Das „Lebenselixier der AfD“ soll versiegen

Pressebuehne der AfD-Bundestagsfraktion / © GEOLITICO Pressebuehne der AfD-Bundestagsfraktion / © GEOLITICO

Der Erfolg der AfD als Zuflucht der Besorgten und Verzweifelten gefällt den Medien ebenso wenig wie ihre erfolgreiche Haltung in der Migrationspolitik. Also rüsten sie rhetorisch um.

Mit den Wahlergebnissen in Bayern und Hessen ändern die Medien ihren Umgang mit der AfD. Sie räumen ein, dass eine ständig wachsende Zahl von Bürgern die AfD wählt, weil sie ernsthafte existenzielle Sorgen haben. Aber wer annimmt, dass sich dadurch die Einstellung der Medien zur AfD geändert hat, der wird enttäuscht.

Lange Zeit war der Blick der Medien auf die Sorgen und Nöte der Menschen ebenso ideologisch verstellt wie bei den meisten Vertretern der Grünen, der SPD, der Linken, der FDP und der CDU. Zwar belegten unzählige Umfragen renommierter Institute seit Jahren, wie sehr sich die Stimmung in der Gesellschaft eintrübte. So sieht sich ein wachsender Teil der Gesellschaft schon lange nicht mehr durch die Politik der „etablierten“ Parteien repräsentiert. Die Mehrheit (58 Prozent) findet laut dem Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap, dass es in Deutschland nicht mehr gerecht zugeht. 83 Prozent sagen, der Wohlstand sei nicht mehr gerecht verteilt.

Wähler wenden sich der AfD zu

Sie alle vermissen eine Politik, die lebenswerte Verhältnisse herstellt, die den wirtschaftlichen Rahmen für Wohlstand schaffen und erhalten kann und ihnen nicht vorschreibt, wie sie zu leben und zu sprechen haben. Also wenden sie sich von den „etablierten Parteien ab“ und der AfD zu.

Und die nach wie vor steigenden Umfragewerte der AfD zeigen, dass das Misstrauen gegenüber allen Parteien mit Ausnahme der CDU sogar noch zunimmt. Aber mag das verwundern, angesichts der belehrenden und moralisierenden Haltung, mit der die sogenannten „etablierten“ Parteien die Wähler seit Jahren erpressen?

Was immer diese Parteien den Menschen abverlangten, war angeblich „alternativlos“: von den Minuszinsen, die die Ersparnisse der kleinen Leute auffraßen, über die durch eine fragwürdige Finanzpolitik provozierte Inflation und Habecks Heizungsdoktrin bis hin zu einer das Sozialsystem über Gebühr belastende Massenmigration. Wer immer sich dagegen aussprach, wurde mindestens als „Querulant“ abgekanzelt, wenn es nicht noch schlimmer kam.

Welchen Schluss können die Wähler ziehen?

In den großen politischen Debatten waren die „etablierten“ Parteien und die Medien gefangen in ihren politischen Überzeugungen und folgten allein ihrem ideologischen Kompass. Nun jedoch, da immer mehr Wähler sich für die AfD entscheiden, nehmen einige Medien den von Demoskopen hinlänglich beschriebenen Unmut in der Bevölkerung wahr. Haben sich die Redaktionen eigentlich mal gefragt, welchen Schluss die Wähler daraus ziehen werden? Eigentlich können die nur zu dem Ergebnis kommen, dass sie sich so verhalten mussten, wie sie es getan haben. Sie hatten demnach gar keine andere Wahl als die AfD, wenn sie auf ihre soziale Lage und die Ängste vor einem langanhaltenden Absturz der deutschen Wirtschaft aufmerksam machen wollen.

Wohl gelitten ist die AfD in ihrer Rolle als politischer Kummerkasten bei den Medien freilich noch lange nicht. Verändert hat sich nur die Art der Polemik, mit der die Partei kommentiert wird. Denn der Erfolg die AfD als Zuflucht der Besorgten und Verzweifelten gefällt den Medien ebenso wenig wie ihre erfolgreiche Haltung in der Migrationspolitik. Würden Journalisten der Partei den Erfolg als Kummerkasten zugestehen, käme das schließlich einer politischen Legitimation gleich. Das aber darf nicht sein.

Also rüsten die Medien rhetorisch um. Der Vorwurf des Rassismus und Antisemitismus wird ergänzt durch das „Geschäft mit der Angst“, ganz so, als wäre es geradezu ein Verbrechen von der AfD, die Sorgen und Nöte der Menschen ernst zu nehmen.

Kampf gegen das „Lebenselixier der AfD“

Auf diese Weise instrumentalisieren die Medien die notwenige Umkehr zu einer die Wirtschaft stärkenden und sozial verträglichen Politik nun ebenfalls für den „Kampf gegen rechts“. So heißt es etwa in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“: „Insofern ist der Kampf gegen ganz rechts, gegen die AfD, ein Ringen darum, dass wieder möglichst viele im Land frei von Lebensängsten sind.“

Nach dieser Logik wäre die Befreiung der Menschen von Lebensängsten vor allem (oder nur?) deshalb politisch sinnvoll und moralisch geboten, wenn dadurch die AfD in den Umfragen wieder sinkt. Primär geht es den Kommentatoren also nicht um die Verhältnisse der Menschen und die gesellschaftlichen Zustände, sondern um ein politisch-strategisches Ziel. Weil sie in den Sorgen und Nöten der Menschen das „Lebenselixier der AfD“ („Zeit“) sehen, soll die „etablierten“ Parteien Abhilfe schaffen, sprich das „Lebenselixier der AfD“ versiegen lassen. Oder anders ausgedrückt, den Menschen soll es besser gehen, damit sie nicht mehr AfD wählen.

Und was ist, wenn die Menschen tatsächlich nicht mehr AfD wählen sollten? Könnte dann die Politik dort weitermachen, wo sie heute angekommen ist?

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Über Thomas Castorp

Thomas (Hans) Castorp blickt vom Zauberberg herab auf die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Fragenstellungen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
7 Monate her

Die Zahl derjenigen, die nachdenklich und misstrauisch werden, die nach einer politischen Alternative zu den regierenden Parteien suchen, wird unabhängig vom Kurs der Medien permanent größer. Der politisch-mediale Komplex kann die vielen Widersprüche, die er selbst seit 2010 geschaffen hat, allmählich nicht mehr verdecken, nicht mehr schönreden und – das ist das Neue – auch nicht mehr so leicht wie früher bewältigen. Den Einfluss der Mainstreammedien würde ich in diesem Zusammenhang für abnehmend einschätzen. Die Dinge beginnen den Mächtigen zu entgleiten – und nur ein immer unverblümterer autoritärer Kurs – der aber wiederum noch mehr unzufriedene Bürger schafft – bleibt… Read more »

Manfred Rummel
Manfred Rummel
7 Monate her

Die gesteuerten LÜGENMEDIEN einschließlich der LÜGENPRESSE werden von ihrem Vorgehen nicht abrücken mit Falschmeldungen, Halbwahrheiten und besonders Diffamierungen gegen Andersdenkende weiterhin vorzugehen. Es wird in absehbarer Zeit
eine neue Situation entstehen – ob die Politikverbrecher dies akzeptieren oder auch nicht – die diese Leute endlich in ihre Schranken verweist !!!

Skyjumper
Skyjumper
7 Monate her

Wenn es denn so sein sollte dass die Blockparteien Positionen der AfD übernehmen UND umsetzen, dann wäre das Ziel der AfD erreicht. Daran glauben vermag ich noch nicht. Aber wenn, dann wäre das so schlecht nicht. Denn genau das ist Politik immer gewesen. Ein Lavieren und Tricksen darum möglichst viele eigene Positionen durchzusetzen und genau so wenig ungeliebte Positionen umzusetzen wie es nötig ist um an der – durch Wahlen errungenen – Macht zu bleiben. Der vernunftbegabte Wähler liebt keine Partei, keine Obrigkeit, um ihrer selbst willen, sondern er wählt und unterstützt ausschließlich als Mittel zum Zweck. Alle anderen Erwartungen/vorstellungen… Read more »

Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
7 Monate her

Erstens wird das unter der Ampel nie geschehen, wenn, dann nur halbherzig. Und dann bleibt noch die vermurkste Energiewende, die ebenso lächerliche und nur mit Gewalt stattfindende Verkehrswende, die Inflation, die küntliche Verknappung aller Güter, die im Land verbleibenden Parasiten und die dadurch weiter bestehenden Probleme in Sachen Sicherheit, Kriminalität und Kollaps der Sozialsysteme. Von der EU-Politik ganz zu schweigen. Ob das der AfD jetzt schon das Wasser abgräbt, würde sich zeigen. Da bin ich ein wenig Skeptisch. Mittelfristig gesehen dageen schon, denn niemand auf diesem Planeten, ist dämlicher in Sachen Politik und unterwürfiger gegenüber der Obrigkeit als die Deutschen.

fufu
fufu
7 Monate her

Die AfD war von der Gruendung her eine konservative Partei, gegen EU und Euro, sie wurde dann zu einer populistischen, antimigratorischen, in Stroemungen rechtsradikalen Partei. Sie hat sich die Angriffe aus der mainstream-Presse selbst zuzuschreiben. Trotz der jetzigen Anbiederungen zwecks Regierungsfaehigkeit und der unsaeglichen Regierungpolitik wird sie eine Splitterpartei bleiben da sie aufgrund genannter Stroemungen fuer die Mehrheit unwaehlbar bleibt. Dies vorausgesetzt sollte man von Regierung und Presse nicht mit Steinen werfen wenn man im Glashaus sitzt und rassistische Apartheitsregime wie in Israel oder Neonazis in der Ukraine ohne wenn und aber unterstuetzt. Die populistische Wendung z.B. der CDU zielt… Read more »

fufu
fufu
Reply to  fufu
7 Monate her

Man kann natuerlich aus taktischen Ueberlegungen die AfD waehlen, darf sich aber keine grossen Hoffnungen auf substantielle Veraenderungen machen, der komplette U-turn der Melone in Italien nach Regierungsuebernahme moege eine Warnung sein.

Nathan
Nathan
7 Monate her

Die AfD hat verschiedene Etappen erlebt, als Alternative gegen den vom „System“ vorgeschriebenen Zeitgeist. Die Menschen beginnen nun, sich vom Staat (Regierung) und den Systemmedien zu emanzipieren. Hier muß die AfD nun beginnen, immer neue Problemfelder aufzurühren. Bei der systemverordneten autoritären Israel-Politik fehlt mir noch das lautstarke „Ja, aber“. Sie trauen sich noch nicht gegen die Breitseite des „Systems“ vorzugehen. Und überhaupt anzufangen bloßzustellen, was das „System“ bedeutet (autoritäre Unterwerfung unter wen?) und an deren Fundament zu rütteln. Dann würde die AfD endlich anfangen, über Tagesprobleme hinaus eine eigene Ideologie aufzubauen und Tiefe zu erlangen. Und da geht es einzig… Read more »

Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
6 Monate her

Deutschland schafft sich in jeder Hinsicht weiter ab, durch Massenmigration, Familienzuzug und als Lakai der EU und Amerikas. All das gehört zum Lebenselixier der AfD.

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