Herodes Antipas und Bokassa – Jesus war ihr Schicksal

BOULEVARD ROYAL

Bokassa / Quelle: Wikipedia, unbekannter Urheber, lizenzfrei, open library: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bokassa_portrait.jpg Bokassa / Quelle: Wikipedia, unbekannter Urheber, lizenzfrei, open library: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bokassa_portrait.jpg

Eine etwas andere „Weihnachtsgeschichte“ über den afrikanischen Blutsäufer Bokassa und Herodes Antipas. Beiden ist eines gemeinsam: Jesus war ihr Schicksal

Eine tragische Groteske

Sein Ende als Kaiser Zentralafrikas war rasch und schmählich. Während seines Staatsbesuchs im September 1979 bei Libyens Oberst Gaddafi erreichte Bokassa I. die Nachricht, dass mithilfe französischer Truppen sein Cousin, Ex-Präsident David Dacko, sich zurück an die Macht in der Heimat geputscht hatte.

Lediglich drei Jahre währte die Herrlichkeit des Jean-Bédel Bokassa auf dem Thron in Bangui. In dieser kurzen Spanne verbreitete er Angst und Schrecken unter seinen Untertanen, die er bereits als Putsch-Präsident seit 1966 und dann als selbsternannter Kaiser ab 1976 tyrannisierte.

Ungeheuerlichkeiten sollen sich unter seiner Regentschaft ereignet haben: Folter und Morde sogar an Kindern sind ihm vorgeworfen worden, an denen er selbst beteiligt gewesen sein soll. Angeblich gab es unter ihm auch Kannibalismus. Despotie, Hybris und Blutssäuferei in reiner Form verdichten sich in diesem Potentaten. Sein Vorbild war Napoleon – strenggenommen sollte es ein anderes sein: Herodes.

Zwei Operetten-Monarchen außer Kontrolle

Salomé soll ihm vollkommen den Kopf verdreht haben. Seine Gattin und Mutter der Stieftochter schäumte vor Wut ob der Gerüchte um das skandalöse Verhältnis zwischen Herodes Antipas, Herrscher über Galiläa, und Salomé. Die Familienverhältnisse in der herodianischen Dynastie galten als schwierig und verworren. Inzest, Scheidung, doppelter Ehebruch, Meineid, Mord – diese Mischung war selbst für biblische Verhältnisse purer Sprengstoff und für Hollywood ein Glücksfall.

Seine Erziehung in Rom unter dem nicht minder exzentrischen Kaiser Tiberius scheint auf den jungen Herodes abgefärbt zu haben. Als Kandidat der römischen Besatzer im bunt scheckigen Palästina für eine der Teilherrschaften vorgesehen, machte der junge Tyrann seinem späteren Beinamen Antipas, „gegen alles“, alle Ehre. Mit seiner Blutspur, die er während seiner gut vierzigjährigen Herrschaft hinterließ, seinem ausschweifenden Lebensstil, den permanenten Verstößen gegen jüdisches Brauchtum und religiöse Gesetze machen ihn zum Bruder im Geiste und Handeln des Bokassa.

Für Bokassas Krönung am vierten Dezember 1977 in Bangui sollen sagenumwobene 20 Millionen US-Dollar ausgegeben worden sein. Seine französischen Freunde haben angeblich das meiste davon bezahlt, und keine geringerer als Präsident Giscard d’Éstaing war bei dem imperialen Zinnober zugegen. Eigens angefertigte Kronjuwelen aus einer Pariser Edel-Goldschmiede für die Majestät und seine vierte Gemahlin Cathérine symbolisierten die enge Allianz zwischen Frankreich und der ehemaligen Kolonie. Paris hat sich seine Einflusssphäre in Afrika schon immer etwas kosten lassen, indes mit dem Krönungstheater im In- und Ausland für Proteststürme gesorgt.

So ziemlich alles lief nach französischem Drehbuch, selbst die Wahl des Termins. Am vierten Dezember 1804 setzte sich Napoleon die Krone eigenhändig auf den Kopf in Gegenwart des düpierten Papstes Pius VII., der dem grandiosen Schauspiel lediglich noch seinen Segen geben durfte. Bokassa wünschte es sich anders und ersuchte Papst Paul VI. um seine Salbung und Krönung. Das feine Gespür des Vatikans, wo die die Grenzen des guten Geschmacks nicht überschritten werden sollten, führte zu einer Absage Seiner Heiligkeit. Immerhin erteilte ein zur Thronbesteigung entsandter Kurienkardinal dem Imperator von eigenen Gnaden den kirchlichen Segen.

Hybris und Dekadenz

Wie Bokassa verbreitete auch Herodes Angst und Schrecken, beispielhaft erzählt etwa am Schicksal des Johannes. Sein Kopf prangte auf einer Silberplatte, und Salomé soll verzückt um sie herumgetanzt haben. Endlich hat der lüsterne Stiefpapa dem Drängen der jungen Hetäre nachgegeben und des Täufers Kopf rollen lassen. Gewissensbisse quälten Herodes dann aber doch, denn Johannes war beim Volk beliebt, er war bekannt wie ein bunter Hund und galt vielen als Messias.

Seine harsche Kritik am dekadenten Herrscherhaus und speziell an Salomé und ihrer Mutter Herodias sollen die sündige Tochter erotisiert haben. Seine Einkerkerung und die Besuche der jungen Schönheit mit ihrem Werben um den zornigen Bußprediger sind filmisch legendär. Johannes bliebt standhaft: Nein zu diesem verruchten Weib. Damit war sein Schicksal besiegelt und das des Stiefvaters auch.

Der 13. Apostel

Ein von Johannes im See Genezareth Getaufter musste sich vor Herodes wegen aufrührerischen Verhaltens verantworten. Dieser junge Wanderprediger war längst nicht so berühmt wie sein Taufvater Johannes und vielleicht deswegen für Herodes nur eine lästige Pflichtübung im königlichen Tagesgeschäft. Eine vermeintliche Randnotiz, die er dem römischen Statthalter Pontius Pilatus übergab. Jesu Prozess, seine Hinrichtung und die Folgen sind wohl für immer in der Menschheit präsent.

Eine Randnotiz der Geschichte wäre ohne diese Ereignisse Herodes geblieben wie auch Bokassa in seiner erbärmlichen Hybris eine Randnotiz bleibt. Der Kurzzeit-Kaiser hielt sich für den 13. Apostel Jesu und behauptete bis an sein Lebensende, dass ihm dies Gott höchst selbst offenbart hätte und von Papst Paul VI. in privatissimé bestätigt worden sei. Bokassa war davon besessen, ein Auserwählter Christi zu sein. Herodes war besessen von der jüdischen Vorstellung des Messias, den er im Täufer vermutete. Beide haben sich geirrt. Gott sei Dank!

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