Mitglied blamiert AfD mit NPD-Post
Mitglied blamiert AfD mit NPD-Post

Mitglied blamiert AfD mit NPD-Post

Ein AfD-Mitglied kopierte einen alten Facebook-Post der NPD, der die Zuwanderung mit der Situation der Indianer vergleicht. Die AfD distanziert sich in aller Form davon.

Ein AfD-Mitglied kopierte einen alten NPD-Facebookpost zur Zuwanderung und veröffentlichte ihn im Namen der AfD auf Twitter. Darüber brach ein Shitstorm gegen die AfD los. Doch die Partei bemerkte von alldem offenbar nichts. Sie war auch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Erst nachdem sie in den Medien darüber gelesen hatte, reagierte die Partei jetzt.

„Am 18.06. twitterte ein Mitglied der AfD Rhein-Sieg das Foto eines amerikanischen Ureinwohners in Kombination mit den Sätzen: ,Die Indianer konnten die Einwanderung nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten. Der Kreisvorstand der AfD Rhein-Sieg hat erst durch die mit Recht kritische Medienresonanz von dieser Aktion erfahren und distanziert sich ausdrücklich von dieser Form der Einwanderungsdiskussion“, schreibt die stellvertretende Sprecherin des Kreisvorstandes, Renate Zillessen. „Es handelt sich um die Privatmeinung eines Parteimitgliedes, die weder mit dem Vorstand noch mit anderen Parteigremien oder Parteimitgliedern abgestimmt war.“

„Wir sind nicht das Weltsozialamt“

Und der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende und Europa-Abgeordnete Marcus Pretzell sagte: „Bei dem Twitter-Account AfD Rhein-Sieg-Kreis @AfD_RheinSieg handelt es sich keineswegs um einen Account der AfD oder eines ihrer Kreisverbände.“ Der Account werde von einer Privatperson betrieben. „Die AfD hat erst jetzt davon Kenntnis erlangt und wird darauf hinwirken, dass die betreffende Person diesen Account nicht mehr benutzt, da hier ein falscher Eindruck über die Identität des Absenders erweckt wird“, sagte Pretzell.

Im Europawahlkampf hatte sich die AfD heftig gegen Vergleiche mit der NPD gewehrt. Einige Internetseiten hatten sich nämlich einen Spaß daraus gemacht, ihre User raten zu lassen, von wem nun welcher Spruch sei, von der AfD oder der NPD.

Zur Auswahl standen etwa „Wir sind nicht das Weltsozialamt“ oder „Klassische Bildung statt Multikulti-Umerziehung“. Beide stammen übrigens von der AfD.

„Die AfD blamiert sich“

Ausgerechnet nach dem Erfolg bei der Europawahl taucht nun also auf Twitter der von der NPD stammende Indianer-Vergleich auf einem vermeintlichen AfD-Account auf und rief heftige Reaktionen auf Twitter hervor. „Ich kann in den Geschichtsbüchern keinen Eintrag finden, dass die Indianer damals genauso blöd waren wie die AfD“, schrieb etwa „von Kronenberg“. Oder Martina Yaman: „Für alle, denen nicht ganz klar ist, wo man die #AFD zu verorten hat. Wenn schon das Wort ,Überfremdung‘ fällt …“ „Die AfD blamiert sich“ ist der Tenor der meisten Tweets.

Ein Roland Hartl klärte auf: „Das Bild stammt ursprünglich von der #NPD – Die #AfD verbreitet es nur weiter.“ Und : „Die @AfD_Bund hat sich mal wieder bei ihren ,Brüdern im Geiste‘, der @npdde, bedient.“ Auf einem Internet-Blog war schließlich gar vom „dümmsten Tweet Deutschlands“ die Rede.

Geschrieben für Die Welt

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel