Ausgerechnet zur Wirtschaft hat die AfD nichts zu sagen!

100 Tage vor der Wahl: Was wäre, wenn die Alternative für Deutschland die absolute Mehrheit der Stimme erhielte und regieren müsste? Ob Sie's glauben oder nicht: Sie hat keine Ahnung, was sie mit der Wirtschaft anstellen soll!

 

Die Alternative für Deutschland mag ja vieles sein, aber bescheiden ist sie ganz sicher nicht. Das macht sie schon in ihrem Namen deutlich. Und daher dürfte sie nichts dagegen haben, wenn man ihren politischen Planspielen mal den Rahmen einer absoluten Mehrheit gibt. Schließlich will sie alles anders machen als die anderen.

Dabei versteht sie sich nicht nur als Gegenentwurf zur Merkelschen Alternativlosigkeit. Nein.  Die neue Partei will viel, viel mehr. Sie will ganz Europa aus den Angeln heben und neu aufstellen. Auch wenn sie in den Umfragen bisher nicht über drei Prozent hinauskommt, in ihren Ansprüchen ist die kleinste und jüngste Gruppe in der deutschen Parteienlandschaft Union und SPD schon jetzt weit überlegen.

„Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“

Sie will das Euro-Währungsgebiet auflösen und wieder nationale Währungen einführen. Dazu muss sie allerdings erst einmal die Europäischen Verträge ändern. Weil sie da aber erheblichen Widerspruch befürchtet, fordert die Partei, „dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert“.

Manifestiert sich in dieser Aussage ihr Machtverständnis? Darauf festlegen möchte man sie nicht, schließlich ist sie ja noch jung und kann sich entwickeln. Ebenso gut nämlich könnte diese Aussage Ausdruck einer Protesthaltung sein, die unweigerlich an einen von der Rockband Ton, Steine, Scherben geprägten Satz der 68er-Bewegung erinnert: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht.“

Konservatismus als Revolution

Damals haderten die Studenten mit dem System, jetzt sind es größtenteils jene Bürgerlichen, die dem Veränderungsdruck der 68er einst skeptisch bis abwehrend gegenüberstanden. Nun aber wollen sie die Revolution, und notfalls sollen die Staaten zu ihrem individuellen Glück in einem Europa der Nationen gezwungen werden.

Also auf in die alternative Republik! Mit Volksabstimmungen und Initiativen nach Schweizer Vorbild, mit Vollzeit-Abgeordneten, die ihr Mandat nicht länger als bezahlte Nebentätigkeit betrachten – so steht es im Wahlprogramm ­–, und mit einer deutlich konservativeren Gesellschaft.  Bildung wäre wieder Kernaufgabe der Familie und keine staatliche Leistung von Krippen und Kindertagesstätten.

Mit D-Mark und steigenden Steuern

Mit der Alternative wären Eltern wieder für die Kindererziehung verantwortlich und die Sprachkurse für Migrantenkinder überflüssig, denn die Alternative für Deutschland würde die Zuwanderung nach kanadischem Vorbild ganz neu regeln. Damit würden nur noch Menschen ins Land gelassen, die gleich einen ganzen Katalog von Anforderungen erfüllen und selbstverständlich Deutsch sprechen müssen.

Im Deutschland der Wahlalternative wird wieder mit harter Münze gezahlt, nämlich D-Mark. Steuern und Abgaben steigen, damit der Staat die vielen angehäuften Schulden abbauen und ein alternatives Energiekonzept finanzieren kann. Wo das Geld herkommen soll, ist derzeit noch nicht klar, denn ausgerechnet zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik hat die Partei der Ökonomen noch keine Gedanken aufgeschrieben.

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel