Das Kreuz in einem gottlosen Land

Will das Kreuz in Amtsstuben: Markus Soeder (CSU) / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/s%c3%b6der-csu-bayern-politiker-partei-3742220/ Will das Kreuz in Amtsstuben: Markus Soeder (CSU) / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/s%c3%b6der-csu-bayern-politiker-partei-3742220/

In den Eingangsbereichen bayerischer Amtsstuben dürfen Kreuze hängen, urteilte jetzt das Bundesverwaltungsgericht. Ist Deutschland noch ein christliches Land?

Es ist ein Kreuz mit dem christlichen Glauben in Deutschland. Einerseits verlassen immer mehr Menschen die beiden großen christlichen Kirchen, andererseits möchte das inzwischen weitgehend säkularisierte Land doch nicht ganz von seinen christlichen Wurzeln lassen.

In diesem Sinne erging in Bayern vor fünf Jahren der heftig diskutierte „Kreuzerlass“. Ministerpräsident Markus Söder wollte in allen staatlichen Gebäuden inklusive Hochschulen, Museen und Archiven Kreuze anbringen lassen. Auf diese Weise sollte für alle Bürger und all jene, die aus anderen Herkunftsländern in Bayern leben, die „christlich-abendländische Prägung“ Bayerns dokumentiert werden. Jetzt, wenige Tage vor Weihnachten, entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, gegen Kreuze im Eingangsbereich bayerischer Amtsstuben sei nichts einzuwenden.

Erzbischof Marx wetterte gegen den „Kreuzerlass“

Als Söder sein Vorhaben in einer Rede zum politischen Aschermittwoch verkündete, erntete er zum Teil wütende Proteste vor allem von jenen, denen die Säkularisierung politisch in die Hände spielte. Für viele überraschend aber war, dass damals auch der Münchener Kardinal Reinhard Marx den „Keuzerlass“ heftig kritisierte.

Es sei „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ entstanden, sagte Marx in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden“, sagte der Erzbischof von München und Freising. „Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.“ Im Übrigen stehe es dem Staat nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute.

Als Protestant ließ sich Söder von dem Katholiken Marx freilich nicht belehren und hielt an seinen Plänen fest. Seine Gegner indes zogen bis vor das Bundesverwaltungsgericht – und verloren. In bayerischen Amtsstuben dürfen die Kreuze hängenbleiben.

Das Kreuz ist kein Verstoß gegen das Grundgesetz

Die Richter urteilten, in dem von Söder genannten Kontext „identifiziert sich der Freistaat Bayern durch die Aufhängung von kreuzen, nicht mit christlichen Glaubenssätzen“. Insofern verstoße Bayern mit den Kruzifixen auch nicht gegen das im Grundgesetz festgeschriebene Neutralitätsprinzip des Staates und schränke keineswegs seine Offenheit gegenüber der Vielfalt religiöser Überzeugungen ein.

Ausdrücklich gewähre das Grundgesetz den Klägern „keinen Konfrontationsschutz gegenüber im Eingangsbereich von Behörden angebrachten Kreuzen“. Obwohl diese ein zentrales Symbol des christlichen Glaubens seien, müssten die Kläger die flüchtige Konfrontation mit dem Kreuz aushalten.

Zum Event verkommenes Weihnachtsfest

Gerade zu Weihnachten fällt die Konfrontation mit dem Kreuz den meisten Menschen nicht schwer. Im Gegenteil, sie suchen sie sogar. Dann strömen sie in Massen in die an allen übrigen Sonntagen des Jahres weitgehend leeren Kirchen.

Doch ist der Ansturm auf die Christmette weniger ein Ausdruck ihrer christlichen Überzeugungen, sondern wohl vielmehr ein augenscheinlich unverzichtbares Element eines zum Event verkommen Weihnachtsfestes, an dem der Weihnachtsmann oder Santa Claus im Mittelpunkt stehen und nicht das Christkind.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

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Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
6 Monate her

Deutschland christlich? Nein, untereinander niemals.

fufu
fufu
6 Monate her

von Rousseau „Der Mensch ist frei geboren und ueberall liegt er in Ketten“. Der erste Teil ist falsch. Zumindest in unseren Breiten hat er im allgemeinen gleich eine Staatsangehoerigkeit, dann wird er meistens getauft, auch ohne zu fragen, und gehoert irgendeiner Religionsgemeinschaft an. In meiner Jugend musste ich Sontags zur Messe gehen, welche Langeweile, an Wahlsonntagen enthielt die Predikt die Aufforderung CDU zu waehlen.Das gibt es zwar nicht mehr aber die Partei nennt sich immer noch christlich. Wahrscheinlich Tradition. Traditionen leben halt fort auch wenn sie nichts mehr mit der Realitaet zu tun haben. Ich als Person bin also seit… Read more »

Voltaire
Voltaire
6 Monate her

Mein Textverständnis ist – wohlwollend ausgedrückt – eher suboptimal. Das ist damit begründet, dass ich weder lesen noch schreiben kann.

Soweit ich den Verfasser des Textes richtig verstehe, ist es „ein Kreuz mit diesem gottlosen“.

Sollte – wider erwarten – meine fehlende Lesekompetenz und das damit einhergehende Textverständnis die Netiquette des Seitenbetreibers verletzen oder gar den bayerischen Landesfürsten beleidigen, bitte ich von der Veröffentlichung meines Kommentars abzusehen.