Felipe und Letizia von Spanien auf Deutschland-Tournee

BOULEVARD ROYAL

Koenigliches Esszimmer in Madrid / Koenig Felipe und Letizia / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Lusiasmile;https://pixabay.com/de/photos/palast-esszimmer-k%C3%B6niglich-madrid-6371578/ Koenigliches Esszimmer in Madrid / Koenig Felipe und Letizia / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Lusiasmile;https://pixabay.com/de/photos/palast-esszimmer-k%C3%B6niglich-madrid-6371578/

Spaniens Monarchen-Paar Felipe und Letizia waren auf Staatsvisite in Deutschland. Was da über Königin Letizia und den Bundespräsidenten bekannt wurde.

Endlich wieder royaler Glanz im völlig versifften Berlin! Königliche Gäste wie jene aus Madrid passen so ganz und gar nicht mehr in die weitgehend dysfunktionale deutsche Capitale, die gerne das Narrativ von arm oder eher schmutzig, aber sexy weitererzählt. Für hochkarätige Staatsbesucher wie Felipe VI. und Gattin Letizia darf es dann doch etwas glitzern, wenn auch in homöopathischer Dosis.

Berliner Chic

Die beiden Royals übernachten in der Präsidenten-Suite – unpassender Name – im Hotel Adlon, was als das beste Haus am Platz gilt, also in der guten Stube der Republik am Brandenburger Tor. Nun ist das Adlon aber nicht mehr jenes der Kaiserzeit, da strahlte es noch Glamour und Internationalität aus. Heute wirkt es eher wie eine überteuerte Plastikbude aus der Disney-World-Retorte. Arme Royals, auch die selige Queen „durfte“ dort absteigen, obwohl die britische Botschaft direkt um die Ecke liegt. Was verschlug Felipe und Letizia überhaupt nach Berlin und in die einstige Kaiserstadt Frankfurt am Main?

Was bringt der Staatsbesuch von Felipe und Letizia?

Gut, die beiden haben den letzten offiziellen Staatsbesuch 2015 in der Republik absolviert, was nach sieben Jahren bereits diplomatisch-protokollarisch als schnelle Wiederholung gilt. Inzwischen haben sich Abstände von zehn Jahren bei solch höchsten protokollarischen Anlässen eingebürgert. Visiten mit einer Dauer von einer Woche oder mehr, wie es bei Elizabeth II. erstem offiziellen Deutschlandbesuch 1965 der Fall war, sind jedoch aus der Mode gekommen. Ein wichtiger Grund ist sicherlich die enge Vernetzung der politischen Szene durch häufige Treffen auf internationaler Ebene wie EU-Gipfel, G7 und G20 sowie weitere regionale wie überregionale Formate des Austauschs.

Spaniens Bourbonen sind seit der Revitalisierung der Monarchie durch Franco gern gesehene Gäste in der Bundesrepublik. Felipes Vater Juan Carlos war offiziell und privat mit Gemahlin Sofia von Schleswig-Holstein-Sonderburg und Glücksburg häufig zu Besuch.

Die Frankfurter Buchmesse ist für deren Sohn und die Schwiegertochter der Anlass für die Visite, die sie zuerst nach Berlin mit dem üblichen Prozedere führte: Empfang mit militärischen Ehren am Schloss Bellevue, Eintrag ins Goldene Buch des Bundespräsidenten, Hintergrundgespräch mit Frank-Walter Steinmeier bei Kaffee und veganen Plätzchen im Schloss, herzliches Einvernehmen zwischen der Königin und der Teilzeit-First Lady Elke Büdenbender, die die andere Teilzeit als Richterin am Verwaltungsgericht Berlin zubringt, dann Höflichkeitsbesuch bei Kanzler Scholz, der sicherlich angenehme Ablenkung gebrauchen kann und als Höhepunkt das Staatsbankett im Bellevue.

Beim großen, abendlichen Schaulaufen waren, wer sonst (!), Christian Lindner und seine frisch Angetraute Franca Lehfeldt die Stars unter den wenigen glänzenden Sternchen der Berliner Republik.

Lässt Steinmeier imkern?

Die Springer-Journalistin goutierte sicherlich das viergängige Menü, das ganz auf das Ernährungsprogramm der fitnessgestählten Königin abgestimmt war: Der Boulevard raunt regelmäßig von ihren athletischen Oberarmen! Als Vorspeise kredenzten die Bellevue-Köche Kürbis, Apfel und Kernöl gefolgt von einer Kraftbrühe von getrockneten Waldpilzen mit gefülltem Teigblatt.

Anschließend erfreuten als Hauptgang Zander und Wels mit Sud von unreifen Trauben und Alblinsen die hoch herrschaftlichen Gaumen, die beim Dessert aus Schlehe, Mohn und Schlosspark-Honig den süßen Höhepunkt erlebten. Ganz nebenbei lernt der Bürger, dass der Bundespräsident anscheinend über eine eigene Imkerei verfügt, wie anders ließe sich der Schlosspark-Honig denn sonst erklären. Zumindest eine gute Errungenschaft am „Berliner Hof“.

Monarchie am Abgrund

Selbstverständlich jauchzte der Boulevard über die Garderobe der Königin, was sich bei der stets betonten muskulösen Figur ihrer Majestät zwischen Hunger-Model und quasi Domina bewegt. Der König, leidgeprüft durch seinen skandalumwitterten Vater, machte als oberster Vertreter seines Landes Bella Figura. Ob beim deutsch-spanischen Forum, das von einer der einflussreichsten Lobby-Organisationen des Landes, der Bertelsmann-Stiftung organisiert wurde, oder beim Auftakt der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr Spanien als Gastland begrüßt: Felipe VI. ist ein würdevoller und würdiger König. Ein skandalfreier, erster Diener seines Landes, aber auch etwas langweilig. Man kann eben nicht alles haben.

Ob die Spanier nach ihm noch die erste regierende Königin, die heutige Kronprinzessin Leonor, erleben werden, ist fraglich. Die Umfragewerte für die Monarchie haben sich seit Felipes Amtsantritt 2014 zwar erholt und liegen im Durchschnitt bei rund 55 Prozent Zustimmung. Jedoch sind bei den jungen Spaniern die Royals eine Quantité négligable, bei denen die Ablehnungswerte im Schnitt bei rund 60-70 Prozent liegen.

Traditionell schaffen es die Bourbonen in Madrid den Thron, auf dem sie sitzen, gekonnt einzureißen, aber in schöner Regelmäßigkeit wieder darauf zu gelangen. Nach einer Republik, dem Bürgerkrieg und Francos Diktatur sowie dem gelungenen Übergang mit Juan Carlos an der Staatsspitze zur Demokratie droht Felipe VI. u Felipe dem Letzten zu werden. Spanien letztlich als Republik? Etwa so wie die Bundesrepublik?? Wie langweilig!

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