Rolf Eden verlässt mit 92 die Bühne: West-Berlins einziger Playboy ist tot

BOULEVARD-ROYAL

Berlin Rolf Eden / Quelle: Pexels, lizenzfreie Bilder, open library; Esther: https://www.pexels.com/de-de/foto/berlin-beschilderung-2863547/ Berlin Rolf Eden / Quelle: Pexels, lizenzfreie Bilder, open library; Esther: https://www.pexels.com/de-de/foto/berlin-beschilderung-2863547/

Lebemann, Geschäftsmann, Freiheitskämpfer. Playboy Rolf Eden führte ein schillerndes Leben und widmete es vor allem den Frauen. Als junger Mann lernte er aber auch die hässlichen Seiten kennen – in Deutschland wie im jungen Staat Israel.

Kampfeinsatz für Israel

In einem Interview über sein bewegtes Leben meinte Rolf Eden zum Thema Freundschaften, dass er keine Freunde hätte, sondern nur Geschäftspartner. Das klingt hart, war jedoch schonungslos ehrlich und hatte viel mit seinen Erfahrungen als junger Mensch zu tun. Er floh als Jude mit seinen Eltern und Großeltern bereits 1933 aus seiner Geburtsstadt Berlin nach Palästina, wo sich die Familie einigermaßen in der Gastronomie über Wasser halten konnte.

Der junge Rolf Sigmund Sostheim, wie er ursprünglich hieß, hatte schon damals den Drang nach oben und Abenteuern. Im ersten israelisch-arabischen Krieg um das Überleben Israels 1947/49 kämpfte er in der Elitetruppe Palmach zusammen mit dem späteren israelischen Ministerpräsidenten Rabin. Auf diesen eher unbekannten Aspekt seines Lebens angesprochen, zeigte er sich stolz für seinen Kampfeinsatz für Israel und verhehlte nicht, dass es notwendig war zu töten.

Wiedergeburt des Berliner Nachtlebens

Seine Heimatstadt Berlin ließ ihn nicht los und Eden baute sich im Nachkriegs-Berlin mit Immobilien ein Vermögen auf. Mit dieser Basis stieg er ins Nachtleben ein, das in West-Berlin zu diese Zeit ein Schattendasein führte. Die eingemauerte Stadt lechzte nach Abwechslung, und Rolf Eden, wie er sich fortan nannte, bot diese Abwechslung. Letztlich verhalf er mit seinen Diskotheken und unzähligen Liebschaften West-Berlin wieder zu etwas Glamour. Eden bot mit seinen Vergnügungstempeln einen Gegenentwurf zum grauen und spießigen Ostteil Berlins. Dort herrschte Promi- und Glamour-freie Zone. In Edens Clubs gaben sich internationale Stars wie die Rolling Stones und lokale Promis à la Filmproduzentenlegende Artur Brauner die Champagnergläser in die Hand.

Ob Eden-Saloon, New Eden, Eden-Playboy-Club oder Big Eden – Rolf Eden wusste, was eine Marke ist und polierte sie über Jahrzehnte kräftig. Seine Markenzeichen waren der Rolls Royce, für den er in Berlin eine eigene Spur einforderte und schöne Frauen. Überhaupt die Frauen. Mit sieben hatte er sieben Kinder, dauerhafte Bindungen waren eher nicht seine Sache, meinte er doch, mit 30 seien Frauen zu alt!

Was heute in der Gesellschaft einen Aufschrei, ein Hashtag der politisch korrekten Betroffenheit auslösen würde, interessierte Eden nicht. Insofern war er sicherlich nicht nur West-Berlins einziger Playboy, er war auch der Inbegriff des politisch Inkorrekten. Was heute als Verschwendung, als Prasserei, als nicht nachhaltig gilt, war für Eden Lebensgenuss pur. Diese Zeiten finden mit Edens Tot ihren symbolischen Abschluss.

Inbegriff des politisch Inkorrekten

Der Autor hatte als Student das Vergnügen, Rolf Eden für ein Interview im Rahmen einer Projektarbeit „Mensch als Marke“ kennenzulernen. Wer besser als Eden hätte darüber referieren können?! In Begleitung einer, natürlich attraktiven Kommilitonin, waren wir seine Gäste und erlebten einen amüsanten Nachmittag. Meine Begleiterin stand im Mittelpunkt seines Interesses, wie konnte es anders sein. Ich trug es mit Fassung. Kaffee, Gebäck und im Laufe des Treffens auch Champagner zeigten Eden als zuvorkommenden Gastgeber. Das Klischee stimmte!

Fazit des Gesprächs war: Sei wagemutig, sei ein Spieler, wenn du es zu etwas bringen willst. Eine gute Portion Egoismus gehöre auch dazu und natürlich Fortune. Das hatte Rolf Eden im Übermaß, und was die Kritiker an seinem Leben als maßlos bezeichneten, war für ihn Sinn des Lebens: Eden als Synonym für ein paradiesisches Leben.

Meine Kommilitonin verabschiedete er mit einem Handkuss. Diese Geste war für sie bereits damals aus der Zeit gefallen, und aus der Zeit gefallen sind Menschen wie Eden heutzutage ohnehin. Schade. Ab und zu habe ich ihn noch – bereits hochbetagt – am Ku’damm flanieren oder im Promi-Lokal Adnans in Charlottenburg im Sommer Pastis trinkend und immer im weißen Anzug – eines seiner weiteren Markenzeichen – draußen sitzen sehen. Rolf Eden starb am 11. August 2022 in Berlin, und mit ihm geht einer der Letzten seiner Art.

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fufu
fufu
1 Monat her

Interessante story, der Selfmademann, der Playboy, die Frauen… noch interessanter waeren die Hintergruende falls es welche gibt.

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
1 Monat her

In Zeiten wie diesen, wo Anpassungsdruck und moralinsaures Jakobinertum vorherrschen, wird jemand wie Rolf Eden, den ich seinerzeit herzlich uninteressant fand, plötzlich tatsächlich zu einer erfreulichen Erinnerung.

Im Grunde reicht dafür schon der Umstand der Nichtanpassung und des Eigenwillens gegen den Mainstream.

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