Krönung in Südafrika: Misuzulu Zulu ist neuer Zulu-Löwe

BOULEVARD ROYAL

Zulu Suedafrika / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: RonPorter; https://pixabay.com/de/photos/stockkampf-zulu-t%c3%a4nzer-412666/ Zulu Suedafrika / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: RonPorter; https://pixabay.com/de/photos/stockkampf-zulu-t%c3%a4nzer-412666/

Die Zulu gelten mit elf Millionen Stammesangehörigen als größte und kulturell wichtigste Ethnie Südafrikas. Jetzt krönten sie Misuzulu Zulu zu ihrem König.

Mit Pomp und in ausgelassener Stimmung haben Tausende Zulus ihren neuen Monarchen in sein Amt eingeführt. Bei der Krönung des neuen Königs am Samstag in Nongoma in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal hat die größte Ethnie Südafrikas ein farbenfrohes Fest zelebriert, bei dem in traditionellen Gewändern mit stundenlangen Tänzen und Gesängen die Spitzen der Zulus eine neue Ära einläuteten.

Misuzulu Zulu ist reichster Stammesführer Südafrikas

Bis es zur Thronbesteigung des 47-jährigen Misuzulu kam, mussten er und seine Sippe einige Hürden überwinden. Sein Vater Goodwill Zwelithini war bei den Zulus eine Legende, die über den wichtigen Stamm 50 Jahre herrschte und 28 von ihm anerkannte Kinder von sechs offiziellen Frauen hinterlassen hat. Kenner der royalen Verhältnisse raunen von weit mehr Kindern und Frauen, die den Potentaten in seiner langen Herrschaft begleiteten. Ansonsten tat sich der König mit Tiraden gegen Ausländer und Homosexuelle (unafrikanisch!) hervor und lobte das Apartheidregime.

Mit jährlich 75.000 Euro Apanage vom Staat für seinen persönlichen Bedarf und rund 4,2 Millionen Euro pro Jahr für die Verwaltung des Königreichs der Zulu gönnte er sich einen luxuriösen Lebensstil, der auch aus anderen Kanälen finanziert worden sein soll. Dazu gehören Paläste und Herrenhäuser und nicht zuletzt ein Treuhandfonds mit Landbesitz von fast 30.000 Quadratkilometern, über die der König allein verfügt. Das entspricht ungefähr der Fläche des Königreichs Belgien. Im Vergleich zu dem Monarchen-Kollegen in Brüssel oder anderen europäischen Herrschern wie dem Norweger oder Schweden schneidet der oberste Zulu finanziell nicht so schlecht ab, obwohl er kein offizielles Staatsoberhaupt ist.

Familienstreit und ein präsidiales Machtwort

Die Zulu gelten mit ihren elf Millionen Stammesangehörigen als größte und kulturell wichtigste Ethnie Südafrikas, was sich die Regierung etwas kosten lässt, um deren Loyalität zu sichern und für Stabilität im Inneren zu sorgen. Selbst im modernen Südafrika spielen Stämme und ihre Besonderheiten eine einflussreiche Rolle, die durch ihren Verfassungsrang sich politisch auswirkt.

Mit dem Tod des Vorgängers im März 2021 begannen die Rivalitäten um den Thron. König Goodwill Zwelithini bestimmte testamentarisch seine dritte Frau, Favoritin und Mutter des neuen Königs Shiyiwe Mantfombi Dlamini Zulu als Regentin ein. Tragischerweise starb die Königin nach nur einem Jahr an der Macht und setzte wiederum ihren Sohn Misuzulu als Nachfolger ein. Fast im Stile byzantinischer Nachfolgekämpfe entbrannte eine Fehde zwischen diesem Zweig der Familie und jenem der ersten Frau des verstorbenen Königs, Sibongile Dlamini, und mehreren Halbbrüdern des neuen Monarchen.

Noch kurz vor der Krönung wollte die innerfamiliäre Opposition per gerichtlichem Eilantrag die Thronbesteigung stoppen: abgelehnt! Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, selbst Mitglied des kleineren Stammes der Venda, selbst schwerreich und umstritten, hat ein Machtwort gesprochen und den neuen Zulu als Herrscher anerkannt. Ob sich die familiären Spannungen damit lösen, bleibt abzuwarten. Es geht schließlich um Macht, Einfluss und viel Geld.

Geheime Zulu-Zeremonien und eine Regebogennation am Abgrund

Zumindest hat der neue Monarch alle vorgeschriebenen Rituale eingehalten: Einige Tage vor der Zeremonie im Marmorpalast in der Kleinstadt Nongoma hat Misuzulu einen Löwen erlegt und sich damit zum Zulu-Löwen, so sein offizieller Titel, verwandelt. Im Viehhof des Palastes hat er sich in einer Geheimzeremonie seinen Ahnen vorgestellt, um deren Segen für seine Regentschaft zu erlangen. Bei seiner anschließenden Ansprache an die versammelten Untertanen beschwor er ein neues Kapitel für sein Volk und versprach, dass er daran arbeiten werde, die Zulu-Nation zu einen.

Es ist nicht allein für die Zulu zu hoffen, dass er Wort hält, sondern für ganz Südafrika. Ein Land, das in der Zeit Nelson Mandelas viel Aufbruchstimmung versprühte und durch seinen Reichtum an Rohstoffen und einer einigermaßen funktionierenden Infrastruktur Optimismus über Südafrika hinaus ausstrahlte. Geblieben ist davon wegen der grassierenden Korruption und der schlechten Verwaltung wenig. Die selbst erklärte Regenbogennation wendet sich vom Kurs der Versöhnung der Ethnien immer mehr ab. Hoffentlich schlägt der neue Zulu einen anderen Kurs ein.