Fall Hoeneß zweiteilt die Nation

Am 10. März startet das Verfahren gegen Bayern-Chef Uli Hoeneß. Wie sich bei der Terminverkündung Ende Januar zeigte, wird der Prozess wohl ein riesiges Medienereignis.

Uli Hoeneß ist das Rampenlicht gewohnt: Als aktiver Spieler war er eine tragende Säule des FC Bayern und der Nationalmannschaft, als Manager machte er den Verein ¸ber Jahrzehnte zu einem der erfolgreichsten Clubs der Welt. Die Nachwirkungen seines Schaffens sind bis heute greifbar, wie ein Blick auf die jüngsten Erfolge, die aktuelle Tabelle und die Wetten von Digibet zeigt. So gehen die Bayern nächste Woche als haushoher Favorit ins DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den HSV; die Quote von 1,3 auf einen Bayern-Sieg könnte deutlicher nicht sein.

Erfolg mit Boomerang-Effekt

All das hat Uli Hoeneß geschaffen. Auch als Präsident, seine Funktion der letzten Jahre, hielt sich der gebürtige Ulmer nicht zurück: Kaum ein Mikrofon, kaum eine Kamera, die er nicht beachtete. Das Medienecho auf seinen Steuerprozess ist vor diesem Hintergrund keine Überraschung. Ebenfalls nicht schwer zu erraten ist, dass der 62-Jährige dieses Mal am liebsten auf Beobachter verzichten würde. Wie sehr der Fall Hoeneß schon vor Prozessbeginn die Nation zweiteilt, wurde in den vergangenen Monaten deutlich sichtbar: Selbst unter den Bayern-Fans gibt es kaum Einigkeit, erhitzte Debatten über Recht und Unrecht, über Moral und Scheinmoral werden auf allen öffentlichen Plattformen geführt: in Foren, auf den großen Sportseiten, in Tageszeitungen, in TV-Diskussionen. Dass sämtliche Beobachtungsplätze im Gerichtssaal nach 27 Sekunden vergeben waren, kommt also nicht überraschend.

ADAC als lachender Dritter

Nun ist Uli Hoeneß nicht der erste Prominente, der wegen Steuervergehen zur Rechenschaft gezogen wird. An Beispielen aus jüngerer Vergangenheit und Gegenwart mangelt es nicht; Ex-Post-Vorstand Zumwinkel vor einigen Jahren, Alice Schwarzer aktuell. Dennoch scheint der Fall Hoeneß eine andere Größenordnung anzunehmen. Genau wie der FC Bayern selbst also. Das liegt vor allem daran, dass der Bayern-Präsident ein Freund klarer Worte ist, mit ihnen gelegentlich übers Ziel hinausschießt und dabei auch gerne persönlich wird. Er polarisiert wie kaum ein anderer und setzt hohe moralische Maßstäbe an, denen er nun anscheinend selbst nicht gerecht geworden ist.

Und das ist womöglich der springende Punkt. Um in den vergangenen zehn Jahren einen Fall zu finden, der für ähnliches Aufsehen gesorgt hat, muss man die Zeitleiste beinahe zehn Jahre zurückdrehen. Dann nämlich hielt die Causa Daum die Bundesrepublik in Atem. Es muss wohl kaum erwähnt werden, wer damals eine tragende Rolle spielte: Uli Hoeneß. Größter Gewinner des kommenden Prozesses dürfte der ADAC sein, da dessen Skandal, so groß er auch gemacht wurde, spätestens ab dem 10. März in den Hintergrund tritt.

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