Die S&P-Drohung kommt für Merkel wie bestellt

Da hat Standard & Poor's einigen Leuten mal wieder einen gehörigen Schrecken eingejagt. Genau das wollte die US-Ratingagentur wohl auch mit ihrer Drohung, die Bonität zahlreicher europäischer Statten und auch diejenige Deutschlands herabzustufen. Warum? Nun, seit Wochen muss sich Angela Merkel in Europa wegen ihrer Haltung gegen Eurobonds heftiger Angriffe erwehren. Stellvertretend für viele schreibt Polens Außenminister Radoslwa Sikorski in der „Zeit“: „Ich verlange von Deutschland, dass es der Euro-Zone zum Überleben und Gedeihen verhilft. Sie wissen genau, dass kein anderer das kann.“

Wie die Polen fürchten derzeit Griechen, Italiener, Spanier und Franzosen, dass Deutschland nicht die richtigen Schritte unternimmt. Sie alle warnen vor dem Zerfall der Eurozone. Ihre Angst davor ist weitaus größer als die der Deutschen, weil alle diese Länder wirtschaftlichen deutlich schlechter dastehen.

Sikorski schreibt: „Worin sehe ich als polnischen Außenminister heute die größte Bedrohung für Polens Sicherheit und Wohlstand? Es ist nicht der Terrorismus, es sind nicht die Taliban, und es sind ganz sicher nicht deutsche Panzer. Es sind noch nicht einmal russische Raketen, mit denen Präsident Medwedjew drohte, dass er sie an der Grenze zur EU aufstellen würde. Die größte Bedrohung für Polens Sicherheit und Wohlstand wäre der Zusammenbruch der Euro-Zone.“

Doch den will Angela Merkel freilich genau so wenig wie all die anderen. Nur strebt sie andere Regeln an als etwa die Franzosen. Es geht allein darum, auf welchem Wege das Geld für die Finanzierung überschuldeter Staaten werden soll. Denn auch Merkel will den Märkten geben, wonach sie verlangen.

Wie das geschehen soll, darüber verhandelt sie in dieser Woche mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Sie besprechen auch die Details für die künftige Struktur Europas. Und just in diesem Moment trifft die Drohung von Standard & Poor’s ein.

Die von S&P angedrohte Abstufung würde die Lage der Eurozone weiter verschlechtern, das wissen alle. Folglich ist das Jammern und Wehklagen groß. Genau das aber wollten die Amerikaner wohl erreichen. Sie zwingen die Europäer zur Einigung.

Das ist gut für Merkel. Und so kommt die Drohung der US-Ratingagentur für sie ganz und gar nicht ungelegen. Vielmehr kommt sie zu diesem Zeitpunkt geradezu wie bestellt. Denn nun werden sich alle brav hinter Angela Merkel versammeln. Und sie schafft ihr Europa.

Günther Lachmann am 6. Dezember 2011 für Welt Online

 

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel