Schwere Zeiten für Söder und die CSU

Markus Soeder (CSU) / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/s%c3%b6der-csu-bayern-politiker-partei-3742220/ Markus Soeder (CSU) / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/s%c3%b6der-csu-bayern-politiker-partei-3742220/

Zu den großen Verlierern der Bundestagswahl gehören auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und die CSU. Wie sollen sie die Landtagswahl 2023 gewinnen?

Die 16 Merkel-Jahren Erfolg verwöhnte Union kennt heute viele Verlierer. Zu ihnen zählen zu allererst Armin Laschet und all jene Abgeordnete, die den Wiedereinzug in den Bundestag verfehlten. Laschet ist vom Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidaten zum einfachen Bundestagsabgeordneten geschrumpft.

Aber auch sein empfindlichster Gegner während der Bundestagswahl, der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder, hat durch die Niederlage erheblich an Macht und Einfluss verloren. Wie kaum ein anderer zelebrierte Söder während der Corona-Krise seine Auftritte neben Merkel im Bundeskanzleramt und gab anschließend in den Talkshows seinen Einfluss auf die Entscheidungen des Bundeskabinetts zum Besten. Seine Botschaft war simpel, aber eingängig: Ohne Bayern läuft in Berlin gar nichts. So hatten es vor ihm in den Regierungsjahren von Helmut Kohl schon Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber gehalten.

Söder als Kleinkünstler im Provinztheater

Jetzt läuft für die bayerische CSU in Berlin auf absehbare Zeit gar nichts mehr. SPD, FDP und Grüne werden die neue Regierung stellen. Für die CSU-Abgeordneten gibt es statt Ministerposten nur noch eine Nebenrolle in der arg gebeutelten Unions-Fraktion.

Schlimmer hätte es für Söder und die CSU nicht kommen können. Ihre Rechnung, in der Opposition wenigstens gegen ein rot-rot-grünes Bündes polemisieren zu können, hat die FDP durchkreuzt. Sie wird 2023 wohl eigene Bundesminister in den bayerischen Landtagswahlkampf schicken können. Die Liberalen haben jetzt die Bühne, die Söder und seine CSU so gerne bespielten. Jetzt müssen sie sich mit Kleinkunst im Provinztheater begnügen.

Vor der sich nun auf Identitätssuche begebenden CDU wird Söder bis zur Landtagswahl 2023 kaum Unterstützung erwarten dürfen. Vielleicht belastet sie Söders Wahlkampf gar durch schwelende innerparteiliche Macht- und Richtungskämpfe. Davon könnten dann die anderen Mitbewerber im Mitte-rechts-Spektrum, also die FDP, die Freien Wähler oder auch die AfD profitieren.

Möglich wäre aber auch eine Linksverschiebung in Bayern. Denn wenn die Ampel in Berlin reibungslos funktioniert, könnte diese Konstellation auch in Bayern Sympathien gewinnen und Söder in ernste Schwierigkeiten bringen. Schließlich begeistern sich längst auch bürgerliche Milieus im Alpenland für grüne Themen und Thesen.

Hat Söder eine Idee von der Zukunft?

In der alten ideologischen Frontstellung zwischen demokratischem Sozialismus (SPD) und konservativer Christdemokratie fiel es Franz-Josef Strauß und seinen Nachfolgern auch in Zeiten, in denen die CDU die Oppositionsbank drückte, nicht schwer, die Alleinstellungsmerkmale der CSU herauszustellen. Ihnen gelang gar das Kunststück, dass die CSU bis heute mit dem Land identifiziert wird.

Heute aber sind sogar die Grünen und die Sozialdemokraten in Teilen verbürgerlicht. Große ideologische Gegensätze gibt es nur noch mit der Linkspartei. Mit allen anderen Parteien gibt es mehr oder weniger große inhaltliche Schnittmengen. Was also hat die CSU, das die anderen nicht haben?

Söder braucht dringend ein Thema, eine Idee, mit der er die Vorstellung der Einheit von CSU und Bayern irgendwie fortschreiben kann. Viel Zeit bleibt ihm nicht.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

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Gerolf
Gerolf
30 Tage her

Es gibt doch genug Themen, die eine bürgerliche Partei aufgreifen könnte:

  • Bewahrung der bürgerlichen Freiheit sowie des Rechts auf Meinungsfreiheit und gegen den Wahnsinn einer immer mehr um sich greifenden Identitätspolitik,
  • Bewahrung der wirtschaftlichen Stabilität und gegen eine in den Blackout führende Klimapolitik,
  • Bewahrung der Geldwertstabilität und damit der Rücklagen der sogenannten kleinen Leute und gegen eine ausufernde Inflationspolitik der EZB.
  • Bewahrung des Sozialstaats und gegen eine ausufernde Migrationspolitik.

Diese Themen liegen seit Jahren alle auf der Straße, werden aber von CDU/CSU nicht aufgegriffen.

Albruna
Albruna
Reply to  Gerolf
30 Tage her

Mit der Anschleimerei und Unterwerfung bei der Globalstin Merkel und deren billionenschweren Hintermännern hat Söder bereits die breite Palette der wichtigsten Themen aufgegeben.
Das dortige Ziel, Deutschland in den Abgrund und Ruin auf allen Ebenen zu bringen, müssten er und die CDU/CSU komplett aufgeben.
In Frankreich ist bereits Eric Zemour auf dem Weg. Das allerdings wäre eine dezidierte Hinwendung an die Ziele der AfD.

Nur dann hätte er u.E. eine Chance.

Skyjumper
Skyjumper
Reply to  Gerolf
29 Tage her

Wie wahr!!

Allerdings widerspreche ich Ihnen dennoch. CDU und CSU lesen die von Ihnen genannten Teilen sehr wohl von der Straße auf. Aber nur um diesen Themen dann den Stempel „Nazi“ aufzudrücken und sie in den tiefsten Keller zu schmeißen.

Aber Sie verlangen auch schlicht zuviel wenn Sie erwarten das sich (zwischenzeitlich) sozialistische Parteien wie CDU/CSU verhalten sollen wie eine bürgerliche Partei.

Es gibt derzeit in Deutschland keine nennenswerte (im Sinen von Größe) bürgerliche Partei.

Eurone
Eurone
Reply to  Skyjumper
29 Tage her

Liegt am erbärmlichen Wähler-IQ von 10,3

Last edited 29 Tage her by Eurone
Gerolf
Gerolf
Reply to  Skyjumper
29 Tage her

„Aber Sie verlangen auch schlicht zuviel wenn Sie erwarten das sich (zwischenzeitlich) sozialistische Parteien wie CDU/CSU verhalten sollen wie eine bürgerliche Partei“

Mag sein. Da es aber in Deutschland eigentlich genug Parteien des Gender-Wahnsinns, der Klima-Panik und des Gelddruck-Irrsinns gibt, wird diese Partei, wie so manche CD-Partei in Europa vor ihr, dann eben untergehen. Ganz darwinistisch gesprochen.

Eurone
Eurone
Reply to  Gerolf
29 Tage her

Diese Themen sind alle von der einzigen demokratischen Volkspartei der bürgerlichen Mitte, der AfD – belegt. Für Söder bleibt die Bäume zu umarmen.

Konrad Kugler
Konrad Kugler
24 Tage her

Die CSU hat mich Konservativen und damit Rechten sitzen gelassen. Mit Grün und Links kann man mich jagen.

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