Katar-Queen: Sheikha Jawaher ist die Nummer Eins

BOULEVARD ROYAL

Katar / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Konevi; https://pixabay.com/de/photos/wolkenkratzer-geb%c3%a4ude-3850732/ Katar / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Konevi; https://pixabay.com/de/photos/wolkenkratzer-geb%c3%a4ude-3850732/

Bei der Fußball-WM in Katar kämpfen 32 Mannschaften um den Titel. In der Familie des Emirs sind die Spitzenplätze bereits vergeben, – zumindest bei den Frauen.

Katar ist halb so groß wie Hessen und hat weniger Einwohner als Berlin. Gleichwohl ist das Emirat am Persischen Golf ist eine aufstrebende Macht im  explosiven Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel. Durch seinen Gas- und Ölreichtum übt es weltweit mehr und mehr politischen Einfluss aus. Mit der (umstrittenen) FIFA-Weltmeisterschaft will Katar seinen Anspruch als Soft Power auf der internationalen Bühne unterstreichen. Mit einer Charme-Offensive des katarischen Herrscherhauses möchte die absolute Monarchie ein freundliches Gesicht zeigen.

Orient schlägt Okzident?

Tamim bin Hamad Al Thani ist für einen Herrscher einer arabischen Dynastie mit seinen 42 Jahren ein Jungspund. In diesen Herrscherhäusern gilt meist das Senioritätsprinzip – wer lange genug durchgehalten hat, darf auf den Thron. Emir Tamim ist seinem 2013 abgedankten Vater mit gerade einmal 33 Jahren nachgefolgt. Für arabische Verhältnisse fast schon eine Sensation, die sich mit seiner Hauptfrau Sheikha Jawaher auf der Soft Power-Bühne fortsetzt.

Mit ihr bereist der Monarch in den letzten Jahren verstärkt das Ausland so wie kürzlich bei der Beisetzung der Queen in London. Bei diesem Anlass und zuvor beim Staatsbesuch in Spanien sah man die Wüsten-Königin erstmals ohne Schleier, der für Frauen in Katar in der Öffentlichkeit Pflicht ist. Die 38-Jährige zeigte sich teuer gekleidet in die üblichen westlichen Luxusmarken und unterstrich damit den Reichtum des Al Thani-Clans mit einem geschätzten Privatvermögen in Milliarden-Sphären.

Auch seine Hoheit selbst gibt sich im Ausland in Auftreten und Kleidung mit seiner Königin betont westlich. Er will sein Emirat als sympathisch und weltoffen präsentieren. Sheikha Jawaher unterstützt dieses Bestreben mit ihrem Stil und ihrer Ausbildung in Kunstwissenschaften. Eine Analogie zu einer Schwester des saudischen Kronprinzen, die weltläufig als Vorsitzende der „Stiftung Awaleed Philanthropies“ für ein besseres Image Saudi-Arabiens sorgen möchte. Weg vom Kettensägen-Massaker – hin zum Wahren, Schönen und Guten. Ob das gelingt?

Herrscherhaus unter Spannung

Zumindest sehen sich die Kataris auf einem guten Weg, mag es dabei auch noch so rumpeln und poltern. Das junge Herrscherpaar soll strahlen für den weiteren Aufstieg des Emirats zur kleinsten Großmacht der Welt. Beide sind Cousin und Cousine zweiten Grades, ihr Vater stammt wie die Al Thanis aus einer einflussreichen Familie und war Regierungschef Katars. Es kommt eben zusammen, was zusammen gehört.

Ihre zwei Söhne und die beiden Töchter konkurrieren mit den neun weiteren Kindern, die er mit den beiden Nebenfrauen hat, um die Thronfolge. In arabischen Königssippen ist anders als bei den europäischen Standesgenossen nicht ausgemacht, dass der älteste Sohn – Töchter sind von der Thronfolge ohnehin ausgeschlossen – dem Vater nachfolgt. Es kommt immer wieder zu Thronstreitigkeiten, Hofintrigen und Machtkämpfen der rivalisierenden Ehefrauen hinter den Kulissen.

Bis es im Palast zu Doha soweit ist, dürfte beim Alter des Emirs noch eine ganze Weile dauern. Und wer weiß, ob bis dahin sich die gesellschaftliche Lage etwas mehr liberalisiert hat. Wer den Weltsport ins Land lässt, wer im Ausland mit seiner Frau dezidiert westlich auftritt und wer Frauen wie die in Katar ansässige brasilianische Fotografin Adriane de Souza wirken lässt, der kann den Spagat zwischen konservativer Tradition und Weltoffenheit schwer durchhalten.

Monarchie ohne Imagepolitur

Für de Souza ist ihre Fotoarbeit mit einer Mission für die katarischen Frauen verbunden. Sie will in der männlich geprägten katarischen Gesellschaft über ästhetische Inszenierungen einheimischer Sportlerinnen für alle Frauen im Land Hoffnung und Zuversicht geben. Das dürfte ein dickes zu bohrendes Brett sein, und sie sollte sich Verbündete suchen: Am besten schickt sie eine Einladung an Sheikha Jawaher Al Thani in den Palast.

Eine mit europäischen Monarchien vergleichbare PR leisten sich die Kataris bislang nicht. Es gibt keine royale Webseite, es gibt keine glanzvolle Präsentation der Dynastie, es gibt keinen Klatsch. Da ist noch Luft nach oben in Doha und nicht allein dort.

Arabische Royals sind bis auf die jordanische Herrscherfamilie sehr diskret – zu diskret, um die Monarchie als Imagepolitur international zu verankern. Vielleicht beherzigen sie die in Großbritannien bekannte Empfehlung des Verfassungsexperten Walter Bagehot aus der Victorianischen Ära, dass die Monarchie, um ihren Zauber zu erhalten, nicht zu viel Tageslicht hereinlassen dürfe. Wie es mit dem agilen Emir und dem freundlichen Gesicht an seiner Seite weitergeht, das entscheiden letztlich das Gas, das Öl und die Klasse der Stammesfürsten.

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