Italien debattiert über Polygamie
Italien debattiert über Polygamie

Italien debattiert über Polygamie

Muslimas / By PaoloNapolitano (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons;https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AWomenwearingniqab.JPG Muslimas / By PaoloNapolitano (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons;https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AWomenwearingniqab.JPG
Weil er die Homo-Ehe ertragen muss, fordert Italiens Vorzeige-Muslim Hamza Piccardo ein Recht auf Polygamie. Ob er dieses Privileg auch für Frauen akzeptieren würde?

Medienberichten[1] zufolge verlangt der Gründer der Union der islamischen Gemeinden und Organisationen in Italien (UCOII)[2], Hamza Piccardo[3], nach Einführung der Homo-Partnerschaft in Italien die Legalisierung der Vielehe[4] und löst damit empörte Reaktionen aus.

Piccardo ist in Italien ein bekannter Mann, der bereits von Papst Franziskus empfangen wurde. Nun vertritt er die Ansicht:

„Wenn es hier um Zivilrechte geht, dann ist Polygamie ein Zivilrecht. Muslime sind mit homosexuellen Lebenspartnerschaften nicht einverstanden, und trotzdem müssen sie ein System akzeptieren, das sie erlaubt.“

Er sieht keinen Grund, warum Italien Mehrfachehen von Personen, die damit einverstanden seien, nicht akzeptieren solle.

Auch der Papst ist gegen die Homo-Ehe

Piccardo vergisst allerdings zu erwähnen, dass nicht nur Muslime die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnen, auch Papst Franziskus hatte in seinem Abschlussdokument zur Familiensynode[5] die kirchliche Ablehnung bekräftigt, ohne dass es zu einem empörten innerkirchlichen Aufschrei kam.

Wir erinnern uns: Die Protagonisten solcher Lebenspartnerschaften hatten ihre Argumentation u.a. auf Humanismus und Toleranz gestützt, während sich die Gegner mutmaßlich in ihrem Selbstverständnis und lange gültigen Normvorstellungen bedroht fühlten, welche nur ungern hinterfragt werden.

Während der teilweise hoch emotional geführten Debatten wurde nur allzu selten beleuchtet, dass die Ehe, so wie wir sie kennen, durchaus als ein soziales Konstrukt, also als eine eingeführte und gesellschaftlich anerkannte Institution wahrgenommen werden kann und mit all ihren Licht- und manchmal auch Schattenseiten bestimmten Verhaltensmustern folgt.

Rat an die Empörten

Wenn also die Islamunion eine Legalisierung der Mehrehe (laut Koran unter bestimmten Auflagen mit maximal 4 Ehefrauen denkbar) fordert, so erscheint die Empörung darüber allenfalls dahingehend nachvollziehbar, weil der muslimische Ansatz das alleinige Privileg des Mannes verfolgt.

Den Empörten ist also anzuraten, im Sinne der Gleichstellung dasselbe Recht auch für muslimische Frauen zu fordern, womit die losgetretene Diskussion beendet wäre.

 

Anmerkungen

[1] http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/5064859/Italien_Islamunion-fordert-Polygamie

[2] http://www.ucoii.org/en/

[3] https://it.wikipedia.org/wiki/Hamza_Piccardo

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Polygamie#Polygamie_im_Islam

[5] http://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia.html#Unsere_t%C3%A4gliche_Liebe

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