Söders Hund, Wagenknechts Premiere und abgesoffene Grüne

Markus Soeder CSU / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/söder-csu-bayern-politiker-partei-3742223/ Markus Soeder CSU / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open librarty: preiselbauer; https://pixabay.com/de/photos/söder-csu-bayern-politiker-partei-3742223/

Es gibt nur ein Bierzelt, das am Aschermittwoch zählt – das der CSU. Für Wagenknecht und alle anderen Parteien reicht Mineralwasser.

Zu Franz Josef Strauß‘ Zeiten bebte die Passauer Nibelungenhalle bierselig bei den bitterbösen Hinterfotzigkeiten und intelligenten Seitenhieben gegen den politischen Gegner. Für Strauß gab es mit seinen legendären Reden beim Politischen Aschermittwoch keine Konkurrenten. Es gab für ihn nur mehr oder weniger unfähige Politiker, die er gnadenlos verbal geißelte. Dabei streute der Bayer antike Weisheiten ein, die er geschickt mit Zustandsbeschreibungen und Ausblicken in die fernere Zukunft verwob. Niemals zuvor und nicht danach konnten ihm seine Parteifreunde das Wasser reichen.

Saludos Amigos

Für Edmund Stoiber war das politische Hochamt nach Fasching eher eine Qual. Aufmerksame Beobachter sahen dem CSU-Chef an, wie anstrengend für ihn dieses besondere politische Kabarett war. Anders als Strauß beherrschte dieser Bayern-Chef weder den feinsinnigen noch den derben Wortwitz. Stoiber, von seinen Gegner als personifizierte Büroklammer verunglimpft, spulte seine Passauer Reden im Stile eines vortragenden Legationsrates Zweiter Klasse beim Auswärtigen Amt ab.

Sehr ähnlich wirkte Stoiber bei den satirischen Darbietungen beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg: Zum Lachen musste er in den Keller. Bei den zu Recht vergessenen kurzlebigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und Max Streibl kamen die Pointen als Rohrkrepierer aus der Aschermittwochskanone. Von Streibl ist zumindest noch ein „Saludos Amigos“ aus dem Bierzelt in Erinnerung, das die diversen Bestechungsvorwürfe gegenüber CSU-Granden auf die Schippe nehmen sollte. Sein launiger Gruß an die biergeschwängerte Gästeschar hat über die blau-weißen Grenzen hinaus den Freistaat jahrelang als mafiösen Filz verschandelt.

Als Horst Seehofer in Passau schwadronierte, gab er sich zwar redlich Mühe und wirkte nicht so verkniffen wie Stoiber, jedoch brachte auch er das Publikum nicht in Wallung. Und was ist mit Markus Söder, ein protestantischer Franke, der laut Seehofer um keine Schmutzelei verlegen ist?

Grüne Gegner und rechte Feinde

Der Nürnberger sieht sich als geistigen Ziehsohn von Strauß, von dem er ein Poster in seinem Jugendzimmer hängen hatte. Boshaft gesehen hat sich der junge Söder von dem barocken Kraftmensch Strauß für seine späteren Intrigen inspirieren lassen. In freundlichem Licht betrachtet, hat sich Söder das beste in Bayern verfügbare politische Vorbild ausgesucht. Er versteht auch, anders als seine Vorgänger, dass ein Politiker zur Marke reifen muss: klar im Profil, deutlich in den Aussagen und mit einem Schuss Egozentrik. Über letzteres verfügt Söder mehr als ausreichend, was sich in Projekten wie dem Raumfahrtprogramm Bavaria One spiegelt oder für ganz Bayern im Slogan Laptop und Lederhose verdichtet.

Söders Idol Strauß hat in seinen Passauer Reden zum einen das jeweilige politische Programm der CSU skizziert und darüber hinaus fast schon prophetisch Gefahren für Deutschland benannt. Unvergessen sind seine Worte über die Grünen, die er im Bündnis mit den Roten auf einem bunt geschmückten Narrenschiff das Land in den Untergang steuern sah.

Rund vierzig Jahre später greift Söder diese inzwischen für viele reale Bedrohung auf und hat die Grünen in Passau zum Hauptgegner ausgerufen: „Überall, wo die Grünen in die Regierung kommen, geht es mit der Schule bergab. Wo Grün regiert, ist der Abstieg programmiert. Wir wollen keine Grünen in der nächsten Bundesregierung. Die Grünen sind nicht regierungsfähig, weder in Bayern noch Berlin. Deswegen wollen wir kein Schwarz-Grün.“ Söders Hund Molly musste dann noch als Gegenentwurf zum grünen Gegner herhalten.

Söder sendet klare, markige Worte, die zu allererst an die eigene Basis und an die Schwesterpartei CDU gerichtet sind. Friedrich Merz ließ kürzlich aufhorchen, als er über schwarz-grüne Koalitionen im Bund sinnierte. Anders als Söder muss sich der CDU-Chef mit Ministerpräsidenten wie Hendrik Wüst und Daniel Günther plagen, die mit den Grünen koalieren und das am besten auch auf Bundesebene ab 2025. Sowohl Söder wie Merz wissen, dass sie bei Sondierungen hoch pokern müssen, um die besten Bedingungen für die Union zu erzielen. Das hat das Beispiel in Hessen gezeigt, als Ministerpräsident Boris Rhein die Grünen gegen die handzahm-sondierte SPD ausgetauscht hat.

Die Södersche Rede in Passau ging in diese Richtung: „Wir als CSU wollen keine Grünen in der nächsten Bundesregierung, kein Schwarz-Grün.“ Dass er die AfD nicht wie die Grünen als zentralen politischen Gegner, sondern als Feind deklarierte, war nicht weiter überraschend, da die Alternative zum Abschuss freigegeben ist: „Franz Josef Strauß hätte gesagt: Die AfD ist die fünfte Kolonne Moskaus. Wenn jemand ausreisen sollte, dann Höcke selbst: Gute Reise nach Moskau. Die wirklich vaterlandslosen Gesellen sitzen bei der AfD. Wir werden sie mit aller Entschlossenheit bekämpfen.“ Das saß, und wie saß es bei den anderen?

Wagenknecht kann BSW

Bei den übrigen Parteien gerät der Politische Aschermittwoch eher zu einem Pflichttermin als zum lustvollen, rhetorischen Spiel. Die Auftritte von Spitzenpolitikern der Ampel wie Lars Klingbeil, Agnes Strack-Zimmermann oder Cem Özdemir wirkten mehr wie der Mineralwasseranstich zu Bad Fachingen oder wurden, wie im Fall der Grünen dieses Jahr, wegen protestierender Bauern vor dem Treffpunkt abgesagt. Im Festzelt der CSU saß Bauernpräsident Joachim Ruckwied, was das herzliche Einvernehmen zwischen Bauernverband und CSU hervorhob.

SPD-Chef Klingbeil arbeitete sich in Vilshofen noch mehr als Söder an der AfD ab, die für die Sozialdemokraten im Osten des Landes allmählich das Totenglöckchen läutet. Dass Klingbeil höchst nervös ist und die AfD als den Gottseibeiuns verdammt, ist nicht verwunderlich. Die Angriffe hatten es in sich: „Wer meint, AfD wählen zu müssen aus Protest gegen die Regierung, der irrt. Rechtsextreme zu wählen, ist niemals eine Lösung eines demokratischen Problems. Kommt zu unseren Veranstaltungen, meckert mit uns, seid frustriert, geht mit uns in den Dialog, aber wählt keine Nazis!“

Klingbeil brachte es auf den Punkt: Wähler, ihr dürft frustriert sein! Aber dass der Wähler zur SPD kommen soll, damit diese die Probleme löst, ist unfreiwillig komisch. Klingbeil pfiff mit seiner Darbietung aus dem letzten Loch, während eine andere sich umjubeln ließ.

Allzu viel Komik fand sich nicht beim ersten Auftritt Sahra Wagenknechts beim  Politischen Aschermittwoch ihres BSW. Dessen Stelldichein fand ebenfalls in Passau statt, was gegenüber dem Platzhirsch CSU mutig war, aber auch ihre Absicht, mit der Union absehbar koalieren zu wollen unterstreicht. Die von ihren Anhängern fast schon als Erlöserin gefeierte Wagenknecht trat mit ihren bekannten Wahlkampfschlagern auf wie: „Wir haben auch die gefährlichste Regierung in Europa, und auch das ist etwas, was so nicht weitergehen darf.“ Oder: „Der BSW kann auch Aschermittwoch.“

Allerdings kann es ihr Vertrauter Klaus Ernst als echter Bayer noch besser. Beide erkoren die Grünen als beliebtesten politischen Gegner und warfen ihnen hauptsächlich Kriegstreiberei vor. Als Fazit des Politischen Aschermittwochs 2024 bleibt: Die CSU ist das Original, die Ampel ist am Ende, Wagenknecht will regieren, und die AfD hat keine Machtoption. Auf Wiedersehen in 2025.

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Thomas
Thomas
2 Monate her

Der Zustrom zu anderen als den Altparteien beginnt mit dem Abwenden von diesen. Das zu stoppen setzt ein Auseinandersetzen in den Altparteien über die Ursachen voraus. Man ist aber von sich selbst und der eigenen Fehlerfreiheit derart überzeugt, daß solche Gedanken ein Tabu sind. Als 1989 in der DDR auch diese Siuation vorherrschte, half nur noch eine Wende:.

Nathan
Nathan
Reply to  Thomas
2 Monate her

In der DDR herrschte das dortige „System“, das abge“wendet“ wurde.
Und bei uns? Dem ehemaligen DDR-Gebiet wurde das hiesige „System“ übergestülpt, was erstmal nur als frei empfunden wurde. Mittlerweile wird aber dies immer mehr als anti-freiheitlich empfunden, besonders in den dazu noch empfindungsoffenen und somit kritischen neuen Bundesländern. Denn die erkennen, daß sie nicht in ihrer Lebensgeschichte anerkannt werden, dafür aber mit Anpassungszwang Opfer eines neuen anti-freiheitlichen Systems werden, wo ihnen ein neuer eiserner Vorhang vor die Nase gesetzt wird. Politische Freiheit bedeutet Bündnisfreiheit, Frieden bedeutet Abwendung vom kompromißlosen Freund-Feind-Denken, das bis tief in die Psyche gehend Haß-dominiert ist.

fufu
fufu
Reply to  Nathan
1 Monat her

Sie haben das wesentliche vergessen… der Kabale die Macht der Geldemission zu entziehen, die Freiheit der Wahl des Geldsystems fuer das Individuum.

fufu
fufu
Reply to  Thomas
1 Monat her

„…und der eigenen Fehlerfreiheit derart überzeugt…“

Ach wo, die wissen genau wo der Hammer haengt.

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