Kiew hält Fakten zu MH-17 zurück
Kiew hält Fakten zu MH-17 zurück

Kiew hält Fakten zu MH-17 zurück

Bis heute hat die Regierung in Kiew den Flugplan der ukrainischen Luftwaffe am Tag der MH-17-Katastrophe nicht offengelegt. Warum nicht? Moskau macht Druck auf Ermittler. 

Zweifellos hat der immer noch ungeklärte Absturz des Passagierflugzeuges MH-17 der Malaysia Airlines zur westlichen Sanktionspolitik gegenüber Russland beigetragen. Weil russische Separatisten sich zunächst damit gebrüstet haben sollen, das Flugzeug abgeschossen zu haben, geriet Russland bei der Aufklärung von Beginn an in die Defensive. Obwohl Moskau versicherte, nichts mit dem Absturz zu tun zu haben, wurde es verdächtigt, in den Fall verstrickt zu sein. Später warfen sich die Regierung in Kiew und die Milizen gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben.

Eine niederländische Kommission, die vor Ort die Absturzstelle untersuchter, brachte auch nach über acht Wochen nur wenig Klarheit. Demnach soll das Flugzeug mit einer Rakete russischer Bauart des Typs Buk M1, mit der sowohl die russischen als auch die ukrainischen Streitkräfte ausgestattet sind, abgeschossen worden sein. Angeblich ließen die vielen Löcher in der Bordwand darauf schließen.

Heftige Gefechte

Nun macht Moskau einen weiteren Vorschlag zur Aufklärung. Die ukrainische Regierung solle den Flugplan der ukrainischen Luftwaffe am Tag der Katastrophe offen. Einen entsprechenden Brief habe die Luftfahrtbehörde Rosaviazia an die zuständige internationale Ermittlungskommission gerichtet, berichtet die staatliche russische Nachrichtenagentur Novosti.[1]

Darin würden die Ermittler aufgefordert, die Flüge der ukrainischen Militärflugzeuge  am 17. Juli im Kampfgebiet im Osten des Landes zu analysieren, die Betriebsfähigkeit der ukrainischen Radare zu überprüfen sowie die entsprechenden Kontrolldaten der ukrainischen Luftverteidigung auszuwerten.

Als die mit 298 Passagieren besetzte Boeing mit der Flugnummer MH17 am 17. Juli im ostukrainischen Gebiet Donezk abstürzte, lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Aus diesem Grund waren amerikanische und russische Militärsatelliten auf das Gebiet ausgerichtet, um jede Bewegung zu verfolgen.[2] Später berichtete die LA Times über Satellitenbilder von US-Geheimdiensten, die einen Mann in ukrainischer Uniform an einer Buk-M1-Rakete. Daher liegt die Vermutung nahe, dass auch die Russen solche Bilder haben müssten.

Black Box in Großbritannien

Bereits vier Tage nach der Katastrophe hatte der russische Generalstab seine Radardaten vom Tag des Absturzes veröffentlicht. Demnach wurde ein ukrainischer Kampfjet kurz vor der Katastrophe unweit von der malaysischen Verkehrsmaschine geortet[3]. „Es wurden insgesamt drei zivile Flugzeuge, darunter auch die malaysische Boeing 777 registriert“, teilte General Andrej Kartapolow mit. „Gleichzeitig wurde ein aufsteigendes Flugzeug der ukrainischen Luftwaffe, vermutlich eine Su-25, in einer Entfernung von drei bis fünf Kilometer von der Boeing 777 geortet.“

Der Generalstab übergab das gesammelte Material an die internationalen Ermittler und rief die USA auf, ebenfalls ihre Satellitenaufnahmen und andere Angaben offenzulegen. Über viele Wochen beschäftigten sich Ermittler in Großbritannien mit der Black Box der MH-17. Der endgültige Bericht der niederländischen Kommission im Lauf des kommenden Jahres veröffentlicht werden. Besonders im Westen scheint der Wille zur Aufklärung erlahmt.

 

Anmerkungen

[1] „Boeing-Absturz: Russland fordet Offenlegung der Flüge ukrainischer Kampfjets, RUIA NOVOSTI: http://de.ria.ru/society/20140925/269642095.html

[2] Niles Williamson, „Cover-Up? Why Have the Media and Obama Administration Gone Silent on MH17?“, Global Research: http://www.globalresearch.ca/cover-up-why-have-the-media-and-obama-administration-gone-silent-on-mh17/5396372

[3] „Russische Radardaten: Ukrainischer Kampfjet unweit von Boeing geortet“, RIA NOVOSTI: http://de.ria.ru/society/20140721/269068827.html

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel