AfD lässt Nazi-Vergleich abprallen
AfD lässt Nazi-Vergleich abprallen

AfD lässt Nazi-Vergleich abprallen

Der Mainzer Theologe Moll hatte die AfD mit der NSDAP verglichen. Die AfD hätte juristisch gegen ihn vorgehen können, will aber nicht „Kanonen auf Spatzen schießen“.

Die AfD wird nicht juristisch gegen den Mainzer Theologen Sebastian Moll vorgehen. Moll hatte die AfD mit den Nationalsozialisten verglichen und zumindest einen Teil ihrer Mitglieder als „Nationalisten völkischer Prägung“ bezeichnet. Anfangs habe er daran gedacht, zivilrechtliche Schritte gegen Moll einzuleiten, sagte AfD-Sprecher Konrad Adam nun. Davon habe er jetzt aber wieder Abstand genommen. „Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“

Der Mainzer Theologe Moll war in der AfD an der Übernahme eines christlichen Arbeitskreises im rheinland-pfälzischen Landesverband gescheitert. Anschließend berichtete er davon, wie er während einer Versammlung von einem Mitglied auf furchterregende Weise angegangen worden sei und stellte fest: „Die Alternative für Deutschland besteht im Grunde aus zwei Parteien. Oben gibt es die Partei der Professoren, unten die der Proleten.“ Und die Professoren seien dabei, die Kontrolle über die Proleten zu verlieren.

„Nationalsozialistisches Weltbild“

Er selbst sah die Motive für die Ablehnung, die er erfuhr, weniger in seiner Person oder seinen Argumenten begründet, sondern, wie er sagte, in einem zutiefst kirchenfeindlichen völkischen Nationalismus. Seiner Ansicht nach stehe die AfD in der Tradition der deutschnationalen Bewegung. Die Partei sei keine Alternative, sondern eine chauvinistische Gefahr für Deutschland.

Er zitierte in diesem Zusammenhang gar NS-Reichsleiter Martin Bormann: „Unser nationalsozialistisches Weltbild aber steht weit höher als die Auffassungen des Christentums, die in ihren wesentlichen Punkten vom Judentum übernommen worden sind. Auch aus diesem Grunde bedürfen wir des Christentums nicht.“

Und von Bormann zog er schließlich eine direkte Linie zur AfD. „Was Bormann hier beschreibt, ist in vielerlei Hinsicht leider genau das, was viele heutige AfDler meinen, wenn sie von einer ‚ideologiefreien‘ Politik sprechen“, sagte Moll.

„Infamer Vergleich“

Die AfD-Spitze war fassungslos. Für Adam ist der Bormann-Vergleich schlicht „infam“. „Von allen widerwärtigen Typen in der Führung der NSDAP wird Bormann als einer der ekelhaftesten betrachtet“, sagte Adam. Moll habe diese Ebene bewusst gewählt mit dem Ziel, die Spitze der AfD herabzusetzen.

„Tatsache ist, dass die Arbeitsgemeinschaft Christen in der AfD völlig unstrittig ist“, sagte Adam. Auf der Bundesebene werde sie in besonderem Maße von Bernd Lucke unterstützt. Er habe Moll darum nun gefragt, wie er denn als Theologe zum achten Gebot stünde. Darin heißt es: „Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem Nächsten.“

Adam: „Genau das hat er getan, denn er wusste, dass Lucke christlich engagiert ist, er wusste, dass Frau Petry mit einem Pfarrer verheiratet ist. Dass ich und vor allen Dingen meine Frau im Kirchenvorstand in Oberursel engagiert sind, hat er vielleicht nicht gewusst“, sagte der AfD-Sprecher. Jedenfalls habe er, Adam, wissen wollen, wie Moll zu seinen Behauptungen komme. Doch dieser sei auf die Frage, was er zu tun gedenke, „um die Verleumdung aus der Welt zu schaffen“, mit keinem Wort eingegangen.

Arrogantes Auftreten

Nach Adam geht die Geschichte, wie Moll in der AfD scheiterte, so: Der bisherige Kreisvorsitzende von Ingelheim-Bingen habe sich mit seiner Aufgabe des überfordert gefühlt und das Amt abgeben wollen. Als Nachfolger hatte er den Theologen Moll vorgesehen. Moll habe allerdings in einer Kreisversammlung, in der er sich als neuer Kandidat für dieses Amt vorstellen sollte, offenbar einen so hochfahrenden und arroganten Eindruck gemacht, dass sich die Leute gegen ihn gestellt hätten. Moll habe darauf mit weiteren Vorschlägen und weiteren anmaßenden Äußerungen reagiert. Parallel zum Kreisvorsitz habe Moll den Vorsitz des christlichen Arbeitskreises im Landesverband übernehmen wollen. Nähere Einzelheiten seien ihm nicht bekannt, so Adam.

„Die muss ich auch nicht wissen“, sagte er. „Jedenfalls hat er sich durch sein forsches, unverbindliches Auftreten um die Chance gebracht, das Amt, das er offenbar anstrebte, zu bekleiden.“

An Molls Behauptung, die AfD sei eine Partei von Professoren und Proleten sei indes „etwas dran“. Das sei aber in jeder anderen Partei auch so. Überall gebe es ein Gefälle zwischen oben und unten, zwischen der Parteispitze und der Basis. „Interessant ist nur, dass er eben nicht von Basis oder von Mitgliedern spricht. Für ihn sind das alles Proleten“, sagte Adam. Das sei genau der Ton, den er offenbar auch in der Versammlung angeschlagen habe.

Moll war nach seinem Austritt aus der FDP nur wenige Wochen in der AfD und strebt eine Rückkehr zu den Liberalen an.

 

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel