Die AfD will keine konservative Partei sein

Die AfD bleibt im Wahlkampfmodus und bereitet sich auf die Europawahl und die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen vor. Außerdem kündigt Parteichef Bernd Lucke  eine inhaltliche Debatte an. 

 

Bernd Lucke bahnt sich am Tag nach der Bundestagswahl seinen Weg durch einen Pulk von Fotografen und Kameraleuten. So etwas erleben gemeinhin nur Sieger oder Verlierer. Genau genommen, ist der Sprecher der Alternative für Deutschland weder das eine noch das andere. Einerseits hat seine Partei hat den Einzug in den Bundestag knapp verfehlt und damit ihr selbstgestecktes Ziel nicht erreicht. Andererseits hat sie mit 4,7 Prozent der Stimmen weitaus mehr erreicht, als ihr die meisten noch vor wenigen Wochen zugetraut hätten. So bleibt die AfD das Phänomen dieser an Überraschungen reichen Wahl.

„In den Erfolg mischt sich ein wenig auch das Gefühl der Enttäuschung“, räumt Lucke ein. Für eine erst wenige Monate alte Partei aber sei es ein „starkes Ergebnis“. Da mag ihm niemand wiedersprechen. Aber nicht nur die Beobachter, sondern auch viele in der Partei selbst fragen sich jetzt, wie es jetzt weitergeht. Wird die Partei das hohe Tempo halten können? Was wird jetzt aus der AfD, wenn das gerade auch durch die Bundestagswahl motivierte enorme Engagement ihrer Mitglieder erlahmt? Und brechen jetzt die innerparteilichen Konflikte über den künftigen Kurs aus, die Kritiker seit langem heraufbeschwören?

Neuer Ansporn

In solchen Situationen ist der plötzliche Stillstand nach einem kraftzehrenden Wahlmarathon tödlich. Das weiß der politisch nicht unerfahrene Lucke nur zu genau, auch wenn er in seiner früheren politischen Heimat keine größeren politischen Ämter und Aufgaben übernommen hat. Jetzt müssen Ziele her, die den Ansporn der Mitglieder nicht erlahmen lassen. Und darum sagt er: „Wir müssen die Partei jetzt für die die Europawahl im Mai 2014 und die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen im Sommer des kommenden Jahres aufstellen“, sagt er. Gerade in Ostdeutschland könne es mit dem Einzug in ein Länderparlament klappen.

Während die AfD in Westdeutschland bei der Bundestagswahl im Schnitt unter der Fünf-Prozent-Hürde blieb, kam sie in Ostdeutschland zum Teil deutlich darüber. „Die Parteibindungen sind im Osten nicht so stark wie im Westen“, erläutert der in Potsdam lebende stellvertretende AfD-Sprecher Alexander Gauland. „Hier sind die Menschen eher bereit, andern Parteien ihre Stimme zu geben.“ Und Konrad Adam, AfD-Sprecher wie Lucke, drückt es so aus: „Im Westen gilt noch die alte CDU-Devise: Keine Experimente!“

Bundesparteitag im Dezember

Die Losung der AfD nach der Wahl lautet: Nach vorne blicken. Schließlich soll es weitergehen, noch dazu professioneller als bisher. Inzwischen seien die entsprechenden Strukturen geschaffen, sagt Lucke und fügt hinzu: „Wenn wir den Schwung der Basis bei der Bundestagswahl erhalten und mit professioneller Organisation unterstützen, dann werden wir bei den kommenden Wahlen deutlich besser abschneiden.“

Im Dezember oder Januar soll ein Bundesparteitag über Inhalte und das Personal für die Europawahl im kommenden Jahr entscheiden. Vieles sei in den Landesverbänden bereits vorbereitet worden, Bundesfachausschüsse für die thematische Arbeit eingerichtet.

Partei der Vernunft

Bleibt die Frage, wo sich die AfD im politischen Spektrum positioniert. Von einem rechtskonservativen Selbstverständnis will Lucke nichts wissen. „Wir sind keine konservative Partei und wollen es auch nicht sein“, sagt er und wiederholt, was er bereits auf dem Gründungsparteitag im Mai in Berlin gesagt hat: „Wir sind die Partei des gesunden Menschenverstandes.“ Auch die Mitglieder seien nicht in das übliche Rechts-Links-Schema einordnen. Schließlich hätten gut 70 Prozent zuvor keiner anderen Partei angehört.

Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel