Vom Irrsinn beherrschte Aktienmärkte

New York Stock Exchange / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/wall-street-finanz-nyc-finanzen-621097/ New York Stock Exchange / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/wall-street-finanz-nyc-finanzen-621097/

 

Die Aktienmärkte sind irre: Obwohl die Unternehmensgewinne sinken, steigen die Kurse. Nur in den Bankaktien spiegelt sich die weltweite Konjunkturschwäche.

Der amerikanische S&P 500 Index hat am 17. April mit 2.918 Punkten fast wieder sein Allzeithoch von 2.941 Punkten vom September 2018 erreicht. Dabei sind die Stimmungsindikatoren auf Extremwerte gestiegen, die wir zuletzt im Januar 2018 gesehen haben. Ebenso wie damals machen auch jetzt wieder Prognosen eines sogenannten „Melt up“ die Runde. Darunter versteht man einen sehr rasanten und steilen Kursanstieg, gewissermaßen das bullishe Pendant (Panikkauf) zu einem Crash (Panikverkauf).

Im Jahr 2018 kommentierte ich die „Melt up“-Erwartungen mit dem Hinweis, dass der vorangegangene Kursanstieg bereits der „Melt up“ gewesen sei. Immerhin waren die Kurse in nur vier Monaten um fast 20% gestiegen. Und die Extremwerte der Sentimentindikatoren standen im Widerspruch zu einem bullishen Szenario. Tatsächlich ging es anschließend in nur zwei Wochen um 12% nach unten.

Hinweise auf neuen Kursrückgang

In den vergangenen vier Monaten, seit dem Dezember 2018-Tief, ist der S&P 500 sogar um mehr als 20% gestiegen. Jetzt mahnen nicht nur die Sentimentindikatoren zu großer Vorsicht, sondern auch die Momentumindikatoren. Das sollte man unbedingt ernst nehmen.

Wie der folgende Chart zeigt, weisen die Momentumindikatoren eine negative Divergenz auf (rote Pfeile rechts). Sie bestätigen den Kursanstieg der vergangenen Wochen also nicht mehr. Eine vergleichbare Warnung gab es auch am Allzeithoch im September 2018. Es folgte ein Kursrückgang von minus 20%.

Der PMO zeigt jetzt eine ebenso ausgeprägte negative Divergenz (rote Pfeile rechts) wie am Kurshoch im September 2018. Danach ging es deutlich abwärts. Quelle: Stockcharts.com/Claus Vogt

Der PMO zeigt jetzt eine ebenso ausgeprägte negative Divergenz (rote Pfeile rechts) wie am Kurshoch im September 2018. Danach ging es deutlich abwärts. Quelle: Stockcharts.com/Claus Vogt

Rückläufige Unternehmensgewinne und steigende Aktienkurse

Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Schwache realwirtschaftliche Daten kündigen einen weltweiten Abschwung an, der auch die USA erfassen wird. Deshalb sahen sich die stets bullishen Wall Street-Analysten in den vergangenen Wochen bereits in großem Umfang dazu genötigt, die Gewinnschätzungen der von ihnen beobachteten Aktien zu reduzieren.

Diesen bedeutenden Umschwung haben die Aktienmärkte bisher ignoriert. Die dadurch entstandene Kombination aus rückläufigen Unternehmensgewinnen und steigenden Aktienkursen ist eine höchst gefährliche Mischung.

Meine Indikatoren deuten darauf hin, dass diese sehr bearishe Diskrepanz nicht mehr lange anhalten wird und starke Kursrückgänge bevorstehen.

Bankaktien zeigen Konjunkturschwäche

Ein weiteres deutliches Warnsignal ist die Kursentwicklung der Bankaktien. Wie der nächste Chart zeigt, notiert der US-Banken Index noch deutlich unter seinem im Januar 2018 erreichten Hoch. Gleichzeitig befindet er sich auch unter der in Blau eingezeichneten Nackenlinie seiner Topformation und direkt an seiner fallenden 200-Tage-Durchschnittslinie.            

Der wichtige US-Banken Index notiert unter seiner fallenden 200-Tage-Durchschnittslinie und unter der in Blau eingezeichneten Widerstandslinie. Er zeigt also ein sehr bearishes Bild. Quelle: StockCharts.com/Claus Vogt

Der wichtige US-Banken Index notiert unter seiner fallenden 200-Tage-Durchschnittslinie und unter der in Blau eingezeichneten Widerstandslinie. Er zeigt also ein sehr bearishes Bild. Quelle: StockCharts.com/Claus Vogt

 

Die Bankaktien verhalten sich also erheblich schwächer als der S&P-500-Index. Bankaktien sind in besonderem Maße vom Konjunkturzyklus abhängig. Deshalb bestätigt die ausgeprägte relative Schwäche, die sie gegenüber dem breiten Markt zeigen, die bereits erwähnte Abschwächung der Konjunktur.

Fazit

Der von vielen US-Börsianern erwartete „Melt up“ wird wohl auch dieses Mal nicht stattfinden. Stattdessen rechne ich wie schon im Januar 2018 mit deutlichen Kursrückgängen. Die Situation der Weltwirtschaft ist prekär, die Aktienmärkte sind drastisch überbewertet, und die Zentralbanker stehen mit dem Rücken an der Wand.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

6 Comments
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Wayne Podolski
5 Jahre her

Mister Banker
Mister please, how much does money mean …

https://www.youtube.com/watch?v=G-JCPAp-7GM

dragaoNordestino
5 Jahre her

Die Situation der Weltwirtschaft ist prekär, die Aktienmärkte sind drastisch überbewertet, und die Zentralbanker stehen mit dem Rücken an der Wand.

Und Herr Claus Vogt versteht die Welt nicht mehr… dabei ist doch schon seit Jahren zu beobachten, dass trotz Rückläufiger Produktion und laufender Skandalen die Auszahlungen an Aktionäre und Vorstände laufend steigen… neoliberaler Raubtierkapitalismus pur eben…..

Die Umverteilung von nach oben funktioniert eben perfekt… und dies zeigen die Aktienkurse korrekt an…. was soll daran besonders sein

vier
vier
5 Jahre her

Zitat: „Die Aktienmärkte sind irre: Obwohl die Unternehmensgewinne sinken, steigen die Kurse.“ Die sind nicht irre, sondern innovativ bei der Gewinnproduktion. Das Narrativ von der Berechenbarkeit des Marktes, der Aktienkurse und Indizes ist nichts als Nebel- „…alles eitel und ein Haschen nach Wind“, um die Masse auf dem Leim zu locken- damit die „Kohle“ zuverlässig immer auf dem größten Haufen landet. Chartanalyse bei Aktien, Dow, Dax und Co. ist nicht mehr als Kaffeesatz-Lesen wert. Mitunter festgestellte Übereinstimmungen von Prognosen zu späteren Entwicklungen, abgeleitet aus der Form der Entwicklungskurven der Vergangenheit und daraus „wissenschaftlich“ erstellte vielfach prämierte Formeln & Formationen zur… Read more »

Argonautiker
Argonautiker
5 Jahre her

Wenn man als Regelmacher die Regeln so machen kann, daß derjenige, der spart gewinnt, dann gewinnen die, die sparen. Wenn man als Regelmacher die Regeln so macht, daß derjenige der Schulden macht gewinnt, dann gewinnen die, die Schulden machen. Es genügt heute also nicht die Märkte zu beurteilen, sondern man muß die Regelmacher beurteilen. Was haben sie vor? Die Regelmacher zu beurteilen dürfte wiederum sehr schwer sein, weil seit der Aufhebung der Geld/Güter Bindung gerade im Finanzbereich Regeln eben keiner Gesetzmäßigkeit mehr folgen, die man beurteilen könnte, sondern vollkommen willkürlich sein können. Als Regelmacher könnten Sie zum Beispiel auch alle… Read more »

Gustav
Gustav
5 Jahre her

„Die gegenwärtigen Mainstream-Christen haben es nicht so sehr mit Grenzen. ‚Wir müssen Brücken bauen statt Mauern‘, ruft der Papst vollmundig und kindergartentauglich aus seinem Vatikanstaat. Dort waren wir mit der Familie Ostern 2018 in einem wunderbaren Ostergottesdienst. Und zum Glück hat der Papst sich bei diesem Event nicht an seine eigenen Worte gehalten: Große Mauern um den Vatikanstaat herum, eine Schweizer Garde und eine hochmoderne Sicherheitsfirma haben Messer, Sprengstoff, Regenschirme und andere gefährliche Gegenstände draußen gehalten. Durch all diese Abwehrmaßnahmen der Festung Vatikanstaat konnten wir uns in der großen Masse der Ostermesse sicher fühlen und mit ganzem Herzen den tollen… Read more »

vier
vier
Reply to  Gustav
5 Jahre her

Das materielle Leben ist immer begrenzt- die etwas anderes versprechen verfolgen verdeckte Ziele, werden ihrerseits benutzt oder sind naiv im Glauben. Solange der Mensch existiert (herausgetreten ins Materielle), ist Begrenzung, Reinigung, Unterscheidungsvermögen und Auseinandersetzung lebenswichtig und Voraussetzung zur Entdeckung des „Friedens des Seins“. Das Papsttum war immer zuerst „Machtanspruch und Anmaßung“- wer glaubt da noch an schöne Worte in Sonntagsreden? Der Weg zu Gott und die Befreiung des Menschen wurde von Anbeginn und immer mehr durch die Kirchen verstellt u. versperrt- ein an die Kirchen gebundener Mensch kann nur den Kirchen dienen- dt. Bischöfe versteckten „kirchenhörig“ ihre Glaubens-Symbole, nur um… Read more »