Das ZDF ist auf einem Auge blind
Das ZDF ist auf einem Auge blind

Das ZDF ist auf einem Auge blind

Die Demonstrationen vom 9. November gegen die neue Links-Regierung von Bodo Ramelow in Thüringen zeigen, wie Sensations-Journalismus die Wirklichkeit verdreht.

Vor 25 Jahren demonstrierten über 100.000 Thüringer in Anwesenheit des Bundeskanzlers auf dem Erfurter Domplatz gegen die SED. Es war ein Fernsehteam vor Ort und filmte ausgerechnet den einen Erfurter, der für die damalige Zeit sehr untypisch mit einer DDR-Fahne auf einen Mast gestiegen war. Und so lief das Bild des Mannes mit der DDR-Fahne abends als Desinformation in den Nachrichten. Der unbedarfte Fernsehkonsument sollte den Eindruck bekommen, dass Helmut Kohl sich in Feindesland befindet.

Gestern, am 9. November, demonstrierten auf dem Domplatz 4.000 Thüringer gegen den designierten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linken. Sie riefen gerade „Bodo, geh heim. Bodo geh heim“, als eine kleine Gruppe von etwa 35 Linken sang: „Ihr habt den Krieg verlor ’n, ihr habt den Krieg verlor ’n.“

Wie vor 25 Jahren

In diesem Moment kreuzte ein Fernsehteam des ZDF auf und begann die linken Sänger zu filmen. Dasselbe Szenario wie vor 25 Jahren. Es werden ein paar Störer gefilmt, die etwa 2 % der Platzbesucher ausmachten. Das Fernsehteam wurde von aufgebrachten Demonstranten in Diskussionen verwickelt, die darauf abzielten, doch mal das Typische der Demo zu filmen, statt ein verzerrtes Bild zu zeichnen.

Was auffällt: Das ZDF-Team war auf dem riesigen Platz sekundengenau zur Stelle, als die Störer in Aktion traten. War es Zufall? Sollte es eine Verabredung mit den linksextremen Sängern gegeben haben, wird es niemand beweisen können.

Auch die Antifa war da. Sie hatte ein Plakat gemalt: „Union, AfD und Nazis Hand in Hand, das ist die Schande in diesem Land“. Die Demonstranten gegen das rotgrüne Bündnis riefen in Richtung des linken Häufleins im Sprechchor „Nazis raus“. Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR wiederum hat das in seiner Berichterstattung[1] irgendwie in den falschen Hals bekommen und berichtete, dass die Antifa gegen Rechte „Nazis raus“ rief. Ich habe unmittelbar daneben gestanden und kann nur versichern, dass die Antifa von den Demonstranten als Nazis beschimpft wurde. Noch ungewohnt für die Jungs…

„Der schwarze Kanal“

Naja liebe Reporter, so eine Demo im Dunkeln ist eben nicht einfach zu überblicken. Für linken Fernsehjournalismus sollte man den Karl-Eduard-von-Schnitzler-Preis stiften. Karl-Ede war der Chefpropagandist in der Agitationssendung „Der Schwarze Kanal“ des DDR-Fernsehens. Zahllose Anekdoten gab es damals. Die Schönste:

ZDF-Team / Foto: Wolfgang Prabel

ZDF-Team / Foto: Wolfgang Prabel

Honecker steht bei Petrus am Himmelstor und begehrt Einlass. Petrus eröffnet ihm, dass man für jede Lüge einen Nadelstich bekommt, bevor man in den Himmel darf. Hinter einer Tür geht ein furchtbares Geschrei los. Honecker fragt: Was ist denn da los? Petrus: Das ist der Schnitzler, der liegt täglich acht Stunden unter der Nähmaschine!

Das ZDF-Team gehört zu den Kandidaten für diesen zu stiftenden Schnitzler-Preis. Zum Schluss ein Schnappschuss vom Fernsehteam.

 

 Anmerkung

[1] „Demo geen R2G am Tag des Mauerfalls in Erfurt“, MDR: http://www.mdr.de/thueringen/landtagswahl-2014/demo_erfurt100.html

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel