Topmanager warnen vor Niedergang der deutschen Wirtschaft

Autoproduktion / Fließband / Topmanager / Wirtschaft / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: Lenny Kuhne; https://unsplash.com/de/fotos/jHZ70nRk7Ns Autoproduktion / Fließband / Topmanager / Wirtschaft / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder, open library: Lenny Kuhne; https://unsplash.com/de/fotos/jHZ70nRk7Ns

Bei Topmanagern großer deutscher Unternehmen geht die Angst vor einer Deindustrialisierung um. Wähler machen die Regierung für den Niedergang verantwortlich.

Wie will die Bundesregierung aus diesem Schlamassel nur jemals wieder rauskommen? Bei den Bürgern hat sie lang schon nichts mehr zu melden. In der aktuellen Juli-Analyse des „Deutschlandtrends“ von Infratest dimap für die ARD finden 77 Prozent der Befragten die herrschenden Verhältnisse „beunruhigend“. Und gefragt, was sie denn am meisten beunruhigt, nannten die meisten (25 Prozent) das Handeln von Politik und Regierung.

Mit dieser Einschätzung stehen die Wähler nicht alleine da. Im aktuellen „Elitenpanel“ der Meinungsforscher aus Allensbach blickt vor allem das Führungspersonal aus der Wirtschaft mit Bangen in die Zukunft. Eine klare Mehrheit von 58 Prozent der Topmanager und Unternehmer stimmt der These zu, „dass Deutschland seinen Zenit überschritten und seine besten Jahre hinter sich hat“.

Topmanager: „Deutschland hat Zenit überschritten“

Dabei hatten dieselben Manager vor genau einem Jahr die Zukunft Deutschlands noch mehrheitlich optimistisch beurteilt. Aber da liefen ja auch noch einige Kernkraftwerke und das Heizungsgesetz lag noch in Schublade von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Inzwischen sehen und fürchten die Topmanager und Unternehmer schwerwiegende Wettbewerbsnachteile für den Wirtschaftsstandort Deutschland und damit für ihre Unternehmen. Immerhin 77 Prozent sehen die hohen Energiekosten als erheblichen Nachteil im internationalen Wettbewerb. Als weitere gravierende Faktoren nennen sie den Fachkräftemangel, staatliche Regulierung sowie den Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung und die marode Infrastruktur.

Was auf das Land zukommt, zeigt sich in Ansätzen bereits in der Automobilindustrie. Niemand sollte sich von den in diesem Frühjahr verkündeten Gewinn- und Wachstumszahlen blenden lassen. Sie belegen eigentlich nur den Aufholversuch nach Corona. Vergleiche mit früheren Jahren zeigen deutliche Absatzeinbrüche. Im Jahr 2016 rollten noch sechs Millionen Autos aus den deutschen Autowerken, heute sind es zwei Millionen weniger. In den Konzernen wächst die Sorge vor einem „heißen Herbst“ mit nicht ausgelasteten Fabriken und mehr Angebot als Nachfrage.

„Autoland Deutschland verliert an Bedeutung“

Allerdings sei das weniger ein Problem für die global aufgestellten Konzerne als vielmehr für die deutsche Volkswirtschaft, sagte der Chefvolkswirt beim Verband der Automobilindustrie VDA, Manuel Kallweit der „Zeit“. Denn außerhalb Europas sei die Nachfrage nach Autos deutlich größer, und die Werke dort seien besser ausgelastet. „Deutschland verliert an Bedeutung als Autoland“, so Kallweit. „Arbeitsplätze, Steuern, aber auch Forschung und Entwicklung werden leiden.“

Im VW-Werk Zwickau könnte im Herbst eine Schicht gestrichen werden, weil die Nachfrage nach dem elektrischen ID.3, dem Pendant zum Golf, zu gering ist. Eigentlich sollte der ID.3 demnächst auch in Wolfsburg vom Band laufen. Doch die Pläne werden fragwürdig, wenn schon Zwickau auf Halde produziert.

Nicht nur bei VW scheinen die mit E-Autos verbundenen Hoffnungen geplatzt zu sein. Zwar wächst die E-Mobilität hierzulande noch, aber eben viel zu langsam. Die Kunden vermissen das von der Bundesregierung versprochene flächendeckende Ladennetz, außerdem sind ihnen die Autos viel zu teuer. So steht das selbstgesteckte Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 mehr denn je infrage.

Aus all dem leiten die von Allensbach befragten Topmanager einschneidende Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahren ab. So sorgen sich 69 Prozent der Topmanager gar um die reale Gefahr einer Deindustrialisierung Deutschlands. Im vergangenen Dezember hatten sich bereits 61 Prozent so geäußert, die Zahl der Skeptiker hat also noch zugenommen.

AfD profitiert

In nur einem Jahr hat es die rot-gelb-grüne Bundesregierung geschafft, nicht nur die Wähler gegen sich aufzubringen, sondern auch die Wirtschaftseliten. Nie zuvor erhielt eine Bundesregierung auf breiter Front so schlechte Noten.

Politisch profitiert von diesem Reputationsverfall jedoch nicht die bisher einzige verbliebene Volkspartei CDU, sondern vor allem die AfD. Bundesweit liegt sie derzeit mit 20 Prozent vor den Regierungsparteien. In einigen ostdeutschen Bundesländern ist sie mit Abstand stärkste Kraft. Je stärker die Bundesregierung mit Bevormundung und sogar Zwang ihre Energiepolitik durchsetzt, desto mehr Menschen verlieren die Scheu vor der vor 10 Jahren gegründeten Alternative zu den etablierten Parteien.

In der aktuellen Ausgabe des Juli-Trends von Infratest dimap sank die Zahl derer, die „zu viele Rechtsextreme“ in der AfD beklagen, um 16 Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg die Zahl derjenigen, die sagen, „die AfD löst zwar keine Probleme, nennt die Dinge aber wenigstens beim Namen“, um 12 Prozentpunkte auf 55 Prozent. Damit stimmt erstmals eine Mehrheit der Befragten dieser Aussage zu.

Habeck auf Werbetour im Land

Mit 53 Prozent sagt ebenfalls eine Mehrheit der Befragten, die AfD habe besser als andere Parteien verstanden, dass sich viele Menschen in Deutschland nicht mehr sicher fühlten. Das ist ein Anstieg um 11 Prozentpunkte. Und immerhin 42 Prozent sagen, „ich finde es gut, dass die AfD den Zuzug von Ausländern und Flüchtlingen stärker begrenzen will als andere Parteien“. Nur bei dieser Aussage ist die Zahl derer, die nicht zustimmen, mit 49 Prozent größer als bei den anderen genannten Aussagen.

Angesichts der schlechten Umfragewerte für die Bundesregierung und speziell für ihn selbst tourt Wirtschaftsminister Robert Habeck derzeit durchs Land. Er will vor Ort für die Vorhaben der Ampelregierung werben. Ein Erfolg seiner Marketingstrategie ist derzeit in den Umfragen jedoch nicht abzulesen. Sein „Heizungshammer“, der Millionen Menschen dazu zwingt, viele Zehntausend Euro für neue Heizungsanlagen auszugeben, lässt sich nicht einfach so wegreden. Denn nicht wenige könnten ohne eigenes Verschulden nur wegen seiner politischen Vorgaben sogar ihr Eigenheim verlieren.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

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Nathan
Nathan
1 Jahr her

Deutschland und die EU-Länder verarmen immer mehr durch ihre auf bewußter US-NATO-gesteuerter Desinformation in Bezug auf den Ukraine-Krieg. Die genau daraus folgenden Sanktionen wie auch Haltung gegen Russland sind fatal und teuer, besonders für uns. Siehe die neuen 20 Milliarden-Pleite-EU-Hilfen für die Ukraine, die WIR aufbringen müssen, die Milliardenschweren unsinnigen jährlichen NATO-Militäraufrüstungen. Russland bedroht uns nicht, aber unsere auf Bedrohungswahn beruhende Politik macht uns zum Feindstaat und somit FRONT-Staat. Und wer will schon in einen Frontstaat investieren? Unsere ideale Lage und Vorteil als Verbindung und gegenseitiger wirtschaftlicher Austausch West-Ost mit Russland und Seidenstraße ist tot, unser Riesen-Wirtschaftsvorteil dahin. Wer will… Read more »

Bohl
Bohl
1 Jahr her

Wähler machen die Regierung für den Niedergang verantwortlich“.

Wen sollten die Wähler sonst dafür verantwortlich machen? Die

Regierung bestimmt die Rahmenbedingungen.

„Eine klare Mehrheit von 58 Prozent der Topmanager und Unternehmer stimmt der These zu, „dass Deutschland seinen Zenit überschritten und seine besten Jahre hinter sich hat“.

Ab der Regierung Merkel begann die Arbet am Niedergang dafür er-

hielt sie auch noch Orden und Auszeichnungen. Daraus kann man

eigentlich nur die Schluß ziehen, die Regierenden wollen es so. Mit

der Ampel erfuhr das Land dann noch einmal eine exorbitante Stei-

gerung in diese Richtung.

Slyjumper
Slyjumper
1 Jahr her

Sprechen wir hier über die gleichen Top-Manager die durch ihre jahrelange Hofierung der deutschen Abrissbirne namens Merkel die heutige Situation erst mitermöglichst haben? Die gleichen Top-Manager die durch vorauseilende Corporate Governance and Compliance in ihren Unternehmen das Tempo in Richtung Abgrund beträchtlich beschleunigt haben? Die gleichen Top-Manager (hier mit Betonung auf Top) die heute nur den Mund aufmachen um später mit pseudo-reiner Weste dastehen zu können? Denn das Topmanagment wird den Absprung ihrer Unternehmen aus Deutschland weg einfach mitmachen. Für das Top-Managment hat eine DeIndustrialisierung Deutschlands nämlich in der Regel keine persönlichen Konsequenzen. Viel zu kurz kommen mir im Artikel… Read more »

Nathan
Nathan
Reply to  Slyjumper
1 Jahr her

Warum haben Sie Angst vor der AfD? Haben Sie sich schon mal überlegt, daß ohne z.B. die AfD alles beim alten bliebe? Daß dann „das System“ immer recht hat? Warum behauptet, betont „das System“ immer wieder, die AfD sei rechtsextrem und verfassungsfeindlich, um das ständig in die Bevölkerung einzuhämmern? Weil „das System“ über der Verfassung steht und selbst als „Verfassungsfeinde“ die Verfassung mehrmals, also verfassungsfeindlich, geändert hat, um oppositionelle Meinungen kriminalisieren zu können? A propos „rechtsextrem“: Links sitzen die Abhängigen, rechts als Gegenpol die Besitzenden (das Kapital, Ihre Topmanager). Alle diese, links bis rechts, Sozis bis Kapital, sind internationalistisch. Nationalistische… Read more »

Slyjumper
Slyjumper
Reply to  Nathan
1 Jahr her

Moin-Moin @ Nathan, zunächst einmal vorab: Ich habe nicht per‘se vor der AfD Angst. Ich schrieb das es mir Angst machen WÜRDE wenn die AfD auf eine Wählerschaft von 67% (2/3 Mehrheit) käme. Das würde mir im übrigen auch bei jeder anderen Partei Angst machen, denn es wäre ein Anzeiger das irgendetwas noch gravierend schlimmer wäre als es jetzt schon ist (ich weiß: schwer vorstellbar). Dann weiter: Ich halte die AfD in der Tendenz nicht für Rechtsextrem, sondern in der Tendenz für Links (im Sinne von sozialistisch). Das nun ausführlich zu begründen ginge aber am Thema des Artikels vorbei. Lassen… Read more »

Voltaire
Voltaire
Reply to  Nathan
1 Jahr her

ALLE im Bundestag vertretenen Parteien sind VERFASSUNGSFEINDLICH! Wäre dem nämlich nicht so, hätten wir gem. Art. 146 GG längst eine vom deutschen Volk beschlossene Verfassung.

Carpe diem.

fufu
fufu
1 Jahr her

Top-Manager, Top-Virologen… Politiker…und andere, die Entscheider, aber nur aus der Sicht der Masse. Die Realitaet ist ganz anders. Welche Gestaltungsmoeglichkeiten hat den ein Top-Manager eines deutschen Konzerns schon? Keine. Die Ratingagenturen und Berater machen in 3monatigem Abstand ihre Vorgaben, die Besitzer, i.a. globale Kapitalsammelstellen in der Hauptversammlung, die Politik zwingt zur Verlegung der Lieferketten in NATO-Laender oder aus anderen Gruenden direkt in die USA, oder die Umlenkung von Investitionen zum Wohle des Klimas, usw. Der von den Medien zum Top gekuerte Virologe weiss sicher eins genau… wenn er nicht die Maer vom rettenden Impfstoff predigt ist er ganz schnell unten… Read more »

Slyjumper
Slyjumper
Reply to  fufu
1 Jahr her

Ziemlich weitgehend stimme ich Ihnen zu. Allerdings mit der Einschränkung dass Sie damit die aktuelle Ist-Situation beschreiben. Vor 10 Jahren sah das noch ein wenig anders aus. Vor 20 Jahren erst recht. Wenn man dann allerdings als Top-Manager, Top-Politiker, Top-Wissenschaftler irgendwann lange genug am eigenen Ast gesägt hat (und das haben sie alle aus kurzfristigen Opportunitätsgründen getan) kommt man irgendwann zur heutigen Situation wo man die Geister nicht mehr los wird die man einst rief. Und ich für meinen Teil bin nicht bereit diese Menschen aus der Verantwortung für ihr „gestriges“ Handeln zu entlassen, nur weil sie heute nichts mehr… Read more »

fufu
fufu
Reply to  Slyjumper
1 Jahr her

Zwecklos nach Schuldigen zu suchen. Das westliche, und von der Masse gestuetzte und
gewollte Konsummodel der Vergangenheit, auf Kosten anderer, ist auf Dauer nicht tragbar, genauso wenig wie das schuldenbasierte Finanzsystem. Die grossen Verlierer werden die bisherigen Nutzniesser des Systems in der Masse sein, insbesondere die an die story vom tuechtigen Deutschen Glaubenden. Aber auch fuer den Rest der Welt sind die Perspektiven nicht rosig, Gewinner werden rar gesaet sein.

Skyjumper
Skyjumper
Reply to  Slyjumper
1 Jahr her

@fufu Chapeau! Allerdings sehe ich kein „westliches Konsummodell“ bzw. kein alternatives (angewandtes) Modell irgendwo. Auch China und Russland, Indien, Brasilien und Indonesien (um nur die Player aus der 2. und 3. Reihe zu benennen) haben letztlich das gleiche Konsummodell und streben vehement danach dieses zu vertiefen und zu vervollkommnen. Und es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Denn der globale Maßstab aller Dinge (zumindest aktuell) ist das global installierte, schuldenbasierte Finanzsystem. Dieses schuldenbasierte (etwas richtiger: kreditbasierte) Finanzsystem ist ohne Konsum, Konsum und nochmal Konsum jedoch nicht auf aufrecht zu erhalten. Das ein auf unendlichen Wachstum basierendes Finanzsystem in einen endlichen… Read more »

Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
1 Jahr her

Wie wäre es, wenn sie nicht nur, wie in Deutschland üblich, laber, sondern etwas tun würden? Nein, das ist unter ihrer Würde, nichts wahr? Schon vor Schröder, als Deutschlands Zenit überschritten war, hatte man sich auf Jammern verlegt, Schröder befreite die Wirtschaft und Industrie endgültig von jeder Verantwortung für die Gesellschaft und unter Merkel steigerte sich dies noch weiter. Sie sind derart abgehoben und dekadent, aber unfähig, dass einem übel wird.