So führt Geldpolitik zur Verarmung
So führt Geldpolitik zur Verarmung

So führt Geldpolitik zur Verarmung

Nun warnt auch die BIZ  vor der Geldpolitik der Notenbanken. Die Gelddruckmaschine setzt nur Umverteilungsprozesse in Gang, in deren Folge die Bevölkerung verarmt.

In meinem letzten Beitrag habe ich Sie bereits auf den aktuellen Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hingewiesen. Ich halte dieses umfangreiche Werk für so wichtig, dass ich noch einmal darauf zu sprechen kommen möchte.

Die BIZ wird gerne als die Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet. Wie so oft in der Welt des Zentralbankwesens, dient auch diese Bezeichnung der Verschleierung der Wahrheit. Denn die BIZ ist vor allem eines: Die wichtigste Lobby-Organisation des Zentralbankwesens.

In ihrem höchst interessanten 84. Jahresbericht lesen die BIZ-Analysten ihren Zentralbankkollegen gehörig die Leviten. Außerdem dringen die Analysten bei der Aufarbeitung der Großen Rezession der Jahre 2007 bis 2009 endlich zu denselben ursächlichen Zusammenhängen vor, die wir bereits vor der Krise klar erkannt hatten, und die uns seinerzeit die Prognose ebendieser Krise überhaupt erst ermöglichten.

Ultralaxe Geldpolitik

Wichtiger noch als dieser klärende Blick nach hinten ist allerdings die Beurteilung der aktuellen Lage. Und tatsächlich unterscheidet sich die Lagebeurteilung der BIZ kaum noch von unserer Einschätzung. Auch bei der BIZ erkennt man inzwischen die Brisanz der Situation, zu der die Geldpolitik der vergangenen Jahre geführt hat. Deshalb drängen die BIZ-Analysten geradezu auf die auch von uns immer wieder geforderte Rückbesinnung auf die Grundregeln geldpolitischer Vernunft.

In ihrer Wortwahl sind sie natürlich etwas zurückhaltender als wir und sprechen deshalb von der Notwendigkeit, möglichst schnell für eine „Normalisierung der Geldpolitik“ zu sorgen. Dabei warnen sie sehr deutlich vor den bedrohlichen Nebenwirkungen der ultralaxen Geldpolitik der vergangenen Jahre.

Werden die Warnungen und Forderungen der BIZ Gehör finden bei den Draghis und Yellens dieser Welt? Kurzfristig deutet wenig darauf hin. Und mittel- bis langfristig sollten Sie darauf ohnehin nicht setzen. Zwei sehr gewichtige Gründe sprechen jedenfalls dagegen.

Symbiose aus Notenbanken und Politik

Erstens die Symbiose aus Zentralbankwesen und Regierungen. Die nur noch als gigantisch zu bezeichnende Ausweitung der nahezu weltweiten Staatsverschuldung war und ist nur möglich mit Hilfe des Zentralbankwesens. Die in Massendemokratien wohl unausweichlich ausschließlich kurzfristig ausgerichteten Politiker wollen ihre Wähler auch weiterhin mit Geschenken beglücken, die sie eigentlich nicht bezahlen können. Also werden die Schulden wie schon in den vergangenen Jahren und trotz anders lautender Sonntagsreden weiter wachsen. Um das möglich zu machen, braucht man die Draghis dieser Welt als Garanten einer ultralaxen Geldpolitik und Aufkäufer beziehungsweise Garanten maroder Staatsanleihen.

Zweitens das Ausmaß der drohenden Bereinigungskrise. Die verantwortungslose Geld- und Staatsschuldenpolitik der vergangenen Jahre hat zu einer Wirtschaftsstruktur geführt, die von gewaltigen Fehlinvestitionen und Ungleichgewichten geprägt ist. Eine Rückkehr zu einer seriösen Geld- und Staatsschuldenpolitik würde eine entsprechend große Bereinigungs- und Anpassungskrise auslösen. Verständlicherweise möchte kein Politiker und auch kein Zentralbankbürokrat als Auslöser oder gar Verantwortlicher dieser unausweichlichen und gewaltigen Krise in die Geschichte eingehen. Also kann das Motto nur lauten: Weiter so wie bisher, und nach uns die Sintflut.

„Unvorhersehbare Naturgewalt“

Natürlich wissen auch die Zentralbankbürokraten, dass ihr „Weiter so!“ keine Lösung ist und keine Zukunft hat. Sie wissen auch, dass sich mit der Gelddruckmaschine kein Wohlstand schaffen lässt – obwohl: Zumindest bei Ben Bernanke bin ich mir nicht sicher, ob er das wirklich weiß. Wie auch immer. Tatsache ist, dass die Gelddruckmaschine nur Umverteilungsprozesse in Gang setzt, aber keinen Wohlstand schafft. Im Gegenteil, sie führt zu einer Aushöhlung der Wirtschaftskraft, zu einer immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich sowie zu einer zunächst schleichenden, später aber sehr rapiden Verarmung der Bevölkerung.

Früher oder später wird die riesige Blase platzen, die dank der oben beschriebenen Symbiose entstanden ist. Die Hoffnung der Politik scheint darin zu bestehen, diesen Zeitpunkt möglichst lange hinauszuzögern und das dennoch unvermeidliche Platzen der Blase dann als unvorhersehbare Naturgewalt darzustellen.

Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier". Gemeinsam schreiben sie nun den Börsenbrief „Krisensicher Investieren“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel