Flucht ins deutsche Schlaraffenland
Flucht ins deutsche Schlaraffenland

Flucht ins deutsche Schlaraffenland

Was lernen Menschen, die unter falschen Vorwänden einreisen und dafür mit Straßenfesten und Taschengeld belohnt werden? Sie lernen: Deutschland ist Schlaraffenland, schreibt Konrad Adam*.

Die Berichte, mit denen man uns über die Zustände in und vor den Flüchtlingsunterkünften, die zur Zeit landauf, landab in größter Eile errichtet werden, in Kenntnis setzt, folgen seit Wochen und Monaten demselben Muster. Zunächst ist von Drohungen oder tätlichen Angriffen die Rede, die gern der rechten Szene zugewiesen werden. Dann folgt ein Hinweis auf die empörte Reaktion der zuständigen Behörden und allerlei Schutz- und Trutzmaßnahmen der örtlichen Polizei. Schließlich wird an die mehr oder weniger spontanen Hilfsmaßnahmen erinnert, mit denen die Bevölkerung den Ankömmlingen Lebensmittel, ausgemusterte Kleidung und abgetragene Schuhe zukommen lässt.

Ich halte mich an diese Reihenfolge, indem ich mich zunächst zu dem bekenne, was sich unter zivilisierten Zeitgenossen eigentlich von selbst verstehen sollte, früher wohl auch von selbst verstanden hat: zur Abscheu vor der Gewalt, sei sie nun ausgeübt oder bloß angedroht, weil ja schon die Drohgebärde Angst einflößt. Sodann bin ich der Polizei zu Dank verpflichtet, die allen Widrigkeiten zum Trotz dafür sorgt, dass das Gesetz beachtet und Gewalt, wenn sie denn sein muss, vom Staat und nur von ihm ausgeübt wird. Schließlich bekunde ich meinen Respekt vor allen denen, die Hilfsbereitschaft nicht bloß predigen, sondern auch beweisen.

Aushalten, unterbringen und dulden?

Nachdem ich diese drei Gesslerhüte gegrüßt habe, nun ein paar Fragen an diejenigen, die sie aufgesteckt haben. Es war ja keine windige Statistik, sondern der Bundesinnenminister in Person, der uns daran erinnert hat, dass die Mehrzahl der Asylsuchenden aus Ländern stammt, in denen es politisch motivierte Verfolgung, die ja Bedingung ist für die Anerkennung als Asylant, gar nicht gibt. Tatsächlich haben nach wie vor allenfalls drei Prozent der Flüchtlinge, die zu uns kommen, verfassungskonformen Anspruch auf Asyl. Soll man auch all die anderen willkommen heißen, aushalten, unterbringen und dulden? Wenn ja, warum? Und mit was für Folgen nicht etwa für uns, sondern für sie selbst?

Hat man schon einmal darüber nachgedacht, was Menschen lernen, die unter falschen Vorwänden einreisen, für ihr gesetz- und anstandswidriges Verhalten aber keineswegs zur Rechenschaft gezogen geschweige denn bestraft werden, vielmehr sicher sein dürfen, für ihre Eigenmacht mit Straßenfesten, Willkommenszeremonien und einem Taschengeld in Höhe von 143 Euro monatlich belohnt zu werden? Die Lehre liegt doch auf der Hand und hat sich längst schon rumgesprochen. Sie heißt: Es gibt ein Land, in dem die Weisheit des Apostels, die da lautet: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“, nicht mehr gilt. Und dies Schlaraffenland ist Deutschland.

Dies kollektive Liebesfest

Um das gegenwärtig praktizierte Willkürregiment in Flüchtlings- Einwanderungs- und Asyldingen anzugreifen, muss man durchaus nicht danach fragen, ob es die finanzielle Leistungskraft des Landes oder sein kulturelles Adaptionsvermögen überfordern könnte, wenn Hundertausende aus aller Herren Länder mit offenen Armen aufgenommen und für dies kollektive Liebesfest fünf bis sechs Milliarden Euro ausgegeben werden. Es genügt, danach zu fragen, was aus Menschen, zumal aus jungen Menschen wird, denen man frühzeitig beibringt, dass Arbeit nicht lohnt, weil es Unterkunft, Tee und warme Decken auch für denjenigen gibt, der auf Anstand, Regeln und Gesetze pfeift. Schlaraffenländer machen nicht nur faul und dumm, sie machen auch gesetzlos.

Konrad Adam / Quelle: Privat

Konrad Adam / Quelle: Privat

Der junge Mann, den es neulich nach Bremen verschlagen hatte, der dort nun „amtlich erfasst“ wurde und vor den zuständigen Behörden Auskunft geben sollte über Namen, Herkunft, Reiseroute und so weiter, hatte die Lehre gut begriffen und reagierte vorschriftsmäßig. Er erzählte von schrecklichen Erlebnissen und grässlicher Verfolgung, wusste aber nicht zu sagen, wo. Er berichtete von einer langen und lebensgefährlichen Reise, konnte oder wollte über Mittel und Wege aber nichts verraten; ob er mit der Bahn, dem Schiff oder dem Bus gekommen war, war ihm entfallen; wie viel er wem für den Transport bezahlt hatte, natürlich auch. Nur etwas wollte er zum Schluss dann doch noch wissen: Wann er eine eigene Wohnung bekäme.

*Konrad Adam war bis zum Parteitag in Essen Ko-Vorsitzender der AfD. Er ist einer ihre Gründer und weiterhin Mitglied.

Über Konrad Adam

Konrad Adam ist Journalist, Publizist und Politiker (AfD). Er war von 1979 bis 2007 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Chefkorrespondent und Kolumnist der Welt in Berlin. Zwischen April 2013 und Juli 2015 war er einer von drei Bundessprechern (Bundesvorsitzenden) der Alternative für Deutschland, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel