Willem-Alexander und Maxima in der Karibik – Zwischen Sklaverei und Umweltschutz

BOULEVARD ROYAL

Koenig Willem-Alexander besucht die niederlaendischen Antillen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Patrice_Audet; https://pixabay.com/de/photos/curacao-villa-south-insel-552042/ Koenig Willem-Alexander besucht die niederlaendischen Antillen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Patrice_Audet; https://pixabay.com/de/photos/curacao-villa-south-insel-552042/

König Willem-Alexander und seine Gattin Maxima stellten sich in den Überseegebieten den Geistern der Vergangenheit und den Herausforderungen der Zukunft.

Rudi Carrell hatte in einer Show einen Hauptgewinn für seine Kandidaten, die ob des Reiseziels etwas stutzten: die Niederländischen Antillen. Der Showmaster löste die Situation, indem er seinen unwissenden Gästen es als holländischer Mückenschiss auf der Weltkarte erklärte. Carrell meinte natürlich die Größe der Eilande und nicht deren Bedeutung. König Willem-Alexander samt Gattin Maxima und Thronfolgerin Catharina-Amalia stellten sich auf einer „Mückenschiss-Tour“ durch die Überseegebiete den Geistern der Vergangenheit und den Herausforderungen der Zukunft.

Willem-Alexanders Beziehungspflege auf Holländisch

Das niederländische Kolonialreich war auf seinem Höhepunkt im 17. Jahrhundert bedeutender als das britische und galt als Welthandelsknotenpunkt und bescherte den Niederlanden ein goldenes Zeitalter. Davon geblieben sind einige eng mit dem Mutterland verbundene west-karibische Inseln. Aruba, Curaçao und Sint Maarten gehören als Länder zum Königreich der Niederlande, die Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius sind besondere Gemeinden der Niederlande. Verfassungsrechtler dürften jubeln bei solch feinen Unterschieden, die nach der Auflösung des Sonderstatus der Niederländischen Antillen 2010 gemacht werden mussten.

Europas Koenigshäuser / Koenig Willem-Alexander mit Koenigin Maxima / Quelle: Pixabay, lizenzfrie Bilder, open library:Ö 12019; https://pixabay.com/de/photos/k%c3%b6nig-willem-alexander-queen-maxima-109490/
Europas Koenigshäuser / Koenig Willem-Alexander mit Koenigin Maxima / Quelle: Pixabay, lizenzfrie Bilder, open library:Ö 12019; https://pixabay.com/de/photos/k%c3%b6nig-willem-alexander-queen-maxima-109490/

Willem-Alexander und der niederländischen Regierung liegt viel an den Beziehungen zu den karibischen Gebieten, die overzeese rijksdelen, also überseeische Reichsteile genannt werden. Anders als beim Commonwealth müssen sich Monarch und Regierung intensiv mit Geschichtspolitik beschäftigen, da die Territorien politisch, wirtschaftlich und kulturell eng mit den Niederlanden verbunden sind.

Regelmäßige Reisen des Königs in die Karibik gehören zu seinem Pflichtprogramm. Bei seinem letzten Besuch hatte er nicht allein seine stets gut gelaunte Maxima im Schlepptau, sondern auch Nachfolgerin Catharina-Amalia. Im Gegensatz zu ihren Eltern wirkt die Kronprinzessin so, als ob sie den ganzen royalen Zinnober am liebsten abschaffen möchte. Bei einem Interview mit dem niederländischen Fernsehen anlässlich ihres 18. Geburtstages erklärte sie, dass sie sich ein Leben ohne Monarchie gut vorstellen könne. Bei der Bedrohungslage gegen sie durch die Mocro-Mafia und die vielen Verpflichtungen als Royal ist das für eine Vertreterin der jungen Generation nicht allzu verwunderlich.

Geschichtspolitik trifft auf Gegenwart

Mit dem König als Co-Pilot, der regelmäßig fliegt, ging es diesmal nach Bonaire, wo sich die Familie die Beseitigung der schweren Schäden des Hurrikans Irma schaute, was der offizielle Anlass der Reise war. Dass die Auswirkungen des Klimawandels damit verbunden sind und wie sich die karibischen Eilande davor besser schützen können, gehört selbstverständlich zum Gesprächsmarathon. Die niederländische Königsfamilie hat sich wie die meisten anderen herrschenden Standesgenossen für die woke Agenda entschieden. Wer als Monarch überleben will, der muss eben mit der Zeit gehen.

Zum Themenfeld gehört auch die Sklaverei, die auf den Niederländischen Antillen erst 1873 abgeschafft wurde und damit deutlich später als in den Kolonien der Franzosen oder Briten. Sklaven auf den Antillen sind vor allem für die lukrative Salzgewinnung zur Arbeit gezwungen worden, was auf Curaçao Ende des 18. Jahrhunderts zu einem großen Sklavenaufstand unter ihrem Anführer Tula führte. Erst mit britischer Hilfe konnten die Holländer die Rebellion niederschlagen und die Sklaverei noch für knapp 100 Jahre aufrechterhalten. Das auf Curaçao gelegene Landhaus Knip mit seinen Sklaven, wo der Aufstand ausbrach, gehörte zum Pflichtprogramm der Royals.

Die Vorteile überwiegen

Innerhalb der Mehrheit der karibischen Niederländer wird die Kolonialzeit zwar kritisch gesehen, aber ebenfalls eine Mehrheit will den Status als Teil der Niederlande beibehalten. Die Gründe dafür sind klar: Zum einen hat die Regierung in Den Haag ernsthaft mit der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte begonnen und bezieht Sachverständige auf den Antillen mit ein.

Zum anderen bietet die enge Verbindung mit den Niederlanden viele wirtschaftliche Vorteile. Sie sind Teil der EU und erhalten via Den Haag großzügige finanzielle Unterstützung. Als niederländische Staatsbürger haben sie das Recht, innerhalb der EU zu arbeiten. Den karibischen Holländern geht es mit diesen Privilegien deutlich besser als ihren Nachbarn, wie beispielsweise auf Jamaika oder Barbados. Ob es ewig so weitergeht und ob die nächste Königin noch diese Rolle spielen möchte, bleibt abzuwarten.

Zumindest ist der „Mückenschiss auf der Weltkarte“ ein lohnendes Reiseziel, und als deutscher Tourist mit etwas Sprachtalent kann man die Einheimischen mit ihrer karibischen Variante des Niederländischen sogar etwas verstehen und die zahlreichen Tanzfestivals besuchen. Auch der König, Maxima und etwas ungelenk die Tochter tanzten auf den Straßen Bonaires in einem farbenfrohen Karnevalsumzug und genossen das ausgelassene karibische Lebensgefühl. Allein das ist schon ein überzeugender Grund für die calvinistisch geprägten Holländer im nassen Polderland ihre Sonneninseln nie ganz ziehen zu lassen.

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