Die Zukunft sind arme Rentner und eine Jugend ohne Chancen

Wir steuern in die gesellschaftliche Katastrophe: Die älteren Menschen müssen länger arbeiten, weil sie nicht genügend Ersparnisse haben, während die Jüngeren immer weniger Chancen haben, Arbeit zu finden. Alles begann in den goldenen 1950er Jahren...

 

Hier kommt eine Grafik, die ich sehr interessant finde. Nicht nur, weil ich 52 Jahre alt bin und daher von der illustrierten Entwicklung in starkem Maße betroffen. Wir sehen am Beispiel der USA im Langfrist-Vergleich, dass der Anteil der Erwerbstätigen prozentual nur noch bei den reiferen Jahrgängen ansteigt, während er bei den jüngeren Menschen sinkt.

Volkswirtschaftlich ist das ein klares Alarmsignal.

Es steht für gesellschaftliche Verzweiflung: Die älteren Menschen müssen länger arbeiten, weil sie nicht genügend Ersparnisse haben, während die Jüngeren immer weniger Chancen haben, Arbeit zu finden.

Die Baby Boomer – darunter ich – die uns die gigantischen Schuldenberge eingebrockt haben, müssen nun länger schuften, um über die Runden zu kommen. Das sehe ich auch an meiner Mutter, die 72 ist und nicht weiß, wann sie aufhören wird.

Meine frühe Rente mit Strandhütte und Blog-Eintragungen im Bummel-Exil auf Hawaii habe ich mir längst abgeschminkt. – Jetzt herrscht das umgekehrte Motto: Rödeln statt rasten. Malochen statt Mai Tai. “Hang On”, statt Hängematte. Bevor ich 70 bin, werde ich leider nicht aufhören können, hier jeden Morgen auf Gierhälse und die Finanzmafia einzudreschen und Euch auf die Nerven zu gehen.

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Laut diesem Schaubild hat die Beteiligung der 25 bis 64jährigen Männer am Arbeitsleben bereits Mitte der 50er Jahre ihren Höhepunkt erlebt. Dann ging sie für Frauen stark in die Höhe.

Der zweite Verdiener in der Familie kam hinzu, weil die Löhne irgendwann langsamer stiegen als die Ansprüche, und weil unsere Rechnungen schneller teurer wurden als das verfügbare Einzeleinkommen.

Im März 1998 wurde dann für Frauen und Männer zusammen in dieser Altersgruppe der Höhepunkt der Beteiligung am Erwerbsleben erreicht. Seitdem geht es bergab.

Jetzt nimmt die Beteiligung am Arbeitsleben prozentual nur noch unter denjenigen zu, die bis vor 15 Jahren noch von einer Rente mit 50 geträumt haben.

Aus und vorbei, liebe Leute. Wir haben es übertrieben. Jetzt wird dafür gesühnt. Die Finanzmafia freut sich über so viele Verzweifelte. Das ärgert mich am meisten. Denn mein Job macht mir Spaß.

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Über Markus Gaertner

Markus Gaertner war über viele Jahre freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver. Heute arbeitet er für den Kopp-Verlag. Weitere Artikel