Europa

Die Krise, der Krieg und eine Schuldendiktatur

Die Krise, der Krieg und eine Schuldendiktatur

Diese Krise ist einerseits gezeichnet durch eine tiefe Furcht vieler Menschen vor der Vernichtung der Existenz, andererseits gebiert sie einen gierigen Hedonismus und führt zur vollständigen Auflösung menschlicher Werte. Eine Alltagsbetrachtung…

 

Neulich sagte jemand, er werde sich wohl einen Tannenbaum kaufen und zu Ostern weiße Weihnachten nachfeiern. Draußen liegt immer noch Schnee, nachts sinken die Temperaturen unter minus zehn Grad. Es will einfach nicht Frühling werden in diesem Jahr. Die Jahreszeiten scheinen durcheinander geraten zu sein, wie überhaupt alles durcheinander geraten zu sein scheint. Nur sorgen sich bei weitem nicht alle darüber.

Diejenigen, die darüber nachdenken, versinken oft genug in Schwermut. Die anderen, die blind sind für das Wesen, die Auswüchse und die Folgen der europäischen Krise,  parlieren angeregt über den angeblichen Sittenverfall bei „Deutschland sucht den Superstar“; sie trinken heiße Schokolade im Schnee und spekulieren darüber, ob Heidi Klums Busen zu schlaff geworden sei.

Sie haben anderes im Sinn als den Euro. „Kinder, lasst Euch wenigstens mal die Lippen aufspritzen“, sagen sie.  “So könnt ihr doch nicht mehr herumlaufen.” Das Leid der Griechen? „Nun übertreibt mal nicht.“ Das Heer jugendlicher Arbeitsloser in Spanien? „Ach Gott, ich hatte es auch nicht leicht, als ich jung war. Alles hart erarbeitet, mein Lieber. Hart erarbeitet! Das müssen die erst noch lernen.“ Angst um Deutschland? „Ach woher! Wir sind eines der reichsten Länder der Erde. Wir haben Vollbeschäftigung. Wir machen Business! Business, verstehst du? Mit den ,Kinesen‘, mit den Russen. Der Rubel muss rollen!“

Aber er rollt künftig vielleicht nicht mehr nach Europa, denken die Depressiven. Weil doch Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew die in Euro gezeichneten Währungsreserven seines Landes reduzieren will. Medwedew sagt, die Euro-Krise bestärke den Gedanken, dass sich Europa im 21. Jahrhundert im Niedergang befinde. Das europäische Projekt habe sich als zu umständlich erwiesen. Die Schwermütigen sehen die gigantischen, erdrückenden  Schuldenberge. Und Jean-Claude Juncker, der frühere Euro-Gruppen-Chef, erinnert gar an 1914.

Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie löst die Julikrise aus. / Quelle: Wikipedia

Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie löst die Julikrise aus. / Quelle: Wikipedia

Auch da war die Welt völlig durcheinander geraten. In Berlin blühten Drogenkonsum und Prostitution. Mit Absinth, Morphium und Kokain nahm die Welt eine andere Gestalt an, sie war hemmungs- und hüllenlos. Ein Schrei nach Leben. Eine einzige Party.

In jenem Jahr schrieb Oswald Spengler in München an seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“. Er lebte isoliert von der Welt der Hedonisten, litt unter psychischen Problemen, war erschöpft von zehn Jahren Denken und Schreiben an seinem Hauptwerk. Aus seiner Schreibstube heraus sah er die Welt an einer historischen Zeitenwende, er sah ein Wetterleuchten, das den herannahenden Weltkrieg in einer globalen Optik ankündigte.

Er sah die Welt so ganz anders als jene, die im Schatten der Mobilmachung auf verschwenderischen Cocktailpartys die Wirklichkeit verbogen. Bereits seit Ende 1912 waren hohe deutsche Militärs von der Unabwendbarkeit eines gesamteuropäischen Krieges überzeugt. Der Reichstag bewilligte 1913 die Erhöhung der Heeresstärke um 136.000 auf über 800.000 Mann. Die Truppen bekamen großzügig mehr Geld. Die Politik schuf  alle  Voraussetzungen wie sie heute in Europa die Voraussetzungen für eine Schuldendiktatur geschaffen hat.

Spenglers gesamte politische Philosophie war von der Vorstellung geprägt, dass dem Abendland große Kämpfe um die Weltherrschaft bevorstünden. Spengler gehörte eindeutig zu den Schwermütigen. Ein einsamer Rufer.

Als am 1. August das Ultimatum an Russland auslief, sangen die vor dem Berliner Schloss  versammelten Massen den Choral “Nun danket alle Gott”. Und der  Sommer war noch nicht vorbei, da marschierten die ersten Soldaten…

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12 Responses to Die Krise, der Krieg und eine Schuldendiktatur

  1. Johannes says:

    Hat man keinen Durchblick, hilft manchmal der Rückblick, habe ich mal gelesen.

    Und es stimmt – vieles, wenn nicht gar alles, war schon einmal da. Es gibt nichts wirklich Neues.

    Ein bedrückender Rückblick, den Sie hier geben Herr Lachmann.

    Viele wissen was in der Schuldenkrise folgt, wenige wollen es wahrhaben. So wie damals Ende 1912…

    Die Spannungen in Europa werden zunehmen, jeder gegen jeden, zunächst auf Länderebene, dann innerhalb der einzelnen Gesellschaften.

    Habe aber noch nicht aufgegeben – stecke meine Energie und Hoffnung in die Alternative für Deutschland.

    • slowfoto says:

      So sieht die Hoffnung aus, vor dem Gesetz sind ja alle gleich:

      Mindestens 12 Prozent höhere Rechtsanwaltsgebühren – FAZ: Nach „enervierendem Verfahren“ hier der direkte Link:
      http://www.adp-medien.de/index.php?id=7

      30% der Bundestagsabgeordneten sind Juristen. Das Vorgehen der Gebührenerhöhungen findet regelmäßig vor Wahlen statt.

      Hoffnung? Worauf?

  2. Waltomax says:

    Obiger Artikel ist Balsam für die Seele. Für alle, die denken, sie seien im falschen Film.

    Neulich meinte ein Mönch in einem Bergkloster (Dokumentarfilm), er betrachte alles aus der Vogelperspektive. Dort unten rennen alle kreiuz und quer. Und kommen nirgends an. Eine Reise ins Nirgendwo. Hat mich sehr berührt.

    Naiv die Frage, was eine Hand voll Ultra-Bonzen den schlussendlich davon habe, die Welt auszubeuten und zu zerstören, nur um maximalen Profit einzusacken.

    Womöglich die Enkel auf den Knien schaukelnd, denen der saubere Opa durch sein Treiben gerade jede Lebensgrundlage nimmt.

    Ein solcher stirbt nur dann zweimal. Einmal seinen eigenen Tod und -vielleicht erst 25 Jahre später- den der völligen Sinnlosigkeit seines früheren Daseins.

    Fundamentalkritiker, wie der Österreichische Naturphilosoph und Forscher Viktor Schauberger, der bereits um 1930 unsere ganze “explosionsgetriebene” Zivilisation auf einem “Krebsgang” sah, scheinen da von einem anderen Stern. Unvermittelbar.

    Wie soll man z. B. seine tiefgängigen Betrachtungen mit dem Titel “Unsere sinnlose Arbeit” mit einer Haltung vereinen, wie sie heute fast rund um die Uhr auf n-tv, Blommberg oder anderen Marktschreiern der Börse propagiert wird?

    Alles wandert in einen Fleischwolf oder eine Knochenmühle, welche auf der anderen Seite nur noch Zahlen ausspucken. Nach der vollendeten Konversion allen Lebens in Börsenkurse, begleitet von einem Orkan von Gebrüll, das Romano Guardini “den geistigen Lärm” nannte.

  3. Janz says:

    Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Superreichen Ausbeuter der Gesellschaft nur noch in Ihren Villen und Palästen, in dem selbstgewählten Reichengetto ,sicher sind. Denn irgendwann wird das ausblutende Volk,sich zu Recht zur Wehr setzen und die Vampire jagen!

  4. Dann ist unser Stoiber fast ein Oswald Spengler, wenn er das Jahr 1939 aufziehen sieht, sollte der Euro und die EU scheitern.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/03/21/wutrede-des-eu-fanatikers-stoiber-gegen-euro-kritiker/

  5. alpha_bln says:

    Dass die gegenwärtige Misere (Europa immer diktatorischer, grenzenlose und nie zurückzahlbare Schuldenberge, das Eurodesaster usw.) nicht gut enden kann, sollte jedem eingermaßen vernüftig denkenden Menschen klar sein. Dazu benötigt man kein BWL-oder Politikwissenschafts-Studium (das Studium der Geschichte wäre allerdings ganz hilfreich), sondern nur eine Portion gesunden Menschenverstand.

    Passend dazu lese ich gerade “1914-Der Sommer des Jahrhunderts” und “Der Krieg, der viele Väter hatte”…

  6. Timm Esser says:

    BEISPIEL ZYPERN:
    Was hatte EU-Barroso gleichzeitig in MOSKAU zu suchen?

    In der heissen Phase turnt ausgerechnet die EU-Chef-Marionette tagelang durch Moskauer Chefbüros…
    Der Zufall ist doppelt merkwürdig, weil er…
    a) hierzulande von niemandem hinterfragt wurde,
    b) ein Beweis dafür ist, dass Bürger im Süden wieder schneller denken als Bürger im Norden, nämlich:

    Die Wut der Zyprer (wie aller Südeuropäer) richtet sich nicht allein gegen die mögliche Enteignung von X% Konto-Guthaben, sondern vor allem gegen die Enteignung ihrer Souveränität.

    Zyperns Abgeordnete haben Angst vorm Volk!
    Also nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera (Brüssel oder Moskau), sondern zwischen Überleben und Verbannung im eigenen Land.

    Dazu empfehle ich ein Zitat von Thomas Jefferson, dem beispielhaften US-Präsidenten vor 200 Jahren,
    der heutzutage von der selbsternannten “Politischen Klasse” als Terrorist gejagt würde …

    – “When the people fear their government, there is tyranny;
    when the government fears the people, there is liberty.”

    PS:
    Warum sucht A.f.D.-Lucke seine Alternative im fernen Argentinien?
    Die beste Alternative liegt vor der Haustür: Das EU-freie ISLAND hat alle Verursacher seines Desasters, Politiker und Bänker, in den Knast gesteckt (oder aus dem Land gejagt) und sich selber saniert.
    Sogar ohne riesige Rohstoff-Schätze wie in Zypern… ;-)

    • Timm Esser says:

      Ich schäme mich, Deutscher zu sein,
      wenn ich das EU-Gequatsche deutscher Politiker und Medien höre!

      Hierzulande quatschen Politiker über fremde Länder (die sie bestenfalls vom Urlaub kennen),
      als seien das deutsche Kolonien, in denen sie die Eingeborenen in EU-Gottes Namen zu missionieren hätten.

      Bei so viel grosskotziger Arroganz ist es kein Wunder, dass “die Deutschen” südlich der Alpen mit Nazi-Motiven verflucht werden!

      In keinem anderen Staat Europas würde eine Regierung oder Partei es wagen,
      die Interessen der EU-Fremdmacht ÜBER die nationalen Interessen zu stellen;
      dort man würde solche Politiker schon vor der nächsten Wahl zum Teufel jagen.
      :-(

  7. Karl Bernhard Möllmann says:

    . . .
    Unsere Polit-Marionetten werden erstklassig mit unserem Geld dafür bezahlt, ihre nur auf den ersten Blick unlogische Position zu halten.
    .
    Falls jemand wissen will – wo das alles hinführen soll – bitteschön: “Georgia Guidestones” . . . ?
    .
    Wenn die Welt also auf unter 500 Mio Bürger “heruntergefahren” werden soll, dann sind GEN-manipulierte Lebensmittel, höchst gefährliche Impfungen, BSE, Schweinegrippe, Vogelgrippe, Aids, Krebs, Depression, Selbstmord, Hunger & Krieg doch erstklassige Werkzeuge wenigstens dieses erste Ziel schon mal in absehbarer Zeit zu erreichen . . . ?
    .
    Schauen Sie einfach HINTER die Kulissen: WER profitiert denn am Ende eigentlich davon, daß der böse, böse Lance Armstrong alle sieben Siege bei der Tour de France verlor wegen Doping ?
    .
    Die message von BIG Pharma ist einfach: Kein Mensch kann OHNE uns gewinnen !!!
    .
    Das ist zwar dreimal um die Ecke gedacht – aber CIA steht für Zentrale der Intelligenz !
    .
    Am Ende der Gehirnwäsche sind wir dann alle überzeugt, daß es nur auf das richtige Medikament ankommt !
    .
    Bingo !
    .
    Ich wette, am Ende sackt Armstrong 100 Millionen dafür ein !
    .
    So geht US-Werbung heute.
    .
    Und aus dem gleichen Grunde steht George W. Bush immer noch nicht vor dem Weltgericht für seinen vorsätzlichen Massenmord im Irak !

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  9. Frank Hofmann says:

    Danke. Europa im Würgegriff der Angelsachsen. Und dieser Würgegriff hat sich Europa selbst ins Haus geholt. Die Angelsachsen mussten nur Geduld mit uns aufbringen. Und fleißig in der Welt zündeln, und es uns in die Schuhe schieben. Auch das ist ihnen gelungen. Weil wir das Spiel nicht durchschauen wollen. RUSSLAND ist unser FREUND! Nicht die USA, die nie geschaffen wurde um den menschen Propserität zu bringen, sondern rein aus wirtschaftlichen Überlegungen einer Hand voll Bankiers und Kaufleuten aus der City. Kein König seit bestehen des britischen Empires hatte jemals die Kontrolle über sein Imperium tatsächlich besessen! Kein Präsident der USA hat jemals Kontrolle über die USA besessen. Kein Europaparlamentarier wird jemals Kontrolle über die Kommissare in Brüssel besitzen.
    Und der gigantische soziale Umsturz des 30 jährigen Krieges haben ganz andere Kräfte erwirkt, als die die in den Geschichtsbüchern genannt werden. Fragen sie einfach WOHER das Geldsystem herkommt – von Byzanz nach Norditalien, über die Schweiz nach Deutschland, BeNeLux und dann nach England und zurück nach Frankreich, Spanien und Österreich usw. usf.! Und seither (Beginn des 30 jährigen Krieges) werden Kriege nicht für Länderein, Erbrechtsfragen und Untertanen im Namen der Kirche und des Kaisers geführt, sondern das rein zinsgewinnbasierte spekulative Geldsystem der Banksters führt zu immer währenden WIRTSCHAFTSKRIEGEN jeder gegen jeden!!!

    Warum haben alle Bibelschreiber und Korangelehrte das Geldsystem verboten und verflucht?!!!??? Weil sie es schon damals korrekt als DIE SÜNDE schlechthin verortet haben.

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