Zweitverdiener machen andere reich
Zweitverdiener machen andere reich

Zweitverdiener machen andere reich

 Die Abgabenlast liegt beim Erstverdiener bei etwa 30 Prozent, beim Zweitverdiener zwischen 60 bis 80 Prozent. Es gibt bessere Wege, den Lebensstandard zu steigern.

In Italien ist es mir immer wieder aufgefallen: Die Bambini sind ständig am Arbeitsort präsent. Ein Freund betreibt ein Strandlokal mit Sonnenschirmverleih. Die ganze Familie ist ständig bei seinem Kiosk. Wenn etwas zu kochen ist, geht die Oma in die Küche. Derweilen kümmert sich die Mutter um die beiden zwei und sechs Jahre alten Kinder und putzt nebenbei die Fenster. Der Opa schenkt die Getränke aus und schwatzt mit den Gästen. Der Vater pflegt derweilen den Strand.

Wenige Meter weiter ist ein Kiosk für Badesachen und aufblasbare Gummitiere. Die Kinder der Budenbesitzer spielen zwischen den Verkaufsartikeln und niemanden stört es. Überall in Geschäften, Campings, Werkstätten und Gaststätten wuseln die Kinder herum. Und die Eltern finden neben der Arbeit immer Zeit, ihren Tatendrang in Bahnen zu lenken.

Von anderen Völkern lernen

Nun sind die italienischen Betriebe natürlich kleiner als die deutschen. Es sind fast alles Einmann- oder Familienbetriebe. Das wird oft als Nachteil der italienischen Wirtschaft betrachtet, aber was Familienfreundlichkeit betrifft, ist das natürlich vorbildlich. Der römische Gesetzgeber wird 1968, als er das geltende arbeitnehmerfreundliche Arbeitsrecht beschlossen hat, nicht an diesen kinderfreundlichen Effekt gedacht haben. Wenn es keinen familienfremden Chef gibt, verbietet niemand Kinder am Arbeitspatz.

Von anderen Völkern kann man lernen. Viele Produktionen und Services kann man auch in Deutschland von zu Hause aus anbieten. Man muß nicht kilometerweit zu einem Arbeitgeber fahren, man braucht kein zweites Auto in der Familie, man kann Kindergarten- und Hortgebühren sparen, man braucht kein teures Kantinenessen kaufen und kann billig selber kochen. Das ganze Zeitbudget ist viel entspannter, und die Eltern behalten stärker die Kontrolle über das Familienleben. Man kann sich mehr Kinder bekommen und mehr Leistungen vom Staat. Es gibt ja deutlich mehr Zuwendungen als nur das Kindergeld.

Unverhätnismäßiger Aufwand

Sicher ist das Bruttoeinkommen bei einem Job im Dax-Konzern deutlich höher als in einem Kleinbetrieb. Allerdings sieht das beim Netto schon anders aus. Und vom Netto gehen, wie erwähnt, noch die Werbungskosten des Jobs ab. In den meisten Fällen, die ich kenne, darf man nicht anfangen zu rechnen, was der Job des Zweitverdieners an Nettozugewinn bringt. In den meisten Fällen wenig oder nichts. Der Zweitverdiener macht nur fremde Leute reich. Und auch viele Erstverdiener, die alleine einen langen Arbeitsweg auf sich nehmen, treiben einen unverhältnismäßigen Aufwand.

Bei der obwaltenden Steuer-, Abgaben- und Gebührenlast von etwa 30 Prozent für den Erstverdiener und 60 bis 80 Prozent für den Zweitverdiener lohnt sich abhängiges und regelmäßiges Arbeiten nicht mehr, zumindest nicht für den Zweitverdiener. Die Abgabenlast steigt jedes Jahr meßbar weiter an, zum Beispiel durch den Strompreis. Bei sehr hohen Abzügen vom Verdienten lohnt sich das Sparen von bezahlten Waren und Leistungen immer mehr, denn mit den Abzügen wächst die Anzahl der Stunden, die man arbeiten muß, um eine fremde Arbeitsstunde zu kaufen.

Wie der Lebensstandard stärker steigt

Die Selbsterzeugung von Lebensmitteln und Brennholz, die Eigenleistung bei Reparaturen und Baumaßnahmen, das gegenseitige Haareschneiden in der Familie, der Kauf von gebrauchten Fahrzeugen, das Anschaffen von gebrauchten Kleidungsstücken für Kinder, das Kochen und andere traditionelle Aktivitäten steigern den Lebensstandard mehr, als der Blick auf den Lohnzettel des Zweitverdieners und eine umfangreiche Dienstleistungskulisse zum Ausgleich von Zeitmangel. Wenn man sich den ganzen Tag mit Kindern und in Haus, Garten, Wald und Feld tummelt, kann man sich auch das Fitnesstudio sparen. Dann ist man nämlich fit.

Ich möchte diesen Eintrag natürlich nicht als Plädoyer gegen Frauenarbeit oder gegen die Arbeit des zweiten Verdieners schlechthin verstanden wissen. In vielen Fällen ist die Frau heute ohnehin im öffentlichen Dienst beschäftigt und verdient mehr als der Mann. Wenn der Zweitverdiener ab 5.000 Brutto verdient und weniger als drei Kinder im Haushalt sind, lohnt sich der Aufwand für den Zweitjob schon. Zum Beispiel bei Marissa Mayer oder Ursula von der Leyen oder Professor Sauer. Aber: Ein gutes Einkommen für den Zweitverdiener ist leider selten…

 

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel