Die Bank von England gibt Occupy recht
Die Bank von England gibt Occupy recht

Die Bank von England gibt Occupy recht

Ein Direktor der Bank von England rühmt die Leistungen der Occupy-Bewegung. "Sie hatten die richtigen Argumente. Sie haben die Debatte gewonnen", sagt Andrew Haldane. "Sie haben recht."

Bank of England / Quelle: Wikipedia Bank of England / Quelle: Wikipedia

Solche Nachrichten gibt es nur aus Großbritannien. Ein Direktor der Bank von England stellt sich hin und rühmt die Leistungen der Occupy-Bewegung. Und das nach einem Jahr harter Konfrontation zwischen Bankern und Demonstranten, das vielerorts mit der Räumung der Camps endete.

„Occupy hat die Probleme des globalen Finanzsystem überaus erfolgreich bekannt gemacht“, sagte der in der Bank von England für Finanzstabilität zuständige Andrew Haldane. Dies seien ihnen nur aus einem Grund gelungen: „Sie hatten recht.“

Die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet, Haldane habe eine Rede mit Titel „Gesellschaftlich nützliches Banking“ gehalten.[1] Darin seien die besagten Worte gefallen. Demnach gab er sich überzeugt, dass Occupy die Führungskräfte von Banken und Entscheidungsträger vom Reformbedarf im Finanzsystem überzeugt habe. „Occupys Stimme war zugleich laut und überzeugend. Darum haben Entscheidungsträger zugehört und handeln jetzt“, sagte der Bank-Direktor.

Die Kritik am Verhalten der Banker, an ihren hohen Gehältern und Bonuszahlungen sei absolut gerechtfertigt. Richtig sei auch, dass die Finanzkrise dazu beigetragen habe, die soziale Ungleichheit weltweit noch zu vergrößern.

„Wenn ich richtig liege und tatsächlich ein neues Kapitel der Finanzindustrie aufgeschlagen wird, dann war Occupy der Schlüssel dazu“, sagte Haldane. „Sie habe die Argumente vorgebracht, mit denen die Debatte gewonnen wurde.“

Sind das die Worte eines Überzeugten, oder umarmt da jemand Feinde, die er nicht besiegen kann? Unsere Antwort darauf stammt aus Goethes Faust: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

 

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel