Wie Landwirte auf Bio-Anbau umsteigen

Weizen / Bio-Anbau / Landwirtschaft / Quelle: Pixabay, lizenzffreie Bilder, open library: KaiPilger; https://pixabay.com/de/photos/weizen-feld-weizenfeld-gerade-noch-2549245/ Weizen / Bio-Anbau / Landwirtschaft / Quelle: Pixabay, lizenzffreie Bilder, open library: KaiPilger; https://pixabay.com/de/photos/weizen-feld-weizenfeld-gerade-noch-2549245/

Jeder Landwirt, der auf Bio-Anbau umsteigen will, muss in er EU eine zweijährige Konvertierungsperiode durchlaufen. Und er muss viel Neues dazulernen.

Der Wechsel von der konventionellen zur Bio-Landwirtschaft verlangt von Bauern eine Reihe von Umstellungen. Eine der größten Herausforderungen dabei ist die Anpassung der geistigen Haltung. Für die herkömmliche Landwirtschaft stehen viele schnelle synthetische Lösungen für bekannte Anbauprobleme zur Verfügung. Diese adressieren allerdings nicht die Ursachen. Angehende Bio-Bauern sollten sich nicht darauf konzentrieren, diese oberflächlichen Lösungen biologisch zu reproduzieren. Vielmehr geht es beim Bio-Anbau darum, präventive und nachhaltige Strategien zu implementieren.

Grundlagen und Standards des Bio-Anbaus

Um erfolgreich Bio-Anbau zu betreiben, müssen Neueinsteiger sich sowohl mit den gesetzlichen Standards als auch mit den praktischen Grundlagen und Methoden vertraut machen.

Glücklicherweise findet man im Internet viele wertvolle Informationen zum Thema biologische Landwirtschaft. Die gesetzlichen Vorgaben für die Bio-Kennzeichnung entnimmt man am besten direkt der deutschen Webseite der EU-Kommission. Darüber hinaus stellen unter anderem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, der deutsche Umweltbund und das Umweltbundesamt zahlreiche kostenlose Ressourcen zur Verfügung.

Langfristiges Denken im Sinne einer holistischen Landwirtschaft ist entscheidend, um den Bio-Ertrag zu gewährleisten und Probleme zu verhindern, bevor sie auftreten. Welches Wissen dafür genau notwendig ist und welche Strategien infrage kommen, ist von den lokalen Gegebenheiten abhängig. Die besten Ratschläge bekommt man deshalb oft von Bio-Bauern aus demselben Bundesland oder umliegenden Regionen. Internetforen und Facebook-Gruppen können einem dabei helfen, einen Mentor zu finden. Dieser kann einen dabei unterstützen, Herausforderungen beim Übergang zur neuen Anbauform zu antizipieren und sich darauf vorzubereiten.

Relevante Erkenntnisse gilt es zu dokumentieren und Ressourcen zu archivieren, denn damit legt man den Grundstein für ein persönliches Nachschlagewerk. Um Speicherplatz sparen zu können und das Kombinieren und Teilen von Dokumenten in der Zukunft zu erleichtern, ist es am besten von Anfang an effizient zu arbeiten, zum Beispiel indem Sie noch heute Ihre PDFs komprimieren.

Planung des Umstiegs

Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb in der EU zum zertifiziert-biologischen Anbau überwechseln möchte, muss er eine 24 Monate lange Konvertierungsperiode durchlaufen. Während dieses Zeitraumes muss die Erzeugung bereits gemäß der Bio-Standards erfolgen, doch die Produkte dürfen noch nicht als Bio gekennzeichnet werden. D. h. all die Kosten, die mit dem Umstieg in Verbindung stehen, machen sich erst einmal nicht dadurch bezahlt, dass man die Preise an die von anderen Bio-Erzeugnissen anpassen kann. Hinzu kommt, dass die Ernte während der Übergangszeit vorläufig weniger ertragreich sein kann.

Trotzdem steigt die Anzahl der Bio-Bauern in Deutschland, die von der hohen Nachfrage profitieren, jährlich. Möglich wird dies durch vorausschauende Planung und das Setzen realistischer Ziele. Dazu ist es unter anderem notwendig, im Vorfeld Marktforschung zu betreiben und sich dessen zu versichern, dass es genug Abnehmer für die geplanten Bio-Erzeugnisse gibt. Eine mehrjährige Budget-Prognose und gewissenhaft Finanzplanung sind ebenfalls unerlässlich, um die Konvertierungsperiode gut zu überstehen.

Die Vorgaben der EU erlauben es, dass Bauern bio und konventionelle Produkte nebeneinander herstellen, insofern diese nachvollziehbar eindeutig und klar voneinander abgegrenzt sind. Insofern eine Landwirtschaft diese Voraussetzung erfüllen kann, kann die parallele Produktion den Wechsel erleichtern.

Böden, Vieh und Kulturpflanzen

Bei der Wahl der Kulturpflanzen und Nutztiere ist es wichtig abzuwägen, welche Herausforderungen mit dem biologischen Anbau bestimmter Feldfrüchte oder der Zucht bestimmter Tiere einhergeht:

  • Eignung der vorhandenen Boden- und Landbeschaffenheit
  • Verträglichkeit mit dem Klima
  • Grad der Nachfrage
  • Vermarktbarkeit
  • Benötigtes Startkapital
  • Aktuelle Marktpreislage und Preistrend

Im Vergleich stellt sich heraus, wo die Profitabilität und der zusätzliche Arbeitsaufwand im vorteilhaftesten Verhältnis stehen.

Bei der Wahl und Vorbereitung der Felder muss beachtet werden, dass die Qualität der Erde von Feld zu Feld unterschiedlich sein kann. Mithilfe von Messstreifen und Tests können angehende Bio-Bauern die Stärken und Schwächen Ihrer Böden besser bewerten und passende Kulturpflanzen auswählen. Je besser die Voraussetzungen im Zusammenhang mit pH-Wert, Nährstoffen, Entwässerung und Schädlingen, umso schneller lässt sich ein Feld konvertieren.

Fruchtwechsel

In der Bio-Landwirtschaft sollen Nährstoffe effektiv recycelt werden. Dies geschieht durch Strategien wie Gründüngung, Kompostierung und die gezielte Abwechslung der angebauten Feldfrüchte. In der Rotation befinden sich meist stickstoffbindende Hülsenfrüchte, sogenannte Deckfrüchte und winterfeste Kulturen wie der Winterweizen. Richtig durchgeführt, kann der Fruchtwechsel die Bodenbeschaffenheit und -fruchtbarkeit verbessern, Schädlingszyklen unterbrechen und Unkraut unterdrücken.

Herausforderung Schädlinge und Krankheiten

Unterschiedliche Kulturpflanzen ziehen unterschiedliche Schädlinge an. Die Kohlmotte interessiert sich zum Beispiel nicht wirklich für Kartoffeln, deren Blätter sind dafür jedoch das Lieblingsgericht des Kartoffelkäfers. Entscheidend ist, dass man sich mit den potenziellen Angreifern schon bei der Planung beschäftigt.

Neben der richtigen Wahl und Rotation von Feldpflanzen können Bio-Pestizide, Abdeckungen und Nutzinsekten eingesetzt werden, um einen möglichen Befall zu verhindern oder in Schach zu halten. Welche Kombination am effektivsten ist, müssen angehende Bio-Bauern durch Versuche und Studien auf dem eigenen Acker herausfinden.

Laut der Richtlinien für die Bio-Viehzucht muss ein Bauer seine Nutztiere so betreuen, dass die Gesundheit gefördert und die Verhaltensbedürfnisse der spezifischen Gattung erfüllt werden. Konventionelle medizinische Behandlungen sind unter diesen Voraussetzungen nachweislich seltener notwendig.

Entwicklung und Fortschritt

Die erfolgreichsten Bio-Landwirte stellen Ihre Methoden regelmäßig auf den Prüfstand. Faktoren wie Nachfrage, Klima, Schädlingsverteilung und die Bodenbeschaffenheit nehmen Einfluss darauf, was funktioniert und was nicht. Welche Nutzpflanzen, Anbaustrategien und Schädlingsbekämpfungsmethoden den größten Ertrag einbringen, kann sich also von Jahr zu Jahr ändern.

Die genaue Dokumentation der angewandten Prozesse und der Resultate ist entscheidend für die Erhaltung der Integrität des Bio-Zertifikats.