Das Vertrauen in die Stärke Deutschlands ist erschüttert

Der Reichstag / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder und Grafiken; ArtTower: https://pixabay.com/de/illustrations/architektur-berlin-geb%C3%A4ude-spalten-5079665/ Der Reichstag / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder und Grafiken; ArtTower: https://pixabay.com/de/illustrations/architektur-berlin-geb%C3%A4ude-spalten-5079665/

Kaum jemals zuvor war die vom Institut Allensbach ermittelte Stimmung im Land so schlecht wie heute. Das Vertrauen in die Stärke Deutschlands ist erschüttert.

Bitterer könnte die Bilanz nach zehn Monaten Ampelkoalition und acht Monaten Kriegspolitik nicht ausfallen. Das Vertrauen der Bundesbürger in die Stärke Deutschlands ist erschüttert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Kaum jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg war die gesellschaftliche Stimmung im Land so schlecht wie heute. Die Menschen sind verunsichert, hoffnungslos und fürchten sich vor der Zukunft.

So tief pessimistisch waren die Deutschen während keiner der vielen Krisen, die das Land in vergangenen Jahrzehnten durchlebt hat. Was immer auch geschah, niemals konnte eine Krise das Vertrauen der Deutschen in die technologische und wirtschaftliche Stärke Deutschlands erschüttern. Immer obsiegte der Glaube an die Möglichkeiten des Fortschritts und die eigene Schaffenskraft.

«Größere Unterschiede zwischen Arm und Reich in Deutschland»

„Das Zutrauen, dass der Wohlstand und damit die Verteilungsspielräume kontinuierlich weiter wachsen, ist zerstört“, schreibt die Institutschefin Renate Köcher. Auf die Frage, wie sich Deutschland in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird, nannten 87 Prozent „größere Unterschiede zwischen Arm und Reich“, 83 Prozent „mehr Eigenvorsorge für Krankheit und Alter“, 80 Prozent „Zunahme der Probleme durch Klimawandel“ und 79 Prozent „mehr Spannungen in der Gesellschaft“.

Wenn sie auf die kommenden zehn Jahre blicken, sind 50 Prozent der Deutschen pessimistisch, nur 30 Prozent bleiben optimistisch. In Ostdeutschland sind die Negativerwartungen och deutlich stärker ausgeprägt als in Westdeutschland. Gegenüber 48 Prozent in Westdeutschland blicken 60 Prozent der Ostdeutschen pessimistisch in die Zukunft.

Überforderter Staat

Wie groß die Furcht vor der Zukunft ist, wird letztlich auch von der Höhe des aktuellen Einkommens beeinflusst. So blicken Menschen mit geringem sozioökonomischen Status zu 72 Prozent pessimistisch in die Zukunft, in der Mittelschicht sind es immerhin noch 48 Prozent. Nur in der Oberschicht überwiegt mit 42 zu 35 Prozent ein verhaltener Optimismus.

All das geht auch mit einem erheblichen Vertrauensverlust in die Politik einher. Zwei Drittel der Deutschen halten den Staat für überfordert, ergab eine Umfrage des Deutschen Beamtenbundes.Und ein neuer Bericht des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD) kommt zu dem Schluss, dass nur noch 39 Prozent der Ostdeutschen mit der Demokratie zufrieden sind.

«Ost und West entfernen sich von einander»

Auch in der Allensbach-Studie stehen die Ostdeutschen der Demokratie distanziert gegenüber. Immerhin 30 Prozent äußerten die Ansicht, dass es zum demokratischen System eine überlegene Alternative gebe. Und 13 Prozent wünschten sich gar eine autoritäre Staatsform für Deutschland, im Westen äußerten sich nur drei Prozent so. Nicht ohne Grund weist Renate Köcher darauf hin, dass Ost und West heute „in einigen grundsätzlichen Fragen weit auseinanderliegen und sich zurzeit auch eher voneinander entfernen“.

Denn im Westen ist das Vertrauen in die Demokratie trotz der auch dort dominierenden Krisenstimmung ungebrochen. Nur elf Prozent glauben, dass es zum demokratischen System eine überlegenere Alternative gibt. Insgesamt sind 60 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass sich auch in den kommenden Krisenjahren „die westlichen Leitideen von Freiheit und Demokratie durchsetzen werden“, schreibt Renate Köcher. Es bleibt abzuwarten, ob diese Wert auch über Jahre des nun drohenden immensen Wohlstandsverlustes gehalten werden kann.

5
7
votes
Article Rating

Unser Newsletter – Ihr Beitrag zur politischen Kultur!

Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest
7 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Nathan
Nathan
1 Monat her

Die Überschrift „Vertrauen in die Stärke Deutschlands“ wird im Text leider nicht aufgenommen. Es wird auf eine Art „innere Stärke, mehr oder weniger“, eingegangen. Wenn man aber das Ergebnis als Abhängigkeit der „Inneren Stärke“ von „Äußerer Stärke“ betrachten würde, dann käme man den Problemen erheblich näher und ließe sich interpretieren. Es handelt sich nämlich bei äußerer Stärke um SELBSTBEWUSSTSEIN und FREIHEIT, was in den selbstauferlegten Fesseln und Zwängen fehlt und gar nicht möglich ist. Der Kernpunkt ist ja die Energiekrise, und die kann durch die politischen Zwänge durch unseren Bevormunder USA gegen Russland NICHT gelöst werden, wurde behindert durch antideutsche… Read more »

Skyjumper
Skyjumper
Reply to  Nathan
1 Monat her

Für mein Gefühl arbeiten Sie sich zu sehr an möglichen Ursachen und Folgen der wesentlichen Veränderung ab. Und das obwohl Sie den echten Knackpunkt bereits benannt haben:
“…. weil sich die Basiswerte nicht verbessern können ….. „

Der Grund deutscher Stärke ist unsere Wirtschaft (gewesen). Und darauf wiederum aufbauend die Verteilungsspielräume sozialen Ausgleichs und aussenpolitischen Einflusses (Scheckbuchdiplomatie).

Und die Basis deutscher Wirtschaftsstärke ist, bzw. war, preiswerte Energie. Und diese Basis ist weg und wird meiner Einschätzung nach auch nicht wieder erstehen.

Für pessimistische Zukunftserwartungen gibt es daher allen Grund.

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
1 Monat her

Die im Artikel erwähnten Umfragen zum Thema „Demokratie“ werden hier falsch interpretiert, weil es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um eine Ablehnung der Demokratie im Allgemeinen handeln dürfte, – also der Demokratie im Sinne unseres Grundgesetzes – sondern lediglich um Kritik an der heute praktizierten Form von Demokratie. Selbst der nun wirklich absolut unverdächtige Wolfgang Streeck, ehem. Chef des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftswissenschaften, hat doch in seinem jüngsten Buch „Zwischen Globalismus und Demokratie“ unmissverständlich festgestellt, dass die Eliten den Begriff „Demokratie“ längst uminterpretiert haben. Mit anderen Worten: Das, was heute vom politisch-medialen Komplex als „Demokratie“ bezeichnet wird, ist nicht mehr das,… Read more »

Skyjumper
Skyjumper
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

Danke. Ich hatte beim Lesen des Artikels überlegt wie ich mein Unbehagen über die Aussagen am besten ausdrücken soll. Sie haben meine Gedanken aber bereits sehr gut getroffen.

Im Detail würde ich vielleicht noch Ergänzen, dass sich meine nach wie vor bestehende Bevorzugung einer demokratisch organisierten Staatsform auf das ALTE Grundgesetz bezieht. Das wozu das GG mittlerweile degeneriert wurde ist m.E.n. genauso wenig verteidigungswürdig wie die aktuell gelebte Pseudodemokratie.

fufu
fufu
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

„was man noch um 1960, 1970, 1980 und auch noch 1990 allgemein unter Demokratie verstanden hat“

Ich hoere meinen OPA „frueher war alles besser“. War’s aber nicht. Aber Skyjumper hat recht, das Lesen des Artikels verursacht Unbehagen, insbesondere der haeufig verwendete Begriff der Demokratie. Ich nehme an, dass wir mit zunehmender Lebenserfahrung einfach realistischer oder zynischer geworden sind. Wir haben laut Grundgesetz eine repraesentative Parteiendemokratie, dass die Auserwaehlten nach ihrem Gewissen entscheiden glaubt keiner mehr.

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  fufu
1 Monat her

Nein, früher war keineswegs alles besser, will ich gar nicht behaupten.
Im Hinblick auf den Begriff „Demokratie“ herrschte in jener Zeit aber noch eher die Anschauung, dass die Demokratie in erster Linie Machtkontrolle ist.

Wer heute bei den üblichen Verdächtigen nach einer Demokratiedefinition fragt, der erhält eine Antwort, die ganz deutlich andere Akzente hat. Vorsichtig ausgedrückt.

Nathan
Nathan
1 Monat her

Hat es früher gehießen: „Die Partei hat immer recht“, so heißt es heute: „Das System hat immer recht“. Das System wird repräsentiert durch die „System“-Auftrags-Parteien mit Alibi-Funktionen, sowie die Medien- und Wirtschafts-Oligarchen, die Gesinnungshelfer der Systemregierungen sind. Sprachrohr sind die öffentlichen, zusätzlich auch noch mit Zwangsgebühren finanzierten Staatsmedien, in denen nur Systemlinge in der Hierarche aufsteigen können, und die angeblich unabhängigen Print- und TV-Medien, die zur absichtlichen Verwirrung und Verschleierung unter verschiedensten Namen auftreten, aber alle einer Handvoll Oligarchenfamilien gehören, die bei der Systemregierung freundschaftlich ein- und ausgehen und sich absprechen. Gegen diese Oligarchen-Staatsmacht hat es eine System-Opposition schwer, wenn… Read more »

// require user tracking consent before processing data _paq.push(['requireConsent']); // OR require user cookie consent before storing and using any cookies _paq.push(['requireCookieConsent']); _paq.push(['trackPageView']); [...]
7
0
Wie denken Sie darüber? Beteiligen Sie sich an der Diskussion!x