Ukraine-Krieg: Geschürte Wut

KOMMENTAR

Demonstration Ukraine-Krieg / Quelle: Pixabay, lizenzfrfeie Bilder, open library: SamuelFrancisJohnson; https://pixabay.com/de/photos/demonstration-protest-flagge-krise-7035471/ Demonstration Ukraine-Krieg / Quelle: Pixabay, lizenzfrfeie Bilder, open library: SamuelFrancisJohnson; https://pixabay.com/de/photos/demonstration-protest-flagge-krise-7035471/

Die politmediale Polarisierung blendet viele Fragen zum Ukraine-Krieg und damit auch deren Antworten aus. Einfache Feindbilder sind wohl doch zu verlockend.

Es darf wieder gehasst werden in Deutschland, endlich. Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg, denn vorher waren „Rechte“, „Fremdenfeinde“ „Klimaleugner“ und „Querdenker“ dran. Aber nun erstmals seit 1914 und 1933 ff. ist es wieder legitim, ganze Völker zu hassen. Diesmal trifft es (wieder) die Russen, die pauschal in Mithaftung für Putins Angriffskrieg in der Ukraine genommen werden.

Es ist für friedliebende Menschen selbstverständlich, diesen zu verurteilen und den Betroffenen mit sinnvollen Maßnahmen zu helfen. Auch Sanktionen sind sinnvoll und legitim, sofern sie sich gegen Putin und sein Umfeld richten und nicht gegen ein ganzes Land und die eigene Wirtschaft.

Aber ist es auch legitim, dass deutsche Supermarktketten sämtliche russischen Waren aus den Regalen räumen (was im Übrigen der Verbraucher bezahlt, denn eingekauft wurden sie ja schon)?

Ist es legitim, Verträge mit russischen Künstlern zu kündigen oder deren Anstellungen zu widerrufen?

Betteltour bei homophoben Terrorunterstützern

 Ist es legitim, die Menschen derart gegen Russland aufzuhetzen, dass es Übergriffe auf russische und russischstämmige Menschen sowie deutsch-russische Einrichtungen gibt, die offenbar so signifikant sind, dass Politiker inzwischen dazu aufrufen müssen, dies zu unterlassen?

Ist es legitim, wenn hochdotierte Politiker und sogar ein mit 250.000 Euro jährlich alimentierter Ex-Bundespräsident die Menschen aufrufen, sie sollten sich gefälligst einschränken und im Winter frieren, um Putin und Russland zu schaden?

Ist es legitim, russische Sender und Internetportale wegen Staatsnähe und Kriegspropaganda zu verbieten und gleichzeitig die nicht minder staatsnahen und propagandistischen Verlautbarungen ukrainischer Medien unabhängig von deren Wahrheitsgehalt auf allen Kanälen zu verbreiten? Sollte der mündige Bürger, von dem so gern die Rede ist, nicht in der Lage sein, sich aus unterschiedlichen Quellen ein eigenes Bild über die Vorgänge zu machen, oder ist das gar nicht erwünscht?

Ist es legitim, ein Großprojekt wie Nordstream 2 zu stoppen, was den Steuerzahler Milliarden an Entschädigungszahlungen für bereits fertiggestellte Anschlussleitungen kosten wird? Schadet man damit wirklich Russland, das sein Erdgas auch an China verkaufen kann und wird? Oder doch eher sich selbst und der Umwelt, während man sich in Washington die Hände reibt?

Ist es legitim, wenn ein grüner Wirtschaftsminister bei den homophoben Terrorunterstützern in Katar auf Betteltour geht, wo doch die Regenbogenfarben ein Aushängeschild der Grünen sind?

Ist es legitim und sinnvoll, trotz der absehbaren Energieknappheit wie ein trotziges Kind am Atomausstieg festzuhalten, von dem sich der Rest der Welt längst verabschiedet hat?

Ist es legitim, wenn verantwortungslose Schreibtischkrieger vom Schlage eines Mathias Döpfner und fachfremde Sozialwissenschaftler wie Ruud Koopmans ein direktes Eingreifen der NATO zum Beispiel durch die Einrichtung einer Flugverbotszone fordern, die einen 3. Weltkrieg auslösen könnte?

Mit Hassparolen geschürte Feindbilder

Das aktuelle Buch von Frank W. Hauboldt

Keiner von diesen Schreibtischhelden hat je selbst gehungert oder gefroren, geschweige denn einen Krieg erlebt. Und selbst wenn die ganz große Katastrophe ausbleibt, wie soll bei all dem zerschlagenen Porzellan und den mit Hassparolen geschürten Feindbildern (Der irre Diktator im Kreml hier, die ukrainischen Nazis dort) auf beiden Seiten die Welt der Zukunft aussehen? Wollen wir tatsächlich einen neuen kalten Krieg mit einem Machtblock aus Russland und China als Gegner? Werden in der Ukraine, aber auch in den angrenzenden Regionen Russland jemals wieder zivile Flugzeuge aufsteigen können, wenn man heute Flugabwehrraketen wie Kamelle in der Ukraine verteilt, von denen ein nicht geringer Teil in dunklen Kanälen verschwinden könnte?

Wollen wir das Klima durch schmutziges Flüssiggas aus den USA retten, das zudem noch über den Atlantik transportiert werden muss? Wollen wir tatsächlich bei Flaute im Dunkeln sitzen und generell auf Rohstoffe aus Russland verzichten (Erdgas und -öl sind ja nur die Spitze eines Eisbergs)?

Wollen wir im Ernst einen Dauerkonflikt mit Russland, auch in dem Wissen, wie die letzte Konfrontation ausgegangen ist? Wie wahrscheinlich ist es übrigens, dass nach einem hypothetischen Sturz Putins ein Demokrat westlicher Prägung in Russland an die Macht kommt?

Einfache Feindbilder

Wären nicht Besonnenheit und humanitäre Hilfe das Gebot der Stunde und das Drängen auf ernsthafte Verhandlungen, die ja nicht nur von Russland mit Maximalforderungen, sondern auch von den USA und Polen torpediert werden, die auf einen (praktisch unmöglichen) militärischen Sieg der Ukraine setzen und den Krieg offenbar bis zum letzten ukrainischen Soldaten weiterführen möchten.

 Falls die Meinungsumfragen zum Thema auch nur annähernd korrekt sind, liegen der Mehrheit der mediengläubigen Bundesbürger solche kritischen Fragen fern. Offenbar liegt es im deutschen Wesen, einfachen Feindbildern zu folgen und sich selbst auf der Seite der Anständigen zu wähnen – bis zu einem späten und deshalb um so schmerzhafteren Erwachen…

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Über Frank W. Haubold

Frank W. Haubold wurde 1955 in Frankenberg (Sachsen) geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er Informatik und Biophysik in Dresden und Berlin. Seit 1989 schreibt er Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres (Science-Fiction, Fantasy, Horror, Gegenwart). Zahlreiche Veröffentlichungen in Freie Presse (Chemnitz), Fantasia (Passau), Nova (Magazin), Phantastisch! (Stolberg), Exodus (Magazin), Esli (Russland) und anderen Publikationen auch außerhalb der Phantastik-Szene. Für den EDFC Passau gab er bis 2009 fünf Anthologien heraus. 2008 gewann er als erster Autor überhaupt den Deutschen Science Fiction Preis in beiden Kategorien. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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claude de jean
claude de jean
1 Monat her

Normalerweise müssten Demonstrationen vor den Kriegshetzergebäuden der Lumpenmedien stattfinden.
Die Milliardärspropaganda sammt deren Finanziers gehören endlich angeprangert!

Thomas Bargatzky
Thomas Bargatzky
1 Monat her

Sehr geehrter Herr Haubold, es ist empörend, daß sich russische Künstler einem Gesinnungtest unterwerfen müssen und entlassen werden, wie Valeri Gergiew in München, oder Anna Netrebko. Das ist einer Nation mit dem Anspruch, eine Kulturnation zu sein, unwürdig. Leider geschieht dergleichen zu meiner tiefen Enttäuschung auch in Italien. Das hätte ich niemals für möglich gehhalten. So geht es auch: Ich denke an ein Konzert in den 1980er Jahren in München. Das Publikum war begeistert und rief den Dirigenten immer wieder auf das Podium. Schließlich erschien der Gefeierte mit Mantel und Schal, um zu signalisieren: „Ich bin jetzt müde und möchte… Read more »

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