage nicht, kurz vor Beginn des NSU-Prozesses. Dabei gehört genau zu der Untersuchung der zu verhandelnden Mordserie und den beschuldigten Rechtsextremisten, warum bei den Sicherheitsbehörden dazu soviel geschwiegen und geschreddert wird. Gladio?

Weitere Texte von Björn Kügler/Denkland finden Sie hier.

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Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel