In der Frühphase einer Weltwirtschaftskrise

Hafenwirtschaft, Export / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/please-donate-kaffespende-paypal-1753629/r, Hafenwirtschaft, Export / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/please-donate-kaffespende-paypal-1753629/r,
 

Wir befinden uns in der Endphase eines Weltwährungssystems ungedeckter Gelder. Die Fed-Bilanzsumme stagniert seit Mitte August. Jetzt kommen turbulente Zeiten.

An der völlig überhitzten und absurd überbewerteten US-Börse hat ein mehr als überfälliger Abwärtstrend begonnen. Aufgrund der starken Warnsignale, die von einer Vielzahl verschiedener Indikatoren in den vergangenen Wochen gegeben wurden, haben wir es hier wahrscheinlich mit einer sehr bedeutenden Trendwende zu tun.

Das gilt umso mehr, da ein Großteil der jüngsten Kursgewinne lediglich auf einer Handvoll Aktien beruhte, die aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung einen sehr großen Einfluss auf die populären US-Indizes haben, allen voran auf den NASDAQ 100. Die Spekulationsblase bei diesen Indexschwergewichten hat vermutlich ihren Zenit überschritten.

Drohende Pleitewelle

Damit ist der Weg nach unten frei, zumal sich die meisten anderen Sektoren ohnehin nur in einer Bearmarketrally befunden haben, das heißt in einer vorübergehenden Teilerholung im Rahmen einer Baisse. Die gigantischen Liquiditätsspritzen der Zentralbanken haben tatsächlich nur einen sehr begrenzten Teil der Aktienmärkte auf neue Hochs gehievt. Entsprechend ausgeprägt sind die negativen Divergenzen, die dadurch entstanden sind.

In Kombination mit der riesigen Topformation, die der S&P 500 und zahlreiche andere Indizes zeigen, ergibt sich ein überaus bearishes Bild. Wir sollten uns auf turbulente Börsenzeiten einstellen. Schließlich befinden wir uns in der Frühphase einer Weltwirtschaftskrise, deren ganzes Ausmaß erst in den kommenden Monaten sichtbar werden wird, wenn die Pleitewelle Fahrt aufnimmt und die Zahlen auf den Tisch kommen.             

Die riesige Topformation des S&P 500 spricht für eine ausgeprägte Baisse. Die negative Divergenz des Momentum-Oszillators (rote Pfeile) deutet darauf hin, dass diese Baisse jetzt beginnt und sehr heftig ausfallen wird. Quelle: StockCharts.com/Claus Vogt

Die riesige Topformation des S&P 500 spricht für eine ausgeprägte Baisse. Die negative Divergenz des Momentum-Oszillators (rote Pfeile) deutet darauf hin, dass diese Baisse jetzt beginnt und sehr heftig ausfallen wird. Quelle: StockCharts.com/Claus Vogt

 

Börsenneulinge vor dem Aus

Interessanterweise stagniert die Bilanzsumme der Fed bereits seit Mitte August. Dieser kurze Stillstand der Gelddruckmaschine reicht offenbar schon aus, um an den Aktienmärkten eine Trendwende nach unten auszulösen. Ich bin jetzt überaus gespannt, wann und wie die Zentralbanker auf eine neue Abwärtswelle an den Aktienmärkten reagieren werden. Ich vermute, sie werden aus gesellschaftspolitischen Gründen so kurz vor den Wahlen erst dann eingreifen, wenn sich die Kurse den im März 2020 gesehenen Tiefs nähern.

Ob die zahlreichen Börsenneulinge, die maßgeblich am jüngsten Kursanstieg beteiligt waren und eine regelrechte Kaufwelle an den Optionsmärkten hervorgerufen haben, dann noch Geld haben werden, um erneut an der Börse einzusteigen, wage ich zu bezweifeln. Diese Zweifel habe ich auch bei der stark gebeutelten japanischen Softbank, deren jüngste Aktivitäten sehr nach Verzweiflung riechen: Das Unternehmen soll mit Milliardenbeträgen mit hochriskanten Optionen auf die Indexschwergewichte des Technologiesektors spekuliert haben, um auf diesem Weg die Kurse nach oben zu treiben. Wir werden bald erfahren, welches Ende dieser Husarenritt nimmt.       

Endphase eines Weltwährungssystems

Apropos Optionsmärkte: Alle Kennzahlen, die das Geschehen an diesem hochspekulativen Marktsegment messen, haben in den vergangenen Wochen nie zuvor gesehene Extremwerte erreicht. Die hier zu beobachtenden Exzesse stellen sogar die Vorgänge am Höhepunkt der Technologieblase im Jahr 2000 weit in den Schatten. Die Ernüchterung wird ähnlich heftig sein wie damals, als der NASDAQ 100 Index über 80% fiel.

Wir befinden uns in der Endphase eines Weltwährungssystems ungedeckter Gelder. Entsprechend groß sind die Risiken. Und wie wir im Jahr 2008 bereits gesehen haben, kann sich die Lage sehr schnell dramatisch zuspitzen.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Gustav
Gustav
1 Monat her

Die stygischen Lügner Im düstern Auge glimmt die Hyäne, Sie sitzen am Laptop und fletschen die Zähne: Deutschland, wir lügen dein Leichentuch, Wir lügen hinein den vierfachen Fluch – Wir lügen, wir lügen! Ein Fluch der Wirtschaft, den Wertschöpfungsketten, dem Eigentum andrer, das wir gern hätten: Mit Diskriminierung und Klimawandel Treiben wir sie in den Ablasshandel – Wir lügen, wir lügen! Ein Fluch der Physik, der Biologie, der Mathematik, KI und Chemie: Wir haben Sozialwissenschaften studiert,  Damit man uns nicht mit Wissen traktiert – Wir lügen, wir lügen! Ein Fluch der Familie, der Mutterschaft, Der patriarchalischen Geiselhaft: Wir bringen schon… Read more »

dragaoNordestino
Reply to  Gustav
1 Monat her

@Gustav ….

Die stygischen Lügner

Nettes Gedichtli…. so schön selbstbemitleident ….. auf hohem Niveau versteht sich

trackback
1 Monat her

[…] In der Frühphase einer Weltwirtschaftskrise — geolitico […]

dragaoNordestino
1 Monat her

Wir befinden uns in der Endphase eines Weltwährungssystems ungedeckter Gelder.

Ja das kann man so sehen, wenn man verbissen an alt hergebrachten klebt und empirische Fakten, die zum beispiel durch MMT beleuchtet werden, ausklammert / ignoriert. …..

man könnte aber, bei etwas positiven Denkens, auch einen Neuanfang erkennen…. dass dabei dem Finanzkasino, wie Sie annehmen Herr Vogt, die Luft abgedreht wird, ist dabei nur positiv zu werten….. Ich hab da zwar meine Zweifel… wie auch immer…

Wir werden sehen

Last edited 1 Monat her by dragaoNordestino
Gustav
Gustav
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

„Anders als der Name Modern Monetary Theory suggeriert, handelt es sich nicht um eine Geldtheorie im herkömmlichen Sinne. Vielmehr geht es darum, die Grenzen der öffentlichen Verschuldung mit Hilfe der Notenbank nach außen zu verschieben.“ Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (2019)

https://www.feri-institut.de/media/1877/feri_cfi_mmtomf_4927_190619-kurzversion.pdf

dragaoNordestino
Reply to  Gustav
1 Monat her

….. @Gustav …. „Anders als der Name Modern Monetary Theory suggeriert, handelt es sich nicht um eine Geldtheorie im herkömmlichen Sinne. Vielmehr geht es darum, die Grenzen der öffentlichen Verschuldung mit Hilfe der Notenbank nach außen zu verschieben.“  Aus oder in Ihrer Echokammer sieht dies bestimmt so aus…. ist jedoch falsch….. Die MMT ist einfach eine Lupe mit der, alles rund ums Geld beleuchtet und analysiert wird. .. Dabei kommen dann eben empirische Erkenntnisse hoch, die so in den herkömmlichen Geldtheorien nicht zu finden sind. Wie zum Beispiel die Erkenntniss der letzten 30 Jahre, dass Tripute nicht zum finanzieren der… Read more »

Last edited 1 Monat her by dragaoNordestino
Greenhoop
Greenhoop
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

@dragao

Es sind wohl eher Sie, der sich mit MMT einmal beschäftigen sollten. Habe Ihen und anderen Interessierten einen entsprechenden Link begefügt.

https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=486092

Last edited 1 Monat her by Greenhoop
dragaoNordestino
Reply to  Greenhoop
1 Monat her

@Greenhoop…. Habe Ihen und anderen Interessierten einen entsprechenden Link begefügt.

Der Link läuft in der alten Leier….. Erstaunlich dass selbst intelligente Leute dauernd in der Kapitalistenspirale der Machtzombies laufen und sich in Begriffen wie Aufschuldung & CO. verfangen.

Selbst Jahrzehnte lange empirische Erkenntnisse, die uns MMT eindeutig liefert, werden dabei ganz einfach ignoriert.

Wie auch immer, wer nichts neues Denken kann, sollte wohl aufhören, über die Gegenwart zu jammern.

edmundotto
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

“MMT ist einfach eine Lupe, mit der alles rund um das Geld beleuchtet wird.” – Eine Lupe für Blinde . D Ökonomen sind es stets, die sich der Geldfrage widmen, uns mit neuen Theorien kommen . Sie versäumen es allerdings, alle relevanten Informationen zu sammeln, sie klammern die wichtigsten Informationen und Hintergründe bewußt aus. Daher können sie auch keine brauchbaren Ergebnisse liefern, die das grundlegendste Problem der Menschheit, das Problem des Wuchers beseitigen helfen. Die Ökonomen sehen den Wucher lediglich als notwendigen Bestandteil eines Geldmechanismus, von dem sie hoffen, dass er eines Tages funktionieren wird. D Honore de Balzac –… Read more »

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  Gustav
1 Monat her

@ Gustav

Natürlich haben Sie recht:
Die Modern Monetary Theory ist zweifellos keine echte Theorie im wissenschaftlichen Sinne, sondern wirklich bloß eine Finesse, eine taktische Überlegung zur (künstlichen) Staatsfinanzierung.
Nur Sozialisten können sich darüber aufregen, wenn diese Banalität ausgesprochen wird …

fufu
fufu
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

“Kuenstliche Staatsfinanzierung” ist bekanntlich keine Domaine der “Linken” wie schon Adolf klar gemacht hat. Na ja, der war ja nach Einigen “links”.

fufu
fufu
Reply to  fufu
1 Monat her

War ja nur ein Witz. Aber im Ernst, die Verwaltung des Geldes sollte man nicht einer selbsternannte Elite ueberlassen, der Masse aber auch nicht denn das fuehrte garantiert zur Hyperinflation. In der Konsequenz bleibt nur ein echter Goldstandard.

dragaoNordestino
Reply to  fufu
1 Monat her

@fufu…. In der Konsequenz bleibt nur ein echter Goldstandard.

Kreditgeldeinheiten materiell unterlegen.? …. so zu sagen vom Bergbau abhängig machen.!

Was für ein Rückschritt in eine nicht gerade glorreiche Zeit……

fufu
fufu
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

Wenn man die Geldschoepfung weder von einer Elite, und sei sie technokratisch, noch von der Masse abhaengig machen will bleibt nicht viel uebrig, echter Goldstandard und/oder digitale Varianten die auch Tauschnetzwerke enthalten koennen. Glorreich sind die heutigen Zeiten deren Missstaende in weiten Teilen auf das Kreditgeldsystem zurueckzufuehren sind auch nicht.

Und glauben Sie bloss nicht, dass Erfindertum und Fortschritt mit leichtem Kredit zu tun haben, nehmen Sie die groessten derzeitigen Unternehmen die in einer Garage begonnen haben.

dragaoNordestino
Reply to  fufu
1 Monat her

@fufu …. Und glauben Sie bloss nicht, dass Erfindertum und Fortschritt mit leichtem Kredit zu tun haben, nehmen Sie die groessten derzeitigen Unternehmen die in einer Garage begonnen haben.

Man sollte nicht immer alles vermischen….. wie Sie es zum Beispiel tun, in dem Sie Kreditgeldsystem und innovative Geschäftigkeit (Microsoft) gleichschalten.

wie auch immer…..

fufu
fufu
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

MMT zur Unterstuetzung von Innovation und Konsum stammt aus einem frueheren Kommentar von Ihnen. Was Innovationen betrifft habe ich widersprochen, Massenkonsum na ja hat auch seine Schattenseiten.

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  fufu
1 Monat her

Sie sehen das ganz richtig: Hitler war ja keineswegs ein Konservativer, sondern ebenso ein sozialistischer Umstürzler wie etwa Mussolini oder Lenin.
Er war nicht links (im Sinne der linken Selbstdefinition), aber er war trotzdem viel mehr Sozialist als die meisten begreifen.

Und folgerichtig hat er die seriösen Geldpolitik natürlich auch nicht genau genommen.
Es ist immer die selbe Leier: wenn die Träume, Utopien und Visionen größer sind als das eigene Portemonnaie … dann muss man eben tricksen!

edmundotto
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

Ist die Ökonomie eine Wissenschaft? M.E. ist Ökonomie keine Wissenschaft nach dem Vorbild der Naturwissenschaften, sie erklärt nicht Handlungen und Vorgänge, sie versucht sie zu steuern , zu beeinflussen. oder zu programmieren.. Und so ist sie nichts anderes als eine Sammlung von Richtlinien und Handlungsvorschriften. Einem Menschen aber Handlungsweisen vorzuschreiben ist gleichbedeutend bzw. vergleichbar mit dem formulieren einer Morallehre oder einer Religion und derer haben wir bereits (zu viel).

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  edmundotto
1 Monat her

Zustimmung.

fufu
fufu
Reply to  dragaoNordestino
1 Monat her

Es waere an der Zeit von diesen fake-Diskussionen Abstand zu nehmen, denn es ist wahrlich kein Unterschied ob man Schulden in schwarzen Loechern verschwinden laesst und die Glaeubiger “rettet”, oder ob man gleich schuldfreies Geld druckt. In beiden Faellen ist die Frage wer “gerettet”, beguenstigt oder belastet wird eine Frage der politischen oder Machtverhaeltnisse.

C.M.
C.M.
1 Monat her

Das Leben geht weiter, mit oder ohne Menschheit.

Patriot
Patriot
1 Monat her

Die 1000 Mrd, die Trump über die Bevölkerung verteilt hat, haben die Blase ein letztes Mal aufgepumpt. Nach der größten Party seit Adam und Eva kommt jetzt wohl der größte Kater seit Adam und Eva.
Wenn es dabei bliebe, wäre ich noch nicht beunruhigt. Aber da gibt es noch eine andere Gesetzmäßigkeit: immer wenn die Zinsen unter 2% rutschen, dann gibt es einen großen Krieg. Und manche über 80jährige sagen: es fühlt sich wie eine Vorkriegszeit an. Hoffentlich täuschen die sich!

dragaoNordestino
1 Monat her

….
Da hier alle, inklusive des Artikelschreibers von Schuldenwirtschaft reden, habe ich mal zwei grundsätzliche Fragen zum Geld und seine Entstehung per se:

1.
Wie entsteht Zentralbankgeld

2.
Wie entsteht Buchgeld

Schön wenn es dazu ein paar Antworten geben würde

Last edited 1 Monat her by dragaoNordestino
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