Warum Merkel und Söder beliebt und zugleich verhasst sind

Bundeskanzlerin Angela Merkel / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/merkel-bundeskanzlerin-angela-merkel-2906016/ Bundeskanzlerin Angela Merkel / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/merkel-bundeskanzlerin-angela-merkel-2906016/

Angela Merkel und Markus Söder sind bei den Wählern viel beliebter als ihre Parteien. Bei wem sind sie eigentlich so beliebt, und wer sind ihre Kritiker?

Im Verlauf der letzten Jahre hatte ich verschiedene CDU-Veranstaltungen besucht: Zweimal war ich bei Vorträgen von Prof. Patzelt im thüringischen Ettersburg, einmal ebenda bei einer Veranstaltung mit Michael Klonovsky – damals noch „Focus“-Redakteur und heute Direktkandidat der AfD zur Bundestagswahl in Chemnitz – und ein weiteres Mal in  Ebeleben bei einem Wahlkampfauftritt von Hans-Georg Maaßen. Außerdem kenne ich einige CDU-Abgeordnete ganz gut, ich verzichte hier mal auf die Namensnennung, um ihnen keinen Ärger zu bereiten.

Niemals wurden die Fehlleistungen der Kanzlerin in öffentlichen CDU-Veranstaltungen wirklich beim Namen genannt. Wie in der DDR erfolgt Kritik verblümt oder im persönlichen Gespräch unter vier Augen. Einge Male wurde Merkel einfach nicht erwähnt, sie schwebt wie der Geist von Thane Banquo jedoch im Raum. Öffnete sich jedoch die Türe und sie würde in den Raum schreiten, würden alle ihre Kritiker und Zweifler wie von der Tarantel gestochen aufspringen und wie die Trommelhasen von Duracell bis zum Umfallen klatschen. Auch das erinnert an SED-Parteitage in der DDR.

Merkels Gegner werden Direktkandidaten

Zumindest in Ostdeutschland scheinen die Merkel-Kritiker die CDU-Basis zu dominieren. Beim letzten politischen Aschermittwoch war ich zwar selbst nicht anwesend, aber das Merkel-Opfer Friedrich Merz erhielt als Hauptredner in Bad Sulza Berichten zufolge lautstarke Zustimmung eines mit mehreren hundert Mitgliedern und Anhängern gefüllten Saals.

Ganz im Gegensatz zu diesen Beobachtungen werden Angela Merkel von Forsa und anderen Instituten hohe Zustimmungswerte bescheinigt. Im Mai 2021 immerhin 59 %. Weniger zufrieden oder unzufrieden sind nur 40 %. Die CDU als Partei hat dagegen hat nur um die 25 % Zuspruch.

Könnte es sein, dass die Zustimmung zur Politik der Kanzlerin nur teilweise von den Anhängern der eigenen Partei, sondern vielmehr von Klimaesoterikern, Grünen, Linken und Sozialdemokraten kommt?

AfD- und FDP-Anhänger gehören bestimmt nicht zu ihren Fans, sie vereinen aber derzeit in Umfragen zur Bundestagswahl 25 % der Befragten auf sich. Irgendwoher müssen ja die restlichen 15 % Merkelkritiker herkommen, um die 40 % vollzumachen. Sind es rechte Unionsmitglieder?

Die CDU scheint tief gespalten zu sein. Verschiedene Kandidatenaufstellungen für die Bundestagswahl illustrieren das. Südthüringen mit der Kandidatur von Maaßen war kein Ausrutscher. Im benachbarten Wahlkreis 195 wurde der Mehrfachabweichler Albert Weiler aufgestellt. Und Mike Mohring, der Merkel nie zugetan war, erhielt im Wahlkreis 191 das Direktmandat. Im Sauerland schaffte es Friedrich Merz.

Ist Söder für die Linken attraktiv?

Dieselbe Frage wie zu Merkel stellt sich bei Söder. Bei wem ist er eigentlich so beliebt? In Bayern sinkt der Stern der CSU, obwohl Söder hohe demografische Werte aufweist. Ist er vielleicht, der seinen Modernismus gern wie eine Monstranz vor sich herträgt, nicht eher für Grüne, Linke und Sozialdemokraten attraktiv? Doch was nutzt es, wenn er beim Gegner zwar beliebt ist, aber von Grünen, Linken und Sozis dann an der Urne doch nicht gewählt wird?

Dem Zeitgeist hinterherzurennen hat sich in der Vergangenheit immer nur auf kurze, nie jedoch auf mittlere und lange Sicht bewährt. Der jugendbewegte Zug, auf den im Spätkaiserreich und in der Weimarer Republik alle Parteien mehr oder weniger aufgesprungen waren, fuhr in den Ersten Weltkrieg und ins Dritte Reich.

Die Reformation führte in den 30jährigen Krieg. Die russische Jugendbewegung landete in der Oktoberrevolution und endete erst in Stalins Genickschussanlagen. Der italienische Futurismus war und ist immer noch faschistisch.

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Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Greenhoop
Greenhoop
3 Monate her

Noch niemals seit März 2020 war es so offensichtlich, wie verblödet die “Mehrheitsgesellschaft” in Deutschland ist, da verwundern weiterhin hohe Beliebtheitswerte für die Schauspielertruppe in keinster Weise. Wie wir täglich bewiesen bekommen, spielt es auch gar keine Rolle mehr, wer dieses Land in absehbarer Zeit endgültig wird abstürzen lassen. Die meisten Parteien zeigen in ihren “Wahlprogrammen” welcher Weg vorgezeichnet ist (vorgegeben wurde) und schlußendlich wird nun nur noch die dümmste Sau Deutschlands für diesen Job benötigt. Das WEF Mädchen AB offenbart solch eklatante Führungsschwächen, dass die Kanzlerschaft schon jetzt als verloren bezeichnet werden müßte, bestünde da nicht – so wie… Read more »

Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
3 Monate her

Dieser grünlinks bewegte Zug fährt schnurstracks in den Abgrund. Begleitet durch Klimaterror, mangelnde Energieversorgung, Deindustrialisierung des Landes, bewaffnete Konflikte mit Russland und China als Lakai von Amerika, also in den 3. WK. Von der Massakrierung der einheimischen Bevölkerung und Ausplünderung des Landes mit immensen volkswirtschaftlichen Schäden durch die Schmuddelkinder aus Osteuropa und den sog. Migranten aus den Shitholes der Welt, egal, von welchem Kontinent.

dragaoNordestino
3 Monate her

test

Konrad Kugler
Konrad Kugler
3 Monate her

Eine Partei, die eine sozialistische Familienministerin und das Sebe für das Justizministerium zuläßt, ist menschenfeindlich.