Prinz Andrews Ende mit Schrecken

GEOLITICO ROYAL

Buckingham Palace / Prinz Andrew / Edward Windsor / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: teafarm;https://pixabay.com/de/photos/buckingham-palace-queen-royals-2254111/ Buckingham Palace / Prinz Andrew / Edward Windsor / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: teafarm;https://pixabay.com/de/photos/buckingham-palace-queen-royals-2254111/

Prinz Andrew erzielt einen Vergleich in den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn. Sein Ruf bei den Briten ist jedoch ruiniert. Und wer zahlt die Millionenzeche?

Dem Lieblingssohn der Queen dürften ganze Steinladungen vom Herzen gefallen sein, als die gegen ihn klagende Virginia Giuffre einer außergerichtlichen Einigung zugestimmt hat. Britische Medien spekulieren über die Höhe der Summe, die an die Klägerin und ihre Wohltätigkeitsorganisation, die sich um Opfer sexuellen Missbrauchs kümmert, fließen soll. Von zwölf bis 14 Millionen Pfund ist die Rede, die Andrew angeblich durch den Verkauf seines Chalets im Schweizerischen Verbier zum Teil aufbringen will. Königshausexperten sehen vor allem die Queen als Geldquelle, die trotz oder gerade wegen der Vorwürfe und Anfeindungen ihrem Zweitgeborenen die Treue hält.

Prinz Andrew: Vom Darling zum Bösewicht

Andrew Mountbatten-Windsor hatte als frühere Nummer Zwei nach Thronfolger Charles immer eine gewisse Narrenfreiheit, die er weidlich ausgekostet hat. Seine zahlreichen Amouren, sein Draufgängertum beim Militär sowie seine Teilnahme am Falklandkrieg machten ihn zu einem Liebling der Briten und der Boulevardpresse der 80er-Jahre. Letztere hat ihm den etwas zweischneidigen Spitznamen „Randy Andy“ (der „geile“ oder „heiße“ Andy) verpasst.

Heiß war auch seine Beziehung zu dem schillernden New Yorker Geschäftsmann Jeffrey Epstein und dessen Partnerin Ghislaine Maxwell. Epstein hat mit ihr eine Art Pornoring unterhalten, bei dem sich illustre Figuren wie der Prinz herumgetrieben haben sollen. Dabei geht es im Kern um den Missbrauch von minderjährigen Frauen, die den reichen und einflussreichen Gästen des perfiden Pärchens zu Diensten sein sollten.

Virginia Giuffre oder Roberts, wie sie noch hieß, als sie Prinz Andrew begegnete, soll von ihm 2001 mit siebzehn Jahren in London sexuell missbraucht worden sein. Drahtzieher dieser anscheinend unfreiwilligen Verkupplung waren der US-Milliardär Epstein und seine damalige Lebensgefährtin Maxwell.

Unappetitliche Freunde

Epstein war der US-Justiz einschlägig bekannt als mehrfach verurteilter Sexualstraftäter und Andrew nicht der einzige Prominente, der im Dunstkreis des Milliardärs auftauchte. Unter anderen wird der Name Bill Clinton genannt. Im Sommer 2019 fanden Justizbeamte Epstein erhängt in seiner New Yorker Zelle. Offizielle Todesursache: Suizid.

Jedoch kam es sofort zu Verschwörungserzählungen, da gegen Epstein ein neuer Prozess vorbereitet wurde, die die Vorwürfe um den Prostituiertenring mit Minderjährigen klären sollte. Die Namen von bekannten Personen wie Prinz Andrew fielen dabei immer wieder und für Verschwörungsgläubige stand schnell fest, dass Epstein von diesen Kreisen aus dem Weg geräumt wurde.

Erst kürzlich ist der wegen Vergewaltigung minderjähriger Frauen in Paris in Haft sitzende Epstein-Vertraute  Jean-Luc Brunel erhängt in seiner Zelle aufgefunden worden. Diese Parallele zu Epstein befeuert die Verschwörungsszenarien weiter.

Aus diesem Sumpf versuchte sich Andrew durch ein BBC-Interview zu befreien. Doch das misslang ihm gründlich. In dem Gespräch spielte er seine Beziehung zu Epstein herunter und bestritt, Virginia Giuffre überhaupt zu kennen.

Doch sein Kartenhaus aus Lügen, Halbwahrheiten und Verharmlosungen brach rasch in sich zusammen. Ihm drohte eine Anklage und Auftritt bei einem Prozess in New York. Welche Blamage für die Royal Family! Dass es nun zu einer außergerichtlichen Einigung kam, dürfte er dem Verhandlungsgeschick seiner Anwälte und der Millionenabfindung verdanken. Wie heißt so passend der Sinnspruch des Hosenbandordens: Honi soit qui mal y pense – ein Schurke, der Schlechtes dabei denkt.

Keine Aussicht auf Rückkehr in den Dienst der Krone

Bei den Briten und weiten Teilen seiner Familie, insbesondere Charles und William, die eine erneuerte Monarchie planen, ist er Persona non Grata. Für Rechtsexperten stellt der Vergleich mit der Millionenzahlung ein indirektes Schuldeingeständnis des Prinzen dar. Bereits im Vorfeld hatte ihm die Queen alle militärischen Ränge, Schirmherrschaften und den Titel Königliche Hoheit entzogen, um dem Druck aus Familie und Öffentlichkeit nachzugeben.

Seinen Herzogstitel von York könnte er auch noch verlieren, da sich Bürger und Offizielle der nordenglischen Stadt gegen ihn als Titelträger ausgesprochen haben. Shame on you. Bei den Feierlichkeiten zum 70. Thronjubiläum seiner Mutter im Sommer dürfte er keine offizielle Rolle spielen. Einzig seine Ex-Frau Sarah, mit der er seit Langem wieder zusammenlebt, und die Queen halten noch zu ihm, wenn auch diskret und privat.

Andrew ist das Paradebeispiel eines hochprivilegierten Menschen, der seinen einstigen Charme und sein Ansehen leichtfertig verspielt hat, indem ihm genau diese Privilegien, seine Hybris und die vielen Möglichkeiten, ein interessantes Leben zu führen, scheinbar im Wege standen. Selbst wenn in einigen Jahren Gras über die Sache gewachsen ist, wird er keine Rolle mehr in den Diensten der Monarchie spielen.

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Angermann
Angermann
3 Monate her

Das kommt davon, wenn man seinen Willi regieren lässt…

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